Skip to main content
main-content

04.05.2016 | Leadership | Interview | Onlineartikel

"Es geht nicht um Demokratie in Unternehmen"

Autor:
Andrea Amerland
Interviewt wurden:
Dr. Martina Nieswandt

ist Gründerin und Geschäftsführerin der Denkwerkstatt für Manager. 

Dr. Roland Geschwill

berät seit 1986 Führungskräfte. Er ist Mitgründer und Geschäftsführer der "Denkwerkstatt für Manager". 

Durch die Digitalisierung sind in der Geschäftsführung noch mehr Tempo und Effizienz gefragt. Laterales Management kann dazu beitragen, meinen die Springer-Autoren Roland Geschwill und Martina Nieswandt. 

Springer Professional: Wie definieren Sie laterales Management?

Martina Nieswandt: Laterales Management ist eine zeitgemäße Form, Führung, Entscheidungen und Zusammenarbeit in Unternehmen neu zu organisieren. Das Führen findet auf Augenhöhe statt. Das hierarchische Missverständnis, in dem Vorgesetzte Mitarbeiter führen, wird somit sukzessive beendet. Anweisungshierarchien werden durch Verantwortungshierarchien ersetzt. Einzelne Manager im oberen und mittleren Management erhalten mehr Entscheidungskompetenz im Unternehmen. Grundlage ist der konsultative Einzelentscheid, der beispielsweise in den DM-Märkten schon seit 1990 praktiziert wird. Auch das Zusammenarbeiten wird neu gestaltet. Manager und Mitarbeiter arbeiten künftig mehr eigenverantwortlich und koordinieren über Hierarchieebenen hinweg ihre Aufgaben.

Empfehlung der Redaktion

2016 | Buch

Laterales Management

Das Erfolgsprinzip für Unternehmen im digitalen Zeitalter

Führen, entscheiden, zusammen arbeiten: Warum Laterales Management die Antwort auf die Digitalisierung der Wirtschaft ist

Die Digitalisierung wird in den kommenden Jahren Wirtschaft und Gesellschaft ähnlich dramatisch verändern wie die …


Die klassisch-hierarchische Variante von Führung ist ein Auslaufmodell, sagen Sie. Aber derzeit dominiert sie noch in den Firmen. Wie kann mehr Lateralität in Organisationen etabliert und das klassische Management zurückgefahren werden?

Roland Geschwill: In Zeiten großer wirtschaftlicher Umbrüche wurden in der Geschichte immer auch die Organisationsformen neu gestaltet. In solchen Umbrüchen existieren häufig zwei Organisationsmodelle parallel. Die alte Anweisungshierarchie geht zurück, die neue laterale nimmt zu. In unserem neuen Buch berichten wir über rund 30 Unternehmen, die den Weg des lateralen Managements bereits wirtschaftlich erfolgreich gehen. Unternehmen, die diesen Wandel nicht berücksichtigen, bekommen ein Problem. Die klassisch hierarchischen Misstrauenskulturen bei Lehman Brothers im Jahr 2008 oder zuletzt bei VW haben zu einer erheblichen Kapitalvernichtung geführt. Die dort verantwortlichen Manager waren die Auslaufmodelle.

Viele Manager haben Angst vor zu viel Demokratie in Unternehmen. Was verändert sich für Führungskräfte, wenn sie Hierarchien herunterfahren?

Martina Nieswandt: Es geht nicht um Demokratie in Unternehmen. Es werden beim lateralen Management auch keine Hierarchien heruntergefahren. Es wird allerdings anders geführt, entschieden und zusammengearbeitet. Derzeit reden alle über Gründer in der Wirtschaft. Gründer arbeiten wie Unternehmer mit viel Eigenverantwortung, Entscheidungsspielraum und besonders Mut und Kreativität. Anweisungshierarchien unterdrücken diese Eigenschaften bei Managern und Mitarbeitern.

Was sind die Vorteile des lateralen Managements im Vergleich zum klassischen?

Roland Geschwill: Unternehmen werden durch laterales Management schneller, effizienter und innovativer. Klassisches Management hingegen ist in großen Umbrüchen zu langsam, ineffizient und zu wenig innovativ.

Laterales Management ist das Modell, das zur digitalen Wirtschaft und ihren Anforderungen passt, schreiben Sie. Wie begründen Sie das?

Martina Nieswandt: Fragen sie am Besten die 12.500 Mitarbeiter bei Kodak, die dort im Jahr 2000 gearbeitet haben und 2012 von einem einst blühenden Unternehmen entlassen wurden, weil sich mit Instagram ein Wettbewerber der digitalen Industrie auf dem Markt durchgesetzt hat. Nach einer Untersuchung der Oxford-Professoren Frey & Osborne aus dem Jahre 2013 werden in den kommenden Jahren etwa 60 Prozent aller Arbeitsplätze durch die Digitalisierung in Frage gestellt werden. Ein Weiterso mit einem überholten hierarchischen Organisationsmodell aus dem 20. Jahrhundert wird Geschäftsmodelle, Unternehmen und Arbeitsplätze kosten. Laterales Management ist die erste Antwort, Unternehmen so zu organisieren, dass sich diese in Zeiten der Digitalisierung erfolgreich behaupten können. 

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Das könnte Sie auch interessieren

22.02.2016 | Leadership | Im Fokus | Onlineartikel

Das Ende der Master-and-Servant-Kultur

29.12.2015 | Unternehmensstrategie | Im Fokus | Onlineartikel

Vier Herausforderungen für 2016

Premium Partner

Stellmach & BröckersBBL | Bernsau BrockdorffMaturus Finance GmbHPlutahww hermann wienberg wilhelm

BranchenIndex Online

Die B2B-Firmensuche für Industrie und Wirtschaft: Kostenfrei in Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren.

Whitepaper

- ANZEIGE -

Künstliche Intelligenz und der Faktor Arbeit - Implikationen für Unternehmen und Wirtschaftspolitik

Künstliche Intelligenz und ihre Auswirkung auf den Faktor Arbeit ist zum Modethema in der wirtschaftswissenschaftlichen Politikberatung avanciert. Studien, die alarmistisch die baldige Verdrängung eines Großteils konventioneller Jobprofile beschwören, leiden jedoch unter fragwürdiger Datenqualität und Methodik. Die Unternehmensperspektive zeigt, dass der Wandel der Arbeitswelt durch künstliche Intelligenz weitaus langsamer und weniger disruptiv ablaufen wird. Jetzt gratis downloaden!

Bildnachweise