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30.11.2022 | Künstliche Intelligenz | Im Fokus | Online-Artikel

Fehlende Datenstrukturen hemmen den Einsatz von KI

verfasst von: Sylvia Meier

3 Min. Lesedauer
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Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei Datenanalysen im Finanzbereich ist vielversprechend. Doch in der Praxis setzen nur wenige deutsche Unternehmen auf diese Technologie. Ihnen fehlt es nicht nur an personellen Ressourcen und Know-how, sondern auch an der notwendigen Datenstruktur.

Aus großen Datenmengen entscheidungsrelevante Informationen zu selektieren, ist manuell eine enorme Herausforderung. Doch verschiedene Tools bieten vor allem im Controlling völlig neue Perspektiven und Chancen. Künstliche Intelligenz (KI) gilt dabei als zentrale Technologie. In der Praxis kommt ihr Einsatz jedoch noch vergleichsweise selten vor, wie eine im September 2022 veröffentlichte Analyse des Digitalverbands Bitkom belegt. Die deutsche Wirtschaft hat in diesem Bereich im internationalen Vergleich sogar einen erheblichen Nachholbedarf: Lediglich neun Prozent der 606 befragten Betriebe gaben der Erhebung zufolge an, KI selbst in ihren Finanzprozssen einzusetzen. Ein Jahr zuvor sagten das acht Prozent. Unter den wenigen, die diese Technologie bislang tatsächlich nutzen, sind vor allem größere Firmen.

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Krisen behindern und Fachkräfte fehlen

Nur ein Viertel der Umfrageteilnehmer diskutieren oder planen den KI-Einsatz. Im Vorjahr waren es noch 30 Prozent. Ein Grund liegt in den andauernden Krisen:

Viele Unternehmen sind gezwungen, in einen Krisenmodus zu schalten. Steigende Energiekosten und hohe Inflationsraten sowie unterbrochene Lieferketten als Folge von Corona-Pandemie und dem Krieg gegen die Ukraine setzen der Wirtschaft zu. Da bleibt wenig Raum, an neue Technologien und Geschäftsmodelle für die Zukunft zu denken. Künstliche Intelligenz ist aber eine Schlüsseltechnologie, die praktisch überall zum Einsatz kommt - ob in der Automobilbranche, im Maschinenbau oder im Dienstleistungsbereich", erläutert Bitkom-Präsident Achim Berg das Studienergebnis. 

Laut den Umfrageteilnehmern fehlt es für einen KI Einsatz zusammenfassend vor allem an folgenden Punkten:

  • personelle Ressourcen (62 Prozent),
  • Daten für den KI-Einsatz (62 Prozent),
  • finanzielle Ressourcen (50 Prozent),
  • Rechtssicherheit (49 Prozent),
  • technisches Know-how (48 Prozent) und
  • Zeit (46 Prozent).

Einsatz von KI erfordert eine Datenstruktur 

Häufig sind fehlenden Daten für die Wirtschaft eine erhebliche Hemmschwelle. Eine Beobachtung, die auch Michael Natterer und Matthias Jattke in ihrem Beitrag "Datenstrukturen für KI-Methoden schaffen" machen. Die Autoren stellen fest, dass in Unternehmen der Wunsch nach Einsatz moderner Datenanalyseverfahren wie KI oder Machine Learning als Grundlage strategischer Entscheidungen. Allerdings müsse hierfür Vorarbeit geleistet werden. 

Unternehmen benötigten hierzu ein strukturiertes Vorgehen, schreiben die beiden SAP-Experten. "Der Weg hin zu einer datenorientierten Entscheidungsorganisation ist allerdings weder trivial noch kurzfristig erreichbar. Unternehmen müssen in einem längerfristig ausgerichteten Vorgehen mit Daten arbeiten und die Tätigkeiten der Datenverarbeitung sukzessive mit steigenden Automatisierungsgraden in die Entscheidungsaufgaben eingliedern." 

Aufbau eines Data Governance Competence Centers

Wie das gelingen kann, skizzieren Natterer und Jattke in folgender Grafik:

© Michael Natterer, Matthias Jattke

Das dargestellte Vorgehen orientiere sich dabei am Pyramidenmodell der Wissensgenerierung und erweitert dieses um Aspekte der Data Governance und um eine Einführungsmethode. "Zusätzlich zu den hier vorgestellten Ebenen der Entscheidungsunterstützung gilt es, bei Einführung zu beachten, dass eine kontinuierliche Verankerung im Unternehmen sichergestellt ist, zum Beispiel im Rahmen eines Data Governance Competence Centers." Die Autoren empfehlen außerdem, eine Auswahl der richtigen Szenarien und Verfahren, beispielsweise über Service-Design-Methoden, zu treffen.

Mehr Förderung und IT-Experten sinnvoll

Laut Bitkom-Umfrage gibt es noch weitere Faktoren, die den Einsatz von KI im Finanzbereich und im gesamten Unternehmen vorangetrieben:

  • 78 Prozent würden eine finanzielle Förderung von KI-Projekten in Unternehmen (78 Prozent) befürworten.
  • 68 Prozent sehen im Austausch mit Unternehmen, die bei KI bereits weiter sind, eine Hilfe.
  • 55 Prozent wünschen sich mehr verfügbare KI-Experten auf dem Arbeitsmarkt.

Auch wenn der Weg zum Einsatz von neuen Technologien steinig und weit ist, müsse die Wirtschaft perspektivischer denken, meint Bitkom-Chef Berg: "Unternehmen sollten die Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz für neue oder verbesserte Produkte und Dienstleistungen stärker nutzen. Damit lassen sich nicht nur bestehende Prozesse optimieren, KI kann auch das Geschäftsmodell verändern."

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