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17.06.2020 | Leichtbau | Interview | Onlineartikel

"CFK hat seine Favoritenrolle im hybriden Leichtbau dokumentiert"

Autor:
Thomas Siebel
5 Min. Lesedauer

Mit Composites United ist eines der weltgrößten Leichtbaunetzwerke entstanden. Im Interview äußert sich Gunnar Merz zur neuen Strategie, zur Loslösung von Composites Germany und zu Leichtbau-Schwergewichten.

ww.springerprofessional.de: Wenige Monate nach der Gründung von Composites United verkünden Sie nun eine strategische Neuausrichtung. Welche Ziele setzt sich das neue Netzwerk?

Gunnar Merz: Die ehemaligen Vereine CFK Valley e.V. und Carbon Composites e.V. haben sich stark auf CFK beziehungsweise auf die wirtschaftliche Erschließung von Technologien für hybride Werkstoffe fokussiert. Die Erfahrungen haben aber gezeigt, dass in der industriellen Praxis zumeist hybride Lösungen gefragt sind, die auch andere Leichtbaumaterialien berücksichtigen. Daran orientieren wir die strategische Ausrichtung des Composites United e.V. Unsere Maxime ist der hybride Hochleistungsleichtbau mit Verbundwerkstoffen. Der materialübergreifende Charakter dieses Ansatzes spiegelt sich übrigens auch in der LightCon wieder, die wir in Kooperation mit der Deutschen Messe als Nachfolgeveranstaltung der Composites Convention und der Experience Composites etablieren.

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Warum ist die Neuausrichtung hin zum materialübergreifenden Leichtbau erforderlich? 

Leichtbau ist eine neue Schlüsseltechnologie für Deutschland und findet sich im aktuellen Koalitionsvertrag der Bundesregierung wieder. Auch die erst kürzlich ausgeschriebene Förderung des Leichtbaus durch das Bundeswirtschaftsministerium mit fast 300 Millionen Euro bis 2023 unterstreicht dessen Bedeutung. CFK erreicht unter den Werkstoffen zwar das höchste Leichtbaupotenzial, stellt aber häufig keine geeignete Lösung dar, zum Beispiel aus Kostengründen. Stattdessen werden hybride Ansätze unter Verwendung von GFK und CFK oder auch in Kombination mit Holz, Kunststoffen oder nahezu allen Metallen eingesetzt. Dabei erfüllen sie die technischen Anforderungen bei gleichzeitiger Wirtschaftlichkeit. Neben der Ökonomie des hybriden Leichtbaus wollen wir aber auch dessen Ökologie noch stärker in den Mittelpunkt unseres Handelns stellen. Für viele globale Unternehmen wird das eine starke Triebkraft sein, gemeinsam mit uns den internationalen Leichtbau voranzutreiben.

Viele ihrer Mitgliedsunternehmen haben in den in den letzten Jahren stark in CFK-Bauweisen investiert. Mit der Ausrichtung hin zu hybridem Leichtbau dürften dort doch die Alarmglocken läuten! 

Der Werkstoff CFK hat in den vergangenen Jahren mit einer globalen Volumensteigerung von über 10 Prozent jährlich seine Favoritenrolle im hybriden Leichtbau dokumentiert. Selbst reines CFK hat nach wie vor durchaus seine Bedeutung in der Luft- und Raumfahrt, aber auch in ausgewählten Bauteilen im Automobilbau, der Windenergie, im Transportwesen und selbst im Bauwesen. In allen Anwendungsfällen stellt CFK dabei auch eine wirtschaftliche Lösung dar. Viele unserer Mitgliedsunternehmen haben aber bereits seit vielen Jahren hybride Werkstoffe und Technologien in ihrem Portfolio und sich damit frühzeitig den Erfordernissen ihrer globalen Märkte angepasst. Selbst Unternehmen, die sich zunächst stark an der Luftfahrt und dem Werkstoff CFK orientierten, haben sich diversifiziert und arbeiten heute auch mit anderen Werkstoffen.

Im Automobilbau dürfte CFK in Reinform aber nur noch die Ausnahme sein. 

Auch in der Automobilindustrie ist der hybride Leichtbau der Schlüssel zum Leichtbau des 21. Jahrhunderts, auch wenn es aktuell in Deutschland so scheint, als ob dieser Markt sich nicht in diese Richtung entwickelt. International in Asien ist er derzeit aber der Treiber für ein Volumenwachstum bei Carbonfasern, die mit den aktuell verfügbaren globalen Mengen nicht abgedeckt werden können, was einen weiteren Markt-Boost verursacht. Zudem wird die Anwendung von Carbonfasern im Bauwesen alle aktuellen Märkte in den kommenden Jahren signifikant weiter vorantreiben und unseren aktuellen strategischen Ansatz für unsere Mitglieder rechtfertigen.

Mit der strategischen Neuausrichtung begründen Sie auch den Austritt aus der Vereinigung Composites Germany. In welchen Punkten hat der Verbund mit AVK und der VDMA-Arbeitsgemeinschaft Hybride Leichtbau Technologien Composites United am Erreichen seiner Ziele gehindert?

Composites United ist in Deutschland mit seinem Hauptstadtbüro in Berlin und seinen regional orientierten regionalen Büros in Stade, Dresden, Kaiserslautern, Augsburg und Stuttgart bereits bestens vernetzt und wird seine Internationalisierungsstrategie  konsequent weiter verfolgen. Zu den bisherigen Außenstellen in der Schweiz, Österreich, Belgien, Japan, Korea, China und Indien werden weitere folgen. Damit hat sich Composites United zu einem international agierenden Industrieverband entwickelt. Ein Beitrag zur Wirtschaftsvereinigung Composites Germany ist damit nicht mehr in dem Umfang möglich, den die ehemaligen Mitgliedsvereine CFK Valley und Carbon Composites leisten konnten.

Worin unterscheiden sich die Interessen von Composites United und den übrigen Composites Germany-Partnern?

Ein wesentlicher Unterschied ist die Organisationsform: Composites Germany ist eine Wirtschaftsvereinigung, deren Ziel darin besteht, gemeinsame Interessen gegenüber der Öffentlichkeit in Deutschland zu vertreten. Dahingegen ist Composites United ein Verband mit nationalen und internationalen Mitgliedsunternehmen und -instituten, der allgemein dessen gemeinsame Interessen fördert. Folglich stehen bei Composites United die Mitglieder im Mittelpunkt, während Composites Germany stärker Politik und Öffentlichkeit adressiert. Weiterhin verfolgt Composites United einen fokussierten industriellen Ansatz und legt dabei sehr viel Wert auf die Akquise von Projekten und Geschäft für die Mitglieder im nationalen und auch internationalen Umfeld. Composites Germany ist dahingegen auf die Vermittlung von Knowhow und die Verbreitung von Informationen ausschließlich deutschlandweit fokussiert. Betrachtet man den Fokus auf die Werkstoffe, dann berücksichtigt Composites United den multimaterialen Leichtbau während sich Composites Germany allein auf allen Arten von Composites im Leichtbau konzentriert.

Ist Composites Germany mit dem Austritt von Composites United am Ende?

Composites United hat sich zwar nach einem einstimmigen Präsidiumsbeschluss zum Austritt aus Composites Germany entschlossen, dennoch werden alle Parteien in Zukunft bei gemeinsamen Fragestellungen kooperieren und sich auch gegenseitig in der Beratung der Politik unterstützen.  

Erwarten Sie, dass Composites United künftig der wesentliche Ansprechpartner für hybride Werkstoffe sein wird?

Nach der Fusion von CFK Valley e.V. und Carbon Composites e.V. in 2019 ist mit Composites United e.V. eines der weltweit größten Netzwerke für Composites und hybride Leichtbautechnologien entstanden. Gemeinsam mit den fast 400 nationalen und internationalen Mitgliedsunternehmen und Instituten werden 27 Jahre Erfahrung gebündelt. Damit ist Composites United selbstredend ein internationales Schwergewicht des Leichtbaus. 

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Quelle:
Leichtbau-Konstruktion

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