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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Einleitung

Zusammenfassung
Kein Zweifel, das Eigentliche am Menschen sieht von innen betrachtet ganz anders aus als von außen. Die subjektive Ansicht der geistigen Dinge ist so merkwürdig (und so einzigartig — ich bin ja nur einer und die anderen sind viele) — daß man sie ganz zu Recht an den Anfang der Physik gestellt hat: Diese wird aufgebaut auf der Grundlage dessen, was wahrgenommen, „beobachtet“ wird, also was ins Subjektive dringt. Und doch haftet dieser egozentrischen Anschauung etwas Unfaires an, das man in anderen Bereichen, in der Ethik, in der Wirtschaftslehre, in der Kosmologie, längst abgelehnt hat. Es wäre schön, wenn man sich selbst philosophisch keinen Sonderstatus einräumen wollte, wenn man über sich selbst so reden könnte wie über andere Leute auch. So könnten Mißverständnisse und Beleidigungen vermieden werden. Die Psychologie hat sich von ihren idealistischen Ursprüngen schon ein Stück weit entfernt, hat aus der „Psyche“ das „Verhalten“ gemacht, für jedermann auf die gleiche Weise objektivierbar, und versucht nicht nur dem Einzelnen unter den Menschen seine Einzigartigkeit abzusprechen, sondern weitgehend auch dem Menschen unter den Tieren, indem sie nachweist, daß manches, was wir oft in schönen Worten vermenschlicht haben, dem entspricht, was man bei Tieren als „Territorialverhalten“, als „Hackordnung“, als „Fortpflanzungstrieb“ beobachten kann. Unterwegs mag der Fortschritt in dieser Richtung auf viele Leute abstoßend wirken. Ich bin überzeugt, daß am Ende daraus ein besseres Menschenbild erwachsen wird — eines, bei dem die hervorragende Rolle des Menschen nicht einfach mit einem Schlagwort abgetan wird, sondern in einer abstrakten, vielleicht sogar mathematischen Formulierung vergeistigt erscheint.
Valentin Braitenberg

Vehikel

Frontmatter

Wesen 1. Streunen

Zusammenfassung
Wesen 1 ist ein Vehikel, das mit einem Sensor und einem Motor ausgestattet ist (Abb. 1). Die Beziehung zwischen beiden ist sehr einfach: je ausgeprägter die Eigenschaft, auf die der Sensor reagiert, desto schneller läuft der Motor. Nehmen wir als erregende Eigenschaft die Temperatur und lassen die vom Motor ausgeübte Kraft genau proportional zur absoluten Temperatur steigen: Das Vehikel wird sich, wo immer es sich befindet, in die Richtung bewegen, in die es gerade zeigt (die absolute Temperatur ist nirgends gleich Null). Es wird seine Fahrt in kalten Gegenden verlangsamen und in wärmeren Gegenden schneller werden.
Valentin Braitenberg

Wesen 2. Furcht und Aggression

Zusammenfassung
Wesen 2 ist im Prinzip Wesen 1 ähnlich, besitzt jedoch zwei Sensoren, einen auf jeder Seite, und zwei Motoren, einen rechts und einen links (Abb. 2). Wir könnten es als Abkömmling von Wesen 1 betrachten, entstanden durch eine Art unvollständiger Zellteilung: zwei der ursprünglichen Sorte, die nach der Teilung Seite an Seite aneinander haften. Wieder laufen die Motoren desto schneller, je stärker die Sensoren erregt werden.
Valentin Braitenberg

Wesen 3. Liebe

Zusammenfassung
Sowohl die Heftigkeit von Wesen 2b als auch das feige Verhalten seines Kollegen 2a sind Züge, die nicht unbedingt sympathisch wirken. Es ist etwas recht Rohes an einem Wesen, das durch die Dinge, die es schmeckt (oder sieht oder fühlt oder hört), nur erregt werden kann und keine beruhigenden oder entspannenden Reize kennt. Es liegt nahe, eine Art Hemmung zwischen Sensoren und Motoren einzuführen, die den Reizeinfluß von positiv zu negativ umwandelt: Nun verlangsamt sich der Motor, wenn der entsprechende Sensor aktiviert wird. Natürlich können wir wieder zwei Varianten einführen, eine mit direkter und eine mit gekreuzter Verknüpfung von Sensor und Motor (Abb. 4). Beide werden langsamer in Gegenwart eines starken Reizes, und beide laufen schneller, wo der Reiz schwach ist. Sie verbringen folglich mehr Zeit in der Nachbarschaft der Reizquelle als weiter entfernt von ihr. In der unmittelbaren Nähe der Quelle kommen sie zur Ruhe.
Valentin Braitenberg

Wesen 4. Wertung und Geschmack

Zusammenfassung
Wir sind nun in der Lage, eine neue Sorte von Vehikeln zu erschaffen, indem wir, ausgehend von allen Variationen des Wesens 3, die Art der Verknüpfung zwischen Sensoren und Motoren verändern. Sie war bis jetzt von zwei sehr einfachen Arten: Der Motor lief entweder um so schneller, je stärker der Sensor erregt wurde, oder um so langsamer. Wir kümmerten uns nicht um die genauen Regeln dieser Abhängigkeit, solange sie von der Art „je mehr, desto mehr“ oder „je mehr, desto weniger“ waren. Die große Klasse mathematischer Funktionen, die solche Abhängigkeiten beschreiben, wird manchmal monoton genannt. Offensichtlich ist etwas recht Primitives an Kreaturen, die von solch unbedingten Zuneigungen oder Abneigungen gelenkt werden, und man erkennt leicht, wie solches je-mehrdesto-besser-Verhalten in die Katastrophe führen kann. Denken Sie z. B. daran, wohin es führt, wenn so ein Vehikel die Neigung hat, sich dem Licht zuzuwenden: Es würde untertags bei schönem Wetter nur immer mit großer Geschwindigkeit die Sonne ansteuern.
Valentin Braitenberg

Wesen 5. Logik

Zusammenfassung
An dieser Stelle sind wir bereit, eine fundamentale Entdeckung zu machen. Wir haben Evidenz gefunden für etwas, was ich das „Gesetz der leichten Synthese und der mühevollen Analyse“ nennen möchte. Ich meine folgendes. Es ist vergnüglich und einfach, kleine Maschinen zu erfinden, die bestimmte Fertigkeiten haben, und es ist auch einigermaßen leicht, das gesamte Verhaltensrepertoire dieser Maschinen zu beobachten — selbst wenn es über das hinausgeht, was wir ursprünglich hineingesteckt hatten, wie so oft. Viel schwieriger ist es, von außen anzufangen und zu versuchen, allein von der Beobachtung des Verhaltens her die innere Struktur zu erraten. Es ist sogar theoretisch unmöglich, durch bloßes Beobachten des Verhaltens, ohne das Gehäuse (die „black box“) zu öffnen, den verborgenen Mechanismus genau zu bestimmen, da es immer viele verschiedene Mechanismen mit identischem Verhalten gibt. Ganz abgeseher davon ist die Analyse im allgemeinen schwieriger als die Erfindung, und zwar aus dem Grund, aus dem Induktion mehr Zeit braucht als Deduktion: Bei der Induktion muß man den Weg suchen, bei der Deduktion ist er von vornherein gegeben. Eine psychologische Konsequenz daraus: Wenn wir einen Mechanismus analysieren, neigen wir dazu, seine Komplexität zu überschätzen, da bergauf, im Prozeß der Analyse, ein gegebenes Maß von Komplexität unserer geistigen Arbeit mehr Widerstand entgegensetzt, als wenn wir ihm bergab, im Prozeß der Erfindung, begegneten. Wir konnten dies schon feststellen, als der Beobachter von Vehikel 4b mutmaßte, das Wesen denke etwas, bevor es eine Entscheidung trifft; dabei nahm er komplizierte innere Prozesse an, wo in Wirklichkeit nur ein Motor auf ausreichende Aktivierung wartete. Auch einige der bei den Wesen der Sorte 4a beschriebenen Verhaltensmuster lassen zweifellos einen viel komplizierteren Mechanismus vermuten, als in Wirklichkeit in ihnen steckt.
Valentin Braitenberg

Wesen 6. Selektion, der unpersönliche Ingenieur

Zusammenfassung
In diesem Kapitel entgleitet uns ein wenig die Kontrolle über die Geschehnisse in den Vehikeln. Sie brauchen das nicht zu bedauern, denn es ist sicher eine gute Idee, dem Zufall bei der weiteren Produktion neuer Varianten von Wesen eine Chance zu geben. Das verschafft uns die Möglichkeit, eine Intelligenzquelle anzuzapfen, die viel mächtiger ist als jeder menschliche Erfindergeist.
Valentin Braitenberg

Wesen 7. Begriffe

Zusammenfassung
Wir benutzten schon das Wort ‚Wissen‘, als wir die Eigenschaften von Wesen 3 besprachen, wenn auch in einer nicht ganz ernsthaften Weise. Ferner haben wir beobachtet, wie ein Prozeß von der Art der Darwinschen Evolution Wissen auf geheimnisvolle Weise in Maschinen einführen kann, wobei nicht sofort ersichtlich wird, durch welchen Kanal das Wissen (z. B. über die mit einem Steilabfall verbundenen Gefahren) in das „Gehirn“ gelangt und in welcher Form es darin aufbewahrt wird. Wir meinten damit in beiden Fällen festes, angeborenes Wissen, das vielleicht richtig oder falsch sein kann, jedoch auf alle Fälle unveränderlich zum Individuum gehört. Solch angeborenes Wissen ist bei einer gegebenen Umgebung sicher sehr wertvoll, kann aber zur Katastrophe führen, wenn sich die Umweltbedingungen ändern. Deshalb sollten wir bei einem kostbaren Vehikel, an dem uns viel gelegen ist, Adaptationsmechanismen einbauen, um es flexibler zu machen. So ist unser Vehikel für neuartige Ereignisse gewappnet und kann eine größere Situationsvielfalt bewältigen und bleibt nicht so sehr auf eine bestimmte Umgebung beschränkt.
Valentin Braitenberg

Wesen 8. Raum, Dinge, Bewegung

Zusammenfassung
Den nächsten Schritt zur Verbesserung unserer Vehikel tun wir in erster Linie uns selbst zuliebe: um die Dinge in Ordnung zu halten und die Verdrahtung nicht zu sperrig werden zu lassen. Dabei stellt sich heraus, daß die Einführung einer inneren Ordnung zum Beispiel in Form von eingebauten Landkarten der Umwelt von unschätzbarem Wert auch für die Wesen selbst ist, da sie es ihnen sehr erleichtert, die Wahrheit über ihre Umgebung herauszufinden.
Valentin Braitenberg

Wesen 9. Gestalt

Zusammenfassung
Wir verbessern unsere Vehikel weiter in der Richtung, die wir mit der Konstruktion der vorherigen Sorte eingeschlagen haben, doch jetzt mit veränderter Absicht. Wir wollen jetzt versuchen, unsere Wesen mit einem nützlichen Satz von Ideen auszustatten, die sich auf die Gestalt von Dingen beziehen — besonders auf Gestalt, wie wir sie mit unseren Augen sehen (und wie sie ein Vehikel sieht, wenn es über ein gutes Kameraauge verfügt).
Valentin Braitenberg

Wesen 10. Ideen haben

Zusammenfassung
Die Zeit ist gekommen, sich zurückzulehnen und die sonderbare Gesellschaft der Wesen zu betrachten, die unser Laboratorium bevölkern. Sie gehen ihren Geschäften nach und folgen dabei Gesetzen, die wir zum Teil verstehen, weil wir sie selbst erfunden haben, zum Teil nicht, weil sie sich über eine Art Darwinschen Prozeß entwickelt haben. Die Dinge, für die sie sich interessieren, sind durch einfache Eigenschaften wie Geruch und Farbe gekennzeichnet, oder durch abstraktere Definitionen wie die Periodizität der Färbung oder die Symmetrie des Umrisses. Diese formalen Eigenschaften können sogar für noch abstraktere Definitionen stehen, wie im Fall der bilateralen Symmetrie, die die Situation „Jemand will etwas von mir“ bedeutet. Einige unserer Vehikel bewegen sich auf glatten Bahnen umher, als würden sie von den Quellen verschiedener, sich überlagernder Kräftefelder angezogen und abgestoßen. Andere scheinen Entscheidungen zu fällen, die sie plötzlich aus einem phlegmatischen Zustand reißen und sie veranlassen, sich in gelegentliche Abenteuer zu stürzen, wonach sie in ihren Ruhezustand zurückfallen. Sie scheinen ihre Umgebung ziemlich gut zu kennen, da sie manche Objekte sozusagen mit geschlossenen Augen erreichen, so daß man bei ihnen wohl eine innere Landkarte annehmen muß, auf der die Lage der Gegenstände verzeichnet ist. Im Ganzen sind diese Wesen überraschend geschickt, besonders wenn man die begrenzte Intelligenz bedenkt, die wir selbst, ihre Schöpfer, in sie investiert haben.
Valentin Braitenberg

Wesen 11. Gesetze und Regelmäßigkeiten

Zusammenfassung
Die meisten von Ihnen werden noch nicht davon überzeugt sein, daß der Prozeß der Ideengewinnung, wie er im vorigen Kapitel beschrieben ist, irgend etwas mit Denken zu tun hat. Es überrascht uns nicht, werden Sie sagen, daß im Mechanismus eines ziemlich komplizierten Gehirns gelegentlich etwas einrastet und daß von da an dieses Gehirn einen Trick beherrscht, einen Algorithmus, wie manche sagen, vermittels dessen es komplizierte Sequenzen von Zahlen oder anderen Bildern zu erzeugen vermag. Es überrascht auch nicht, daß diese Sequenzen gelegentlich Ding- oder Ereignisfolgen in der Welt des Vehikels widerspiegeln.
Valentin Braitenberg

Wesen 12. Verkettung von Gedanken

Zusammenfassung
Als Kritiker können Sie leicht behaupten, daß Ihnen bisher an unseren Vehikeln nichts aufgefallen ist, was über das gewöhnliche Lernen hinausgeht. Sicher scheinen diese Geschöpfe immer besser mit den Widrigkeiten ihrer Umwelt zurechtzukommen, nicht nur infolge der Darwinschen Selektion, sondern auch durch eigene aktive Aufnahme von Information über die Welt. Aber Denken ist etwas anderes. Es ist ein Vorgang, der sich über einen langen Zeitraum erstrecken kann, wie jeder weiß, der sich selbst schon bewußt beim Denken beobachtet hat. Man kann das Denken auch bei anderen Personen verfolgen, wenn sie uns verbale oder sonstige Evidenz für die Aufeinanderfolge ihrer geistigen Zustände vermitteln, die, geleitet von plausiblen Zusammenhängen oder logischen Kriterien, nacheinander verschiedene Sackgassen erforschen und eventuell am Ende zu einem Ergebnis führen. Manchmal glauben wir solche geistigen Operationen sogar bei einem Affen oder einem Hund zu beobachten, aber bisher noch nicht bei unseren künstlichen Wesen.
Valentin Braitenberg

Wesen 13. Vorhersage

Zusammenfassung
Und wirklich, in Fortführung des letzten Satzes des vorigen Kapitels, kann man ruhig sagen, daß das Innenleben der Wesen vom Typ 12 ziellos, wenn nicht gar zufällig abläuft, von den Regeln der Wahrscheinlichkeit, die in seinen Gedächtnissen (Mnemotrix und Ergotrix) gespeichert sind, bloß eingeschränkt, aber nicht durch sie bestimmt.
Valentin Braitenberg

Wesen 14. Egoismus und Optimismus

Zusammenfassung
Im Laufe der Zeit entwickeln wir eine Zuneigung zu der bunten Herde unserer Vehikel, die vom einfachsten bis zum komplexesten Modell interessante soziale Interaktionen und zuweilen ganz hintergründiges Verhalten an den Tag legen. Wir können mit ihnen spielen, lernen sie (und vielleicht sie uns) persönlich kennen, wir können sie necken, testen, Fertigkeiten lehren und sie dazu bringen, sich zu lieben oder zu bekämpfen. Wir haben jedoch nicht das Gefühl, sie zeigten in irgendeiner Form Persönlichkeit, nicht einmal die komplexesten Wesen der Sorte 13. Es ist schwer zu beschreiben, was wir damit meinen.
Valentin Braitenberg

Biologische Bemerkungen zu den Vehikeln

Frontmatter

Vorteile der gekreuzten Faserbahnen im Gehirn

Zusammenfassung
Wesen 1 bis 4, die frühen Vorfahren der ganzen Art, entstanden aus dem Versuch, Chiasmata im Gehirn zu verstehen, und unter ihnen besonders das eindrucksvollste, das optische Chiasma der Vertebraten. „Chiasma“ ist in der Neuroanatomie der technische Ausdruck für die Kreuzung zweier Faserbündel, meist zwischen rechter und linker Hirnhälfte.
Valentin Braitenberg

Das Komplexauge der Fliege: Rekonstruktion der Kontinuität bei der Abbildung auf dem Gehirn

Zusammenfassung
Obwohl ich für die Kreuzung der Faserbahnen im Wirbeltiergehirn eine andere Erklärung vorschlage (siehe nächstes Kapitel), konnte ich mich doch von der Richtigkeit des Cajalschen Prinzips in einem ganz anderen Zusammenhang überzeugen: beim Sehsystem der Fliege. Dort kann man ein recht kompliziertes Fasernetz tatsächlich als eine Folge der geometri schen Optik einer Linse erklären. [3]
Valentin Braitenberg

Geruchsorientierung: Steuerung des Verhaltens mittels symmetrischer Zügel

Zusammenfassung
Das Eindrucksvolle an dem vorhergehenden Beispiel ist, daß hier ein Stück Physik, die geometrische Optik eines Linsensystems, in ein Nervennetz eingebaut ist. Aber ich glaube nicht, daß die Linse des Wirbeltierauges eine überzeugende Erklärung für die gekreuzte Wiedergabe der Welt im Vertebratenhirn liefert [7]. Ich habe eine andere Erklärung vorgeschlagen, die von dem einzigen Sinnesorgan ausgeht, das durch eine ungekreuzte projektion in den beiden Hirnhälften abgebildet ist, dem Geruchssinn (Abb. 27). Die beiden Riechstränge führen direkt zur gleichseitigen Hirnhemisphäre. Die Verknüpfungen der Hemisphären mit dem motorischen System verlaufen aber kreuzweise, was bedeutet, daß ein bestimmter Geruch, der zuerst oder stärker auf das eine Nasenloch trifft, sich stärker auf das motorische System der entgegengesetzten Körperseite auswirkt. Das erinnert uns an Schemata wie bei Wesen 2B und 3B, mitsamt all den Eigenschaften, die wir dort diskutierten.
Valentin Braitenberg

Orientierung und Fixation von Gegenständen bei Fliegen (Wesen 4)

Zusammenfassung
Wesen 4 mit seiner nichtlinearen Verknüpfung von sensorischem Input und motorischem Output hat Entsprechungen in der Neurophysiologie. Solche nichtlinearen Input-Output-Charakteristika sind auf jedem Niveau zu finden. Z. B. wird die Bewegung eines Objekts visuell nicht wahrgenommen, wenn sie zu langsam oder zu schnell verläuft. Bei einer bestimmten, für Fliegen und Menschen wohlbekannten Winkelgeschwindigkeit erhält sie eine optimale Antwort [11].
Valentin Braitenberg

McCulloch und Pitts-Neuronen und wirkliche Neuronen (Wesen 5)

Zusammenfassung
Wesen 5 ist eine Verkörperung des „Logischen Kalküls der der neuronalen Aktivität immanenten Ideen“, einer alten Arbeit von McCulloch und Pitts [15]. Sie hat der modernen Hirnwissenschaft einen entscheidenden Auftrieb gegeben. Die experimentelle Basis lieferten elektrophysiologische Studien über das Rückenmark.
Valentin Braitenberg

Evolution (Wesen 6)

Zusammenfassung
Die spielerische Art, mit der wir die Vehikel der Sorte 6 herstellten, verbirgt zum großen Teil die Komplexität des Darwinschen Evolutionsprozesses. Mein Ziel war nicht, Werbung für die Evolutionstheorie zu machen. Allzu einleuchtend ist sie für die, die sich an ihrer entmystifizierenden Kraft begeistern, während die anderen nie aufhören werden, Schwierigkeiten und Gegenargumente zu erfinden. Dawkins hat ein Buch über Evolution geschrieben, „Das eigennützige Gen“ [16], das auch, Psychologen gefallen dürfte. Es ist ungetrübt von dem Wunsch, daß die Biologie letztlich doch nicht bloß auf die physikalischen Gegebenheiten zurückzuführen sei. Natürlich sind auch die Klassiker der Evolutionstheorie zu empfehlen [22]: Von Dawkins vorbereitet, wird auch der Nichtbiologe die informationsschaffende Kapazität des evolutionären Prozesses als ein psychologisches Abenteuer erleben.
Valentin Braitenberg

Gedächtnis (Wesen 7, 10, 11, 12, 13, 14)

Zusammenfassung
Von Vehikel 7 an haben wir eine Eigenschaft des Nervengewebes vor uns, die in der gegenwärtigen Technologie ihresgleichen noch nicht gefunden hat: das verteilte Gedächtnis, das sich direkt auf die logische Struktur des Nervennetzes auswirkt. In nahezu allen technischen Geräten, einschließlich der elektronischen Simulation von Nervennetzen auf Computern. wird Information, die in das Gedächtnis eingeht, separat festgehalten, außerhalb des eigentlichen Rechenwerkes, oft sogar in einem besonderen Kasten, dessen Struktur ganz anders ist als die des Rechners. Das kommt daher, daß weder Mnemotrix- noch Ergotrix-Draht im Handel erhältlich ist. Wenn eines Tages ein Ingenieur die Geschichte von unseren Vehikeln liest, so ist er sicher über die glatte Art verärgert, mit der ich die Durchführbarkeit von Dingen voraussetzte, die ihm als das eigentlich zu lösende technische Problem erscheinen. Ich bin aber damit nicht der einzige. Uttleys „Bedingte Wahrscheinlichkeits-Maschine“ [18] setzt Elemente mit Eigenschaften ganz ähnlich denen eines Ergotrix-Drahtes voraus [23], und Steinbuchs „Lernmatrix“ [24] funktioniert auch nicht ohne Mnemotrix-Verbindungen.
Valentin Braitenberg

Auf der Suche nach dem Engramm: Die Anatomie des Gedächtnisses (Wesen 7,11)

Zusammenfassung
Diese neurophysiologischen Ergebnisse sind im Grunde nicht überraschend. Nachdem man weiß, daß Signale über Fasern und Synapsen von den Sinnesorganen durch das Gehirn letztlich zu den Muskeln geraten, wie sollte man sonst erklären, daß ein paar Neuronen im akustischen Teil des Rattengehirns, die auf den Klang einer Klingel ansprechen, zunächst keinerlei Wirkung auf die Motoneuronen der Vorderpfoten der Ratte haben, aber nach ein paar Dressurversuchen dort regelmäßig eine Bewegung hervorrufen, wenn man nicht annimmt, daß irgendwelche neuen anatomischen Wege oder neuen synaptischen Verbindungen in dem neuronalen Netzwerk geschaffen wurden? Allerdings haben wir im Detail noch recht geringe Vorstellungen von den Vorgängen, die sich beim Lernen im Nervengewebe abspielen, und wissen nicht einmal, welche Gewebsbestandteile dabei verändert werden.
Valentin Braitenberg

Vom Nutzen der Karten (Wesen 8, 9)

Zusammenfassung
Es ist nur zu offensichtlich, daß Wesen Nummer 8 und 9 nicht nur aus einer kreativen Laune heraus entstanden sind. Sie verkörpern denjenigen Aspekt des Tiergehirns, der in den letzten hundert Jahren das Hauptthema der Hirnforschung ausmachte: die Darstellung äußerer Räume in den räumlichen Koordinaten des Nervensystems. Wir hielten solche inneren Abbildungen der Welt (oder unserer Körperoberfläche) bisher im allgemeinen für ein Vorrecht der primären Sinnes- und motorischen Felder der Großhirnrinde, doch neuerdings brachten verfeinerte Techniken nacheinander eine Menge von visuellen, taktilen, auditorischen und motorischen Karten ans Licht, die den größten Teil der vorhandenen Oberfläche des Cortex abdecken [32].
Valentin Braitenberg

Gestalten: Die Morpheme des Sehens (Wesen 9)

Zusammenfassung
Wesen 9 ist insbesondere dem Andenken der Gestaltpsychologie gewidmet. Unter dieser Bezeichnung machte sich eine Gruppe hervorragender Psychologen während des ersten Drittels dieses Jahrhunderts an die Erforschung der Gesetze, aufgrund derer ähnliche Gestalten für den Menschen ähnlich aussehen [46]. Wie recht sie mit ihrer Betonung dieses Problems hatten, wurde jedem, einschließlich den Computer-Ingenieuren, klar, als sie später versuchten, effiziente Apparate zur Unterscheidung von Formen (feindlichen Flugzeugen, handgeschriebenen Adressen, turbulenten oder nichtturbulenten Wolkenmustern usw.) zu bauen [47].
Valentin Braitenberg

Eine angeborene Kategorie in der akustischen Wahrnehmung (Wesen 8, 9)

Zusammenfassung
In der Akustik lassen sich fundamentale Wahrnehmungskategorien mit wohlbekannten physiologischen Tatsachen in Zusammenhang bringen. Für die meisten von uns klingt eine Melodie in verschiedenen Tonarten praktisch identisch. Diese erstaunliche Feststellung wird einigermaßen erklärt dadurch, daß im Cortex (und im Hirnstamm) die akustischen Frequenzen im logarithmischen Maßstab, ähnlich wie auf einer Klaviertastatur (Abb. 38) aufgetragen sind [55]. Die sich daraus ergebende Verschiebungs-Invarianz für Tonmuster, die durch konstante Frequenzverhältnisse charakterisiert sind, gilt als eine der grundlegenden Tatsachen der Musiklehre. Der Durdreiklang, bestehend aus drei Tönen mit den Frequenzverhältnissen 4:5:6, erscheint sowohl auf dem Notenpapier, wie auf der Tastatur des Klaviers und auf der Heschlschen Windung meiner Großhirnrinde immer als die gleiche, gleichgroße Gestalt, nur verschoben, unabhängig davon, ob es sich um die Töne C, E, G mit den Frequenzen 500, 625, 750 oder um G, H, D mit den Frequenzen 3000, 3750, 4500 oder um As, C, Es mit den Frequenzen 100, 125, 150 handelt.
Valentin Braitenberg

Struktur der Großhirnrinde (Wesen 11)

Zusammenfassung
Wir kommen nun zu unseren mehr kognitiven Wesen Nummer 10 bis 14. Von hier an wird es zunehmend schwieriger, die Vehikel durch Verweis auf experimentelle Tatsachen aus der Gehirnphysiologie unmittelbar zu rechtfertigen. Eher besteht ein Bezug zur Psychologie: auf der einen Seite zur ernsthaften akademischen Psychologie, die sich mit tierischem Lernen und Verhalten beschäftigt, auf der anderen Seite zur introspektiven Psychologie des Denkens, in der wir ja alle Experten sind. Die Unterscheidung zwischen zweierlei Arten der Assoziation, die wir bei Wesen 11 einführten, ist nicht nur philosophisch interessant, sondern hilft uns vielleicht in der Interpretation gewisser neuroanatomischer Strukturen weiter. Um das plausibel zu machen, will ich den Leser kurz in die Struktur der Gehirnrinde einführen [56].
Valentin Braitenberg

Neuronenverbände als Träger von Ideen (Wesen 7, 10)

Zusammenfassung
Die Wesen von Typ 10 bis 14 verarbeiten Ideen, die in ihrem Inneren als Statthalter von Dingen und Situationen der Außenwelt dienen. Diese Ideen sind in den Vehikel-Gehirnen als Gruppen von aktiven Elementen enthalten, die durch gegenseitige erregende Verbindungen irgendwie zusammengehalten werden. Es drängt sich die Frage auf: Wieso sind denn die Repräsentanten von Dingen im Gehirn nicht einzelne Elemente oder vielleicht ganz abstrakt irgendwelche Muster von erregten Elementen, die nicht an die Bedingung gebunden sind, daß sie sich durch gegenseitige Erregung in ihrer Aktivität stützen? Sie haben die Antwort schon erraten: Wir haben dieses Bild gewählt, weil die Vehikel Karikaturen wirklicher Tiergehirne darstellen und weil es zur Zeit wieder modern ist, Gruppen von miteinander verbundenen Neuronen, die sogenannten Cell assemblies [64] oder Neuronenverbände, als Träger von einzelnen Bedeutungsstücken anzusehen, oder, wenn man so will, als die Morpheme der inneren Sprache des Gehirns.
Valentin Braitenberg

Schwellenregelung und Gedankenpumpe (Wesen 12, 13, 14)

Zusammenfassung
Die Schwellenregelung wird beim Wesen 12 eingeführt und gibt ihm ganz besondere Eigenschaften. Bei Tiergehirnen gibt es nur indirekte Hinweise auf einen solchen Mechanismus, aber man kann sich kaum vorstellen, wie sie ohne ihn funktionieren sollten, besonders die Säugetiergehirne mit ihrer riesigen Ansammlung von Neuronen in der Gehirnrinde, die über eine positive Rückkopplung miteinander verbunden sind. Dies wäre ohne eine besondere Regelung der gesamten Aktivität eine höchst, explosive Situation. Die Schwellenregelung ist vielleicht mehr als ein notwendiges Übel. Wir haben bereits gesehen, wie sie einen sonst allzu starren Mechanismus von Neuronenverbänden und Assoziationen mit einer interessanten Dynamik versieht.
Valentin Braitenberg

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