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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Einleitung

Zusammenfassung
Eine besondere Novität der gegenwärtigen Beschäftigungsprobleme der Lehramtsabsolventen ist die Erkenntnis, daß diese Krise — wie die anderer akademischer Karrieren auch — keine völlig neuartige Erscheinung, sondern ein integraler Bestandteil langwelliger Zyklen ist, in denen sich Überfüllungs — und Mangelphasen in einer zwar durch die jeweiligen historischen Besonderheiten exogen überformten, aber dennoch so deutlich erkennbaren Regelmäßigkeit ablösen, daß sich die Suche nach endogenen Ursachen aufdrängt. Hartmut TITZE faßt zunächst den Verlauf der seit Ende des 18. Jahrhunderts beobachtbaren fünf Wechselbäder der Lehrerbeschäftigung und die zentralen Mechanismen zusammen, mit denen die unter seiner maßgeblichen Beteiligung entworfene Zyklustheorie die “ups and downs” zu erklären versucht. Vor diesem Hintergrund geht er der Frage nach, welche historischen Erfahrungen mit der Steuerung des Lehrerarbeitsmarkts insbesondere durch Empfehlungen zum bzw. Warnungen vor einem Lehramtsstudium, durch die staatliche und berufsständische Lehrerbedarfsprognostik, durch die Variation der Selektivität des Prüfungswesens und — last not least — unmittelbar durch die Anstellungspolitik gemacht wurden.
Manfred Sommer

Theoretische Konzepte

Historische Erfahrungen mit der Steuerung des Lehrerbedarfs

Ein Beitrag aus der Sicht der historischen Bildungsforschung
Zusammenfassung
Vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart lassen sich für das höhere Lehramt in Preußen insgesamt fünf Wechsellagen von Überfüllung und Mangel erkennen.
Hartmut Titze

Lehrerbedarfsprognosen: Rückblick und Perspektiven aus der Sicht der bedarfsprognostischen Forschung

Zusammenfassung
Während Arbeitskräftebedarfsprognosen — insbesondere Voraussagen des Bedarfs an hochqualifizierten Arbeitskräften oberhalb der Facharbeiter —und Fachangestelltenschaft — nach einer relativ kurzen Boomphase jeweils 1967 und 1975 (vgl. stellvertretend für viele ZEDLER 1979 und IAB/MPI 1976) aufgrund der normativen, politischen und methodischen Kritik, infolge ihrer bisherigen Irrelevanz für die Prägung und Gestaltung der Bildungspolitik in der Bundesrepublik und angesichts veränderter Arbeitsmarktlagen für die Absolventen des Bildungssystems eine tiefe Depression erleiden, erfreuen sich allein Prognosen des zukünftigen Lehrerbedarfs nach wie vor, wenn auch nicht wachsender, so doch konstanter Beliebtheit. Dies vermutlich deshalb, weil die besondere Konfiguration des Lehrermarktes einen erhöhten Informations —, Handlungs— und Legitimationsbedarf des Staates erzeugt, ist er doch Produzent, Anbieter und Nachfrager von Lehrerqualifikationen zugleich. Im folgenden soll zwei bedarfsprognostisch relevanten Fragen nachgegangen werden: Erstens ist zu diskutieren, welche Funktionen Lehrerbedarfsprognosen angesichts der spezifischen Konfiguration des Lehrermarktes zukommen, worin ihre Möglichkeiten und Grenzen liegen. Zweitens wird am Beispiel ausgewählter Prognosen eine Evaluation in Form eines Soll —Ist —Vergleichs durchgeführt und über die möglichen Ursachen eventueller Abweichungen reflektiert.
Dieter Timmermann

Berufswahlmotive und berufliche Mobilitätsbarrieren von Lehramtsstudenten

Ein Beitrag aus der Sicht der pädagogischen Psychologie
Zusammenfassung
Im Zusammenhang mit der in den achtziger Jahren stark zunehmenden Lehrerarbeitslosigkeit wird häufig die geringe “Flexibilität” der Lehramtsstudenten beklagt. Man fragt sich, weshalb nicht mehr dieser Studenten ihren Studiengang wechseln oder sich nach Alternativen außerhalb der Universität umschauen, sobald sie merken, daß ihre Beschäftigungschancen gering sind.
Norbert Havers

Qualifikationen und Tätigkeitsbereiche von Absolventen der Lehrerbildung

Überlegungen aus der Sicht der Berufs— und Qualifikationsforschung
Zusammenfassung
Beschäftigungsschwierigkeiten von Absolventen des Lehramtsstudiums, die seit Mitte der siebziger Jahre vorausgesehen wurden und sich im Laufe der achtziger Jahre weiter zu vergrößern drohen, sind einer sehr kontroversen Diskussion ausgesetzt. Auf der einen Seite werden Lehrerbildung und Lehrerbeschäftigung in einer so engen Bindung gesehen, daß man Forderungen zur Bedarfssteuerung der Lehrerbildung oder zur Beschäftigung der Absolventen, ohne deren Realisierung es sich praktisch um ein Berufsverbot handele, wie in kaum einem anderen Ausbildungs— beziehungsweise Berufsbereich erhebt. Auf der anderen Seite klingen Vorschläge über Veränderungen in den Studienangeboten, in der Einstellungspolitik öffentlicher und privater Organisationen und in der Arbeitsmarktpolitik so, als wenn man relativ leicht außerschulische Beschäftigungsmöglichkeiten für Absolventen von Lehramtsstudiengängen — beziehungsweise für Absolventen geisteswissenschaftlicher Fächer, die insbesondere von den Beschäftigungsschwierigkeiten für Lehrer betroffen sind — eröffnen oder ausweiten könnte. Die Unterschiedlichkeit der Einschätzung kann jedoch nicht überraschen, weil die Beziehungen von Lehrerbildung und Berufstätigkeit von einer Fülle schwer überschaubarer Faktoren abhängen: Den Ausbildungsinhalten der Lehrerbildung, den Zugangs Voraussetzungen zum Lehrerberuf, den Einstellungen der Schüler, Studenten und Absolventen, den Kriterien und Verfahren bei der Einstellung von Hochschulabsolventen, den quantitativen Entwicklungen von Schule, Hochschule und Arbeitsplätzen usw. Hinzu kommt, daß jeweils Unsicherheiten über die zukünftige Entwicklung unvermeidlich sind: wie sich die Studienfachwahl oder Einstellungspolitik ändern wird und wie Beschäftiger auf Veränderungen von Studiengängen reagieren. Weitere Beispiele lassen sich nennen.
Ulrich Teichler

Ist die Lehrerausbildung noch zu retten?

Zum Stellenwert von Praxiserfahrungen in Professionalisierungskonzepten aus hochschuldidaktischer Sicht
Zusammenfassung
Wer heutzutage Fragen der Lehrerausbildung aufwirft, begibt sich auf vermintes Gelände. Kaum ein anderer Bereich der Hochschulausbildung ist so in den Strudel bildungs— und wissenschaftspolitischer Auseinandersetzung geraten wie die Lehrerausbildung. Die Gräben sind tief, die aufgerissen wurden, seitdem der große bildungspolitische Konsens im deutschen Bildungsrat zerbrach. Bereits mit den Frankenthaler Beschlüssen des Jahres 1970, spätestens offenkundig mit dem Scheitern des Bildungsgesamtplans 1973 war der “Strukturplan für das deutsche Bildungswesen”, in dem auch die Lehrerausbildung grundlegend erneuert und vereinheitlicht wurde, als Grundlage einer breit getragenen Reform Makulatur (vgl. dazu BRACHT 1980, bes. S. 7ff.) Der Streit geht seitdem um die Frage, inwieweit die Lehrerausbildung für alle Lehrerkategorien zugleich wissenschaftlich und praxisbezogen gestaltet werden könne.
Johannes Wildt

Praktische Lehrerbildung und Schulentwicklung

Überlegungen zur Polyvalenz—Debatte aus schulpädagogischer Sicht
Zusammenfassung
Die Forderung nach einer polyvalenten Lehrerbildung geht ursprünglich nicht auf pädagogische, sondern auf arbeitsmarktpolitische Erwägungen zurück. Angesichts der rapide anwachsenden Arbeitslosigkeit der Absolventen von Lehramtsstudiengängen entstanden Überlegungen und Versuche, ausgebildete Lehrer in anderen beruflichen Praxisfeldern zu beschäftigen. So notwendig — angesichts der traurigen Realität — solche Perspektiven auch sind, so wenig können sie für eine grundlegende Reform des Lehrerstudiums hinreichen — eine solche Reform muß pädagogisch begründet sein.
Eckart Liebau

Beschäftigungsperspektiven im Tätigkeitsfeld Schule

Der Lehrerbedarf aus bildungspolitischer Sicht

Zusammenfassung
Die Probleme bei der Ermittlung und Deckung des Lehrerbedarfs haben sich in den vergangenen 20 Jahren grundlegend gewandelt. Während der Begriff “Lehrer” in den 60er und 70er Jahren im öffentlichen Bewußtsein fest mit dem Begriff “Mangel” verbunden war, ist heute nur noch von Lehrerarbeitslosigkeit die Rede.
Kurt Kreuser

Der Lehrerbedarf aus finanzpolitischer Sicht

Zusammenfassung
Im Handorakel des spanischen Mönchs Gracian aus dem 17. Jahrhundert findet sich die Formel: “Der Kluge tut gleich anfangs, was der Dumme erst am Ende tut. Der eine und der andere tut dasselbe; nur in der Zeit liegt der Unterschied: jener tut es zur rechten, dieser zur Unrechten.” Warum ist also der vorausschauend Handelnde klug und der im nachhinein Handelnde unklug? Weil derjenige, der das zwar Wünschenswerte jedoch nicht Realisierbare zum Maßstab seines Handelns macht, selbst das unerreichbar werden läßt, was anders möglich gewesen wäre. Mit Gracians Formel sind bereits alle Facetten des in diesem Sammelband zu behandelnden Problems “Lehrerarbeitslosigkeit und Lehrerausbildung” umschrieben; es ging und es geht um die Frage des richtigen Maßes in der Politik. Ein Blick zurück mag dies ebenso belegen, wie er insbesondere als Orientierungspunkt dafür erforderlich ist, was aus einer Gesamtschau agierend heute noch zur Milderung der angesprochenen Problematik möglich erscheint, nachdem ihre sinnvolle Lösung — jedenfalls zu heutigen Rahmenbedingungen unter Berücksichtigung der prognostizierten Zahl von 150.000 arbeitslosen Lehramtsabsolventen — bereits unmöglich geworden ist.
Peter Wild

Überlegungen zu einem Modellversuch zur „Verminderung der Lehrerarbeitslosigkeit“

Zusammenfassung
Es gibt derzeit arbeitslose, gutausgebildete, arbeitswillige, qualifizierte Lehrer. Es gibt derzeit Unterrichtsausfall, zumindest in Teilbereichen zu hohe Klassenfrequenzen, unbefriedigende Unterrichtsintensität.
Hansjörg Sinn

Beschäftigungseffekte und Kosten eines Sabbat—Jahres für Lehrer/innen

Zusammenfassung
Über den gewaltigen Nachholbedarf, der bezogen auf eine Umverteilung der Arbeit besteht, sind sich Arbeitsmarktanalytiker sowie Wirtschafts — und Sozialpolitiker jeglicher Couleur allmählich einig. Die Vision einer Gesellschaft, die nur noch mit zwei Dritteln ihrer Mitglieder rechnet, betrifft in ihren realen Auswirkungen nicht nur die immer schon von Marginalisierung bedrohten unteren Schichten, sondern — gleichsam horizontal — ist eine ganze Generation bedroht. Auch oder gerade die, die von den verbesserten Aufstiegsmöglichkeiten der 70er Jahre Gebrauch gemacht haben, sehen sich heute um ihre Lebenschancen gebracht. Auf die Lehrstellenmisere folgt in den nächsten Jahren eine aller Voraussicht nach dramatisch anwachsende Akademikerarbeitslosigkeit mit unabsehbaren Folgen für die Integrationsfahigkeit der Gesellschaft.
Frank-Olaf Radtke, Wolfgang Schweins

Alternative Tätigkeitsfelder und Studiengänge

Berufsmöglichkeiten für Lehrer in der Wirtschaft

Der Modellversuch des Instituts der deutschen Wirtschaft
Zusammenfassung
Angesichts der ständig steigenden Arbeitslosigkeit bei ausgebildeten Lehrern wird zwangsläufig auch die Wirtschaft, insbesondere die Privatwirtschaft als potentielles Beschäftigungsfeld interessant. Die Zwangsläufigkeit bezieht sich dabei auf beide Seiten, Lehrer und Betriebe. Das Studienziel der Lehrer war es nicht, in die Wirtschaft, sondern in die Schule zu gehen. Der Studiengang selbst ist ausschließlich auf einen Arbeitgeber, den Staat, hin konzipiert, wenn von den relativ wenigen Stellen im Privatschulwesen abgesehen wird. Studieninhalte und Studienabschlüsse (Staatsexamen!) belegen dies deutlich. Bei dieser einseitigen Studienausrichtung ist es evident, daß Übergänge in die Wirtschaft unabhängig von aktuellen Situation auf dem Arbeitsmarkt mit Friktionen verbunden sein müssen. Stellen in der Wirtschaft speziell für (Schul —)lehrer sind die Ausnahme und dürften so selten sein, daß sie nur bei stimmten Fachqualifikationen als Nischen zu bezeichnen sind.
Rüdiger Falk

Fernlehrgänge für arbeitslose Lehramtsabsolventen

Der Modellversuch der Wirtschaftsakademie für Lehrer
Zusammenfassung
Jede berufliche Qualifizierung — und die von Lehrern ganz besonders — führt, in Verbindung mit einer berufsspezifischen Sozialkompetenz, zur Herausbildung von etwas, was man berufliche Identität nennen könnte. Dauert die Ausbildung lange, ist die Spezialisierung hoch, fallt es naturgemäß besonders schwer, sich damit abzufinden, daß man in dem erlernten Beruf — hier dem des Lehrers — wohl nicht werde arbeiten können. Die schon bei Berufsanfängern vorhandene berufliche Identität läßt das Nachdenken über berufliche Alternativen erst mit wachsendem Leidensdruck zu, besonders dann, wenn als Alternativen nur Bereiche in Frage kommen, die man bisher bewußt gemieden hat. Das Problem besteht also darin, daß es zum Lehrerberuf verwandte Tätigkeiten wohl von der Wissensdimension her gibt, aber nicht oder kaum verwandte Berufe hinsichtlich der Sozialkompetenz und der beruflichen Identität.
Klaus P. Beer

Erweiterte berufspädagogische Studiengänge an der Gesamthochschule Kassel

Neue Tätigkeitsfelder für Berufspädagogen
Zusammenfassung
Wir wollen in den folgenden Ausführungen Einblick in die Reform der berufs — und wirtschaftspädagogischen Studiengänge (kurz: berufspädagogische Studiengänge) an der Gesamthochschule Kassel (GHK) geben. Der Beitrag soll zeigen, inwieweit durch hochschulcurriculare Konzeptionen nach unserer Auffassung auf Arbeitsmarktschwierigkeiten reagiert werden kann und inwieweit überhaupt aus dem Bildungssektor der Beschäftigungsbereich als beeinflußbar erscheint.
Raimund Dröge, Gerd Neumann, Andreas Scheel, Meinhard Stach, Gabriele Wiechmann-Schröder

Studiengänge “Neuere Fremdsprachen” an der Justus — Liebig — Universität Gießen

Neue Tätigkeitsfelder für Sprachwissenschaftler
Zusammenfassung
Seit 1979 gibt es an der Universität Gießen die Möglichkeit, ein romanistisches oder anglistisches Hauptfachstudium mit einem Diplom abzuschließen. Ein 8 — semestriger Regelstudiengang läßt mit dem Hauptfach Englisch oder Französisch verschiedene Nebenfachkombinationen zu: Agrarökonomie, Wirtschaftswissenschaften, Geografie, Geologie/Mineralogie als sog. Sachlächer, Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Italienisch, Russisch, Arabisch als Nebenfächer und die Didaktik des Französischen oder des Englischen. Ein Nebenfach kann sich auch aus Studienelementen zusammensetzen. Studierende mit einer Fächerkombination ohne Didaktik erhalten ihr Diplom als Fachsprachenexperten, eine Verbindung mit Didaktik bewirkt den akademischen Grad Diplomsprachenlehrer/in.
Hans-Eberhard Piepho

Zusammenfassung

Strategien zur kurzfristigen Entlastung und langfristigen Stabilisierung des Lehrerarbeitsmarktes

Zusammenfassung
“Mangel an Lehrern: Statt einer immer wieder prophezeiten’ Lehrerschwemme’ gibt es in Dänemark wieder Mangel an Pädagogen”. Diese Pressemeldung wäre von der knappen Insidernotiz zur Titelschlagzeile avanciert, wenn nicht von Dänemark, sondern von der Bundesrepublik Deutschland die Rede gewesen wäre. Ähnliche Meldungen erreichen uns aus den USA, wo die Schulen angesichts des erwarteten Lehrermangels schon zu “ungewöhnlichen Lockangeboten” greifen. Sollten also am Ende doch diejenigen recht behalten, die die Warnungen vor einer galoppierenden Lehrerarbeitsmarktkrise als Abschreckungspropaganda entlarven wollten und ihrerseits das Menetekel eines baldigen neuen Lehrermangels am Horizont ausmachen zu können glaubten?
Manfred Sommer

Backmatter

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