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2024 | Buch

Landschaften und Lebensräume

Vom Watzmann bis zum Wattenmeer

verfasst von: Bruno P. Kremer

Verlag: Springer Berlin Heidelberg

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Über dieses Buch

In allen seinen Teilgebieten weist Mitteleuropa eine beachtliche natur- und kulturlandschaftliche Vielfalt auf, die unser Erleben draußen enorm bereichert. Vom Hochgebirge bis zur Küste laden äußerst unterschiedliche Lebensraum-Ensembles zur aktiven Erkundung ein. Erfahren Sie in diesem Buch u.a.

· wie die zurückliegenden Eiszeiten Gletschertore geschaffen und die Landschaft im Voralpenland modelliert haben

· wo in Norddeutschland noch vor etwa 10000 Jahren die Vereisungsgrenzen verliefen

· was entlang von Fließgewässern vom kleinen Gebirgsbach bis zum großen Strom zu beobachten ist

· weshalb auch die Stillgewässer nicht nur der großen Seenplatten äußerst erlebniswerte Lebensräume darstellen

· warum auch vom Menschen geschaffene Ersatzstandorte wie Ackersäume und Wiesen wertvolle Biotope darstellen

· was in den Nationalparkgebieten an der Nordseeküste Erlebniswertes auf Sie wartet

Dieses Buch bietet mit seinen sorgsam ausgewählten Fallbeispielen zwar keine enzyklopädische Komplettübersicht, aber doch eine animativ-themenreiche Anregung zum aktiveren Erleben und Wahrnehmen der besonderen Facetten unseres heimischen Ambientes.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
1. Landschaften und Lebensräume lesen lernen
Zusammenfassung
Wenn man von Norden nach Süden oder Westen nach Osten durch Mitteleuropa reist, nimmt man sogar innerhalb nur eines Tages Gebiete von höchst unterschiedlicher Beschaffenheit wahr. Das Kapitelaufmacherbild zeigt das eindrucksvolle Watzmann-Massiv bei Berchtesgaden als Komponente der süddeutschen Randalpen, mit denen sich das zweite Buchkapitel näher befasst. Caspar David Friedrich (1774–1840) hat das Massiv 1824/1825 in einem eindrucksvollen Gemälde festgehalten, das bis heute als Inbegriff der Gebirgsdarstellung gilt.
Bruno P. Kremer
2. Die Alpen – ein großartiger Erlebnisraum
Zusammenfassung
Als imposanter Hochgebirgsriegel trennen die alpinen Gipfelketten das eher atlantisch bzw. in Teilen auch kontinental beeinflusste Mitteleuropa vom mediterran geprägten Süden und sind deswegen eine deutliche Grenzmarke zwischen zwei nicht nur im landschaftlichen Erscheinungsbild, sondern auch klimatisch völlig unterschiedlichen Großräumen. Über rund 1200 km Länge erstrecken sich die alpinen Höhen vom markanten Westalpenbogen, der an der französisch-italienischen Riviera bei Nizza auf den Golf von Genua (im Ligurischen Meer) trifft, bis an den Rand des Wiener Beckens (im Grenzbereich zum Pannonischen Tiefland), wo sie mit letzten Ausläufern sozusagen noch in den Saum der Vororte der österreichischen Landeshauptstadt reichen. Stellenweise ist dieser mächtige Gebirgsriegel – vor allem in seinem mittleren und östlichen Abschnitt – bis etwa 250 km breit. An anderen Stellen misst er allerdings nur rund 150 km Breite. Die Alpen sind somit ein Naturraum von wahrhaft europäischer Dimension und dazu auch ein besonderer Kulturraum, der sich trotz seiner beträchtlichen West-Ost-Ausdehnung über mehrere sprachverschiedene Staatsgebiete eine spezifische sowie auch regional differenzierte Sonderprägung bewahrt hat. Die 484 km lange Deutsche Alpenstraße, Deutschlands älteste Ferienstraße überhaupt und schon vor fast 100 Jahren eingerichtet, berührt zwischen Lindau und Berchtesgaden die schönsten landschaftlichen Partien der Nordalpen, die hier vor allem (aber nicht ausschließlich) im Vordergrund der Betrachtung stehen werden. Der weitaus größte Teil dieses Alpenanteils gehört nach Bayern; auf Baden-Württemberg entfällt nur ein kleiner Zipfel im Bodenseegebiet. Bei aller erwiesenen und unzweifelhaften Faszination der erlebbaren alpinen Landschaften dürfen allerdings die vielerorts zu beklagenden und sicherlich erheblichen Fehlentwicklungen nicht übersehen werden (Bätzing 2015, 2021; Reichholf und Schmidbauer 2023; Abb. 2.1 und 2.2).
Bruno P. Kremer
3. Von Moränen und Mooren
Zusammenfassung
Im heutigen Landschaftsbild sind die Wirkungen der geo(morpho)logischen Überformungen im Allgemeinen umso besser nachzuvollziehen, je weniger weit sie zurückliegen. Das gilt insbesondere für die Wirkungen und Hinterlassenschaften des noch nicht allzu lange vergangenen und erst vor rund 12.000 Jahren zu Ende gegangenen Eiszeitalters: Während der letzten rund 2 Mio. Jahre (und damit im größten Teil des Pleistozäns) sind große Teile Mitteleuropas in mehreren Phasen von den Vergletscherungen der verschiedenen Eiszeiten (Glaziale) überfahren und damit in ihrem Erscheinungsbild nachhaltig überprägt worden. Zwei mitteleuropäische Großlandschaften tragen bis heute unverkennbar die spezifischen Signaturen dieser nachhaltig massiven Gletscherwirkungen – einerseits das Voralpenland zwischen dem markanten Alpennordrand und dem Lauf der Donau, die sich eng an die Mittelgebirgs-Schichtstufenschwelle von Schwäbischer Alb, Fränkischer Alb und Bayerischem Wald hält, und andererseits das deutlich ausgedehntere Nord(west)deutsche Tiefland, das sich an die Nordflanke des rund 400 km breiten Mittelgebirgsgürtels anschließt und bis zu den Küstengestaden reicht. Während sich das schwäbisch-bayerische Voralpenland auf einer Höhe von durchweg deutlich über 350 m ü. NHN (Normalhöhenull) und mehr erstreckt, ist das nördliche Tiefland dem Meeresniveau des heutigen Nordsee- bzw. Ostsee-Meeresspiegels erheblich näher und liegt daher meist auf weniger als 100 m ü. NHN. Das Gesamtgebiet der Mittelgebirge blieb während aller Teilphasen der zurückliegenden Kaltzeiten (Glaziale) – mit wenigen Ausnahmen (beispielsweise Schwarzwald) – immer unvergletschert und trug während dieser Phasen weithin eine typische Zwergstrauchtundra, wie man sie heute im nördlichen Skandinavien (Lappland) erleben kann.
Bruno P. Kremer
4. Ständig im Fluss
Zusammenfassung
Wasser ist auf der Erde unentwegt unterwegs. Vom gurgelnden Rinnsal nach einem heftigen Regenfall über fast immer rauschende Sturzbäche im Gebirge sowie die meist eilenden Fließgewässer in der Mittelgebirgsregion bis hin zu den großen und behäbigen Tieflandströmen erlebt man Wasser in der offenen Landschaft ständig in Bewegung: Gerinne und Bäche jeglicher Größenordnung, sodann Flüsse und Ströme, die üblichen und unentbehrlichen Durchgangswege zwischen den irgendwo über den Landschaften abregnenden Niederschlagsfeldern und der (vorläufigen) Finalstation Meer. Und von dort nimmt der rastlose irdische Wasserkreislauf erneut seinen stetigen Ausgang.
Bruno P. Kremer
5. An und in stillen Wassern
Zusammenfassung
Im Unterschied zu den oft munter plätschernden, oft aber auch vernehmlich rauschenden oder fallweise sogar tosenden Fließgewässern sind die stehenden Gewässer in der Landschaft ziemlich lautlos und insofern eine stille Welt. Nur bei größeren Wasseransammlungen kann der über die Wasseroberfläche streichende Wind eventuell kleine Bugwellen aufbauen und an den leeseitigen Ufern einen gewissen Wellenschlag erzeugen. Aber nicht nur wegen ihrer geradezu systemischen Lautlosigkeit bezeichnet man die stagnierenden Binnengewässer zutreffend auch als Stillgewässer. Einen ersten Eindruck davon vermittelt das Kapiteleingangsbild – es zeigt einen kleinen See, der nichts als Ruhe und den in der Alltagshektik so nicht mehr erlebbaren „Sound of Silence“ vermittelt. Ähnlich stellt sich der geradezu elegisch wirkende Seeblick in Abb. 5.1 dar. Die alternative Bezeichnung „Stille Wasser“ (Kremer 2019) hat überdies eine geradezu metaphorische Bedeutung.
Bruno P. Kremer
6. Streifzüge in der Kulturlandschaft
Zusammenfassung
Für viele, wenn nicht sogar für die meisten Menschen, ist die Farbe Grün in der Landschaft fast immer gleichbedeutend mit Natur. In der Freizeit hinaus zu streben ins so bezeichnete Grüne und damit „in die Natur“ mit einer ausgiebigen Wanderung oder einer erlebnisreichen Radtour durch Felder, Wiesen und Wälder ist ein üblicherweise häufig formuliertes Vorhaben. Aber sind die angepeilten Zielgebiete tatsächlich Natur? Landschaftsökologen sehen die Sache indessen ganz anders: Tatsächlich gibt es in Mitteleuropa heute so gut wie keine „richtige“ (im Sinne von ursprünglicher) Natur mehr: „Man kann wohl sagen, dass in Mitteleuropa fast alle Landschaft Kulturlandschaft ist, vom Menschen geformt nach seinen Bedürfnissen und seinen jeweiligen Möglichkeiten“ (Konold 1996, S.). Dieser vielleicht ernüchternde Befund gründet sich auf die historischen und damit auf die kulturellen Entwicklungen, die unterdessen über alle Landschaften prägend und verändernd hinweggezogen ist. Dennoch: Sie schränken den Erlebniswert der freien Landschaft keineswegs ein.
Bruno P. Kremer
7. Von Düne, Strand und Wattenmeer
Zusammenfassung
Wo Land und Meer direkt aufeinandertreffen, erlebt man als Besucher/-in besondere Grenzerfahrungen – hier ist unmittelbar erkenn- und spürbar die fußläufig oder auch auf zwei bzw. vier Rädern erreichbare Welt zu Ende. So muss es auch seinerzeit den römischen Okkupanten der Bretagne ergangen sein, denn sie nannten den nordwestlichsten Zipfel des kontinentalen Europas „finis terrae“ – das Ende der Welt. Diese Notierung lebt bis heute in der offiziellen Benennung des französischen Départements Finistèrre fort. Obwohl unsere Küsten nur einen vergleichsweise schmalen Streifen an der Grenze zwischen dem europäischen Festland und dem riesigen Weltmeer einnehmen, gehören diese besonderen Saumbereiche zu den spannendsten Naturräumen überhaupt. Überall in der Welt, aber eben auch entlang der Nord- und Ostsee, bieten unsere Küsten geradezu spektakuläre Landschaften und faszinierende Lebensräume – ungewöhnlich schon allein deswegen, weil man (von den direkten Küstenanrainern abgesehen) dieses spezifische Ambiente nicht täglich vor Augen hat und hier gänzlich andersartige Szenerien mit einer faszinierenden, ja geradezu großartigen Artenausstattung erleben kann. Das weltweit einzigartige Wattenmeer zwischen Borkum und Sylt (bzw. zwischen Texel und Fanø), aber auch die Steilküsten entlang der Ostsee gehören zweifellos zu den eindrucksvollsten und gleichzeitig geodynamischsten Bereichen, die unser Land aufzuweisen hat. Einen ersten Eindruck davon vermittelt das Kapiteleingangsbild – es zeigt einen Ausschnitt der Wattengebiete auf der Ostseite von Sylt bei auflaufendem Wasser. Das alles ist im Vergleich zum vertrauten Festland erkennbar eine ganz andere, weil ungewohnte und deswegen besonders faszinierende Welt. Gewiss ist diese Feststellung auch der Grund dafür, dass gerade die Küstengebiete von Nord- und Ostsee zu den weitaus beliebtesten Feriengebieten überhaupt gehören – nicht zuletzt auch deswegen, weil man hier besondere Naturphänomene erkunden und erfahren kann (Abb. 7.1), darunter die manchmal tobenden Elemente.
Bruno P. Kremer
Backmatter
Metadaten
Titel
Landschaften und Lebensräume
verfasst von
Bruno P. Kremer
Copyright-Jahr
2024
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-68895-3
Print ISBN
978-3-662-68894-6
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-68895-3