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Über dieses Buch

Die Anerkennung kultureller Vielfalt zählt neben dem Schutz vor Gewalt, vor Not und der Freiheit zu den Dimensionen eines gerechten Friedens. Aber was bedeutet kulturelle Vielfalt konkret? Was geschieht, wenn sie in Widerspruch zu den anderen Friedensdimensionen gerät? Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes widmen sich diesen Fragen. Sie beleuchten aus verschiedenen disziplinären Perspektiven die Chancen und Herausforderungen, die in diesem Konzept liegen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kulturelle Vielfalt als Dimension des gerechten Friedens. Eine Einleitung

Zusammenfassung
Mit diesen Worten führt die Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) aus dem Jahr 2007 in die Perspektive der Anerkennung kultureller Vielfalt ein. Diese tritt neben die anderen drei Dimensionen – die Vermeidung von Gewaltanwendung, Förderung von Freiheit und Abbau von Not – zur näheren Bestimmung des Konzeptes des gerechten Friedens, der in Deutschland, aber auch in großen Teilen der weltweiten ökumenischen Bewegung als Konsens in friedensethischen Fragen gelten kann. Damit verbunden ist ein Paradigmenwechsel: Nicht mehr der Krieg, sondern der Frieden steht im Fokus des neuen Ansatzes.
Sarah Jäger

Zum theologischen Bedeutungshorizont des Begriffs der Anerkennung

Zusammenfassung
Die Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) aus dem Jahr 2007 bestimmt, neben dem Schutz vor Gewalt, der Förderung von Freiheit und dem Abbau von Not, die Anerkennung kultureller Verschiedenheit (EKD 2007, Ziff. 84) als vierte Dimension, in der sich das politisch-ethische Leitbild des gerechten Friedens konkretisiert. Damit wird ihr innerhalb der theologischen Konzeption der Denkschrift, die den „Friedensbeitrag der Christen und der Kirche“ (EKD 2007, Kap. 2) näher beschreibt, eine prominente und gewichtige Stellung zugewiesen. Zweifellos ist die Betonung der friedensethischen Relevanz dieser Dimension in Anbetracht gegenwärtiger außen- und innenpolitischer Herausforderungen und Konfliktlagen sehr plausibel.
Julian Zeyher-Quattlender

Die kulturelle Dimension von Gewalt und Frieden bei Johan Galtung

Zusammenfassung
Johan Galtung gilt als Mitbegründer, wenn nicht gar als der Gründungsvater der Friedensforschung. Insbesondere seine Reflexionen über einen weiten Friedens- und Gewaltbegriff haben der Friedensforschung den „entscheidende[n] Durchbruch“ (Ferdowsi 1981, S. 32) als wissenschaftliche Disziplin verschafft. Mit seiner Aufsatzsammlung „Strukturelle Gewalt“ (1975) wirkt Galtung auch in der Bundesrepublik Deutschland gleichsam „kanonisch“ (Schmidt 1998, S. 10).
Sabine Jaberg

Kulturelle Verschiedenheit

Überlegungen zu ihrer Anerkennung und ihrem Verhältnis zu den anderen Dimensionen des gerechten Friedens
Zusammenfassung
Als Dimensionen des gerechten Friedens werden in der Friedensdenkschrift der EKD von 2007 diskutiert: Schutz vor Gewalt, Förderung der Freiheit, Abbau von Not und Anerkennung kultureller Verschiedenheit (vgl. dazu Senghaas und Senghaas-Knobloch 1992; Senghaas 1998). Bei der Auflistung dieser Dimensionen muss berücksichtigt werden, dass sie sich auf moderne, das heißt sozial mobile Gesellschaften, beziehen, nicht also auf traditionale Gesellschaften, wie sie im westlichen und nördlichen Europa noch bis in das frühe 19. Jahrhundert existierten. Traditionale Gesellschaften waren in aller Regel durch eine tributär strukturierte soziale Ordnung geprägt: 85 bis 90 % oder sogar 95 % der Bevölkerung lebte auf der Grundlage von Eigenwirtschaft (Subsistenzökonomie), also im landwirtschaftlichen Bereich, und war zu Gunsten der Feudalklasse in ihren verschiedenen Ausprägungen tributpflichtig.
Dieter Senghaas, Eva Senghaas-Knobloch

Zusammenleben in Differenz

Ein kulturanthropologischer Kommentar zur „Anerkennung kultureller Vielfalt“ als Dimension des gerechten Friedens
Zusammenfassung
„Friede“ – so erklärt die Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an einer zentralen Stelle – „ist kein Zustand (weder der bloßen Abwesenheit von Krieg, noch der Stillstellung aller Konflikte), sondern ein gesellschaftlicher Prozess abnehmender Gewalt und zunehmender Gerechtigkeit“ (EKD 2007, Ziff. 80). Zumindest drei Aspekte sind an dieser Formulierung bemerkenswert: Zunächst verweist sie auf den Anspruch, durch die Denkschrift einen expliziten Gegenentwurf zu dem etablierteren, weiterhin wirkmächtigen Konzept vom Frieden „als zentralistischer Herrschaftsordnung, die innerhalb ihrer Grenzen Sicherheit garantiert“ (EKD 2007, Ziff. 75) zu entwickeln. Ein gerechter Frieden soll demnach mehr sein als die bloße Abwesenheit von Gewalt und ist durch die Durchsetzung eines herrschaftsnahen Konzeptes von „Sicherheit“ nicht zu erreichen.
Jens Adam

Postkoloniale Perspektiven auf die „Anerkennung kultureller Vielfalt und Identität“ als Dimension des gerechten Friedens

Zusammenfassung
Die Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) „Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen“ benennt „die Förderung kultureller Vielfalt“ als eine der vier Dimensionen des gerechten Friedens.
Silke Betscher

Gerechter Frieden angesichts kulturell-religiöser Diversität von Geschlechterkonzeptionen

Zusammenfassung
Die Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) von 2007 versteht Frieden als „gesellschaftliche(n) Prozess abnehmender Gewalt und zunehmender Gerechtigkeit“ und definiert Gerechtigkeit als „normatives Prinzip gesellschaftlicher Institutionen“ (EKD 2007, Ziff. 18). Die „Förderung von Freiheit und kultureller Vielfalt“ wird zusammen mit der Vermeidung von Gewaltanwendung und dem Abbau von Not zu den Grundlagen eines Zusammenlebens in Gerechtigkeit gezählt. Anerkennung kultureller – und ich ergänze: auch religiöser! – Vielfalt muss explizit auch Genderkonzeptionen thematisieren.
Verena Grüter

Kulturelle Vielfalt und gerechter Frieden – eine Zusammenschau

Zusammenfassung
Dieser Band bildet einen Aspekt der Grundsatzfragen des Konsultationsprozesses zum gerechten Frieden ab. Diese Fragen thematisieren gezielt die Orientierungsleistung des Konzepts, welches mit der Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) von 2007 zum Ausdruck gebracht wird. Dabei gelten Probleme des Theorie-Praxis-Verhältnisses ebenso als grundsätzlich wie die Fragen nach dem Umgang mit Pluralität in einer (Welt-)Gesellschaft.
André Munzinger

Backmatter

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