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Kaum Wissen über EU AI Act im Marketing

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Für den Großteil der Unternehmen und Marketingteams ist die Nutzung Künstlicher Intelligenz alltäglich geworden. Das Thema Compliance allerdings nicht: Erhebliche Wissenslücken rund um die KI-Verordnung der EU drohen, zum Risiko zu werden.

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz soll EU-weit reguliert werden. Doch dazu müssen auch die betroffenen Unternehmen mitspielen.


Der EU AI Act, also das weltweit erste umfassende Gesetz zur Regulierung von Künstlicher Intelligenz (KI), ist bereits am 1. August 2024 in Kraft getreten. Dieser einheitliche Rechtsrahmen für die EU ist dazu gedacht, Risiken zu minimieren sowie Sicherheit und Grundrechte zu schützen. Auch Innovationen kommt ein großer Stellenwert zu. Alle Akteure, die mit der modernen Technologie arbeiten, sollen in die Pflicht genommen werden so auch Marketingabteilungen. Doch dieser Plan ist offenbar noch nicht aufgegangen: Fast die Hälfte der Marketers haben noch nie etwas von der neuen KI-Verordnung gehört.

KI-Nutzungsrate groß

Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt der dritte Teil der Studienreihe "KI – Die Zukunft des Marketings", an der rund 200 Marketingverantwortliche teilgenommen haben. Geleitet wurde die Untersuchung von Professorin Dr. Claudia Bünte, die als Expertin für Digital Marketing und Künstliche Intelligenz an der SRH Berlin University of Applied Sciences lehrt. 

"KI wird längst eingesetzt, aber rechtliche Verantwortung bleibt noch zu oft unbeachtet", lautet Büntes Fazit. Tatsächlich nutzen rund 84 Prozent der Unternehmen und 73 Prozent der Marketingabteilungen Tools, die auf KI basieren. All diese Akteure sind folglich unmittelbar vom EU AI Act betroffen. Doch 41 Prozent, der Marketer, die regelmäßig mit den smarten Anwendungen arbeiten, sind darüber aber völlig unwissend.

Große Unsicherheiten

Die Wissenslücken sind vor allen Dingen unter denjenigen eklatant, die noch nie etwas vom EI AI Act gehört haben:

  • rund 35 Prozent fühlen sich schlecht informiert,
  • 36 Prozent wissen nicht, wovon die Schulungen handeln und knapp ebenso viele, wer überhaupt geschult werden soll,
  • 35 Prozent kennen ihre genauen Pflichten nicht und
  • knapp 31 Prozent können keine Aussage darüber treffen, wann die KI-Verordnung der EU genau in Kraft getreten ist.

Aber auch unter denjenigen, die bereits etwas von der KI-Verordnung der EU mitbekommen haben, klagen knapp 20 Prozent über Wissensdefizite und mehr als 23 Prozent haben auch keine Vorstellung davon, worum es in den obligatorischen Schulungen gehen soll.

Blindfleck Compliance

Die EU-Vorgaben zur KI sind daher größtenteils noch nicht umgesetzt. Generell handeln Unternehmen ohne klare Regeln: Nur 27 Prozent der Befragten verfügen über entsprechende Richtlinien, die den rechtssicheren KI-Einsatz in Werbung und Kommunikation sicherstellen. An diesem alarmierenden Ergebnis ändert auch nicht, dass der Anteil der Unternehmen ohne KI-Vorgaben seit Januar 2025 um 28,6 Prozent gesunken ist: Noch immer fehlt es an einer flächendeckender Compliance in Deutschland. 

Passend dazu haben gerade einmal 18 Prozent der Studienteilnehmer die verpflichtende Schulung rund um den EU-AI-Act absolviert. In Marketingteams sind es lediglich neun Prozent. Auch bei denjenigen Marketers, die mit der Technologie arbeiten, etwa zur Konzeption und Auswertung von Online-Anzeigen oder der Erstellung von Inhalten, befindet sich der Anteil der bereits Geschulten mit 22 Prozent auf einem sehr niedrigen Niveau.

Fehlende Schulungen problematisch

Unklarheit herrscht außerdem darüber, wie Marketingteams an die obligatorischen Schulungen kommen sollen. Eine praktische Umsetzung der KI-Vorgaben scheint so noch Zukunftsmusik zu sein. Büntes Ratschlag dazu fällt eindeutig aus:

Unternehmen müssen jetzt handeln, denn hohe Strafen drohen bei Nichtbeachten: Mitarbeitende schulen, klare Richtlinien schaffen und den Umgang mit KI strategisch regeln. Nur so lässt sich das Potenzial von KI sicher und verantwortungsvoll nutzen."

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    Bildnachweise
    EU AI Act/© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH