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13.05.2020 | Künstliche Intelligenz | Nachricht | Onlineartikel

KI beeinflusst selbst vermeintliche Low-Tec-Branchen

Autor:
Andreas Burkert
4:30 Min. Lesedauer

Kaum eine Branche wird in naher Zukunft ohne den Einsatz von Künstlicher Intelligenz auskommen. Wie Unternehmen sich diesem Thema nähern und wie KI es bereits in den täglichen Betrieb geschafft haben, war Thema der virtuellen Applied Artificial Intelligence Conference AAIC.

Mehr als 2600 Teilnehmer hatten sich im Vorfeld für die online stattfindende Applied Artificial Intelligence Conference AAIC registriert, bei der Springer Professional Medienpartner war. Mehr als 2000 Teilnehmer nutzten die Möglichkeit, sich während der eintägigen Veranstaltung in B2B-Meetings auszutauschen. Damit war die AAIC 2020 Europas größte Online-Konferenz für angewandte künstliche Intelligenz. Die AAIC, organisiert und ausgerichtet von Außenwirtschaft Austria, der Internationalisierungs- und Innovationsagentur der Wirtschaftskammer Österreich, ist bereits die dritte Veranstaltung, die sich ausschließlich mit Verfahren der künstlichen Intelligenz in der Geschäftswelt (Business Cases), der Produktion und der Forschung befasst. Während die ersten beiden Konferenzen vor anwesendem Publikum stattfand, musste die diesjährige Veranstaltung wegen der staatlich verordneten Maßnahmen zur Eindämmung des COVID19-Viruses online stattfinden.

"Das Online Format wurde von der KI-Community sehr positiv angenommen und hat uns vor allem aus Asien und Amerika eine vollkommen neue Teilnehmerschaft erschlossen", sagte Matthias Grabner, Branchenmanager für den Bereich Technology der Außenwirtschaft Austria und Organisator der Konferenz. Auch für Clemens Wasner war die Konferenz ein voller Erfolg. Auch weil "wir mit den Referenten, die führenden KI-Experten weltweit gewinnen konnten, die aus allen Teilen der Welt live zugeschaltet wurden", erzählt Wasner, Geschäftsführer des Vereins AI Austria und Mitinitiator der Konferenz.

Führende KI-Experten mit Keynotes zugeschaltet

Mit Joe Peppard beispielsweise gelang es, einen namhaften Professor vom MIT (Massachusetts Institute of Technology) aus Boston, USA, für einen Vortrag zu gewinnen. Peppard referierte über die Auswirkungen der digitalen Transformation auf unternehmerische Prozesse und die Organisation an sich. "Technology investments always lead to organisational change", nannte Peppard, der ebenfalls in der Schweiz eine Gastprofessur ausübt, seinen Vortrag. Neben seinem Referat überraschte er zudem mit seiner Antwort auf die Frage eines Teilnehmers, worin denn die größten Unterschiede zwischen europäischen und US-Amerikanischen Unternehmen beim Zugang zu KI und Digitalisierung bestehe, mit: "Es bestehen bei genauer Betrachtung eigentlich keine Unterschiede."

Eine ermutigende Aussage, auch für deutsche Startups, wie Audeering. Das Unternehmen hat sich "auf die Analyse von gesprochener Sprache hinsichtlich Emotion spezialisiert", wie Dagmar Schuller von Audeering erzählt. Erfolgreich, wie eine Übersicht namhafter Kunden aus der Automobilbranche, der Elektronikindustrie wie auch aus der Szene der Meinungsforschungsinstitute (GFK beispielsweise) zeigt. Eindrucksvoll ist die Spannbreite der Audeering-Technik, die von der Auswertung der Sprechdauer bei politischen Diskussionen bis hin zur Emotionsanalyse im Verkaufsgespräch geht.

Stolperfallen bei der Einführung von KI

Beeindruckend war auch die Keynote von Michael Spranger von Sony AI, die Wasner als "eine echte Weltpremiere" bezeichnet. Erst vor kurzem hatte der japanische Elektronikriese seine KI-Aktivitäten in einer eigenen Gesellschaft gebündelt, um in den Themenfeldern Bildverarbeitung, Videospiele und Gastronomie weltweit vorne mitzuspielen. "Vor allem der Bereich Gastronomie zeigt, welches Potential KI selbst in vermeintlichen low-tech-Branchen haben kann", so Spranger. Welche Stolperfallen bei der Einführung von KI in den laufenden Geschäftsprozess und wie sich diese vermeiden lassen, erklärte später Alex Shee von Element AI, einem der größten und am besten finanzierten KI-Unternehmen weltweit.

Von seinem Homeoffice in Montreal dazu geschaltet schilderte Shee seine Erfahrungen aus unzähligen Großprojekten mit Konzernen weltweit. Sehr hilfreich war zudem sein Hinweis an die europäischen Führungskräfte: "Es ist der größte Fehler, den man überhaupt machen kann, wenn man sich zu sehr darauf versteift, lediglich eine hohe Anzahl an Pilotprojekten durchzuführen und dabei das große Ganze, nämlich die Verbesserung des eigenen Geschäftes, außer Acht lasse."

Vom Forschungslabor in die tägliche Anwendung

Dr. Eng Lim Goh, Senior Vice President AI bei Hewlett-Packard Enterprise, stellte in seinem Vortrag eine Reihe von Anwendungen vor, bei denen KI bereits heute Forschungsaktivitäten unterstützt beziehungsweise überhaupt erst möglich macht. So gelingt es mittels eines Swam Learning (Schwarmlernen)-Ansatzes, Krankenhaus-übergreifend KI-Modelle zu verbessern, ohne dass kritische Daten jemals mit anderen geteilt werden müssen. Diese Entwicklungen zeigen, dass Verfahren der künstlichen Intelligenz in den vergangenen Jahren den Sprung vom Forschungslabor in die tägliche Anwendung geschafft haben und die KI in vielen Branchen und Abteilungen heute nicht mehr wegzudenken ist.

Diese Entwicklung ist vor allem dem rasanten Fortschritt in der Weiterentwicklung von KI-Verfahren, gesteigerter Rechenleistung und der Möglichkeit, auf immer größere Mengen an Daten zugreifen zu können, geschuldet. Darüber hinaus stehen mit Methoden des maschinellen Lernens wie Reinforcement Learning (Bestärkendes Lernen oder verstärkendes Lernen) bereits die nächste Generation von KI-Verfahren an, die den Sprung von der Analyse hin zur echten Planung wie im Logistikbereich ermöglicht.

Als die Konferenz für angewandte künstliche Intelligenz in 2018 startet wurde, waren praktische KI-Anwendungen außerhalb des IT & Technologie Sektors noch rar gesät. Dementsprechend lag der Fokus der Beiträge zu Beginn sehr stark am Aufzeigen von Use-cases. Mittlerweile hat sich der Fokus von einzelnen Anwendungsfällen hin zum unternehmerischen Gesamtbild gedreht.

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