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02.01.2023 | Leadership | Schwerpunkt | Online-Artikel

Das sind die Management-Herausforderungen 2023

verfasst von: Andrea Amerland

4:30 Min. Lesedauer

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Auch 2023 wird für Manager wieder ein schweres Jahr. Neben Lieferkettenrisiken müssen sie die Wirtschafts- und Energiekrise bewältigen. Welche Herausforderungen Unternehmenslenker noch begleiten werden.

Die Wirtschaftskrise oder alles ist VUCA

VUCA (Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity) heißt das Management-Paradigma, dass Führungskräfte in einer immer komplexer werdenden Welt einfach nicht mehr los werden. Denn "heutzutage sind grenzüberschreitende Krisen quasi zur Normalität geworden", schreibt Kristian Giesen über "Die Unternehmenskrise" (Seite 30).

Aktuell sehen sich Geschäftsführer vor allem mit den negativen Auswirkungen des Energienotstandes konfrontiert. Nach Einschätzung der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers (Pwc) bedroht dieser Schlüsselsektoren der deutschen Industrie und könnte sogar eine Deindustrialisierung Europas auslösen. Europa verliere dann als Produktionsstandort an globaler Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität.

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Unternehmen ächzen unter Energiekosten 

Durch die extrem gestiegenen Gaspreise drohe demnach der Abzug oder die Verlagerung von Produktionsstandorten. Insbesondere die Metall-, Auto- und Chemiebranche stehe wegen der höheren Produktionskosten enorm unter Druck.

Derzeit gelinge es zwar vielen, die Kostensteigerungen an die Kunden weiterzugeben, heißt es in dem Open-Access-Artikel "Gemeinschaftsdiagnose: Energiekrise, Inflation, Rezession und Wohlstandsverlust" in der Zeitschrift "Wirtschaftsdienst". Doch anders sehe es für die energieintensiven Firmen aus, allen voran im Chemiebereich.

"Um die Kosten zu senken, haben viele Unternehmen damit begonnen, ihren Gasverbrauch zu verringern. Dies ist zum einen durch Substitution von Gas durch andere Produktionsfaktoren geschehen. Zum anderen wurde vor allem in der chemischen Industrie die Produktion deutlich gedrosselt. Infolge rückläufiger Kaufkraft der privaten Haushalte kommen vermehrt auch die konsumnahen Wirtschaftsbereiche unter Druck", betonen die Experten vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH).

Resiliente Lieferketten bleiben Dauerbrenner

Gleichzeitig ist Deutschland eine der größten Exportnationen der Welt. "Je mehr Waren exportiert und importiert werden, desto größer ist die Abhängigkeit aller Unternehmen von funktionierenden Lieferketten", betont Felix Timtschenko in "Supply Chain Security – Lieferkettensicherheit". Der Handel rechnet einer Ifo-Befragung zufolge bis mindestens Mitte 2023 mit Lieferschwierigkeiten bei Computern, Unterhaltungselektronik, E-Bikes oder Haushaltsgeräten. Auch Rohstoffmangel macht einigen Branchen das Leben schwer. Die Organisation der Lieferkettensicherheit muss also Priorität haben, fordert auch Experte Timtschenko.

Damit dies gelingt, braucht es laut der Dissertation von Udo Leicht unter anderem gezieltes Supply-Chain-Risikomanagement mit (Seite 244)

  • einer digitalen Infrastruktur, 
  • einer Multi-Sourcing-Strategie, 
  • Lieferantenauswahl über Supply-Chain-Netzwerkdesign,
  • Abstimmung der Produktions- und Absatzzahlen entlang der Lieferkette,
  • Bestimmen einer Bevorratungsstrategie,
  • Eingehen von langfristigen Lieferantenbeziehungen,
  • Absicherung von Einkaufspreisen mit Rahmenverträgen.

Seit Januar 2023 gilt darüber hinaus das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Unternehmen müssen jetzt prüfen, ob Zulieferer Menschen- und Arbeitsrechte einhalten. 

Turbo bei der Nachhaltigkeit zünden

In der Unternehmensführung stehen Geschäftsführer zudem vor der großen Aufgabe, bis 2045 klimaneutral zu werden, so das erklärte Ziel für Deutschland. "Die nächsten zehn bis 15 Jahre werden in diesem Zusammenhang entscheidend sein. Danach wird erkennbar [...], ob die Wirtschaft erfolgreich eine nachhaltige Transformation geschafft und somit einen entsprechenden Beitrag zur Erreichung der Klimaziele geleistet hat", schreibt Andrea Sihn-Weber in "Der Klimawandel – wie Unternehmen diese Herausforderung meistern und daraus Chancen für die Gesellschaft generieren können" (Seite 3).

Dabei werde der Druck auf die Unternehmen aufgrund regulatorischer Vorgaben, aber auch durch das vermehrte Interesse von Investoren, Kunden, Ratingagenturen oder Nichtregierungsorganisationen weiter steigen, so die Springer-Autorin weiter. Auch die aktuelle Energiekrise wirft ein neues Licht auf das Thema Ressourceneffizienz und Autarkie von Organisationen. 

Damit die angestrebte Klimaneutralität bis zur Jahrhundertmitte gelingt, müssen Unternehmen wie Politik einen Gang zulegen, zeigt eine KfW-Umfrage unter rund 11.000 Firmen. Demnach ist es notwendig, dass die deutsche Privatwirtschaft ihre Klimainvestitionen verdoppelt. 

Kreativer gegen den Fachkräftemangel 

Doch die Klimaziele werden durch den eklatanten Fachkräftemangel ausgebremst. So fehlen aktuell für den Ausbau der Solar- und Windenergie mehr als 200.000 Fachkräfte, ergibt eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) am Institut für deutsche Wirtschaft. Demnach mangele es vor allem an Elektrikern, Klimatechniker und Informatikern.

Auch in anderen Wirtschaftszweigen wird händeringend nach Personal gesucht. So haben drei Viertel der Unternehmen hierzulande Probleme, IT-Stellen zu besetzen, hat der Branchenverband Bitkom ermittelt. Insgesamt wird der Bedarf an MINT-Experten, also Berufen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, immer größer.

Recruiting, Employer Branding, Talentmanagement sowie die Aus- und Weiterbildung gehören in Unternehmen also auf den Prüfstand. Auch das Potenzial der Silver Generation müsse besser genutzt werden, ebenso das von Quereinsteigern, um die Personallücken zu schließen. 

Anpassung als strategischer Erfolgsfaktor

Das Krisen- und Risikomanagement wird also auch 2023 den Manager-Alltag bestimmen - und das, nachdem sich die Wirtschaft nur unvollständig von der Corona-Krise erholt hat. Es komme daher darauf an, sich frühzeitig an neue Gegebenheiten anpassen zu können, ganz im darwinistischen Sinne von "survival of the fittest", so Springer-Autor Kristian Giesen. Denn mit "Anpassung als strategischem Erfolgsfaktor" kann ein Unternehmen, frühzeitig Chancen wahrnehmen und Wettbewerbsvorteile erlangen. 

Dafür brauche es allerdings Frühwarnsysteme und Frühaufklärungssysteme. Beides wird wie folgt von einander unterschieden (Seite 40):

Ein Frühwarnsystem ist ein System von Handlungen, das darauf ausgerichtet ist, frühzeitig potenzielle Gefahren für den Fortbestand eines Unternehmens zu erkennen. Ein Frühaufklärungssystem hingegen ist 'Die Sensibilisierung des Managements gegenüber Gefahren und Gelegenheiten aus dem Unternehmensumfeld' und damit auch die 'Identifkation und Handhabung zukünftiger Chancen und Bedrohungen'."

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

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Employer Branding

Quelle:
Handbuch Mitarbeiterkommunikation

2022 | OriginalPaper | Buchkapitel

Sorgfaltspflichten

Quelle:
Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz

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