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22.03.2021 | Kryptowährungen | Im Fokus | Online-Artikel

Plattformen machen Bitcoin zum Anlegerliebling

verfasst von: Barbara Bocks, Angelika Breinich-Schilly

5 Min. Lesedauer
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Bitcoin-Investments liegen bei Anlegern immer wieder im Trend. Das gilt vor allem dann, wenn sich der Kurs der Kryptowährung nach oben bewegt. Für dessen langfristige Entwicklung spielen Krypto-Börsen und Plattformen eine besondere Rolle.

Investoren fliegen derzeit auf Kryptowährungen und allen voran auf den Bitcoin. Seit Jahresbeginn schoss das Interesse der Anleger und damit auch der Kurs kräftig nach oben. Laut einem jüngst veröffentlichten Bericht von Coinshares, ein Vermögensverwalter für digitale Assets, ist seit Jahresbeginn mit rund 3,53 Milliarden Euro (4,2 Milliarden US-Dollar) bereits mehr Kapital in Cyber-Geld investiert worden als im gesamten ersten Quartal 2020. Da waren es rund 3,27 Milliarden Euro (3,9 Milliarden US-Dollar). Zum Ultimo 2020 hatten Investoren weltweit umgerechnet rund 5,62 Milliarden Euro (6,7 Milliarden US-Dollar) in Bitcoin und andere Kryptowährungen anlegelegt.

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Bitcoin & Co: Kryptowährungen für alle?

Kryptowährungen basieren in der Regel auf dezentralen Computernetzwerken und existieren lediglich als elektronische Signale und Aufzeichnungen. Durch den Ausschluss von staatlichen Institutionen, die als regulierende Instanzen auftreten können, stellen Kryptowährungen keine Währungen im Sinne einer klassischen Geldordnung dar. Nichtdestotrotz war mit der ursprünglichen Idee zur Schaffung einer Kryptowährung nicht die Abkehr von den drei Grundfunktionen des Geldes intendiert.

Und die Rekordjagd scheint ungebrochen. Das 52-Wochen-Hoch betrug am 13. März laut dem Portal "Finanzen.net" 51.570 Euro. Vor einem Jahr, zu Beginn der Pandemie, durchlief der Kurs am 29. März 2020 seinen Tiefpunkt innerhalb der vergangenen 52 Wochen. Er schloss an diesem Tag bei 5.305 Euro. Nur wenige Tage zuvor hatte er sogar noch unter der 5.000er Marke gelegen. 

Diese Entwicklung zeigt: Kurzfristige Investmententscheidungen werden meist emotional getroffen. "Wie sich der Bitcoin-Preis über die kommenden Tage und Wochen entwickelt, ist eine solch rein emotionale Angelegenheit", sagt Julian Hosp, CEO von Cakedefi und Berater von EU-Arbeitsgruppen zum Thema Blockchain, gegenüber Springer Professional.

Kurzfristige Kurschwankungen sind auch konzeptionell bedingt

Dass der Bitcoin-Kurs kurzfristigen Schwankungen unterliegt, liegt aus Sicht von Jonas Groß, Professor Bernhard Herz und Jonathan Schiller auch am zugrunde liegenden Konzept. "Das Geldangebot im Bitcoin-System ist letztlich auf 21 Millionen Bitcoin-Einheiten begrenzt, wovon laut Coinmarketcap 2020 bereits circa 18 Millionen im Umlauf waren", erklären die Springer-Autoren in ihrem Wirtschaftsdienst-Artikel "Bitcoin, Libra und digitale Zentralbank-währungen – ein Geldsystem der Zukunft?". 

Im September 2020 wuchs die Bitcoin-Geldmenge um jährlich rund zwei Prozent und wird an die Miner in Form des Mining Rewards ausgezahlt. Dieser wird laut den Autoren etwa alle vier Jahre halbiert, sodass sich die umlaufende Geldmenge bis zum Jahr 2140 asymptotisch der Höchstgrenze von 21 Millionen Bitcoin-Einheiten annähert. Aufgrund dieses starren Angebots würden Marktungleichgewichte aus Sicht der Autoren über Änderungen der Nachfrage ausgeglichen, was für eine erhebliche Preisvolatilität sorge.

Anlagezeitraum zwischen zwei bis vier Jahren

Langfristig entwickele sich der Preis immer rational zum Wert, ist Hosp überzeugt. Und dieser Wert des Bitcoins liegt aus seiner Sicht im sechsstelligen Bereich. Auf lange Sicht bewertet der Experte die Preisentwicklung als sehr nachhaltig und ist optimistisch, was dessen Zukunft angeht. "Davon profitieren auch die anderen Kryptowährungen, die bei der Entwicklung mitziehen. Anleger brauchen einen Zeithorizont von zwei bis vier Jahren, damit sich das Investment rechnet", rät Hosp.

Investieren in Bitcoins und andere Kryptowährungen ist vor allem für Privatanleger relevant. Vom Mining würde Hosp allerdings abraten. Das ist aus seiner Sicht in den wenigsten Fällen ein attraktives Investment, "auch, wenn es auf den ersten Anblick so erscheint". Für große Fonds und Firmen kann sich das Mining laut Hosp dennoch lohnen. Wenn sich diese zum Beispiel 50 bis 100 Millionen US-Dollar oder Euro ausleihen, davon Zinsen zurückzahlen müssten und einen regelmäßigen Cashflow brauchen, ist das Mining interessant, weil ein stetiger Cashflow reinkommt, aber nicht unbedingt, weil diese von einem Anstieg so stark profitieren.

Bitcoin.de und Coinbase sind wichtige Plattformen

In Deutschland gehört die Krypto-Börse "Bitcoin.de" aus dem ostwestfälischen Herford aus Sicht des Experten zu den wichtigsten Anbietern der Branche. Marco Bodewein, der CEO der Bitcoin Gruppe, die die Plattform in Deutschland betreibt, ist Hosp zufolge "schon lange in diesem Bereich aktiv". International gehört das Portal "Coinbase" in den USA zu den größten Playern überhaupt. 

Diese Plattformen bieten Anlegern Dienstleistungen an, um in Kryptowährungen zu investieren. "Anleger können auf diesen ihr Kapital anlegen, bekommen Zinsen dafür und können diese in andere Kryptowährungen tauschen", erläutert Hosp. Diese Dienstleistungen seien für den normalen Investor "meist das Interessanteste".  

Kritik an Bitcoin durch die Bundesbank

Aber längst nicht alle Marktteilnehmer gehören zur Fraktion der Bitcoin-Fans. So wird sich etwa die Bundesbank voraussichtlich keine Bitcoins als Reservewährung besorgen. "Ich bezweifele, dass wir das jemals tun werden", sagte Burkhard Balz, der als Vorstand der Bundesbank unter anderem zuständig für den Zahlungsverkehr und Abwicklungssysteme ist, im März 2021 in einem Interview mit der Zeitung "Wirtschaftskurier". 

Für Balz sind Bitcoin & Co "hochspekulative Krypto-Assets". Eine Währung bezeichne immer das Geld eines Staates oder wie im Euroraum: eines Zusammenschlusses von Staaten. Und sie sei grundsätzlich durch den Gesetzgeber anerkannt. "Die Geldfunktionen erfüllt der Bitcoin nicht einmal ansatzweise", so der Bundesbankvorstand in diesem Gespräch. Auch mit Gold lasse sich der Bitcoin nicht seriös vergleich, erklärt Balz. Gold besitze "ohne Zweifel einen inneren Wert, der sich über Jahrhunderte erhalten hat". Das Edelmetall bedeute deswegen Sicherheit und Liquidität zu jeder Zeit. "Das bietet der Bitcoin nicht", begründet er seine Kritik. 

Wo Regionalbanken bei Kryptowährungen ein Rolle spielen

Auch wenn die Bundesbank eher skeptisch bleibt, macht das Interesse an Bitcoin & Co bei Unternehmen, Privatanlegern sowie institutionellen Investoren vor der deutschen Bankenlandschaft nicht Halt. Wie etwa die Einführung von Kryptowährungen bei Regionalbanken funktionieren kann, haben Michael Mathys und Raul Gimeno untersucht. Im Buch "Digital Business" skizzieren die Springer-Autoren vier zentrale Dienstleistungen, die auf Basis von Kryptowährungen von den Instituten angeboten werden können:

  1. Kryptowährung als Asset: Die verschiedenen Kryptowährungen können zur Wertanlage dienen, 
  2. Kryptowährung als Zahlungsmittel: Der originäre Zweck der Kryptowährung, digitaler Austausch zum Bezug von Waren und Dienstleistungen, 
  3. Begleitung von Initial Coin Offering (ICO): Kapitalbeschaffung für kleine und mittelgroße Unternehmen und 
  4. Kredite in Kryptowährungen: Finanzierungen in digitalen Währungen für Kunden mit Erträgen in Kryptowährungen.

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