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07.03.2018 | Künstliche Intelligenz | Im Fokus | Onlineartikel

Die Menschmaschine von nebenan

Autor:
Andreas Burkert

Der Mensch rüstet gegen Künstliche Intelligenz auf. Überlegungen rund um neuronale Schnittstellen im Gehirn, Cyborgs, Human Enhancement und Cobots liegen im Trend.

Menschen wagen häufiger den Schritt, ihre Körper mit Technik zu optimieren. Sie wollen damit ihre Fähigkeiten steigern oder ihre Sinne erweitern. Die elektronische Innenohr-Prothese, um (wieder) hören zu können, ist dabei nur eine der simpleren Möglichkeiten, menschliche Fähigkeiten zu optimieren. 

Die Überlegungen für die Zukunft gehen viel weiter: Eine neuronale Schnittstelle, implantiert ins Nervensystem, soll künftig gänzlich andere Fähigkeiten freisetzen. Das erhofft sich auch Kevin Warwick, der sich bereits vor einiger Zeit im Selbstversuch ein solches elektronische Bauteil hat implantieren lassen, um mittels eigener "Gedanken" einen Roboterarm zu steuern. Warwick ist Roboterexperte an der Universität Reading in Südengland. Der Forscher, der seine Entdeckungen immer wieder auch in Fachmagazinen der Verlagsgruppe Springer Nature veröffentlicht, hat mittlerweile prominente Anhänger.

Tesla-Chef Elon Musk zum Beispiel, der vor zwei Jahren das Unternehmen Neuralink gegründet hat. Mit dem Ziel, eine Art neuronalen Gürtel zu entwickeln, der die Kommunikation mit Maschinen ermöglicht. Das zumindest ist eines der langfristigen Ziele. Mit der technische Erweiterung des menschlichen Körpers, Musk nennt dies "Human Enhancement", will er bei den Fortschritten in der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz mithalten. Vor allem aber will er die "potenziell gefährliche Verwendungen von Künstlicher Intelligenz bekämpfen" können, erklärte Musk. Die Zeit drängt.

Bald vermehren sich Maschinen ohne Hilfe der Menschen

Stimmt die Vorhersage des amerikanischen Futurologen und Chefingenieurs von Google, Ray Kurzweil, wird bereits im Jahr 2045 Künstliche Intelligenz die menschliche überholt haben, die "Macht ergreifen und sich ohne Mithilfe der Menschen vermehren werden“, so Googles Vordenker. Schafft sich der Mensch damit selbst ab? 

So wie es auch Springer-Autor Michael Jaekel es in seinem Buch "Die Macht digitaler Plattformen" beschreibt und mit einer Vielzahl spannender Beispiele untermauert? Darin fokussiert er sich auf die "digitale Avantgarde im Silicon Valley“, die seiner Ansicht nach sich den Posthumanismus ersehnt. Allerdings muss auch Jaekel zugeben, dass trotz der enormen Fortschritte in den vergangenen 15 bis 20 Jahren "im Bereich der Künstlichen Intelligenz auf der Computerebene der Zuwachs an künstlichem Bewusstsein exakt Null beträgt". Und so schlussfolgert er, dass "wir bis dato keinerlei Idee davon haben, wie über das Datenmanagement Bewusstsein oder subjektive Erfahrungen möglich sein sollten", wie er im Kapitel "Der Mensch schafft sich selbst ab oder HAL9000" schreibt.

Die beiden Aspekte der "Technikgläubigkeit“ und des "Transhumanismus“ bilden den geistigen Kokon im Silicon Valley. Diese beiden Phänomene erzeugen disruptive Kräfte und lassen digitale Plattform-Ökosysteme mit globaler Reichweite entstehen."
Michael Jaekel im Kapitel "Der Mensch schafft sich selbst ab oder HAL9000" aus dem Buch "Die Macht digitaler Plattformen."

Der Cobot arbeitet mit dem Menschen Hand in Hand

Noch aber sind beide aufeinander angewiesen. Der Mensch auf den Roboter, der ihm schwere und gefährliche Arbeit abnimmt, und der Roboter auf den Mensch, der ihn programmiert und wartet. Und der mit ihm sozusagen Hand-in-Hand arbeitet. Angesichts einer Roboterdichte von 74 automatisierten Einheiten pro 10.000 menschlichen Mitarbeitern in der Industrie hat der globale Durchschnitt in der Fertigungsindustrie einen neuen Rekord erreicht. Vor allem Asien – und dort ganz besonders China – weist die höchste Dynamik auf. Allerdings hält die Republik Korea die mit Abstand höchste Roboterdichte in der Fertigungsindustrie vor. Eine Position, die das Land seit 2010 hält.

Japan nimmt nach Südkorea, Singapur und Deutschland den vierten Platz ein. Dabei gilt Japan als großer Befürworter der Robotertechnik wie die Robotermesse Irex zeigt, die im vergangenen Jahr dort stattfand. Dass deren Stars kollaborative Roboter (Cobots) waren, die gemeinsam mit Menschen arbeiten können, zeigt, wie nah sich Roboter und Mensch bereits kommen. Für Per-Vegard Nerseth, Geschäftsführer von ABBs Einheit für Unternehmensroboter, wird sich dieser Trend noch verstärken. Seiner Ansicht nach könne der Markt für Cobots bald so groß wie der für klassische Industrieroboter werden.

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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

01.12.2014 | Original Paper | Ausgabe 3/2014

The Cyborg Revolution

2014 | OriginalPaper | Buchkapitel

Transhumanismus

Quelle:
50 Schlüsselideen der Zukunft

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