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07.12.2018 | Lagebericht | Im Fokus | Onlineartikel

CSR-Berichte sind kaum vergleichbar

Autor:
Sylvia Meier

Viele Unternehmen haben 2017 erstmals über nichtfinanzielle Belange berichten müssen. Eine Analyse zeigt große Qualitätsunterschiede beim Reporting und eine mangelnde Vergleichbarkeit für Stakeholder.

Für das Geschäftsjahr 2017 sind bestimmte Unternehmen verpflichtet, erstmals über das Thema Nachhaltigkeit zu berichten. Einige Firmen haben das in der Vergangenheit bereits freiwillig getan. Und auch Unternehmen, die eigentlich gesetzlich nicht verpflichtet sind, berichten ebenfalls, um Investoren und Geschäftspartner darauf aufmerksam zu machen, dass beispielsweise soziale Aspekte von der Unternehmensführung in der täglichen Arbeit gefördert werden.

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2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Transparente Verantwortungsübernahme durch Nachhaltigkeitsberichterstattung

Das vorangegangene Kapitel thematisiert die Verantwortungsforschung und zeigt die Verantwortung von Konsumenten und Unternehmen im Kontext nachhaltiger Entwicklung gleichermaßen auf. 

In der Vergangenheit haben zum Beispiel negative Medienberichte über schlechte Arbeitsbedingungen in der Modebranche dazu geführt, dass Konsumenten die ethischen Grundsätze der Unternehmensführung hinterfragt haben. Springer-Autor René Berg stellt in seinem Buchkapitel "Unternehmerische Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitsberichterstattung" fest (Seite 116): "Die Motive für Unternehmen, eine freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung zu veröffentlichen, sind als Reaktion auf den öffentlichen Druck sowie die steigende Aufmerksamkeit der Medien zu interpretieren, um die öffentliche Wahrnehmung bei allen Stakeholdern hinsichtlich der eigenen Nachhaltigkeitsleistung zu verbessern."

CSR-Bericht ist neue Herausforderung

Für einige Unternehmen stellt das CSR-Reporting eine neue Herausforderung dar. Wie haben deutsche Konzerne die Pflichtkür erstmalig gemeistert? Das Beratungsunternehmen PwC hat die Abschlüsse 2017 von 160 Unternehmen analysiert. Sie sind entweder im Dax, im MDax, im SDax oder im TecDax notiert. Das Ergebnis zeigt, dass die Unterschiede im CSR-Reporting enorm sind. Einige Unternehmen berichten auf bis zu 100 Seiten über "Corporate Social Responsibility" (CSR), andere wiederum handeln das Thema auf weniger als zehn Seiten ab. Ein Unternehmen berichtete sogar nur auf zwei Seiten über nichtfinanzielle Aspekte. Woher kommt diese Diskrepanz? 

Ein Grund dafür liegt mit Sicherheit in der Unternehmensstrategie selbst. Wer bisher kaum nachhaltige Aspekte im täglichen Geschäft miteingebunden hat, kann auch nicht darüber berichten. Petra Justenhoven, PwC-Partnerin und Leiterin des Bereichs Assurance, verdeutlicht: "Wer schon zahlreiche nichtfinanzielle Aspekte steuert und mit entsprechenden Kennzahlen unterlegt, kann natürlich deutlich mehr berichten als jemand, der Nachhaltigkeit bislang noch nicht in die Unternehmensführung eingebunden hat. Insofern ist die Diversität in der Berichterstattung vor allem auch ein Spiegel dessen, was intern im Unternehmen passiert." Zudem ermöglicht die gesetzliche Verpflichtung auch Wahlrechte, die natürlich jedes Unternehmen auch individuell ausüben kann.

Für Investoren eine wichtige Orientierung

Für Investoren und Anleger kann also ein sehr kurzer Bericht ein Indiz dafür sein, dass Nachhaltigkeit bisher in dem Unternehmen nur wenig gelebt wird. Doch nicht nur für externe Leser ist der CSR-Bericht eine interessante Informationsquelle: "Ein solides internes Berichts- und Ermittlungssystem bietet eine effektive Möglichkeit, die Unternehmensführung über den Stand der Unternehmenskultur zu informieren“, erklärt Springer-Autorin Karin Huber-Heim in ihrem Buchkapitel "Nachhaltigkeitsberichterstattung" (Seite 295).

Die großen Unterschiede bei der Berichterstattung erschweren es aber natürlich auch, Unternehmen bei diesem Thema zu vergleichen. So stellt sich zum Beispiel die Frage: Wo finden sich die Informationen zu CSR überhaupt? Laut der Analyse integrieren 22 Prozent der Dax-Konzerne den CSR-Bericht vollständig in den traditionellen Lagebericht. Kein SDax-Unternehmen macht das genauso und nur vier Prozent der MDax-Unternehmen nehmen den Aufwand auf sich. 46 Prozent der TecDax-Unternehmen erstellen einen eigenständigen Bericht für die CSR-Aspekte. 

CSR-Berichte sind oft unstrukturiert

Die Analyse zeigt insgesamt, dass einige Unternehmen bereits viel Aufwand beim Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung betreiben. Viele Berichte sind jedoch noch zu unstrukturiert. Und sogar in Unternehmen innerhalb der gleichen Branche ist kaum ein Vergleich des CSR-Reportings möglich. Insgesamt zeigt sich also noch Verbesserungsbedarf und gerade Unternehmen, die deutlich weniger Aufwand in ihren CSR-Bericht gesteckt haben als ihre Konkurrenz, sollten ihre Vorgehensweise hinterfragen – allein schon im Hinblick auf die Erwartungen ihrer Investoren und Anleger.

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