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Über dieses Buch

Der Band versammelt erstmals Replikationsstudien aus dem Gebiet der empirischen Kommunikationsforschung, die verschiedene Forschungsfelder adressieren: politische Kommunikation, Unterhaltungsforschung, Mediennutzung und -wirkung, Persuasionsforschung, Gesundheitskommunikation. Dabei werden Befunde klassischer Untersuchungen unter neuen medialen Bedingungen überprüft und fortgeschrieben.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

„Ein guter Lehrer vermittelt eine zureichende Erklärung, ein großer Lehrer verunsichert“

Hans-Bernd Brosius und die Kommunikationswissenschaft
Zusammenfassung
Der Beitrag würdigt die akademischen Lebensleistung von Hans-Bernd Brosius, indem er sie anhand folgender Fragen in Beziehung zu aktuellen Tendenzen in der Kommunikationswissenschaft setzt: Ist die Kumulation von Evidenzen das Ziel der Kommunikationswissenschaft? Tendieren wir zur theoretischen und methodischen Konventionalität? Ist die Kommunikationswissenschaft der Spiegel der Gesellschaft? Was sucht ein Psychologe in der Kommunikationswissenschaft? Was bleibt?
Bertram Scheufele

Outfit oder Output?

Wie Kleidungsstil und akademische Leistung reputationsrelevante Größen beeinfluss
Zusammenfassung
Nicht nur bei der Präsentation groß angelegter Forschungsprojekte stehen Hochschullehrerinnen und -lehrer verstärkt im Fokus der Öffentlichkeit und des interessierten Fachpublikums. Gerade vor dem Hintergrund des zunehmenden Evaluierungsdrucks in der Lehre müssen sie sich auch regelmäßig der kritischen Beurteilung durch die Studierenden stellen. Der Ruf, den die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei Studierenden genießen, könnte dabei maßgeblich sowohl von ihrer wissenschaftlichen Reputation als auch von ihrem äußeren Auftreten abhängen. In einem Fragebogenexperiment mit 154 Studierenden verschiedener Fachbereiche geht die vorliegende Studie am Beispiel der Merkmale „Kleidungsstil“ und „akademische Leistung“ erstmals der Frage nach, wie sich fach- und erscheinungsbezogene Eigenschaften auf die Wahrnehmung und Bewertung von Hochschullehrern in Deutschland auswirken. Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Einfluss der akademischen Leistung, während dem Kleidungsstil tendenziell weniger Bedeutung beikommt. Die Befunde sind von großer Relevanz für (einige) Hochschullehrer in Deutschland.
Oliver Quiring, Christina Köhler, Marc Ziegele, Mathias Weber, Markus Schäfer

Medienwächter, Medienentwickler, Medienverwalter

Zum Rollenverständnis von Mitgliedern der Rundfunkaufsichtsgremien 1988, 1998 und 2016
Zusammenfassung
Ungeachtet der einschneidenden Veränderungen, die das deutsche Mediensystem in den vergangenen Jahren erschütterten, ist die Logik der Rundfunkkontrolle durch aus Vertreterinnen und Vertreter gesellschaftlich relevanter Gruppen besetzte Räte erhalten geblieben. Als Replikation einer Studie aus dem Jahr 1998 wurden 2016 diese Gremienmitglieder zu ihrer Arbeitsweise, ihren Auffassungen von Journalismus und ihren Qualitätskriterien für Medienbeiträge befragt. Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Trend hin zu einer Präferenz von faktenorientiertem Journalismus und Belege für den Einfluss der Digitalisierung auch auf die Gremienarbeit.
Patrick Rössler

Online-Nutzung und individueller Schreibstil – 20 Jahre später

Zusammenfassung
Der Beitrag repliziert eine Studie zum individuellen Schreibstil von Internetnutzerinnen und -nutzern aus dem Jahr 1997. In einer Online-Befragung sollten die n = 114 Teilnehmerinnen und Teilnehmer neben verschiedenen geschlossenen Fragen drei offene Fragen zur Internet- und Mediennutzung sowie zum eigenen Konsumverhalten beantworten. Diese Antworten wurden hinsichtlich ihres Schreibstils analysiert. Das erlaubt es, den Schreibstil von Individuen mit ihrer Soziodemografie, ihren generellen Schreibgewohnheiten und vor allem ihrer Internet- und Social-Media-Nutzung zu verknüpfen. Es zeigt sich, dass sich der Schreibstil von jüngeren Onlinern mit Abitur und/oder Hochschulabschluss in den letzten zwanzig Jahren kaum verändert hat. Wohl aber finden sich im Jahr 2016 Unterschiede: Zum einen machen formal Niedriggebildete doppelt so viele Schreibfehler wie Höhergebildete – unabhängig von ihrem Alter. Zum anderen lassen sich zwei Schreibstil-Gruppen identifizieren: die ‚prägnanten Wenigschreiber’ und die ‚ausschweifenden Vielschreiber’. Beide Gruppen sind ähnlich groß und unterscheiden sich in lediglich einer Eigenschaft: ihrer Chat-Häufigkeit.
Wolfgang Schweiger

Jugend, Internet und Pornografie

Eine repräsentative Befragungsstudie zu individuellen und sozialen Kontexten der Nutzung sexuell expliziter Inhalte im Jugendalter
Zusammenfassung
Der Beitrag skizziert den aktuellen Stand der Forschung zur Nutzung und Wirkung von jugendlichem Pornografiekonsum und stellt die Ergebnisse einer Studie zum persönlichen Erleben des ersten Kontakts mit pornografischen Bildern oder Filmen vor. Im Rahmen einer repräsentativen Online-Studie in Deutschland wurden 1048 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 20 Jahren befragt. 46 Prozent aller befragten Jugendlichen gab an, schon einmal mit pornografischen Inhalten in Kontakt gewesen zu sein, bei denen entblößte Geschlechtsteile zu sehen waren. Der erste Kontakt mit harter Pornografie fand mehrheitlich zu Hause statt. Zentrale Kanäle hierbei waren der Computer und das Smartphone. Bei der Hälfte aller Befragten passierte der Erstkontakt gewollt, allerdings zeigten sich typische Geschlechterdifferenzen: Mehr männliche als weibliche Jugendliche berichteten, dass der Erstkontakt mit Pornografie gewollt war. In vier von zehn Fällen waren die Jugendlichen beim ersten Kontakt mit Pornografie nicht allein. Die Anwesenheit von Dritten bewirkte zudem überdurchschnittlich häufig individuell ungewollten ersten Kontakt mit Pornografie. Die durch den Erstkontakt ausgelösten Gefühle der Jugendlichen waren vielfältig und in der Häufigkeit von der Anwesenheit Dritter und von der Intentionalität der Nutzung abhängig. In drei von zehn Fällen sprachen die Jugendlichen im Anschluss an die erste pornografische Nutzungserfahrung mit anderen Personen darüber. Es wurde im Anschluss häufiger über die erste Nutzungsepisode gesprochen, wenn dabei Dritte anwesend waren und wenn beim Erstkontakt starke Gefühle ausgelöst worden sind. In der Gesamtschau legen die Befunde nahe, dass angesichts der Reichweite harter Pornografie unter Jugendlichen sexual- und medienpädagogischer Handlungsbedarf besteht.
Thorsten Quandt, Jens Vogelgesang

Der Einfluss der Persönlichkeitsstruktur auf die Nutzung von Smartphone-Apps

Zusammenfassung
Weaver, Brosius und Mundorf zeigten bereits 1993, dass Persönlichkeitsmerkmale einen bedeutenden Einfluss auf Film- und Fernsehpräferenzen haben. Die vorliegende Studie greift nach mehr als 20 Jahren dieses Design auf, bezieht sich aber das „moderne“ Medium Smartphone. Sie untersucht den Einfluss von Persönlichkeitsmerkmalen im Hinblick auf die Nutzung von Smartphone-Apps. Neben dem Einfluss der Big Five Persönlichkeitsmerkmale wird die Rolle demografischer Merkmale und weiterer psychographischen Eigenschaften wie Selbstwertschätzung, Selbstwirksamkeitserwartung und „Leisure Boredom“ in Bezug auf die App-Nutzung ermittelt. Die Ergebnisse zeigen, dass – abgesehen vom Persönlichkeitsfaktor „Neurotizismus“– alle untersuchten Persönlichkeitsmerkmale die Nutzung bestimmter Smartphone-Apps erklären können.
Andreas Fahr, Marijana Stevanovic

Dosiseffekte von Fallbeispielen in der Berichterstattung zur Diskriminierung von Menschen mit HIV

Zusammenfassung
Brosius und Bathelt (1994) zeigten in einem Experiment, dass das Meinungsverhältnis von Fallbeispielen in einem journalistischen Beitrag nahezu linear die wahrgenommene Meinungsverteilung bestimmt (Dosiseffekt). In einer konzeptionellen Replikation übertragen wir das Experiment auf das HIV-Stigma und damit auf den gesellschaftlich höchst relevanten Gesundheitsbereich. Zudem erweitern wir das experimentelle Design, um die zugrundeliegenden Mechanismen genauer zu verstehen. In einem online-basierten 4 × 8 Experiment mit 1766 Versuchspersonen lässt sich der von Brosius und Bathelt (1994) beschriebene Dosiseffekt eindrucksvoll reproduzieren.
Dominik J. Leiner, Florian Arendt

Die Wirkung von Musik in Informationsfilmen im Gesundheitsbereich

Zusammenfassung
Die Studie greift eine Studie von Brosius (1990) zum Einfluss von Hintergrundmusik in Informationsfilmen auf Bewertung und Erinnerung auf. In einem Online-Experiment zeigten wir 168 Probandinnen und Probanden eine von fünf Versionen eines Erklärfilms über Antibiotikaresistenzen oder einen Kontrollfilm (anderes Thema). Die Musik wurde zweifaktoriell variiert (Faktor 1: Tempo, Faktor 2: Anteil melodiöser Elemente), eine weitere Version enthielt den Antibiotikafilm ohne Musik. Die Ergebnisse bestätigen die Befunde von Brosius (1990) in weiten Teilen: Film und Musik wurden bei langsamer Musik zwar besser bewertet als bei schneller, jedoch führte dies nicht zu einer besseren Bewertung als ohne Musik. Auch die Erinnerung blieb von der Musikvariation unbeeinflusst. Mediationsanalysen deuten auf Einflüsse über Bewertung und Narrative Engagement auf Wissen hin.
Constanze Rossmann, Raphael Rossmann

Automatisch interessant?

Der Einfluss von Involvement auf die Wahrnehmung computergenerierter Texte
Zusammenfassung
Automatisierter Journalismus („Roboterjournalismus“) ermöglicht das effiziente Generieren einfacher Texte für datenlastige Themen. Er ist imstande, große vMengen von Meldungen zu produzieren, für die der Einsatz von Journalistinnen und Journalisten nicht rentabel wäre. Rezipientinnen und Rezipienten erkennen dabei kaum Unterschiede zwischen menschlich verfassten und computergenerierten Texten. Der vorliegende Beitrag baut auf einer Studie computergenerierter journalistischer Inhalte auf (Haim und Graefe 2016), die selbst eine Replikation der – unter anderem von Hans-Bernd Brosius durchgeführten – prominenten und bislang größten Studie in diesem Forschungsfeld darstellt (Graefe et al. 2016). Dabei nimmt dieser Beitrag den moderierenden Einfluss des Themeninvolvements auf die Wahrnehmung computergenerierter journalistischer Texte genauer in den Blick. Die Ergebnisse zeigen keinen solchen Einfluss, geben aber Anlass, über künftige Einsatzgebiete der Technologie nachzudenken.
Mario Haim, Andreas Graefe

Fake Data?

Zur Trennung von sauberen und verschmutzten Daten bei selbstadministrierten Befragungsmodi
Zusammenfassung
Onlinebefragungen haben sich in den letzten Jahren als Erhebungsmodus in Wissenschaft, Markt- und Sozialforschung aufgrund der vielen Vorteile gegenüber anderen Befragungsmodi zunehmend etabliert. Parallel zum verstärkten Einsatz entwickelte sich in der Methodenliteratur eine Debatte um die Qualität der über Onlinebefragungen gewonnenen Daten. Schätzungen hinsichtlich des Anteils der gefälschten, aussagelosen Daten variieren dabei stark. In dem Beitrag wird mit den Response-Sets ein Antwortverhalten von Befragten aufgegriffen, das schon seit Beginn der Umfrageforschung als Fehlerquelle erkannt und problematisiert wurde. Am Beispiel einer am Münchner Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung durchgeführten Studie diskutiert der Beitrag Ausprägungen, Auftretenswahrscheinlichkeit und Folgen von Response-Sets sowie das Indikatorpotential dieses offensichtlich falschen Antwortverhaltens für die Identifikation unsystematisch gefälschter Interviews.
Olaf Jandura

Hans-Bernd Brosius und die deutschsprachige Kommunikationswissenschaft

Autorinnen und Autoren sowie Themen der Beiträge in Publizistik, Rundfunk und Fernsehen und Medien & Kommunikationswissenschaft 1983 bis 2016
Zusammenfassung
Fachzeitschriften sind ein Indikator für die Etablierung einer wissenschaftlichen Disziplin, insgesamt, aber auch für den Einfluss unterschiedlicher Personen und Institute. Der vorliegende Beitrag schreibt einschlägige Vorläuferstudien fort und untersucht die berufliche Stellung und den Standort der Autorinnen und Autoren der Beiträge der Zeitschriften RuF/M&K und Publizistik der Jahrgänge 1983 bis 2016. Es zeigt sich eine Konzentration auf wenige publikationsstarke Standorte, insbesondere das Münchner Institut; was nicht zuletzt auf Hans-Bernd Brosius und seine „Schülerinnen und Schüler“ zurückzuführen ist.
Alexander Haas, Veronika Karnowski, Christina Peter

Backmatter

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