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22.08.2019 | Künstliche Intelligenz | Im Fokus | Onlineartikel

Für mehr KI im Controlling fehlen noch Erfahrungswerte

Autor:
Sylvia Meier

In vielen Unternehmensbereichen wird längst Künstliche Intelligenz (KI) genutzt oder ihr Einsatz ist geplant. Im Controlling ist das noch häufig Zukunftsmusik. Die Verantwortlichen wünschen sich mehr Forschung zu Chancen und Risiken.

Wie wird Künstliche Intelligenz die Unternehmenswelt verändern? In vielen Branchen wird ihr Nutzen bereits erforscht und getestet. Ob Handel, Automobil- oder Kommunikationsbereich: Die Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz (KI) scheinen unbegrenzt. 

Künstliche Intelligenz bezeichnet die Fähigkeit einer Maschine, kognitive Aufgaben auszuführen, die wir mit dem menschlichen Verstand verbinden. Dazu gehören Möglichkeiten zur Wahrnehmung sowie die Fähigkeiten zur Argumentation, zum selbstständigen Lernen und damit zum eigenständigen Finden von Problemlösungen," definieren die Springer-Autoren Ralf T. Kreutzer und Marie Sirrenberg in ihrem Buchkapitel "Was versteht man unter Künstlicher Intelligenz und wie kann man sie nutzen?" (Seite 3) den Begriff.

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2019 | OriginalPaper | Buchkapitel

Künstliche Intelligenz: Strategische Herausforderungen für etablierte Unternehmen

Ohne Zweifel ist das Phänomen der Industrie 4.0 für sich gesehen eine einschneidende Entwicklung in der globalen Wirtschaft. Was die Industrie 4.0 allerdings zu einer besonders großen Herausforderung werden lässt: weitere radikale und aus der Digitalisierung und Vernetzung entspringende Veränderungen.

Vertrauen zu KI ist ausbaufähig

Die KI-Studie 2019 des Beratungsunternehmens Deloitte zeigt, dass deutsche Unternehmen sehr offen für den technologischen Fortschritt sind. Der Fokus bei KI-Technologien liegt derzeit auf Process Robotics. 67 Prozent der befragten Betriebe nutzen diese bereits. Interessant ist, dass ihr Einsatz in Deutschland wesentlich häufiger vorkommt als in den Vergleichsmärkten (USA, UK, China, Frankreich, Kanada, Australien mit etwa 49 Prozent). 

Ausbaufähig sind allerdings die Fachkompetenzen für KI und vor allem das Vertrauen in die Technologie. Risiken hinsichtlich möglicher Datendiebstähle oder Algorithmen werden von Unternehmen mit Sorge betrachtet. Etwas anders ist die Lage bei den Konsumenten: Viele Menschen sind gegenüber diesen neuen Technologien aufgeschlossen. Eine Studie von Next Media Hamburg für Statista zeigt, dass 83 Prozent der befragten Teilnehmer sich vorstellen können, mit Künstlichen Intelligenzen zu kommunizieren. Im Alltag ist das vielen Menschen bereits bekannt, etwa durch digitale Assistenten wie Alexa oder Siri. 

Die Maschine soll nicht den Mensch ersetzen

Dennoch fordern 77 Prozent der Studienteilnehmer, dass KI-Anwendungen als solche erkennbar sein müssen. Zudem lehnen sie eine Vermenschlichung Künstlicher Intelligenz ab. Sorgen bereiten den Bürgern, wie sich Künstliche Intelligenz auf den Arbeitsmarkt auswirkt, wie sicher die Daten sind und wie hoch die Fehlerquoten. Und sie verlangen Aufschluss, wie viel Entscheidungsfreiheit die Maschine bekommt und was der Mensch kontrollieren kann. 

Kreutzer und Sirrenberg stellen klar (Seite 25): "Es muss in jedem Falle im Vorfeld des KI-Einsatzes definiert werden, bis zu welchem Grad die Künstliche Intelligenz eigenständig entscheiden kann und wo die Kontrollinstanz Mensch unverzichtbar ist."

Controlling lotet neue KI-Einsatzgebiete aus

Im Controlling wird mit zahlreichen sensiblen Unternehmensdaten gearbeitet. Die Auswahl der geeigneten Datensätze und deren Analyse wird bisher von Fachpersonal vorgenommen und geprüft. Bei den Massen an Informationen, die mittlerweile bei den Firmen zusammen laufen, ist der Wunsch nach Prozessoptimierung gerade in den Finanzabteilungen groß. 

Peter Gentsch berichtet in seinem Beitrag "Business KI verändert Unternehmen und Märkte": "KI wird zunehmend auch für interne Prozesse (beispielsweise Controlling und Accounting) sowie Kommunikation eingesetzt. Am gängigsten ist hier der Einsatz von sogenannten Bots. Martin Hofmann, Chief Information Officer bei Volkswagen, spricht in diesem Zusammenhang vom sogenannten Robotic Enterprise, in dem Prozesse – auch im Controlling – zunehmend autonom von KI-basierten Bots übernommen werden."

Finanzentscheidern fehlen praktische Beispiele

Der Einsatz von KI im Controlling steckt jedoch noch in den Kinderschuhen. In vielen Bereichen benötigt man noch mehr Forschung und Praxisbeispiele. Peter Mertens und Dina Barbian setzen sich in ihrem Beitrag "Erreicht Künstliche Intelligenz auch das Controlling?" mit möglichen neuen Einsatzfeldern im Controlling auseinander. Die Autoren verweisen auf Experimente des Abrechnungsdienstleisters Datev zur Anreicherung ihrer Buchhaltungssysteme. Bisher gibt es bereits Dialogsysteme, die Buchungsvorschläge unterbreiten, welche der Mitarbeiter in der Mehrzahl der Fälle nur bestätigen muss: "Die neuen KI-Module versprechen, auch kompliziertere Fälle beurteilen zu können," erklären Mertens und Barbian. 

Auch im Innovation Lab der Schufa wird geforscht, inwieweit KI bei statistischen Auswertungen wie zum Beispiel der Kreditwürdigkeitsprüfung Genauigkeit steigern oder bei der Mustererkennung zur Betrugsabwehr erfolgreich eingesetzt werden kann. Zudem halten die Autoren den Einsatz von KI bei der Herstellung von Beziehungen zwischen verschiedenen Kennzahlen oder der Kontrolle von Vorkalkulationen für denkbar.

Potenzial von KI ist heute noch nicht einschätzbar

Ob KI tatsächlich als Standard im Controlling ankommen wird, ist für die Autoren nach momentanem Stand nicht vorhersehbar. Hierzu sind weitere Forschungs- und Testergebnisse nötig. An der Auseinandersetzung mit dem Thema führt jedoch kein Weg vorbei. Auch Gentsch betont: "Das KI-Business hat gerade erst begonnen und hat ein immenses Potenzial, das keiner von uns heute in letzter Konsequenz seriös prognostizieren kann."

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