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Über dieses Buch

Florian Meißner befasst sich mit der Fukushima-Katastrophe und der entsprechenden Berichterstattung deutscher und japanischer Medien. Der Autor geht der Frage nach, warum über die Ereignisse des Jahres 2011 in beiden Ländern sehr unterschiedlich berichtet wurde und welche Rolle dabei insbesondere kulturelle und historische Prägungen spielten. Auf diese Weise rekonstruiert der Autor nicht nur völlig unterschiedliche Kernkraft-Diskurse in Deutschland und Japan, sondern auch divergente journalistische Rollenverständnisse. Dabei verfolgt er einen kultursensiblen Untersuchungsansatz, der einen tiefen Einblick in das Denken deutscher und japanischer Journalisten erlaubt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
Ob Klimawandel, Flüchtlingsströme oder Euro-Rettung – viele Krisen und Katastrophen der heutigen Zeit sind mit nationalen Bezugsrahmen nicht mehr zu erfassen. Ursachen und Wirkungen ebenso wie Anforderungen an Prävention und Bekämpfung folgen zumeist komplexen Logiken, die sich dem Paradigma nationaler Grenzen entziehen (Beck, 2007). Das gilt auch für die Erdbeben-, Tsunami- und AKW-Katastrophe des 11. März 2011. In einem globalen Zusammenhang ist vor allem das nukleare Desaster zu sehen, das über die Grenzen Japans hinaus, etwa in China und auf der koreanischen Halbinsel, konkrete Besorgnis auslöste und die Politik in einigen Ländern darüber hinaus zu einem Atomausstieg bewog. Der Globalität des Themas zum Trotz war die internationale Medienberichterstattung stark von nationalen Perspektiven geprägt.
Florian Meißner

Kapitel 2. Überblick über die internationale Journalismusforschung

Zusammenfassung
Dieses Kapitel liefert einen Überblick über wesentliche Studien und die sich wandelnden und ausdifferenzierenden Forschungszugänge in ihrer historischen Entwicklung. Zentrale Themen und Ergebnisse werden ebenso beleuchtet wie die Weiterentwicklung der theoretischen Grundlagen, der verwendeten Methoden und der damit verbundenen wissenschaftlichen Gütekriterien. Dabei ist zu beachten, dass dieser Forschungszweig noch recht jung ist. Nach Pionierarbeiten in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gewann die vergleichende Kommunikationsforschung ab Mitte der 70er Jahre zunehmend an Dynamik und an Reife.
Florian Meißner

Kapitel 3. Mehrebenen-Analyse: deutscher und japanischer Journalismus im Vergleich

Zusammenfassung
Nach dem Vorbild des „Hierarchy of Influences Model“ von Shoemaker und Reese (2014) werden die unterschiedlichen Einflussebenen in Bezug auf Journalismus in Deutschland und Japan auf der Grundlage existierender Literatur einer systematischen, mehrstufigen Analyse unterzogen. Dies soll einen Überblick über die Rahmenbedingungen gestatten, die den Journalismus in beiden Ländern prägen – einschließlich der Berichterstattung über Katastrophen. Die Herausforderung dabei ist, die enorme Komplexität, die allein auf jeder einzelnen Ebene herrscht, mit Blick auf die Forschungsziele dieser Arbeit jeweils auf die wichtigsten Aspekte zu beschränken und sinnvolle Vergleiche zwischen Deutschland und Japan anzustellen.
Florian Meißner

Kapitel 4. Katastrophenberichterstattung

Zusammenfassung
Katastrophen haben die Kraft, Gesellschaften zu erschüttern, ihre kollektive Bewusstseinsschemata zu prägen und zu verändern (Alexander, 2004). Dabei werden die meisten Menschen (zu Friedenszeiten) nie selbst zu Betroffenen einer Katastrophe. Vielmehr erfahren sie davon aus den Medien, weshalb die Berichterstattung darüber erhebliche gesellschaftliche und politische Implikationen besitzt. Vor diesem Hintergrund erstaunt es, dass es von Seiten der Risikosoziologie bislang nur wenige Versuche gegeben hat, journalistische Katastrophenberichterstattung in die Theoriebildung einzubeziehen. Dies änderte sich erst in den früheren 2000er Jahren. So verwiesen Keller (2003) und schließlich auch Beck (2007) in seiner wegweisenden Arbeit „Weltrisikogesellschaft“ auf die zentrale Bedeutung der medialen Berichterstattung und ihre Rolle in der gesellschaftlichen Aushandlung von Risikobewertungen.
Florian Meißner

Kapitel 5. Empirischer Teil

Zusammenfassung
In der empirischen Sozialforschung ebenso wie in der Kommunikationswissenschaft ist es die Regel, theoriegeleitet (deduktiv) zu arbeiten und aus der Theorie Hypothesen zu generieren, die dann anhand des empirischen Materials einer Überprüfung unterzogen werden. Die vorliegende Arbeit wählt ein anderes Verfahren. Angesichts der beträchtlichen Unterschiede zwischen den journalistischen Kulturen Deutschlands und Japans, der fehlenden Vergleichsäquivalenz und der stark euroamerikanisch geprägten Journalismustheorie erscheint ein theoretisch offener, sprich induktiver Forschungsansatz geboten. Zu diesem Zweck wurden Experteninterviews mit Wissenschaftlern aus beiden Ländern sowie narrative Interviews mit deutschen und japanischen Journalisten geführt, die über die Katastrophe berichtet haben.
Florian Meißner

Kapitel 6. Fazit: Deutscher und japanischer Journalismus im Zeichen der Katastrophe

Zusammenfassung
Die Große Ostjapanische Erdbebenkatastrophe, für die sich in Deutschland das Schlagwort „Fukushima“ etabliert hat, ist zweifellos eine Zäsur in der japanischen Nachkriegsgeschichte. Schließlich handelt es sich beim verheerenden Tsunami nicht nur um die größte humanitäre Katastrophe in Japan seit 1945, sondern auch um den Zusammenbruch eines nationalen Mythos: der vermeintlichen Unfehlbarkeit der japanischen Atomtechnologie. Auf einmal stand nicht mehr nur ein technologisch vermeintlich unterlegener Sowjet-Reaktor mit dem Schreckenswort „Nuklearkatastrophe“ in Verbindung, sondern auch ein Kernkraftwerk in einer der modernsten Industriegesellschaften der Erde.
Florian Meißner

Backmatter

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