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27.01.2016 | Leichtbau | Nachricht | Onlineartikel

Experten sehen sehr große Chancen für Composites in der Medizintechnik

Autor:
Ulrich Knorra

Faserverstärkten Werkstoffen in der Medizintechnik werden "riesige Chancen" eingeräumt. Beim ersten Symposium des Carbon Composites Schweiz "Composites in der Medizintechnik" trafen sich in Luzern mehr als 70 Fachleute.

"Noch größer als die Chancen wiegen allerdings die Herausforderungen, was vor allem für den Einsatz von Composite-Implantaten gilt", sagte Roger Stadler von der CEO icotec ag in seiner Keynote-Rede.

Alleine der weltweite Orthopädiemarkt dürfte im laufenden Jahr die Umsatzmarke von 40 Milliarden US-Dollar überschreiten, hieß es. Zudem handele es sich um ein stabiles Geschäft, das hohe Margen verspricht und Arbeitsplätze schafft. Doch so schön die Aussichten auch sein mögen, Composite-Implantate-Hersteller hätten es trotzdem schwer. Der Markt sei konservativ und herkömmliche Werkstoffe, allen voran Titan, hätten sich bereits seit längerem durchgesetzt. Gleichzeitig seien die Eintrittsbarrieren sehr hoch und vielseitig, der Markt komplex und die Entwicklung enorm kostenintensiv. Auch fehle es der immer noch jungen Composites-Implantate-Technologie oftmals noch an entsprechenden Erfahrungswerten.

Ebenfalls mit einem großem Potenzial ausgestattet, aber bereits einen großen Schritt weiter seien Anwendungen von Composites in den Bereichen der Orthopädietechnik und Patientenversorgung. Gehe es zum Beispiel darum, Patienten während einer Operation möglichst elegant und fein justiert zu positionieren und abzustützen sei vieles möglich. Was bei einer so genannten Patientenlagerung alles denkbar ist und welche Rolle dabei hochwertige Verbundwerkstoffe spielen, erörterte Markus Weber von Schaerer Medical. In den letzten Jahren enorm entwickelt habe sich auch die Orthopädietechnik. Elektronische High-End-Prothesen, Orthesen und Neurostimuliergeräte würden heute aus carbonfaserverstärktem Kunststoff gefertigt.

Hans-Willem van Vliet, Geschäftsführer F&E der Otto Bock Healthcare Products GmbH in Wien, schilderte, wie Sportler mit Bein-Prothesen Spitzenleistungen erbringen oder Jogger über Geröll springen und durch Bachbette waten. Vielleicht nicht ganz so spektakulär, aber dafür in einem noch breiteren Anwendungsgebiet fänden sich Faserverbundwerkstoffe in der Neuro-Orthopädie und in der Orthetik, wo es beispielsweise darum gehe, einen Fuß zu stützen oder den Fortbewegungsablauf mittels eines Fußhebers zu erleichtern. Ein deutlich wachsendes Segment sei die Orthopädie-Schuhtechnik, so Philipp Gerrits, Leiter Orthopädietechnik der Schweizer Firma Orthotec AG. Gerade für Menschen, die im Alter aktiv bleiben möchten, Sport treiben und Wandern gehen, sei der Einsatz von Orthopädie-Schuhtechnik äusserst hilfreich.

Wie sich herausfinden lässt, welches Material sich für die Herstellung von Bauteilen am besten eignet, erörterte Vincent Revol. Revol beschäftigt sich bei der CSEM SA mit der Technologie zur Röntgenbildgebung. Das so genannte Phasenkontrast-Röntgen wird in der Entwicklung sowie unter anderem in der Qualitätskontrolle eingesetzt. Die Möglichkeit, regelmäßige Überprüfungen vorzunehmen, ist insbesondere auch im Anschluss einer Tumorbehandlung wichtig.

Experten und Wissenschaftler, die am CC-Schweiz-Symposium teilnahmen, waren sich zum Abschluss der Veranstaltung weitgehend einig, dass bei der Behandlung von Wirbelsäulentumoren CF/PEEK gegenüber anderen Materialien klare Vorteile aufweise. "Artefakte von Metallimplantaten erzeugten Unsicherheiten bei Planung, Durchführung und Nachkontrolle von Bestrahlungstherapien", unterstrich Kurt Zoller von der CEO Sitona AG. Als weiteren Vorteil nannte Ralf Klabunde, CTO icotec ag, in seiner Präsentation neben einer "ungestörten" Bildgebung, dass es bei der Verwendung von Carbon/PEEK kaum zu Weichteiladhäsion (Verwachsungen) komme, was etwa auch bei einer späteren Nachbehandlung eindeutig von Vorteil sei. Ähnlich argumentierte Robert Lange von der CEO coLigne AG, der bereits seit über 20 Jahren Composite-Produkten zur Behandlung von degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen entwickelt und einsetzt.

Gute Erfahrungen mit der neuen Technologie hat der Facharzt für orthopädische Chirurgie an der Klinik Hirslanden in Zürich, Markus Rühli, gemacht. Seine Patienten hätten auf Implantate mit Carbon-Schrauben klar positiv reagiert. Zudem vereinfache die Verwendung von Carbon die postoperative Beurteilung klar.

Carbon Composites Schweiz (CC Schweiz) ist die Schweizer Regionalabteilung des Carbon Composites e.V. (CCeV) und wurde von der schweizerischen Kommission für Technologie und Innovation (KIT) als nationales thematisches Netzwerk gewählt. Der Fokus von CC Schweiz liegt auf der Förderung der Anwendung von Hochleistungs-Faserverbundtechnologien in der Schweiz und vernetzt dabei Forschung und Wirtschaft.

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