Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Dieses Lehrbuch betrachtet den Bereich Kunst und Kultur aus einer Perspektive des ökonomischen Denkens und Handelns. Es untermauert die Bedeutung öffentlicher Finanzierung anhand ökonomischer Phänomene wie etwa der Baumol’schen Kostenkrankheit und des Auftretens von externen Effekten. Im Rahmen einer Analyse privater Zuwendungen wird diskutiert, inwieweit Finanzierungslücken durch das Engagement von Unternehmen und Kulturkonsumenten geschlossen werden können, und welche Rolle unter anderem Förderungsbedingungen und Hemmnisse für den Kulturkonsum einnehmen. Der Nutzen ökonomischer Ansätze wird anhand ausgewählter Schwerpunkte bei Bildender und Darstellender Kunst deutlich gemacht und erörtert. Mithilfe vieler Beispiele, Abbildungen und Tabellen wird die Kulturökonomik anschaulich vermittelt. Die vorliegende Auflage wurde vollständig überarbeitet und aktualisiert.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Die ökonomische Betrachtung von Kunst und Kultur

Kulturökonomik überträgt ökonomische Prinzipien und Instrumente auf den Bereich von Kunst und Kultur. Vor diesem Hintergrund bietet sie Serviceleistungen wie Beratung in Finanzierung, Wirtschaftlichkeit und Kundenorientierung an. Zu diesem Zweck werden Angebot und Nachfrage kritisch im Hinblick auf Verbesserungen in ihrem Zusammenspiel kultureller Leistungserstellung analysiert. Die Doppelnatur von Kunstgütern, die auf der einen Seite den ausschließbaren Nutzen des Einzelnen, auf der anderen Seite aber auch die nicht ausschließbaren Vorteile für die Gesellschaft in Form von externen Effekten umfasst, bietet ein ökonomisches Fundament für finanzielle Beiträge der öffentlichen Hand. Ohne diese Unterstützung droht eine Unterversorgung, da bei Nutznießern, die vom kulturellen Angebot nicht ausgeschlossen werden können, ein Schwarzfahrerverhalten möglich wird. Sie profitieren von der Bereitstellung der Kulturleistungen, ohne ihre wahren Präferenzen durch Nachfrage offenlegen zu müssen.
Ingrid Gottschalk

2. Märkte und Markteingriffe bei Kunstgütern

Die von den amerikanischen Ökonomen William Baumol und William Bowen im Jahr 1966 publizierte Kostenkrankheit belegt, weshalb der Versorgung mit Kulturleistungen ein produktionsbedingtes Unterangebot droht. Die beiden Autoren zeigen in ihrem modelltheoretischen Vergleich zwischen der technischen Industrie der Automobilhersteller und den technikfernen Produzenten von Musik, dass kostenneutrale Lohnsteigerungen aufgrund fehlender Produktivitätszuwächse im Kultursektor nicht möglich sind. Sollen aber höhere Preise und der damit zu erwartende Nachfrageeinbruch mit der Folge einer Dezimierung des Kultursektors vermieden werden, bleibt für diese Modellvolkswirtschaft nur der Ausweg einer Defizitfinanzierung von dritter Seite. Ist dies der Staat, dann können die Kulturinstitutionen direkt durch öffentliche Zuwendungen bedacht werden oder indirekt durch Subvention der Nachfrager über Kulturgutscheine. Über diesen Umweg fließen die öffentlichen Gelder nur den Anbietern zu, die die Präferenzen der Kulturkonsumenten bestmöglich erfüllen.
Ingrid Gottschalk

3. Ökonomische Analyse des Kulturangebots

Im Spiegel der Statistik internationaler und nationaler Kulturdaten zeigt sich, dass der Kultur- und Kreativsektor substanziell zur Wertschöpfung und zur Beschäftigungslage auf dem Arbeitsmarkt beiträgt. Auf lokaler und regionaler Ebene wird die Wirtschaft durch das Kulturangebot stimuliert und als Umwegrentabilität ausgewiesen. Die Finanzierung der Bereitstellung von Kunst und Kultur basiert auf den Säulen öffentlicher und privater Zuwendungen. Um mangelnde Steigerungen bei den öffentlichen Geldern auszugleichen, müssen sich die Kulturinstitutionen stärker um Zuflüsse aus privaten Quellen bemühen. Private Kulturförderung findet einerseits über Sponsoring und Spenden der Unternehmen oder Fördervereine und private Stiftungen statt. Die privaten Haushalte demonstrieren andererseits Zahlungsbereitschaft durch das Zahlen von Eintrittsgeldern und die Entrichtung von Spenden. Durch Kommunikation über das Internet können auch kleine Spendenbeiträge als Crowdfunding von vielen Beteiligten eingesammelt werden. Der von der Bevölkerung gewünschte Erhalt von Kulturgütern kann über die Zahlungsbereitschaft ermittelt werden.
Ingrid Gottschalk

4. Ökonomische Analyse der Kulturnachfrage

Der Kulturkonsument tritt als Rezipient oder Sammler in Erscheinung. Bei der immateriellen Bedürfnisbefriedigung durch Kunst geht es um Emotionen, Neugierde und soziales Miteinander, und in der höchsten Stufe um Selbstverwirklichung. Die Modelle der Konsumentscheidung zeigen, dass unter dem Strich, ob bewusst oder unbewusst, ein Nettowert angestrebt wird, bei dem die erwarteten Vorteile die befürchteten Nachteile übersteigen und das soziale Umfeld mit der eigenen Entscheidung konform geht. Externe oder interne Barrieren können sich dem beabsichtigten Handeln allerdings noch in den Weg stellen. Neben den individuellen Bedürfnissen werden auch soziale Werte des Kunstkonsums wie etwa die Erhaltung von Kulturgütern für nachkommende Generationen angestrebt und durch Bereitschaft zur Unterstützung bekundet.
Ingrid Gottschalk

5. Strategien der Bereitstellung von Kulturgütern

Die öffentliche und private Finanzierung von Kulturprojekten in Form der Public Private Partnership (PPP) ist im Vergleich zu Gemeinschaftsprojekten in anderen Bereichen in Deutschland noch wenig verbreitet. Die von der Verfasserin entwickelte Kulturkarte (Gottschalk 1998) wird als Beispiel gemeinschaftlicher Beteiligung in ihrer Konzeption und möglichen Akzeptanz vorgestellt. Als alternatives Preismodell wird der von Frey und Steiner (2012) konzipierte Museumseintrittspreis des „pay as you go“ skizziert und anhand erster Reaktionen von Konsumentenseite illustriert. Im Modell des Value Marketing von Kotler et al. (2009) entscheidet der realisierte Konsumentenwert über den Erfolg der angebotenen Leistung. Diesem Modell folgend ergeben sich durch Konsumentenbefragung Hinweise für ein verbrauchergerechtes, den Nettowert eines Museumsbesuchs maximierendes Angebot. Durch den Einsatz von Technik werden zudem neue Wege der Vermittlung von Kunst erprobt. Der virtuelle Kunstbesuch bietet die Möglichkeit, neue Interessenten spielerisch an die Kulturinstitution heranzuführen und dem Stammpublikum bei der Planung zu helfen.
Ingrid Gottschalk

6. Der Kulturkonsument im Fokus

Im Zentrum stehen aktuelle eigene Erhebungen zur Ermittlung von Konsumentenvorstellungen beim Besuch von Kulturveranstaltungen. Basierend auf dem Modell des geplanten Verhaltens (TPB) und der Theorie der Konsumentenwerte wurden ergebnisbezogene, normative und kontrollorientierte Überzeugungen im Hinblick auf einen Kulturbesuch in einer Vorbefragung ermittelt (n?=?20) und im Rahmen der Hauptbefragung gewichtet (n?=?120). Als positive Einflussgröße für den Kulturbesuch steht an erster Stelle die soziale Komponente eines gemeinsamen Erlebnisses mit Familie und Freunden. Es folgen die erwarteten und für gut befundenen emotionalen und kognitiven Wirkungen, nämlich in gute Stimmung zu kommen und den eigenen Wissens- und Erfahrungshorizont zu erweitern. Unter den insgesamt deutlich schwächer gewichteten Nachteilen dominiert der Kostenaspekt. Auch bei den bewerteten Hemmnissen steht der Eintrittspreis an vorderster Stelle, er wird allerdings sehr heterogen von der Stichprobe eingeschätzt und erwartungsgemäß von den jungen Befragten signifikant stärker gewichtet als von den älteren Teilnehmern. Die an Kultur wenig Interessierten stufen die mögliche Barriere, auf eine „verstaubte Atmosphäre“ zu treffen, signifikant höher ein als die an Kultur interessierten Befragten.
Ingrid Gottschalk

7. Kulturökonomik in Museen und Theatern

Museen und Theater stehen vor der teilweise konträren Aufgabe, Kunst zu bewahren und zu verbreiten. Dazu gehört einerseits, unbekannte, vom allgemeinen Geschmack noch entfernte Kunstrichtungen zu präsentieren, aber andererseits auch, sich dem Publikum mit allen Mitteln verständlich zu machen. Angewandte Kulturökonomik kann bei der Erfüllung dieser Aufgabe behilflich sein. Durch Befragungen werden Besucherwünsche sowie empfundene Vor- und Nachteile erhoben und bestehende Defizite aufgedeckt. Eine besondere Schwierigkeit liegt darin, den eher kulturfernen Menschen den Einstieg zu erleichtern und Empfindungen wie Schwellenangst und Inkompetenz zu zerstreuen. Den Kulturbesuchern geht es im Regelfall nicht nur um das Kunsterlebnis an sich. Von Bedeutung sind auch die Bedingungen, die den Kulturkonsum ermöglichen, ihn anreichern und mit anderen teilen lassen. Zusatzangebote und der Verkauf von „Kunst zum Mitnehmen“, etwa im Museumsshop, sind geeignete Ansätze. Durch Präsentation und Kommunikation im Internet können Kulturanbieter ihr Programm darbieten, Buchungen von Eintrittskarten organisieren und den Austausch von Kulturkonsumenten untereinander stimulieren.
Ingrid Gottschalk

8. Konsequenzen aus den kulturökonomischen Analysen

Die Kulturnation Deutschland zehrt zunehmend von ihrem historischen Kapital. Eine auf niedrigem Niveau verharrende Nachfrage nach Kulturleistungen, bei den klassischen Kulturangeboten vornehmlich durch älteres, weibliches Publikum der höheren Bildungsschicht praktiziert, bietet keinen Anlass zum Ausruhen. Der Schlüssel zum Gegensteuern liegt in der Stärkung des Kulturbewusstseins. Alle Untersuchungen zeigen, dass der Zugang zur Kultur in jungen Jahren geschafft werden sollte, um dauerhaft Bestand zu haben. Grundlegender Ansatzpunkt ist die breite Förderung von Kulturkompetenz. Mangelt es an kulturkompetenten Eltern und Lehrern, kann auch die Weitervermittlung nicht gelingen. Darüber hinaus bilden strukturelle und prozessbezogene Komponenten ein stetiges Störpotenzial für das harmonische Zusammenspiel von Kulturangebot und Kulturnachfrage. Darunter fallen die Kostenkrankheit und Managementdefizite auf der Anbieterseite und Schwarzfahrertum und Crowding out-Tendenzen bei den Nachfragern.
Ingrid Gottschalk

Backmatter

Weitere Informationen

Premium Partner

BranchenIndex Online

Die B2B-Firmensuche für Industrie und Wirtschaft: Kostenfrei in Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren.

Whitepaper

- ANZEIGE -

Wieviel digitale Transformation steckt im Informationsmanagement? Zum Zusammenspiel eines etablierten und eines neuen Managementkonzepts

Das Management des Digitalisierungsprozesses ist eine drängende Herausforderung für fast jedes Unternehmen. Ausgehend von drei aufeinander aufbauenden empirischen Untersuchungen lesen Sie hier, welche generellen Themenfelder und konkreten Aufgaben sich dem Management im Rahmen dieses Prozesses stellen. Erfahren Sie hier, warum das Management der digitalen Transformation als separates Konzept zum Informationsmanagement zu betrachten
und so auch organisatorisch separiert zu implementieren ist. Jetzt gratis downloaden!

Bildnachweise