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Interview „Kunden erwarten Klarheit, Aktualität und Sicherheit“

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  • 01.02.2026
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Im Titelinterview erklärt Michael Biechele, Chief Revenue Officer bei Doxee, was eine gute Kundenkommunikation ausmacht, welche besonderen Anforderungen das Customer Communications Management in stark regulierten Branchen erfüllen muss und welche Rolle Künstliche Intelligenz in der Unternehmenskommunikation spielt.
Michael Biechele
Alter: 50 Jahre
Familienstand: verheiratet
Derzeitige Position: Chief Revenue Officer bei Doxee
Interessen/Hobbys: Reisen, Lesen, E-Bike-Touren
© Ventisette Digital Communication SB Srl
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Die Geschichte von Doxee beginnt 2001 in Modena, Italien, als Paolo Cavicchioli und Sergio Muratori Casali die Ebilling S.p.A. gründeten – damals mit dem Ziel, Unternehmen ins papierlose Zeitalter zu führen. Heute entwickelt der Software-Anbieter neue Wege, wie Unternehmen mit ihren Kunden kommunizieren – transparent, persönlich und wirkungsvoll. Aus Sicht von Michael Biechele kommt es dabei vor allem darauf an, komplexe Kundenkommunikation einfach, intuitiv und überzeugend zu gestalten. Zudem spricht der Chief Revenue Officer (CRO) im Interview darüber, wie sich die Rolle des IT-Leiters verändert und wie das Unternehmen Künstliche Intelligenz (KI) sinnvoll und sicher intern einsetzt.
Herr Biechele, wie ist Doxee heute insgesamt positioniert und was sind Ihre wichtigsten Aufgaben auf Führungsebene?
Wir sind heute ein europäischer Platt- formanbieter für Customer Communications Management (CCM) und Customer Experience Management (CXM) mit starkem Fokus auf Digital Trust. Unsere Lösungen setzen Unternehmen und Organisationen ein, die eine große Anzahl an Kunden betreuen – von mehreren 10.000 bis über die Millionengrenze hinaus, mit denen sie effektiver und effizienter kommunizieren wollen. Wir helfen Unternehmen und Organisationen des öffentlichen Sektors dabei, konforme, sichere und messbare Customer Journeys zu orchestrieren und über das klassische Output Management hinaus zu vertrauenswürdigen, datengesteuerten und interaktiven Erlebnissen zu gelangen. Mit CXM-Funktionen wird die Kundenkommunikation zu einem steuerbaren digitalen Prozess, der messbar und kontinuierlich optimierbar ist und nicht mehr als isolierte Dokumentenerstellung verstanden wird. Für IT-Führungskräfte ist dabei ein einheitliches Governance-Modell über alle Kanäle hinweg entscheidend: konsistente Richtliniendurchsetzung, revisionssichere Änderungsprozesse und eine saubere Integration in Kernsysteme ohne Datenduplizierung oder Schattensysteme. Als CRO verantworte ich das nachhaltige Umsatzwachstum über alle Märkte hinweg – mit besonderem Fokus auf die Region DACH/CEE –, die unternehmensweite Go-to-Market-Strategie sowie den Ausbau strategischer Partnerschaften. Gleichzeitig stelle ich sicher, dass unsere Kunden durch Modernisierungsprogramme messbare geschäftliche Ergebnisse erzielen: höhere Effizienz, regulatorische Sicherheit und bessere Kundenerlebnisse.
Was waren die wichtigsten Meilensteine auf dem Weg von der ursprünglichen Vision des Unternehmens zu seinem aktu- ellen Stand?
Die Meilensteine spiegeln eine Verlagerung vom ursprünglichen Ziel der Papierlosigkeit hin zu einem Plattformansatz wider, der modernen Anforderungen gerecht wird: Sicherheit, Überprüfbarkeit, Inter-operabilität und messbare Ergebnisse. Zu den wichtigsten Schritten zählen die Skalierung auf ein Cloud-natives Plattformmodell und nachhaltige Investitionen in Forschung und Entwicklung. Ein weiterer Beschleunigungspunkt war die Übernahme der Infinica GmbH (jetzt Doxee AT GmbH), mit der wir unsere Präsenz in der DACH/CEE-Region gestärkt und die Fähigkeiten unserer Lösung erweitert haben, zum Beispiel in den Bereichen „Integrationsfähigkeit“ und „Designproduktivität“.
In welchem Marktumfeld sind Sie heute tätig und vor welchen konkreten Herausforderungen stehen Sie in der DACH-Region?
Wir sind in einem Markt tätig, in dem Kommunikation eine strategische Ebene darstellt: Sie wirkt sich direkt auf die Servicekosten, das regulatorische Risiko und das Vertrauen der Kunden aus. In der DACH-Region ist das Umfeld durch komplexe Legacy-Landschaften, hohe Anforderungen an den Datenschutz und die Notwendigkeit der Integration mit SAP-zentrierten Stacks und etablierten Betriebsmodellen geprägt. Eine zentrale Herausforderung ist die hybride Realität: Kunden wünschen sich die Flexibilität der Cloud, müssen aber gleichzeitig mit Legacy-Plattformen, vertraglichen Beschränkungen und regulatorischen Anforderungen leben. Aus IT-Sicht ist dies weniger ein technologisches Problem als vielmehr ein Problem der Architektur und Governance: Wie kann eine sichere Migration erfolgen, ohne die Überprüfbarkeit, die Geschäftskontinuität oder nachgelagerte Abhängigkeiten zu beeinträchtigen? Aus diesem Grund konzentrieren wir uns auf schrittweise Migrationspfade, ein integrations-orientiertes Design und Partnerökosysteme, die Kunden dabei helfen, Veränderungen zu industrialisieren, anstatt einmalige Projekte durchzuführen.
Wie weit ist die Digitalisierung der Kundenkommunikation in Deutschland fortgeschritten?
Deutschland macht deutliche Fortschritte bei der Entmaterialisierung von Dokumenten, hinkt aber im internationalen Vergleich hinterher: Hierzulande ist papierbasierte Kommunikation seit dem Jahr 2000 um circa 40 Prozent gesunken. Unsere Nachbarn in Dänemark haben bereits 90 Prozent digitalisiert. Der Reifegrad variiert dabei erheblich je nach Branche. In regulierten und volumenstarken Anwendungsfällen sehen wir nach wie vor erhebliches Potenzial für eine durchgängige Modernisierung, insbesondere dort, wo die Kommunikation nicht einheitlich und zentralisiert gesteuert wird, sondern über mehrere Tools und Teams hinweg fragmentiert ist. Ein wichtiger Beschleuniger ist die Umstellung auf elektronische Rechnungen im Business-to-Business-Bereich (B2B): Seit Anfang 2025 wird die elektronische Rechnungsstellung mit schrittweisen Übergangsregelungen zum Standard im deutschen B2B-Bereich. Dies verändert nicht nur die Rechnungsstellung, sondern treibt auch die Modernisierung im gesamten Bereich voran: Archivierung, Compliance-Kontrollen, Integration und das Betriebsmodell rund um die Kundenkommunikation.
Was erwarten Kunden generell von der Kommunikation und wie sollte die Kundenkommunikation gestaltet sein? Was macht eine gute Omnichannel-Strategie aus?
Kunden erwarten Klarheit, Aktualität und Sicherheit. Sie erwarten auch Konsistenz: Wenn sich die Botschaft zwischen E-Mail, Portal und Papier unterscheidet, sinkt das Vertrauen und der Aufwand im Service steigt. Eine starke Omnichannel-Strategie bedeutet nicht per se mehr Kanäle. Es geht um ein Koordinations- und Governance-Modell, das konsistente Inhalte, Identitäten und Messungen über E-Mail, SMS, Portale, Printmedien und neue interaktive Formate hinweg gewährleistet. Für die IT ist der entscheidende Faktor die Fähigkeit, Kommunikation wie Software zu verwalten: Versionierung, Genehmigungen, Audit-Protokolle und kontrollierte Freigaben, insbesondere wenn die Kommunikation rechtliche oder finanzielle Auswirkungen hat.
Welche Rolle spielt Personalisierung in der Kundenkommunikation?
Personalisierung ist unerlässlich, um Reibungsverluste zu reduzieren und Ergebnisse zu verbessern. Sie verwandelt all- gemeine Nachrichten in kontextbezogene Interaktionen, die Kunden schneller verstehen und auf die sie schneller reagieren können, wodurch eingehende Kontakte, Fehler und Verzögerungen reduziert werden. In der Kundenkommunikation kann Personalisierung dabei auch maßgeschneiderte Inhalte, Angebote oder Next-Best-Actions umfassen, die auf dem Verhalten, den Interessen und den Bedürf- nissen der Kunden basieren und den jeweiligen Kommunikationskontext sinnvoll erweitern. Entscheidend ist, dass Personalisierung zielgerichtet und kontrolliert erfolgt. In regulierten Branchen geht es nicht um mehr Daten, sondern um kontextrelevante Daten, die nachweisbar korrekt eingesetzt werden. Ein klar definierter Steuerungsrahmen stellt sicher, dass Personalisierung skalierbar eingesetzt werden kann – revisionssicher, nachvollziehbar und im Einklang mit den jeweiligen Einwilligungen, ohne den operativen Mehrwert zu beeinträchtigen.
Können Sie ein Beispiel für innovative Formen der Kundenkommunikation nennen, beispielsweise im Onboarding-Prozess für Neukunden?
Ein anschauliches Beispiel hierfür ist ein interaktiver, personalisierter Onboarding-Prozess, der eine Willkommensnachricht mit einer einzigen geführten Erfahrung kombiniert, beispielsweise einem personalisierten Video oder einem intelligenten Dokument, in dem der Kunde wichtige Schritte direkt über eingebettete Handlungsaufforderungen ausführen kann: persönliche Daten überprüfen oder bestätigen, Optionen auswählen, Zustimmung erteilen und Dienste aktivieren. Die Innovation liegt nicht im Medienformat selbst, sondern im Closed-Loop-Design: Jede Interaktion ist messbar. Unternehmen können sehen, wo Nutzer abspringen, welche Schritte Reibungsverluste verursachen und welche Nachrichten die Abschlussrate verbessern. Dies ermöglicht eine kontinuierliche Optimierung und reduziert in der Regel das Callcenter-Aufkommen, während gleichzeitig die Time-to-First- Value verkürzt wird.
Was verhindert eine einheitliche Sicht auf die gesamte Kundenkommunikationslandschaft und welche negativen Folgen kann schlechte Kommunikation für Unternehmen haben?
Eine einheitliche Sicht wird oft durch Fragmentierung verhindert: mehrere CCM- und Ausgabe-Tools in verschiedenen Abteilungen, uneinheitliche Verantwortlichkeiten für Vorlagen und Kundendaten, die über Systeme verteilt sind, die kein gemeinsames Identitäts- und Governance-Modell haben. Veraltete Integrationen verstärken das Problem: Änderungen an einer Stelle können unbeabsichtigte Auswirkungen an anderer Stelle haben, sodass Unternehmen eher dazu neigen, Änderungen zu vermeiden, anstatt sie zu standardisieren. Die Folgen sind messbar. Unternehmen sehen sich mit höheren Servicekosten (mehr eingehende Anrufe und manuelle Nachbearbeitung), langsameren Änderungszyklen (lange Vorlaufzeiten für konforme Aktualisierungen) und erhöhten Betriebs- und Compliance-Risiken konfrontiert. Aus Kundensicht untergraben inkonsistente oder unklare Botschaften über alle Kontaktpunkte hinweg das Vertrauen, führen zu mehr Beschwerden und verringern die Akzeptanz digitaler Lösungen.
In vielen Unternehmen und Organisationen sind CCM-Lösungen schon seit Jahren im Einsatz und werden dort auf On-Premises-Basis betrieben. Welche Vor- und Nachteile bringt das mit sich?
Lokales CCM ermöglicht die direkte Kontrolle über die Infrastruktur, Wartungsfenster und Datenlokalität, was für Unternehmen mit strengen internen Richtlinien oder Abhängigkeiten von Altsystemen wichtig sein kann. Der Nachteil ist, dass viele Einschränkungen struktureller Natur sind: Upgrades sind in der Regel langsamer und störender, die IT hat einen höheren Betriebsaufwand und es entstehen technische Schulden im Zusammenhang mit Integrationen und der Verwaltung von Vorlagen. Mit der Zeit kann sich das, was zunächst wie Kontrolle erscheint, zu einer Einschränkung entwickeln, da die Plattform nicht mit dem Tempo Schritt halten kann, das neue Vorschriften, Sicherheitsanforderungen und sich ändernde Kundenerwartungen erfordern.
Was sind dagegen die technischen Vor- teile einer Cloud-basierten CCM-Plattform für diese Unternehmen?
Eine Cloud-basierte CCM-Plattform bietet elastische Skalierbarkeit und schnellere Release-Zyklen. Aber der zentrale technische Vorteil, insbesondere für regulierte Unternehmen, ist eine konsistente Governance: zentralisierte Durchsetzung von Richtlinien, überprüfbare Änderungskontrolle und standardisierte Sicherheitskontrollen. Darüber hinaus bietet ein moderner Platt- formansatz eine zentralisierte, interoperable Umgebung, die CCM und CXM vereint, API-first-Integration und herstellergenehmigte Apps für wichtige Ökosysteme unterstützt (etwa SAP, Salesforce und Dynamics) und durch offene Standards die Bindung an einen Anbieter reduziert. Viele Unternehmen profitieren zudem von flexiblen Bereitstellungsoptionen: von klassischen On-Premises über Private und Public Cloud bis hin zu hybriden Szenarien, bei gleichzeitiger Wahrung von Governance, Performance und Compliance.
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Mit welchen typischen Hindernissen sind viele Unternehmen bei der Umstellung auf die Cloud konfrontiert?
Typische Hindernisse sind enge Integrationsabhängigkeiten, die Komplexität älterer Vorlagen sowie Anforderungen in Bezug auf Datenhoheit und Risikomanagement. Die größte Hürde ist jedoch das Betriebsmodell: Der Umstieg auf die Cloud bedeutet die Einrichtung eines disziplinierten Identity und Access Management (IAM), der Protokollierung und Überwachung, der Ressourcen-Governance und eines kontrollierten Release-Managements. Andernfalls gewinnt man zwar an Skalierbarkeit, verliert aber die Kontrolle. Aus diesem Grund befürworten wir einen kontinuierlichen Modernisierungsansatz: Zuerst werden die Zielarchitektur und die Governance definiert, dann erfolgt die schrittweise Migration. In der Praxis umfasst dies häufig die Rationalisierung von Vorlagen, eine Integrationsschicht für Legacy-Systeme und eine kontrollierte Dual-Run-Phase, bis die Anforderungen an die Überprüfbarkeit und Geschäftskontinuität vollständig erfüllt sind. Ziel ist es, Any-Prem-CCM-Landschaften in einer einzigen verwalteten Plattform zu konsolidieren, die je nach Bedarf in einer öffentlichen, privaten oder hybriden Cloud oder On-Premises eingesetzt werden kann.
Welche besonderen Anforderungen muss CCM in stark regulierten Branchen wie Banken, Versicherungsgesellschaften oder in der Energieversorgung erfüllen?
Besonders in stark regulierten Branchen muss das Customer Communications Management von Grund auf Vertrauen schaffen. Das bedeutet vor allem Überprüfbarkeit, klare Aufgabentrennung, lückenlose Rückverfolgbarkeit von Inhalten und Datennutzung sowie strenge Aufbewahrungs- und Archivierungskontrollen. Ebenso wichtig ist, dass die Kommunikation klar und zugänglich bleibt, da Transparenz sowohl ein Vertrauensfaktor als auch zunehmend eine regulatorische Erwartung ist. In der Praxis umfasst dies auch die konsequente Berücksichtigung von Barrierefreiheitsanforderungen, beispielsweise durch die Ausrichtung an anerkannten Standards wie den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) des W3C und deren Verankerung direkt in CCM-Templates und Workflows. So erreichen Unternehmen eine breitere Zielgruppe, reduzieren Reibungsverluste entlang der Customer Journey und vermeiden kostspielige Nacharbeiten, die Kampagnen unnötig verzögern und Umsätze beeinträchtigen können. Operativ erfordert all dies einen klar geregelten Lebenszyklus für Vorlagen und Journeys: definierte Genehmigungen, Versionierung, nachvollziehbare Datenzuordnungen und Überwachung, die nicht nur die grundlegende Frage „Hat das System funktioniert?“ beantworten kann, sondern auch „Was hat sich geändert, wer hat es genehmigt und warum hat der Kunde diese konkrete Nachricht erhalten?“.
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Inwieweit verändert dies auch die Rolle von Chief Information Officers (CIOs) oder IT-Leitern?
IT-Führungskräfte werden zu Orchestratoren von Vertrauen und Erfahrung. CIOs und IT-Leiter definieren zunehmend den Rahmen für Data Governance, Sicherheitskontrollen und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, sodass Compliance und Resilienz zu Wegbereitern für geschäftliche Veränderungen werden und nicht mehr zu Hindernissen. Infolgedessen entwickeln sich die Erfolgskennzahlen (Key Performance Indicators, KPIs) weiter. Es geht nicht mehr nur um die Verfügbarkeit, sondern auch um kontrollierte Änderungsgeschwindigkeit, Audit-Bereitschaft und messbare Auswirkungen wie Servicekosten, Beschwerdequoten und digitale Akzeptanz, da sich die Kundenkommunikation direkt auf die Betriebsauslastung und das Vertrauen auswirkt.
Doxee hat unter anderem Energieversorger wie EnBW oder auch die Bayerische Landesbank (BayernLB) bei der Transformation ihres Kundenservices unterstützt. Wie gehen Sie solche Projekte grundsätzlich an und was waren die größten Herausforderungen?
In der Regel beginnen wir damit, uns auf messbare Ergebnisse, Effizienz, KPIs für das Kundenerlebnis und die Compliance-Bereitschaft zu einigen. Anschließend erstellen wir eine Übersicht über die aktuelle Kommunikationslandschaft: Quellsysteme, Kanäle, Vorlagen, Governance- und Auditanforderungen. Der entscheidende Erfolgsfaktor ist, Architekturentscheidungen von Anfang an mit der Governance abzustimmen: Vorlagenverantwortung, Genehmigungsabläufe, Rückverfolgbarkeit und klare Integrationsgrenzen. Dies ermöglicht eine Modernisierung, ohne die Kontrolle in regulierten Umgebungen mit hohem Volumen zu verlieren. Im Mittelpunkt des Projekts mit EnBW stand der Aufbau einer zentralisierten Output Factory für die Kundenkommunikation, einem internen IT-Service für mehrere Geschäftsbereiche und Marken. Die größten Herausforderungen bestanden darin, CCM und Output Management in einer modernen Umgebung zu kombinieren, um schnellere und flexiblere Eingaben aus verschiedenen Quellsystemen zu ermöglichen und gleichzeitig die Abwärtskompatibilität mit der bestehenden Umgebung zu gewährleisten. Der Umfang und die Komplexität sind beträchtlich: Im Jahr 2024 bereitete die Plattform mehr als 82 Millionen Dokumente und über 204 Millionen Seiten auf. Sie integriert Daten aus mehr als zehn Quellsystemen, bedient mehr als 100 Kunden und Marken und unterstützt bis zu zehn Ausgabekanäle einschließlich E-Mail, SMS, ZUGFeRD und E-Rechnung.
Wie wichtig ist Nachhaltigkeit für Unternehmen und wie kann Kundenkommunikation dazu beitragen?
Nachhaltigkeit wird zunehmend zu einer Anforderung im Beschaffungs- und im Berichtswesen. Der Wandel geht von Absichten zu Nachweisen: Unternehmen wollen Einsparungen quantifizieren und glaubwürdig darüber berichten. Die Kundenkommunikation trägt dazu bei, indem sie Arbeitsabläufe digitalisiert, den physischen Output reduziert und die First-Time-Right-Lieferung verbessert: weniger Nacharbeit, weniger erneute Sendungen, weniger manuelle Korrekturen. In unserem Fall wurde unser Tool Hyperion für die Quantifizierung der vermiedenen CO2-Emissionen und Papiereinsparungen unter Verwendung einer nach UNI-ISO-14064-2-validierten Methodik ausgezeichnet, da Nachhaltigkeitsaussagen messbare Nachweise erfordern. Mit Hyperion können unsere Kunden in Echtzeit berechnen, wie sich ihre Digitalisierungsmaßnahmen im Bereich „Kundenkommunikation“ positiv auf die Nachhaltigkeit in Form von eingespartem CO2-Ausstoß oder Papierverbrauch auswirken.
Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz in der modernen Kundenkommunikation?
KI wird in drei Bereichen immer wichtiger: Beschleunigung der Modernisierung von Inhalten, Verbesserung der Orchestrierung (Timing, Relevanz und Kanalauswahl) und Gewinnung von Erkenntnissen durch Interaktionsanalysen. In der regulierten Kommunikation liegt der höchste Mehrwert oft in risikoreduzierenden Anwendungsfällen wie Klassifizierung, beschleunigter Migration, Qualitätsprüfungen und Compliance-Validierung, weniger in der freien Textgenerierung. Die Richtung ist klar: Kommunikation wird anpassungsfähiger und multimedialer, muss aber weiterhin geregelt sein – mit Rückverfolgbarkeit, Validierungsschleusen und Kontrollen, die den geschäftlichen Auswirkungen jeder Kommunikation angemessen sind.
Wo kann der Einsatz von KI im Zusammenhang mit der Kundenkommunikation Probleme verursachen?
Die Fehlerquellen sind bekannt: nicht überprüfbare Ergebnisse und sachliche Ungenauigkeiten, mangelnde Überprüfbarkeit, Voreingenommenheit bei Entscheidungen und Datenlecks über Eingabeaufforderungen oder Protokolle. In regulierten Umgebungen ist „fast korrekt“ nicht akzeptabel, da eine einzige falsche Aussage in einem Kundenbrief zu rechtlichen Risiken und Reputationsschäden führen kann. Deshalb ist Governance genauso wichtig wie die Leistungsfähigkeit des Modells. Ein praktischer Ansatz ist risikobasiert: Je größer die Auswirkungen einer Kommunikation sind, desto strenger sind die Kontrollen – Validierungsschritte, Rückverfolgbarkeit und oft auch menschliche Aufsicht entsprechend der risikobasierten Logik hinter Vorschriften wie dem EU-KI-Gesetz.
Wie können Datenschutz und Datensicherheit gewährleistet werden?
Datenschutz und Datensicherheit müssen durchgängig in den Kommunikationsprozess integriert werden. Auf Plattformebene bedeutet dies Verschlüsselung, strenge Identitäts- und Zugriffsverwaltung mit geringsten Berechtigungen, Aufgabentrennung und vollständige Prüfprotokolle für Inhalte, Datenzuordnungen und Genehmigungen. Bei KI-gestützten Arbeitsabläufen sind zusätzliche Kontrollen erforderlich: klare Regeln darüber, welche Daten in Eingabeaufforderungen verwendet werden dürfen, wo diese Daten gespeichert und protokolliert werden, strenge Mandantenisolierung, kontrollierter Zugriff auf Modelle und die Möglichkeit, Ergebnisse zurückzuverfolgen und zu begründen. In der Praxis ist das Ziel die Governance: nachweisen zu können, welche Daten verwendet wurden, welche Kontrollen angewendet wurden und warum eine bestimmte Kommunikation generiert und versendet wurde.
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Wie nutzt Doxee selbst KI und inwieweit sind die Mitarbeiter daran beteiligt?
Unsere Plattform nutzt KI und Analysen, um die Kundenkommunikation in interaktive, messbare Omnichannel-Journeys zu verwandeln, etwa indem Rechnungen und Kontoauszüge in ansprechende Erlebnisse mit Handlungsaufforderungen umgewandelt werden und Interaktionssignale genutzt werden, um die Klarheit zu verbessern und vermeidbare Support-Anfragen zu reduzieren. Intern betrachten wir KI als eine Unternehmenskompetenz, die in eine einheitliche Kommunikationsgrundlage eingebettet ist: Die Produkt- sowie die Forschungs- und Entwicklungsabteilung arbeiten eng mit den Sicherheits- und Kundenteams zusammen, um sicherzustellen, dass KI-gestützte Funktionen kontrollierbar, konform und wertvoll bleiben, insbesondere für regulierte Kunden. Darüber hinaus haben wir ein AI-Champions-Programm aufgesetzt, bei dem wir Mitarbeiter aus allen Unternehmensbereichen im Umgang mit KI-Tools fortbilden und die Anwendung in verschiedensten Geschäftsprozessen und Anwendungsfällen testen und umsetzen. Aus unserer Sicht sind KI-Kompetenzen der Mitarbeiter in der Breite unerlässlich für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit unseres Unternehmens.
Welche Ziele möchte Ihr Unternehmen mittel- und langfristig erreichen? Welche Rolle spielt die IT dabei?
Unser Ziel ist es, Doxee als europäische CCM-, CXM- und Digital-Trust-Plattform zu stärken, weiter in der DACH/CEE-Re-gion zu expandieren und unseren Branchenfokus zu vertiefen, insbesondere in den Bereichen „Telekommunikation“, „Versorgungsunternehmen“, „Finanzen“, „Versicherungen“ und „öffentlicher Sektor“, wo Vertrauen, Compliance und betriebliche Effizienz die Technologieauswahl bestimmen. Aus Produkt- und Technologiesicht verfolgen wir eine klare strategische Richtung: die Weiterentwicklung unserer Plattform zu einer einheitlichen, modularen Grundlage, die Cloud-native und Any-Prem-fähig ist, auf offenen Standards basiert und eine konsistente Steuerung über alle Kommunikationsprozesse hinweg ermöglicht. Ziel ist es, Komplexität zu reduzieren und gleichzeitig Integrationen in zentrale Unternehmensökosysteme nachhaltig abzusichern.
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Titel
Interview
„Kunden erwarten Klarheit, Aktualität und Sicherheit“
Verfasst von
Alexander Lorber
Publikationsdatum
01.02.2026
Verlag
Springer Fachmedien Wiesbaden
Erschienen in
IT-Director / Ausgabe 1-2/2026
Print ISSN: 3005-1363
Elektronische ISSN: 3005-1371
DOI
https://doi.org/10.1007/s44380-026-0389-3
    Bildnachweise
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