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21.11.2019 | Leadership | Interview | Online-Artikel

"Authentische Führungskräfte verfolgen ihre Werte konsequent"

verfasst von: Andrea Amerland

4 Min. Lesedauer
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Interviewt wurde:
Jörg Kasten

ist Managing Partner bei Boyden Deutschland.

Wer authentisch führt, handelt im Einklang mit seinen Überzeugungen. Das sorgt für Glaubwürdigkeit und kann Teams und Mitarbeiter motivieren, betont Jörg Kasten. Führungskräfte dürfen ihre Emotionen aber nicht schrankenlos ausleben, warnt der Personalberater.

springerprofessional.de: Was ist Authentizität innerhalb von Führungsrollen und was nicht?

Jörg Kasten: Authentische Führung wird als echt, ehrlich und ungekünstelt empfunden. Eine authentische Führungskraft zeigt Verhaltensweisen, die mit den persönlichen Ansichten übereinstimmen. Ich bilde mir meine Meinung und treffe Entscheidungen, die ich konsequent vertrete. Ich halte mich an Absprachen und Versprechen. Ich zeige angemessene persönliche Emotionen, sodass andere wissen, woran sie sind. Authentizität bedeutet aber nicht, um jeden Preis offen und ehrlich zu sein. Auch nicht, jeder Laune nachzugeben und Emotionen schrankenlos auszuleben. Sich taktisch zu verhalten, steht nicht im Widerspruch dazu – solange man dabei seinen zentralen Werten treu bleibt. 

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Authentizität – Echt in der Rolle

Authentisch sein wird oft missverstanden als: so bleiben, wie ich bin. Das würde persönliches Wachstum als Redner erschweren. Dieses Kapitel bietet eine andere Definition von Authentizität. 

Jede Führungskraft sollte sich im Klaren darüber sein, dass es Situationen gibt, in denen es nicht auf das persönliche Harmoniebedürfnis ankommt, beispielsweise in Kündigungsgesprächen. Hier hat man eine Rolle zu spielen und eine Entscheidung zu treffen. Wer in derartigen Situationen zu soft auftritt, ist in seiner Rolle als Führungskraft auf dem falschen Weg und nicht authentisch. 

Welche Rolle spielen Werte und Überzeugungen bei der authentischen Führung?

Authentische Führungskräfte sind sich ihrer eigenen Werte und Einstellungen bewusst. Sie sind in der Lage, diese offenzulegen und zeigen Verhaltensweisen in Übereinstimmung mit ihren Überzeugungen. Offenheit, Ehrlichkeit, Konsequenz, Aufrichtigkeit, Transparenz und Wertschätzung sind Werte, mit denen sie mit gutem Beispiel vorangehen. Eine Führungskraft, die aufrichtig und sich selbst gegenüber ehrlich ist, kennt ihre eigenen Stärken und Schwächen. Wer diese Fähigkeit besitzt, sich selbst zu reflektieren, geht auch besser mit Kritik um. Wer die eigenen Schattenseiten kennt, versucht nicht krampfhaft zu vertuschen oder etwas anderes vorzugeben. Eine solche Führungskraft ist bei sich selbst – das Handeln im Unternehmen sowie sich selbst gegenüber stehen im Einklang miteinander. Es geht hierbei auch nicht nur darum, sich selbst als authentisch zu erleben, sondern dass auch andere dies tun. Authentische Führungskräfte verfolgen ihre Werte konsequent. Wer umkippt oder sich wie eine Fahne im Wind dreht, sobald er Nachteile oder unangenehme Konsequenzen befürchtet, handelt nicht authentisch, sondern fremdgesteuert.

Welche positive Wirkung hat authentische Führung? 

Authentische Führungskräfte drücken ihre Gedanken und Gefühle aus. Sie vermitteln dadurch Glaubwürdigkeit und erzeugen Vertrauen. Durch die Präsentation eines authentischen Selbst entsteht eine positive Beziehung zwischen Vorgesetztem und Mitarbeitern, ein wichtiger Faktor für Teamerfolge. Klare Kommunikation schafft Transparenz, beugt Missverständnissen vor und ist Grundvoraussetzung für einen guten Umgang miteinander. Daneben ist Wertschätzung durch den Vorgesetzten wohl eine der größten Motivationen für Mitarbeiter. Echte Anteilnahme und Fürsorge durch die Führungskraft verbessern die Teamstimmung und wirken ermutigend. Authentisches Führungsverhalten bietet Orientierung in unsicheren Zeiten, wirkt sich positiv auf die eigene Führungsleistung aus und Transformationsprojekte im Unternehmen verlaufen besser. Authentic Leadership wirkt sich also positiv auf die Effizienz und die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern aus und ist damit ein entscheidender Faktor für den Unternehmenserfolg. 

Wo geraten authentische Führungskräfte an Ihre Grenzen?

Top-Manager müssen im Business auch harte Entscheidungen treffen und dürfen nicht vergessen, in welcher Rolle sie agieren. Hier spielt Distanz – oder vielmehr die Balance dabei – eine entscheidende Rolle. Wer auf entsprechendem Level zu wenig Distanz hat, Business und Privatperson nicht trennen kann oder Dinge persönlich nimmt, ist nicht authentisch und wird nicht ernst genommen. Führungskräfte sollten auch in kritischen Situationen eine positive Haltung zeigen und Optimismus ausstrahlen. Gerät ein Unternehmen in Schieflage, muss der CEO seinen Mitarbeitern weiterhin ein sicheres Gefühl vermitteln. Seinen Pessimismus zu offenbaren, verunsichert Mitarbeiter, und die Führungskraft hat in ihrer Rolle versagt. Manager sollten auch nicht immer alles selbst regeln. Sie müssen in der Lage sein, einen Teil der Verantwortung zu delegieren. Außerdem ist das Bedürfnis, von jedem gemocht zu werden eine Vision, die viel zu schön ist, um wahr zu sein. 

Welche Leitfragen sollten sich Führungskräfte stellen, die an ihrer Authentizität arbeiten wollen?

Manager sollen sich immer fragen, inwieweit sie in der Lage sind, eine Rolle zu spielen. Beispielsweise mit den Fragen: Wie authentisch will ich sein? Wie viel von mir will ich preisgeben? Wo bin ich lieber vorsichtig? Will ich mich als optimistische Führungskraft präsentieren? Wie verletzlich will ich mich präsentieren? Wenn ich im privaten Umfeld meiner Familie eher zurückhaltend und introvertiert bin, aber Geschäftsführer eines Unternehmens bin – bin ich dann bereit, über meinen Schatten zu springen und in dieser Rolle meine Mitarbeiter zu motivieren? Aber auch Fragen nach den eigenen Werten und der eigenen Mission müssen hinterfragt werden. Führungskräfte sollten in den inneren Dialog mit sich selbst gehen, denn ohne die Antworten auf diese Fragen zu kennen, werden sie nicht authentisch führen können.

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