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Über dieses Buch

Das Buch weitet den Blick über die kurzfristige Verfügbarkeit von kritischen Metallen auf die grundlegende Frage: Kritisch für wen? Die Autoren nehmen alle Akteure in den Blick und behandeln geologische, chemische, technische, ökonomische und soziale Aspekte wie auch Fragen des Recyclings und verbinden diese. Auch auf Fragen nach dem guten Leben und des Bergbaus aus der Sicht von Ländern des Südens, Fragen der Ressourcenpolitik und -gerechtigkeit gehen sie ein. Ein weiteres Thema sind das UN-Tiefseebergbauregime und dessen Perspektiven, wie sich zukünftig unkonventionell Erz aus der Tiefsee gewinnen lässt.

Kritische Metalle werden in den übergreifenden Zusammenhang der anstehenden Großen Transformation eingeordnet. Das Buch beleuchtet insbesondere die grundlegende Bedeutung der stofflichen Voraussetzungen der Energiewende und die energetischen Voraussetzungen der Stoffwende wie auch der Digitalisierung. Damit lässt sich zeigen, dass nicht nur seltene Erden kritisch sind, sondern ebenso Industriemetalle wie etwa Kupfer.

Ressourcenpolitik zielt unter anderem auf Sicherung der Primärversorgung mit Technologiemetallen, auf Ressourceneffizienz, Recycling und Substitution kritischer Stoffe. Trotz erster Erfolge ist die Dynamik in Richtung einer zunehmenden Dissipation wertvoller kritischer Metalle ungebrochen. Nötig ist eine rasche Umsteuerung mit dem Ziel, kritische Metalle nicht länger im großen Stil zu verbrauchen, sondern sie klug zu gebrauchen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einführung: Kritische Metalle in der Großen Transformation

Metalle werden sowohl hinsichtlich Art als auch Mengen mehr und mehr verwendet und erlangen zunehmende Bedeutung in den unterschiedlichsten Technologiebereichen. Es zeichnet sich ab, dass viele von ihnen auch zentral sind für die Große Transformation von der fossilen Nichtnachhaltigkeit ins postfossile Zeitalter. Gleichzeitig ist ihre Endlichkeit und Knappheit durch die in den letzten Jahren stark gestiegene Nachfrage in den Blick gekommen. Dies zeigt sich nicht zuletzt an Begriffen wie Kritikalität, Reichweite, kritische bzw. strategische Rohstoffe. Jenseits aller tagespolitischen Aktivitäten und den einschlägigen Schlagzeilen wie auch Strömungen in der Wissenschaft fehlt bisher jedoch ein besseres Verständnis der Zusammenhänge. Dieses ist jedoch notwendig, damit die große Transformation nachhaltig gelingen kann. Die bisher im Vordergrund stehende Versorgungssicherheit auf mittlere Sicht für ein Land wie Deutschland ist der Einstieg. Übergreifend stellt sich die Frage „Kritisch für wen?“ einschließlich der Frage der Ressourcengerechtigkeit. Bei der anstehenden Stoffwende geht es vereinfacht formuliert darum, den gesellschaftlichen Stoffwechsel mit der Natur zu verstehen und zu beachten. Angesichts der anhaltenden Dynamik der Dissipation von Metallen lässt sich als Maxime ableiten: Die Beachtung der stofflichen Thermodynamik heißt, klug zu wirtschaften lernen.
Andreas Exner, Martin Held, Klaus Kümmerer

Grundlagen und Blickrichtungen

Frontmatter

2. Kritikalität und Positionalität: Was ist kritisch für wen – und weshalb?

Das, was als kritisch angesehen wird, hängt immer auch von der Betrachtungsperspektive und vom gewählten Zeithorizont inklusive der impliziten oder expliziten Zukunftserwartungen ab. Fünf unterschiedliche Sichtweisen werden unterschieden: Aus naturwissenschaftlich-technischer Sicht geraten Metalle mit spezifischen Funktionseigenschaften in den Fokus. Aus Umweltsicht ist der Metallverbrauch per se kritisch, da er entlang der Wertschöpfungsketten zu Umweltbelastungen führt. Aus wirtschaftlicher Sicht rohstoffimportierender Industrieländer werden jene Metalle als kritisch eingestuft, die schwer zu substituieren sind und bei denen die Angebotssituation zudem durch Marktmacht und Staatseinfluss gekennzeichnet sind. Aus entwicklungspolitischer Sicht wird in Rohstoffvorräten eine Chance für die ökonomische Entwicklung von Entwicklungsländern gesehen. Aus außenpolitischer Sicht ist die hohe Anzahl von Konflikten anzuführen, in deren Kontext Ressourcen eine Rolle spielen. Die aus den unterschiedlichen Sichtweisen in den Vordergrund gerückten Metalle sind zwar nicht identisch, weisen aber erhebliche Schnittmengen auf. Mit den Kritikalitätskonzeptionen, der Diskussion um die Ergänzung der LCAs um weitere Aspekte des Ressourcenverbrauchs und um soziale Sachverhalte sowie dem Aufbau von Zertifizierungssystemen sind erste Schritte zu einer Institutionalisierung dieser Sichtweisen in Bewertungsschemata erfolgt.
Rainer Walz, Miriam Bodenheimer, Carsten Gandenberger

3. Gutes Leben am Rande eines schwarzen Lochs – Entwicklungsextraktivismus, informeller Kleinbergbau und die solidarische Ökonomie

Kann die Ausbeutung von mineralischen, energetischen und landwirtschaftlichen Rohstoffen eine Strategie für die Zukunft sein und den Weg in eine solidarische Ökonomie, in das „gute Leben“ weisen? Eine dumme Frage, sie wäre einem Zeitgenossen in vorindustrieller Zeit kaum in den Sinn gekommen. Denn der Lebensunterhalt, die Subsistenz, hing selbstverständlich von der Gewinnung der Lebensmittel durch Jagen und Sammeln und von der Arbeit in der Landwirtschaft und vom Bergbau zur Gewinnung von Bau‐ und Rohstoffen für die Behausung und für Werkzeuge ab. Das war in der Vergangenheit des vorindustriellen Zeitgenossen so, das war auch in seiner Gegenwart nicht anders, und dürfte auch in der Zukunft so bleiben. Basta.
Seit der fossilindustriellen Revolution in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aber erhält das für vorindustrielle Menschen Unvorstellbare eine neue Perspektive. Der Wohlstand der Nationen (Smith 1976 [Orig. 1776]), das „gute Leben“ der Menschen, die Entwicklung der Individuen verlangen die Produktion von Industriegütern. Nun erscheinen auch Ökonomen auf der Bildfläche und sie haben auf die dumme Frage zwar intelligente und überraschende Antworten, die freilich den Nachteil haben, komplex, widersprüchlich, ja unversöhnlich zu sein.
Elmar Altvater

4. Konzentration, Funktionalität und Dissipation – Grundkategorien zum Verständnis der Verfügbarkeit metallischer Rohstoffe

Metalle und Halbmetalle sind von größter Bedeutung für die Energiewende, aber auch für die Ressourcenwende; damit sind sie für alle industriellen Bereiche von strategischer Bedeutung. Seltenerdmetalle beispielsweise sind für die Energiewende z. B. als Bestandteile von Photovoltaikzellen, starken Permanentmagneten und alternativen Antrieben (Elektromobilität, Wasserstoffökonomie) wie auch für moderne Beleuchtungsmittel (z. B. LED – light emitting diode) oder die für Smart Grids benötigte Hochleistungselektronik (etwa Steuerungselektronik) von zentraler Bedeutung. Darüber hinaus sind sie aber auch in anderen Hochtechnologieanwendungen für nachhaltigere Lösungen unabdingbar wie z. B. chemische Katalyse, Kommunikationstechnik, Lasertechnologie, neue Werkstoffe und Materialien sowie Medizintechnik.
Aufgrund der vielfältigen Nutzung und spezifischen Funktionen der Metalle und Halbmetalle sind Nutzungskonkurrenzen und Flaschenhälse der Verfügbarkeiten zu erwarten. Dies führt zu Bemühungen, diese Rohstoffe möglichst effizient zu nutzen und zu recyceln. Von zentraler Bedeutung für das Verständnis dieser Zusammenhänge sind aus Rohstoffsicht die Grundkategorien Konzentration, Funktion und Dissipation in ihrer ganzen Vielfalt zu verstehen. Sie sind aber auch zentral, um Elemente wie die Metalle und Halbmetalle klug zu gebrauchen und nicht achtlos über ihre Anwendungen und als Bestandteile von Produkten unwiederbringlich zu verbrauchen. Sonst besteht die Gefahr, dass mit dem Ziel mehr Nachhaltigkeit zu erreichen am Ende sogar das Gegenteil der Fall ist.
Klaus Kümmerer

5. Die geologische Verfügbarkeit von Metallen am Beispiel Kupfer

Kupfer ist das älteste Gebrauchsmetall der Menschheit. In fast allen Epochen der Geschichte kam ihm in jeweils unterschiedlichem Verwendungszusammenhang große Bedeutung zu. Auch in der Umstellung der Energiewirtschaft auf eine regenerative Basis wird seine ausreichende Verfügbarkeit vorausgesetzt. Kupfer wird üblicherweise nicht zu den kritischen Metallen gezählt. Doch die Analyse zeigt, dass der Kupferanteil im abgebauten Erz sinkt. Damit steigen der technische und energetische Förderaufwand sowie die damit verbundenen Umweltauswirkungen. Möglicherweise beschränken dadurch bedingte Restriktionen die künftige Förderung wesentlich stärker als aufgrund der geologischen Verfügbarkeit meist angenommen wird.
In diesem Kapitel werden am Beispiel von Kupfer wesentliche Aspekte der Metallnutzung und -verfügbarkeit diskutiert. Dieses Kapitel gliedert sich in vier Teile. Zunächst werden kurz die wichtigsten Initiativen beschrieben und grundsätzliche Muster der Verfügbarkeit skizziert (s. Abschn. 5.2). Diesem schließt sich ein historischer Abriss der Bergbaugeschichte an, wobei der Fokus auf wenige ausgewählte Beispiele gelegt wird (s. Abschn. 5.3). Im folgenden Abschnitt werden für Kupfer aktuelle Förderstatistiken und Verknappungsindikatoren diskutiert (s. Abschn. 5.4). Im nächsten Abschnitt wird der gesellschaftliche Kupfergebrauch mit Zahlen belegt und die Relevanz von Recycling aufgezeigt (s. Abschn. 5.5). Der Beitrag schließt mit einer Zusammenfassung ab (s. Abschn. 5.6).
Werner Zittel

6. Die stofflichen Voraussetzungen der Energiewende in der Großen Transformation

Das Ende der fossilen Ära, geprägt durch Zukunft gefährdende Nichtnachhaltigkeit, vollzieht sich unaufhaltsam. Dabei bilden die Energiewende und die Stoffwende zwei grundlegende, miteinander eng verknüpfte und sich gegenseitig bedingende Bausteine im Kontext der sich vollziehenden Großen Transformation hin zu einer postfossilen, nachhaltigen Entwicklung. Der vorliegende Beitrag richtet seinen Focus auf die stofflichen Voraussetzungen der Energiewende, die ohne Metalle und intelligente Funktionsmaterialien auf metallischer Basis nicht realisert werden kann. Für eine erfolgreiche Umset-zung der transformativen Prozesse werden Kriterien für die nachhaltige Nutzung von Metallen formu-liert und zur Diskussion gestellt. Der geforderte und entscheidende Paradigmenwechsel gründet dabei auf der Tatsache, dass Metalle nicht nur verbraucht, sondern durch eine effiziente Stoffkreislaufwirt-schaft wieder in Anwendung und zur Nutzung gebracht werden können. Nur mit dieser perspektivi-schen Wende kann der unter dem Aspekt von Generationengerechtigkeit und zukünftiger Verfügbar-keit besorgniserregenden vorherrschenden Dissipation von Metallen entgegengewirkt werden.
Martin Held, Armin Reller

Metallpolitiken und ihre Auswirkungen

Frontmatter

7. Neue Ressourcenpolitik – nachhaltige Geopolitik? Staatliche Initiativen des globalen Nordens zur Sicherung von kritischen Rohstoffen am Beispiel der Seltenen Erden

Das Fundament des Wohlstands der westlichen Industrieländer und des globalen Nordens insgesamt ist eine sichere und dauerhafte Versorgung mit Rohstoffen. Aber zum einen sind die Ressourcen nicht gleichmäßig über den Globus verteilt und zum anderen verbrauchen die Menschen in Industriegesellschaften ein Vielfaches an Ressourcen verglichen mit dem Rest der Menschheit. Knapp werden nicht nur das Wasser, sondern auch Bodenschätze wie Metalle, Holz oder Erdöl. Geologen warnen schon seit langem vor dieser Entwicklung, nicht erst seit die Peak‐Oil‐These die Runde macht. Insbesondere für strategisch wichtige Rohstoffe hat das „Große geopolitische Spiel“ begonnen, weil sich insbesondere die großen Industrieländer den Zugriff auf die Seltenen Erden und auf eine Reihe wichtiger Metalle wie z. B. Tantalum oder Kobalt sichern wollen.
Strategisch wichtige Rohstoffe werden als „kritische Rohstoffe“ bezeichnet. Um die Versorgung mit ihnen zu sichern, haben die EU, die USA und Japan damit begonnen, ihre geopolitischen Strategien zu überarbeiten und umzusetzen. Die neuen Rohstoffinitiativen haben drei Zielrichtungen:
1.
Zugang zu den Rohstoffmärkten weltweit,
 
2.
Abbau von Rohstoffen im nationalen Rahmen und
 
3.
Recycling von Rohstoffen.
 
Lutz Mez, Behrooz Abdolvand

8. Das UN-Tiefseebergbauregime als Beispiel für Aneignung und Inwertsetzung von Common Heritage of Mankind

Die 1994 gegründete Internationale Meeresbodenbehörde (IMB) regelt auf der rechtlichen Grundlage des Internationalen Seerechtsübereinkommens (SRÜ) den Zugang zur wirtschaftlichen Nutzung des Meeresbodens durch die Vergabe von sogenannten Explorations- und Abbaulizenzen. Die Rolle und Funktion der IMB und ihrer quasi-legislativen Kompetenzen (Mining Codes) wird am Beispiel zentraler Rohstoffe illustriert und im Lichte künftiger Wirtschaftlichkeit und potenzieller Umweltrisiken diskutiert. Dabei geht der Beitrag auch auf den rechtlich verankerten Status des Tiefseemeeresbodens als „Gemeinsames Erbe der Menschheit“ ein und verortet die Phänomene abschließend in der theoretischen Debatte zu Landnahme, Einhegung, Akkumulation durch Enteignung sowie Finanzialisierung der Natur.
Stefan Brocza, Andreas Brocza

9. Das Feuer des Drachens – Ressourcenfragen in der „Weltfabrik“

Zu Kaufkraftparitäten (purchasing power parity, PPP) erreichte China 2014 vermutlich quantitativ gemessen am traditionellen BIP in etwa eine gleiche große Wirtschaftsleistung wie die USA (Bank of Finland 2014). Allerdings haben die USA weniger als ein Viertel der Bevölkerung. Dies zeigt einerseits den Abstand pro Kopf auf: Auch bei weiteren hohen BIP‐Wachstumsraten bzw. einer erheblichen Differenz im Vergleich zum Westen ist China von einem Aufholen und damit Einholen des US‐Niveaus noch weit entfernt. Andererseits wird so auch der Umfang des BIP in China auf der stofflichen Seite deutlich.
China ist insgesamt nicht arm an Ressourcen. Es hat erhebliche Anteile an der weltweiten Produktion bei vielen (mineralischen) Rohstoffen (Schatz et al. 2013). Allerdings sind schon länger beträchtliche Probleme der Ressourcenversorgung für China absehbar: „Die abbauwürdigen Reserven der meisten wesentlichen Ressourcen wie fossile Brennstoffe, Eisen, Mangan, Chrom, Kupfer, Bauxit und Kali werden angesichts des zukünftigen Bedarfs knapp werden, und sowohl die Knappheit wie die Abhängigkeit vom Weltmarkt werden größer werden“ (Wu Z 2006a, S. 3; übersetzt JB).
Josef Baum

10. Ein Stoff macht Zukunft. Zum sozialen Leben von Lithium am Salar de Uyuni, Bolivien

Der Stoff Lithium wirkt in lokalen und kulturellen Konstruktionen von Zukunft unterschiedlich. Am Beispiel von Deutschland skizziert der Beitrag zum einen, welche Bedeutung Lithium im technologischen Wandel hin zu postfossiler Mobilität erfährt. Auf die steigende globale Nachfrage nach Lithium wiederum reagierte Bolivien mit einer nationalen Strategie zur Ausbeutung dieses Rohstoffs – einer Strategie, die der in Bolivien proklamierten Politik des Wandels dient: Mit Lithium sind Vorstellungen von einer Modernisierung und Entkolonialisierung des Landes eng verknüpft. Anhand eines ethnografischen Beispiels fokussiert der Beitrag zum anderen auf die Frage, wie der für postfossile Mobilität zentrale Stoff Lithium die Konstruktion von Zukunft an einem Ort des Ressourcenvorkommens beeinflusst. Am Salar de Uyuni in Bolivien geht die steigende globale Nachfrage nach Lithium mit einem Wandel der Wahrnehmung und der Bedeutungen dieses Salzsees sowie mit neuen Konfigurationen von Wissen einher. Ausgehend davon, dass der Salar gerade aus der Perspektive des globalen Nordens für Lithium steht, streben Menschen vor Ort die Einrichtung einer Lithium-Universität an. Mit diesem Projekt verleihen sie Globalisierungsprozessen im Kontext von Lithium lokal und kulturell spezifisch Sinn.
Katrin Vogel

Technologiemetalle, Produkte und Märkte

Frontmatter

11. Bedarf an Metallen für eine globale Energiewende bis 2050 – Diskussion möglicher Versorgungsgrenzen

In diesem Beitrag wird anhand eines Szenarios den Fragen nachgegangen, in welchem Ausmaß Metalle für eine globale Energiewende bis 2050 benötigt werden und inwieweit dieser Ausbau von Erneuerbare-Energie-Technologien mit Verknappungen bei einzelnen Metallen verbunden sein könnte.
Als besonders problematische Technologieoptionen zeichnen sich in dieser Hinsicht bereits jetzt verschiedene Dünnschicht-Photovoltaiktechnologien ab (CdTe, CIS bzw. CIGS) sowie Technologien, die die Seltenerdmetalle Neodym und Dysprosium benötigen.
Bei anderen Metallen (wie Lithium für Lithium-Ionen Akkumulatoren oder Platin für Brennstoffzellen) zeichnen sich zwar keine unmittelbaren Knappheiten ab, aber es ist fraglich, ob ein sehr rasches Nachfragewachstum befriedigt werden könnte. Auch bei einem universell und in großen Mengen eingesetzten Metall wie Kupfer sind Erneuerbare-Energie-Technologien und andere Zukunftstechnologien bedeutsame Bedarfstreiber. Die Optionen der Substitution und des Recyclings von Metallen werden diskutiert.
Ernst Schriefl, Martin Bruckner

12. Knappe Metalle, Peak Oil und mögliche wirtschaftliche Folgen – Vergleich zweier ökonomischer Modelle zu möglichen Folgen von Verfügbarkeitsgrenzen bei fossilen Energien und Metallen

Ökonomische Simulations- und Prognosemodelle werden in vielfältiger Weise zur Wirkungsanalyse auch im Umwelt- und Energiebereich eingesetzt. Sowohl bei der Wirkungsabschätzung einzelner Instrumente, etwa einer Steuer oder eines Fördermechanismus, als auch für die Abschätzung der Auswirkung von Ereignissen wie Material- und Ressourcenknappheiten kommen Modelle häufig zum Einsatz.
Ökonomische Modelle haben sich ebenso vielschichtig wie die ökonomische Theorienbildung entwickelt. Grundsätzliche Vorstellungen über das Zusammenwirken der ökonomischen Akteure, die Preisbildung auf den Märkten und die diesen Märkten unterliegenden Charakteristika beeinflussen die Modellergebnisse ebenso sehr wie der Datenstand, das Ausmaß der Vereinfachung der Wirklichkeit und die getroffenen Annahmen bezüglich zukünftiger Entwicklung nicht in Modellen abbildbarer Größen (z. B. Entwicklung des Welthandels). Es zeigt sich, dass auch angesichts knapper Metalle die Modellergebnisse die Vorteilhaftigkeit einer Transformation des Energiesystems unterstreichen.
Ulrike Lehr, Marc Ingo Wolter, Anett Großmann, Kirsten Wiebe, Peter Fleissner

13. Recycling von Technologiemetallen – Status, Trends und Perspektiven für globale Partnerschaften

Angesichts des kontinuierlich zunehmenden Ressourcenverbrauchs und der damit verbundenen hohen ökologischen Lasten wird das Recycling immer wichtiger. Zugleich werden die Anforderungen an ein effizientes Recyclingsystem deutlich komplexer, da immer mehr unterschiedliche Elemente und Verbindungen eingesetzt werden und hierfür entsprechende Recyclingwege entwickelt werden müssen. Dies gilt insbesondere für Technologiemetalle, die zwar in deutlich kleineren Mengen verbraucht werden als die klassischen Massenmetalle wie Stahl, Aluminium oder Kupfer, aber in vielen Anwendungen unverzichtbar sind.
Der Beitrag gibt zunächst einen Überblick über den aktuellen Stand zum globalen Recycling (vgl. Abschn. 13.2). Im nächsten Schritt werden dann sowohl der ökologische Nutzen als auch die ökologischen Lasten des Technologiemetallrecyclings aufgezeigt (vgl. Abschn. 13.3). Vertiefte Ausführungen werden dann beispielhaft zu den Seltenen Erden gegeben, die auch zu den Technologiemetallen gerechnet werden (vgl. Abschn. 13.4). Es folgt ein Ausblick auf neue Ansätze für globale Partnerschaften zum Technologiemetallrecycling (vgl. Abschn. 13.5). Der Beitrag schließt mit einem Fazit und Perspektiven (vgl. Abschn. 13.6).
Daniel Bleher, Doris Schüler

14. Das „Fairphone“ – ein Impuls in Richtung nachhaltige Elektronik?

Faire Schokolade, fairer Kaffee, faire Textilien: Angebot und Nachfrage nach/von fair beziehungsweise ökologisch produzierten und gehandelten Waren haben sich in den vergangenen Jahren stetig erhöht und erreichen laut „Fairtrade Deutschland“ weltweit einen Umsatz von rund 5,5 Milliarden Euro bei einem Wachstum von 15 Prozent im Jahr 2013. Dahinter steckt die Entwicklung, dass Konsumenten ein höheres Problembewusstsein für die sozialen und ökologischen Hintergründe ihres Lebensstils entwickeln. Auch im Bereich Konsumentenelektronik ist in den vergangenen Jahren eine deutlilche öffentliche Problematisierung der Produktionsbedingungen – beispielsweise Finanzierung von bewaffneten Konflikten (Kongo-Konflikt) oder Selbstmorde von Arbeitern in Zuliefererbetrieben – zu registrieren und in Reaktion darauf verschiedene Maßnahmen zur Regulierung (zum Beispiel des Metallhandels) auf politischer oder ökonomischer Seite. In den Niederlanden ist das Unternehmen Fairphone angetreten, um ein möglichst fair produziertes Smartphone herzustellen. In diesem Sinne setzt sich der vorliegende Beitrag mit der Frage auseinander, ob eine Entwicklung in Richtung faire Elektronik zu konstatieren ist und was genau unfair beziehungsweise fair in der Wertschöpfungskette von Konsumentenelektronik bedeutet.
Joshena Dießenbacher, Armin Reller

Grenzen der Verfügbarkeit von Metallen und Verteilung

Frontmatter

15. Verkaufte Zukunft? Verfügbarkeitsgrenzen bei Metallen – neue Verteilungsfragen in einer Perspektive globaler Zustimmungsfähigkeit

Dieser Beitrag lotet die spezifischen politischen Fragestellungen aus, die eine Begrenzung der Verfügbarkeit von Metallen aufwirft. Damit soll eine erste Einschätzung der globalen Verteilungs‐ und Wachstumsfrage gegeben werden, die in der Diskussion um strategische Metalle impliziert ist. Insbesondere wird die Bereitstellung von Metallen aus peripheren Regionen für die Zentren des kapitalistischen Weltsystems in den Blick genommen. Damit wird auch ein gravierender blinder Fleck im entwicklungspolitischen Diskurs der Gegenwart erhellt, dessen sich nicht zuletzt staatliche Akteure bedienen, wenn sie Rohstoffstrategien nicht nur nationalökonomisch, sondern auch politisch und ethisch zu legitimieren suchen (s. dazu das Beispiel der EU‐Rohstoffinitiative). Wir gehen nicht von der Annahme „Eine Welt“ aus, sondern nehmen die vielfältigen Spaltungen und sozialen Ungleichheiten in den Blick, gerade auch, was die unmittelbaren, höchst ungleich verteilten Konsequenzen von Grenzen der Metallversorgung und die ebenso ungleich in Erscheinung tretenden Herausforderungen der kombinierten Stoff‐ und Energiewende betrifft. „Eine Welt“ ist erst zu schaffen.
Andreas Exner, Christian Lauk, Werner Zittel

16. Die energetischen Voraussetzungen der Stoffwende und das Konzept des EROEI

Vor dem Hintergrund der anstehenden Großen Transformation werden im Beitrag die energetischen Voraussetzungen der Stoffwende behandelt. Dazu wird das Konzept des energy return on energy invested (EROEI) auf die Energiebereitstellung der fossilen Energien Kohle, konventionelles und unkonventionelles Erdöl sowie Erdgas und ergänzend Uran dargestellt. Es wird gezeigt, dass mit zunehmender Erschöpfung der fossilen und nuklearen Lagerstätten der EROEI für die Energiebereitstellung laufend gesunken ist und weiter sinken wird. Ebenso nimmt mit fortschreitender Ausbeutung die Konzentration der strategischen Minerale in den Lagerstätten ab. Während deswegen der spezifische energetische Aufwand für die Bereitstellung von Mineralen laufend steigt, verschlechtert sich gleichzeitig der EROEI der fossil-nuklearen Energiebereitstellung. So gibt es neben der energetischen Entropie auch eine stoffliche Entropie, die sich wechselseitig verstärken. Dies zeigt die Nicht-Nachhaltigkeit des vorherrschenden energetischen und stofflichen Regimes.
Mit der Abkehr von als nicht-nachhaltig erkannten Strukturen muss sofort begonnen werden. Das erfordert einerseits eine Energiewende hin zu erneuerbaren Energien und andererseits eine Stoffwende mit einer Abkehr von der bereits Jahrzehnte andauernden großmaßstäblichen Dissipation von kritischen Metallen. Zusammengefasst: Die energetischen Voraussetzungen der Stoffwende müssen von Anfang an für deren strategische Ausrichtung bestimmend sein. Umgekehrt gilt dies auch für die stofflichen Voraussetzungen der Energiewende.
Jörg Schindler

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