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04.06.2024 | Kryptowährungen | Schwerpunkt | Online-Artikel

Kryptomarkt hat den Lehman-Moment überwunden

verfasst von: Angelika Breinich-Schilly

8:30 Min. Lesedauer

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Aufstieg - Fall - Aufstieg: So lässt sich stark vereinfacht die Entwicklung am Kryptomarkt beschreiben. Nach der FTX-Pleite Ende 2022 wetteifern Bitcoin und Ethereum wieder um die Gunst der Anleger. Und die unterscheiden sich deutlich bei Vorlieben und Ängsten.

Als Sam Bankman-Fried, der einstige Star am Kryptohimmel, seine Plattform FTX 2019 an den Start brachte, gab es bereits eine ganze Reihe erfolgreicher Kryptowährungsbörsen wie Coinbase oder Binance. "FTX erlebte innerhalb von drei Jahren eine rasante Entwicklung und rangierte als drittgrößter Anbieter in diesem Segment", schreiben Shange Fu, Qin Wang, Jiangshan Yu und Shiping Chen. Im englischsprachigen Buch "Financial Cryptography and Data Security. FC 2023 International Workshops" beschäftigen sich die drei Springer-Autoren ausführlich mit dem Aufstieg und Fall der Handelsplattform, die zu den einflussreichsten im Kryptogeschäft gehörte. 

Im Herbst 2022 wurde bekannt, dass in den ebenfalls von Bankman-Fried gegründeten Hedgefonds Alameda Research Kundengelder aus der Handelsplattform umgeleitet worden waren, um Verluste auszugleichen. Im November 2022 meldete FTX Insolvenz an und markierte damit das Ende der Erfolgsgeschichte. Deren Sturz entwickelte eine enorme Sogwirkung, die die Preise der meisten großen Kryptowährungen innerhalb weniger Stunden um mehr als 30 Prozent einbrechen ließ. "Viele traditionelle Finanzagenturen wie Hedgefonds, die mit FTX verbundene Transaktionen durchgeführt hatten, erlitten erhebliche finanzielle Verluste", fasst das Autoren-Trio zusammen. 

Frischer Optimismus treibt digitale Assets

"Der Fall ist ein Beispiel dafür, wie schnell es gehen kann auf dem Kryptomarkt", heißt es auch in einem aktuellen Report der Unternehmensberatung KPMG. Dem zufolge markierte das Ende von FTX aber nicht den von vielen Beobachtern beschworenen Lehman-Moment der Kryptobranche: 

Die wohl bekannteste Kryptowährung Bitcoin, in Folge der Pleite unter die 17.000-Dollar-Marke gerutscht, hat ihren Wert seit November 2023 auf über 60.000 US-Dollar fast vervierfacht. Und trotz des enormen Anstiegs ist Konkurrent Ethereum dabei, ihr den Rang abzulaufen", beschreiben die KPMG-Experten Bernd Oppold und Jens Siebert das Revival zweier bekannter Kryptowerte. 

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Was bei der Anlage in Kryptos zu beachten ist

Wer sein Geld in Krypto-Investments anlegen möchte, sollte die alternative Assetklasse genau kennen. Auch die Optionen für derartige Investments sind mittlerweile vielfältig. Das hohe Verlustrisiko bleibt indessen bestehen.

Studie ermittelt drei Anlegertypen

Gemeinsam mit dem Portal BTC Echo hat das Beratungshaus zum zweiten Mal mehr als 2.400 Anleger befragt, um sich ein Bild von den Menschen zu machen, "die mit neu gewonnenem Optimismus auf digitale Assets setzen". Dabei haben sich drei Typen herauskristallisiert: 

  • Next Generation, 
  • Hoch-Vermögende und 
  • Best Ager. 

Alle drei haben ein anderes Risikobewusstsein und werden von verschiedenen Ängsten beeinflusst.  

Junge Krypto-Anleger risikobereit

Unter den jungen Anlegern der Next Generation (Next Gen) befinden sich vor allem Schüler, Studenten und Auszubildende. Sie verfügen in der Regel über ein geringeres Einkommen und weniger als ein Jahr Investitionserfahrung. Je ein Viertel dieser Gruppe fürchtet in erster Linie Finanzkriminalität (26 Prozent) und Cyberrisiken (25 Prozent). Eine Rezession (zwölf Prozent) oder Marktmanipulationen (elf Prozent) reihen sich bei diesen Befragten deutlich weiter hinten ein. 

Insgesamt gelten die jungen Anleger als sehr risikobereit (62 Prozent). Fast die Hälfte (45 Prozent) sucht regelmäßig nach alternativen Kryptoanlagen. So ist auch die Trading-Frequenz bei 47 Prozent hoch. An steigende Kurse glaubt jedoch nur jeder Fünfte (19 Prozent).

Gutverdiener fürchten Marktmanipulation

Die sogenannten High Earners verfügen in der Regel über einen Hochschulabschluss, verdienen mehr als 4.000 Euro brutto im Monat und sind mindestens an drei Börsen registriert. Unter ihnen gilt die Marktmanipulation mit 37 Prozent als größte Gefahr. Von ihnen geht auch nur gut ein Drittel (37 Prozent) höhere Risiken am Kryptomarkt ein. 

Bei der Suche nach alternativen Kryptowährungen sind sie mit 43 Prozent allerdings fast so fleißig wie die jungen Anleger. 31 Prozent tendieren daher zu einer hohen Trading-Frequenz. 

Best Ager haben die meiste Erfahrung

Die Best Ager gehören mit 45 Jahren zur ältesten und mit digitalen Assets besonders erfahrenen Gruppe. "Trotzdem oder gerade deshalb scheuen sie das Risiko fast komplett. Gerade einmal ein Prozent der Befragten dieser Kohorte ist einer "erhöhten Risikobereitschaft" zugeneigt, ermittelt die Studie.

Unter ihnen sind nur zwölf Prozent auf der Suche nach alternativen Kryptrowährungen und nicht einmal jeder Vierte (22 Prozent) verfolgt eine hohe Handelsfrequenz. Dennoch glauben 70 Prozent an steigende Kurse. Außer der Marktmanipulation (ein Prozent) fürchtet diese Anlegergruppe die Marktpreise (95 Prozent), eine Rezession (82 Prozent), Finanzkriminalität (73 Prozent) und Cyber-Risiken (72 Prozent).

Aus Interessenten Nutzer machen

Über alle Gruppen hinweg ist der Erhebung zufolge das Interesse an digitalen Assets nach wie vor groß. "Sowohl erfahrene als auch neue Investoren denken über den Ausbau ihres Portfolios nach. 77 Prozent von ihnen wollen unabhängig vom Zeitpunkt der ersten Investition auch künftig in digitale Assets investieren", schreiben Oppold und Siebert. Dennoch sei auf diesen Trend langfristig kein Verlass: 

Gerade in Zeiten unsicherer Märkte verringert sich die Konversionsrate potenzieller Interessenten. Markteinsteiger werden vorsichtiger. Das ist vor allem daran zu erkennen, dass die Phase der sorgfältigen Prüfung neuer Investitionsmöglichkeiten im Vergleich zum Vorjahr länger geworden ist. Die Volatilität der Märkte erschwert es Kryptobörsen, aus Interessenten Nutzern zu machen."

Service und Sicherheit verbessern

So zeigt die Studie unter anderem eine große Diskrepanz zwischen der Anzahl der Registrierungen und der tatsächlichen Nutzung der Kryptobörsen. Das gelte vor allem dann, wenn Nutzer bei mehreren Anbietern registriert sind. "Unter allen, die lediglich eine Börse nutzen, beträgt die Lücke zwischen Registrierung und aktiver Nutzung gerade einmal zwei Prozent. Bei jenen, die sich an fünf oder mehr Börsen angemeldet haben, sind es dagegen 86 Prozent."

Im Portfolioübertrag, analog zu Wertpapierdepots, sieht das Beratungshaus einen Weg, um die Zahl der verwahrten Digital Assets sowie das Engagement der Nutzer auf der Plattform zu steigern. Auch bei den Services können die Kryptobörsen noch nachlegen: Die Befragten wünschen sich das etwa in punkto Sicherheit (82 Prozent) und den Ein- und Auszahlmöglichkeiten (65 Prozent). Aber auch bei den Transaktionskosten sehen die Anleger Optimierungsbedarf (63 Prozent). 

Digitale Assets als Teil vieler Portfolios

Dabei lohnen Investitionen in Dienstleistungen und Sicherheit: Investoren halten laut Studie mehr als ein Viertel ihres Gesamtvermögens in digitalen Vermögenswerten. Das ist ein Plus von drei Prozent gegenüber 2023. Mehr als zwei Drittel (67 Prozent) der Befragten, die mehr als 50 Prozent ihres Gesamtvermögens in Digital Assets angelegt haben, investieren drei Jahre oder länger. Neun von zehn Anleger haben bereits Bitcoin-Anteile in ihrem Portfolio. In Ethereum investieren immerhin 78 Prozent. Auch Solana verzeichne mit fast zehn Prozent ein ordentliches Wachstum.

Neben den Kryptowährungen kommen für die Befragten auch neue digitale Assetklassen wie tokenisierte Immobilien (31 Prozent), Gaming-Token (20 Prozent) oder Kunst (14 Prozent) und Musik (zehn Prozent) als Geldanlage in Betracht. Zugleich sind die Verwahrdienste der Kryptobörsen weniger gefragt als noch 2023. Dafür ist dort das Interesse an klassischen Finanzprodukten wie Aktien oder Anleihen um elf Prozentpunkte auf nunmehr 48 Prozent deutlich gewachsen. "Die alte und die neue Finanzwelt, sie rücken immer näher zusammen", heißt es in der Studie. 

Banken profitieren von Kryptos

Dass die Blockchain- beziehungsweise Distributed-Ledger-Technologie kein vorübergehender Trend ist und deren Anwendung weit über Kryptowährungen hinausgehen und eine Vielzahl an Geschäftsfällen in der Finanzindustrie eröffnen können, postuliert auch Tea Riedel. 

So ermöglicht die Tokenisierung neben der digitalen Abbildung von Vermögenswerten und Zahlungsmitteln auch die Abbildung unterschiedlicher digitaler Eigentums-, Zugangs-, und Nutzungsrechte. Es ergeben sich zusätzliche Finanzierungsquellen für Projekte und Unternehmen, aber auch illiquide Vermögenswerte können durch die Tokenisierung handelbar gemacht und somit die Marktliquidität erhöht werden", schreibt die Springer-Autorin. 

Neue Einnahmequellen dank Kryptoservices 

Eine Vielzahl etablierter Finanzinstitute sei mit ersten Produkten und Dienstleistungen vertreten oder arbeite gerade an Pilotprojekten, erläutert Kai Will, Manager bei der Unternehmens- und Strategieberatung Accenture gegenüber der Zeitschrift "Bankmagazin". Als Beispiele nennt er die DZ Bank, Baader Bank, Commerzbank und V-Bank. 

"Für die Verwahrung und den Handel können Finanzdienstleister Gebühren erheben." Auch die Tokenisierung selbst, also das Anfertigen einer digitalen Abbildung von beliebigen Vermögenswerten, eigne sich als zusätzliche Einnahmequelle, so Will. Zudem biete die Nutzung von Smart Contracts den Geldhäusern die Möglichkeit, Prozesse zu automatisieren und zu verschlanken - und somit ihre Effizienz zu steigern. Das gelte vor allem für die Wertpapierabwicklung.

Ausgewählte Aktivitäten von Finanzdienstleistern im Markt für Digital Assets hat der Autor des Beitrags, Stefan Terliesner, anhand eigener Recherchen und dem "Digital Asset Monitor" der Dekabank zusammengestellt: 

 Beschreibung 

 Datum 

 Kategorie 

Deka Investment legt tokenisierten Spezialfonds auf. Dekabank agiert als Kryptowertpapierregisterführer.

Dezember 2023

Produkt

DZ Bank startet Betrieb einer Plattform für die Abwicklung und Verwahrung digitaler Finanzinstrumente.

November 2023

Infrastruktur

Commerzbank erhält als erste deutsche Universalbank Kryptoverwahrlizenz von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

November 2023

Regulatorik

Bankhaus Metzler begibt ersten Krypotfondsanteil in Kooperation mit Fundsonchain und Cashlink.

September 2023

Produkt

Hauck Aufhäuser Lampe begleitet die Emission einer Immobilien-Inhaberschuldverschreibung auf Blockchain.

August 2023

Produkt

V-Bank startet das Finanzkommissionsgeschäft für Kryptowährungen und setzt erste Anwendungsfälle zusammen mit unabhängigen Vermögensverwaltern um.

August 2023

Dienstleistung

DZ Bank, Commerzbank, Helaba und Unicredit arbeiten an einem Euro-Giralgeld-Token.

Juni 2023

Infrastruktur

Deutsche Wertpapierservice Bank startet wpNex-Plattform für digitale Vermögenswerte, Pilot-Transaktion mit Bitcoin-Anteilen.

März 2023

Infrastruktur

Hauck Aufhäuser Lampe fungiert als Registerführer bei der Emission einer Kryptowertpapier- Anleihe.

Februar 2023

Produkt

Die Neobank N 26 startet gemeinsam mit Bitpanda den Handel mit Kryptowährungen via Smartphone-App.

Januar 2023

Produkt

Baader Bank und Wyden realisieren einen Handel mit Kryptowährungen für den Neobroker Finanzen.net Zero.

November 2022

Produkt/ Infrastruktur

Bankhaus Scheich bietet Institutionellen einen Marktplatz für Kryptowährungen, inzwischen auch für Private.

Februar 2022

Infrastruktur

Der Neobroker Trade Republic startet Handel mit Kryptowährungen. Dezember 2023 Erhalt der Vollbanklizenz.

April 2021

Produkt

Die Digital Exchange der Börse Stuttgart startet Handel mit Kryptowährungen. Offen für Banken und Broker.

Dezember 2019

Produkt/ Infrastruktur

Quelle: "Digitale Assets kommen in Schwung", Bankmagazin (Ausgabe 4 | 2024)


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