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Über dieses Buch

Das Buch befasst sich mit der Frage, aufgrund welcher gesellschaftlicher Konventionen wir Landschaft sehen, deuten und bewerten. Dabei wird ein besonderer Blick auf die Entwicklung von Landschaftsverständnissen im deutschen Sprachraum, im Vergleich zu anderen Sprachräumen, gerichtet. Behandelt werden in dem Buch sowohl unterschiedliche Theorien zum Thema Landschaft aus den Sozial- und Kulturwissenschaften wie auch praktische Fragen zum Umgang mit Landschaft von der Deutung der Suburbanisierung bis hin zu der Energiewende.


In den vergangenen Jahren hat sich die Forschung um das Themenfeld „Landschaft“ erheblich intensiviert. In der 2. Auflage wird dieser Umstand berücksichtigt, so hat sich etwa eine diskurstheoretische Befassung mit dem Thema Landschaft etabliert, neue Hybridisierungen zwischen Städtischem und Ländlichem werden diskutiert, Landschaft wird als Element von Ökosystemdienstleistungen beschrieben, die Diskussion um den Zusammenhang um Macht und Landschaft, wie auch die landschaftlichen Folgen der Energiewende haben sich verstärkt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Chapter 1. Einleitung

Zusammenfassung
Landschaft wird in der politischen, aber auch öffentlichen und wissenschaftlichen Debatte in den vergangenen Jahren eine zunehmende Bedeutung beigemessen (vgl. Stobbelaar und Pedroli 2011): Der Klimawandel, die zunehmende Bedeutung regenerativer Energien, der demographische Wandel, der Wandel der Industriegesellschaften zu Dienstleistungsgesellschaften und viele andere Entwicklungen führen zu landschaftlichen Veränderungen. Landschaft wird dabei zumeist aus einer Zusammenschau unterschiedlicher Elemente gedacht. Landschaft ist jedoch mehr als eine bloße „Konstellation von Naturtatsachen“ (Freyer 1996 [1966], S. 70), nämlich „ein Stück Erde mit Bezug auf den Menschen und insofern ein reflexives Gebilde“ (Freyer 1996 [1966], S. 70). ‚Landschaft‘ wird damit zu einem sozialen Konstrukt bzw. einem individuellen Konstrukt auf Grundlage sozialer Deutungs- und Bewertungsmustern.
Olaf Kühne

Chapter 2. Theoretische Grundüberlegungen: Sozialkonstruktivismus, Raum und die konstruierte Landschaft

Zusammenfassung
Die vorliegende Einführung in die Landschaftstheorie und Landschaftspraxis basiert auf einer sozialkonstruktivistischen Perspektive. Dieses Kapitel befasst sich zunächst knapp mit deren Grundzügen (Abschnitt 2.1; ausführliche Einführungen finden sich beispielsweise bei Gergen 1999 und Burr 2005). Im Anschluss wird die allgemeinere Kategorie des Raumes behandelt, aus deren Konzeptionierung sich Einflüsse auf die Verständnisse von Landschaft ergeben (Abschnitt 2.2). Grundzüge der sozialen Konstruktion von Landschaft werden hierauf aufbauend behandelt (Abschnitt 2.3).
Olaf Kühne

Chapter 3. Historische Entwicklungen: Die Evolution der Landschaftsbegriffe in ihrer sozialen Bedingtheit

Zusammenfassung
Mit Berger und Luckmann (1966) lassen sich symbolische Sinnwelten – so auch Landschaft – als gesellschaftliche Produkte, die eine Geschichte haben, verstehen. Insofern erscheint eine historische Betrachtung der Entwicklung des sozialen Verständnisses von Landschaft wesentlich, um eine Annäherung an seine soziale Bedeutung zu ermöglichen. Infolge seiner Evolution mit Bedeutungsverschiebungen, Bedeutungserweiterungen und Umdeutungen hat der Begriff der Landschaft einen großen „semantischen Hof “ (Hard 1969, S. 10) aus „Assoziationen, Emotionen, Evokationen“ (Hard 2002 [1983], S. 178; ähnl. Howard 2011) entwickelt.
Olaf Kühne

Chapter 4. Vier Dimensionen von Landschaft – ein analytischer Rahmen

Zusammenfassung
In den vergangenen Kapiteln wurde deutlich, dass Landschaft zwar durch soziale Prozesse definiert wird, bei der sozialen Konstruktion von Landschaft aber auch physische Objekte von Bedeutung sind, da diese zu Landschaft zusammengeschaut werden. Neben der Ebene der sozialen Konstruktion und kulturellen Sedimentierung dieser Konstrukte einerseits und der Ebene der physischen Objekte andererseits ist die Landschaft konstituierende einzelne Person von zentraler Bedeutung für die Entstehung von Landschaft: Die individuelle Person vollzieht die landschaftliche Deutung auf Grundlage sozialer Deutungs- und Bewertungsmuster.
Olaf Kühne

Chapter 5. Abriss der historischen Entwicklung der physischen Grundlagen angeeigneter physischer Landschaft

Zusammenfassung
Landschaft unterliegt einem doppelten historischen Entstehungsprozess. Die gesellschaftslandschaftliche Genese wurde in Kapitel 3 erörtert, im Folgenden sollen die Entwicklungen der physischen Grundlagen angeeigneter physischer Landschaften ins Zentrum der Betrachtung gerückt werden, schließlich sind sie – so Hans Freyer (1996[1966], S. 72) – „mit Geschichte geladen, mit Geschichte getränkt, einige nur oberflächlich, wie wenn eine Flutwelle über sie hinweg geschlagen wäre, andere so eindringlich, dass es keinen Fleck gibt, der nicht von Menschenhand genützt, gebahnt, gestaltet wäre“. Die folgenden Ausführungen stellen schlaglichtartig wesentliche Aspekte der Entwicklung der physischen Grundlagen angeeigneter physischer Landschaften insbesondere in Europa dar.
Olaf Kühne

Chapter 6. Konzepte und Theorien

Zusammenfassung
Theorien von und Konzepte zu Landschaft werden in unterschiedlichen Wissenschaften, wie der Philosophie, der Soziologie, der Psychologie, der Geographie, der Landschaftsplanung- und -architektur, entwickelt. Dennoch ist das Thema Landschaft in diesen Wissenschaften kein prominenter Gegenstand der theoretischen Befassung, schließlich wird sie – teilweise bis in die Gegenwart hinein – als unzuhinterfragender physischer Gegenstand verstanden. Viele Ergebnisse landschaftsbezogener Reflexionsprozesse erhalten damit eher den Charakter von Konzepten denn von Theorien. Sie sind also weniger Erklärungsmodelle auf Grundlage von ausformulierten Annahmen (z. B. philosophischen Überlegungen oder empirischen Befunden), sondern eher von einer bestimmten (Ziel-)Vorstellung von Landschaft geprägt, die es zu begründen gilt.
Olaf Kühne

Chapter 7. Aspekte der sozialen Konstruktion von Landschaft

Zusammenfassung
Die soziale Konstruktion landschaftlicher Vorstellungen vollzieht sich nicht einheitlich, sondern in unterschiedlicher Weise differenziert. Diese Differenzen finden sich in Bezug auf unterschiedliche Milieus, aber auch soziodemographische Variablen (Geschlecht, Alter) und kulturelle Unterschiede. Auf diese Aspekte wird in Abschnitt 7.1 eingegangen. Die folgenden Abschnitte dieses Kapitels befassen sich mit wesentlichen Zusammenhängen im landschaftlichen Kontext: In Abschnitt 7.2 wird behandelt, inwiefern Landschaft mit Angst besetzt wird.
Olaf Kühne

Chapter 8. Landschaftstheorie und ihre Praxis

Zusammenfassung
Wurde bislang unter ‚Praxis‘ insbesondere die Praxis der sozialen Aneignung von physischen Räumen als Landschaft verstanden, soll in diesem Kapitel die Praxis des Umgangs mit Landschaft in das Zentrum des Interesses rücken. Einen ersten Ansatz des Vergleichs des praktischen Umgangs mit ‚Landschaft‘, hier insbesondere historischen Elementen, liefert Abbildung 58. Während positivistische Ansätze auf die Erzeugung von Eindeutigkeiten (insbesondere in der Bewertung und Interpretation) abzielen, betrachten konstruktivistische Ansätze Offenheit und Mehrdeutigkeit als wertvoll in Bezug auf den Umgang mit Landschaft.
Olaf Kühne

Chapter 9. Schluss und Ausblick

Zusammenfassung
Wird Landschaft aus sozialkonstruktivistischer Perspektive betrachtet, stellt sie weder ein wertfreies physisches Objekt, wie es insbesondere in positivistischer Denktradition postuliert wird, noch ein physisches Objekt dar, dem ein Eigenwert immanent ist, wie es eine essentialistisch-konservative Deutung beschreibt. Landschaft wird – aus sozialkonstruktivistischer Perspektive – durch soziale Prozesse definiert. Diese sozialen Prozesse erzeugen ein rekursives Verhältnis von physischen und gesellschaftlichen Grundlagen angeeigneter physischer Landschaft: Auf Ebene der gesellschaftlichen Landschaft werden Deutungen und Wertungen von Landschaft erzeugt, die im Prozess der Sozialisation durch den Einzelnen aktualisiert und durch Zusammenschau von Objekten im physischen Raum zu Landschaft synthetisiert werden. Dabei erfolgt ein ständiger Abgleich zwischen der Synthese auf Grundlage physischer Objekte mit gesellschaftslandschaftlichen Konstrukten wie stereotyper Landschaft und heimatlicher Normallandschaft.
Olaf Kühne

Backmatter

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