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Führungsteam-Fluktuation steigert radikale Innovation

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Stabile Führung gilt als Erfolgsfaktor - doch frischer Wind im Top-Management kann wahre Innovationsschübe auslösen. Eine prämierte Studie zeigt: Moderate Fluktuation auf Führungsebene fördert radikale Geschäftsmodell-Neuerungen. Das könnte die strategische Ausrichtung von Führungsteams verändern.

Stabilität im Führungsteam kann Innovation und Transformationsprozesse auch blockieren. Worauf es bei der Besetzung von Top-Management-Teams ankommt, klärt eine aktuelle Studie.


Entscheidungen von Top-Managern sind ein Spiegel ihrer Werte, Erfahrungen und kognitiven Prägungen. Das jedenfalls besagt die Upper-Echelons-Theorie (UET) aus dem Jahr 1984. Manager verarbeiten Informationen demnach durch individuelle Erfahrungsfilter und ziehen daraus strategische Schlüsse, die die Leistung ihres Unternehmens maßgeblich beeinflussen. Sie greifen also in komplexen Situationen auf subjektive Interpretationen zurück, geprägt von persönlichen Erfahrungen und Biases (Vorurteile). Die Persönlichkeit des Entscheiders wird so zum Schlüsselfaktor.

Managereigenschaften beeinflussen den Unternehmenserfolg

Die UET erklärt beispielsweise, warum Führungsteams bei ähnlichen Marktbedingungen zu unterschiedlichen Unternehmensstrategien kommen können. Demografische Merkmale wie Alter, Ausbildung und Karrierehintergrund dienen dabei als beobachtbare Einflussfaktoren und gewissermaßen als Stellvertreter für die schwer fassbaren kognitiven Strukturen. Wie sich solche Dynamiken konkret auf Innovationsprozesse auswirken, blieb jedoch lange unklar.

Eine aktuelle Theorieübersicht der Alliance Manchester Business School bestätigt zwar die anhaltende Relevanz des Upper-Echelons-Ansatzes für die Managementforschung. Ein untergeordneter Aspekt der Theorie besagt, dass die Betrachtung der Merkmale des Top-Management-Teams (TMT) als Ganzes bessere Vorhersagen über die strategischen Ergebnisse der Organisation liefere als die isolierte CEO-Analyse.

Aktuelle Forschung liefere aber ein differenzierteres Bild und beziehe etwa die Teamdynamik, Handlungsspielräume des Managers oder tiefere CEO-Eigenschaften wie Narzissmus und politische Einstellungen mit ein. Nicht ohne Kritik sei auch das Black-Box-Problem. Also: Was genau im Kopf der Manager vorgeht, lässt sich durch demografische Merkmale alleine oft nicht erklären. 

Stabilität bremst, Fluktuation beschleunigt Innovation

Eine Langzeitstudie der Hochschule Nordhausen zeigt nun, wie sich Führungsdynamiken konkret auf Innovationsprozesse auswirken. Für ihre Arbeit "The Impact of Top Management Team Dynamics on Business Model Innovation" erhielt das Forschungsteam seine dritte internationale Auszeichnung innerhalb eines Jahres.

Die Ergebnisse zeigen Zusammenhänge zwischen Führungsteam-Charakteristika und verschiedenen Innovationsformen. Dabei unterscheiden die Forscher zwischen inkrementeller und radikaler Geschäftsmodellinnovation.

Die Basis der Studie, die sich auf die Upper-Echelons-Theorie stützt, bildet ein 16-jähriger Paneldatensatz von 80 börsennotierten deutschen Unternehmen. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, wie sich Dynamiken innerhalb von Top-Management-Teams auf die Innovationsfähigkeit auswirken: "While the role of the top management team (TMT) in shaping business model innovation (BMI) is well acknowledged, research has predominantly focused on TMT cognition, overlooking the impact of TMT dynamics on BMI."

Die Forscher konzentrierten sich dabei auf Fluktuation, Amtsdauer und Diversität der Amtszeiten als Schlüsselfaktoren. Ihr besonderes Augenmerk galt der Geschäftsmodellinnovation, die in Zeiten sich beschleunigender Transformationszyklen zunehmend über den Unternehmenserfolg entscheidet.

Unterschiedliche Führungsansätze je nach Innovationstyp

Die Ergebnisse zeigen: Während inkrementelle Geschäftsmodellinnovationen, geprägt von kontinuierlicher Weiterentwicklung, tatsächlich von stabilen Führungsteams mit langen Amtszeiten profitieren, verhält es sich bei radikalen Innovationen anders. Unternehmen, die strategische Neuausrichtungen und grundlegende Geschäftsmodell-Umbrüche erfolgreich umsetzen, profitieren von moderater Fluktuation und unterschiedlichen Amtszeiten im Top-Management. 

  • Inkrementelle Innovation basiert auf kontinuierlicher Optimierung bestehender Strukturen. Hier zeigten sich Unternehmen mit stabilen Führungsteams und langen Amtszeiten als überlegen. Die Vertrautheit mit etablierten Prozessen und die eingespielten Kommunikationswege ermöglichen effiziente Verbesserungszyklen.
  • Radikale Innovation hingegen erfordert fundamentale Umbrüche und strategische Neuausrichtung. Hier profitieren Unternehmen von moderater Fluktuation und Amtszeitendiversität im Top-Management. Neue Perspektiven durchbrechen etablierte Denkstrukturen und ermöglichen disruptive Ansätze.

Das Forschungsteam positioniert damit Managementdynamiken als entscheidenden Hebel für die Innovationsfähigkeit. Die Studie erweitert nach Ansicht der Autoren nicht nur die Upper-Echelons-Theorie um neue Erkenntnisse, sondern soll auch konkrete Anhaltspunkte liefern für die strategische Ausrichtung von Führungsteams in Transformationsphasen. 

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