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08.02.2019 | Leadership | Im Fokus | Onlineartikel

Mindful Leadership - die Kunst der achtsamen Selbst-Führung

Autoren:
Uwe Reusche, Silke Engelke

Um auf die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt adäquat zu reagieren, sollten Führungskräfte lernen, ihre gewohnten Reiz-Reaktionsmuster zu durchbrechen. Mindful Leadership hilft dabei.



Die Digitalisierung und ihre Auswirkungen fordern und belasten die Führungskräfte in Unternehmen in vielfältiger Weise. Denn neben der Vielzahl und Komplexität ihrer Aufgaben steigen auch die Erwartungen an die Mitarbeiterführung.

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Kommen wir zum Kern: Mindfulness und innere Centricity

Warum sollten wir – als Leader – in Betracht ziehen, an innerer Centricity zu arbeiten? Ein Grund ist: Weil wir alle dynamischer leben, an multiplen Aufgaben gleichzeitig arbeiten und oft so sehr mit allen möglichen Dingen beschäftigt sind, dass wir uns selbst vergessen.

Deshalb stellt sich für viele Führungskräfte die Frage: Wie kann ich in diesem Umfeld noch

  • den Durchblick behalten,
  • meine Mitarbeiter durch den Dschungel der Veränderungen führen und zugleich
  • die Freude an meinem Job bewahren?

Mehr Achtsamkeit beim Führen der eigenen Person und der Mitarbeiter – auch Mindful Leadership genannt – stellt einen möglichen Lösungsansatz dar.

Achtsam führen in der neuen, agilen Arbeitsweit

"Mindfulness", also Achtsamkeit, ist eine besondere Form der Konzentration, bei der man bewusst wahrnimmt, was im Moment ist und geschieht, ohne dies zunächst zu bewerten. Die positiven Wirkungen von Achtsamkeit auf die geistigen und körperlichen Vorgänge sind wissenschaftlich belegt.

Ein wichtiger Vorreiter in diesem Bereich war Jon Kabat-Zinn, ein emeritierter Professor der University of Massachusetts Medical School in Worcester, mit seinem MBSR (Mindfulness Based Stress Reduction) genannten Programm. MBSR ist ein acht-wöchiges Trainingsprogramm, um nachhaltig besser mit Stress und den Herausforderungen im Leben umgehen zu können. Hauptinhalte sind verschiedene Formen der Meditation und die gezielte Entwicklung der Achtsamkeit im Alltag.

Entwickelt wurde das Programm in den 70er Jahren. Seitdem wird es weltweit erfolgreich angewendet. Wissenschaftliche Studien belegen seine positiven Effekte nicht nur auf der psychologischen, sondern auch der neuronalen Ebene. So verändern sich beispielsweise Gehirnstrukturen positiv.

Die Selbststeuerungsfähigkeit erhöhen

Im Zentrum des Programms steht die Entwicklung der Selbststeuerungsfähigkeit durch eine erhöhte Selbst-Wahrnehmung. Sie ermöglicht es, unbewusst wirkende Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster in uns zu erkennen und sie außer Kraft zu setzen. Durch diese Form des Bewusstseins-Managements entsteht Raum für ein neues, der Situation angepasstes Führungsverhalten. Denn zwischen dem jeweiligen externen Reiz und der Reaktion vergeht stets eine kleine Zeitspanne. In ihr können Antwort und Reaktion auf den Reiz bewusst gewählt werden. Die achtsame Wahrnehmung dieses inneren Prozesses ermöglicht es, der Intuition zu folgen und das eigene Verhalten zu steuern.

Auch den Unternehmen bieten sich vielversprechende Möglichkeiten, wenn Führungskräfte ihre Achtsamkeit verbessern. Durch Mindful Leadership können Führungsaufgaben authentischer und erfolgreicher wahrgenommen werden. Diese positive Wirkung erkannte Google bereits 2007 und etablierte unternehmensweit ein Programm namens "Search inside yourself". Es handelt sich dabei um eine Art Achtsamkeits-Programm.

Viele deutsche Unternehmen wie SAP, BASF, Bosch oder Continental folgten diesem Beispiel. Auch mittelständische Unternehmen haben inzwischen die Wirkung von Achtsamkeit für sich entdeckt und bieten ihren Führungskräften und Mitarbeitern spezielle Programme und Trainings an. Die Gründe: Ein wenig selbst-reflektives und sich seiner negativen Wirkungen nicht bewusstes Führungsverhalten kann für Unternehmen teuer werden. Studien belegen unter anderem dessen negativen Einfluss auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter, deren Produktivität sowie Fehlzeiten und Fluktuation. Durch ein achtsamkeit-basiertes Leadership-Programm kann somit zugleich den Stresslevel der Führungskräfte gesenkt und zugleich der Unternehmenserfolg gesteigert werden.

Die positiven Wirkungen einer erhöhten Achtsamkeit

Die positiven Effekte von Achtsamkeit im organisationalen Kontext sind also durch Studien belegt und werden bereits in der Praxis erprobt. Vorteile dieser Methode sind unter anderem:

Für Unternehmen:

  • höhere Produktivität aufgrund effektiverer Führungsarbeit,
  • höhere Motivation und Zufriedenheit im Team,
  • weniger krankheitsbedingte Fehltage,
  • qualitativ höherwertige (Projekt-)Arbeit durch ein vernetzteres proaktives Handeln,
  • höhere Arbeitsidentifikation aufgrund eines mitarbeiterorientierten Betriebsklimas

Für Führungskräfte:

  • gesteigerte Konzentrationsfähigkeit und Kreativität,
  • Aufbau nachhaltiger Stressbewältigungsstrategien,
  • verbesserte Selbst- und Fremdwahrnehmung,
  • Ausbau wichtiger Führungskompetenzen wie Emotionale Intelligenz und Entscheidungsfähigkeit,
  • höhere Empathie und Netzwerk-Kompetenz,
  • flexiblerer Umgang mit neuen Herausforderungen, 
  • höhere Change-Kompetenz.

Bessere Führung durch bessere Selbstführung

Vor ein, zwei Jahrzehnten wirkte das Thema Achtsamkeit noch exotisch. Heute ist Achtsamkeit eine wissenschaftlich belegte, bedeutende Führungskompetenz. Mindful Leadership ermöglicht es, herausfordernde Situationen neu wahrzunehmen und deshalb neue, kreative Problemlösungen zu finden.

Die Basis für eine achtsame Führung ist eine bewusste Selbstführung. Achtsame Führungskräfte sind sich ihrer Selbst und ihrer Werte, aber auch ihrer Einstellungen und Motive bewusst. Um eine nachhaltige Veränderung im Verhalten zu bewirken, bedarf es Zeit und ein regelmäßiges Üben. Das heißt für Führungskräfte konkret zum Beispiel, täglich 20 Minuten in sich zu investieren und die eigene Achtsamkeit etwa durch Meditation zu trainieren.

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