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Über dieses Buch

In dem Band geht es darum, das Phänomen der Leistung in seiner kulturell-gesellschaftlichen und pädagogischen Gewordenheit zu rekonstruieren und in seiner Selbstverständlichkeit und Logik zu dekonstruieren. Aus einer soziologischen Perspektive wird die Zentralität des Leistungsbegriffs für die moderne Gesellschaft nachgezeichnet. Über den historischen Zugang wird gezeigt, wie sich das Paradigma im Laufe der Zeit entwickelt. Praktiken der Leistungskonstruktion – Aufgabenstellungen, Prüfungen und Leistungsbewertungen – werden aus pädagogischer Perspektive aufgegriffen und kritisch reflektiert.

Der Inhalt

Entstehungskonstellationen der „Leistung“ vor 1900 • Konstellationen der „Leistung“ nach 1900 • Konstellationen der „Leistung“ am Ende des 20. Jahrhunderts

Die Herausgeber

Dr. Sabine Reh, Professorin für Historische Bildungsforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin und Direktorin der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des DIPF.

Dr. Norbert Ricken, Professor für Theorien der Erziehung und Erziehungswissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Leistung als Paradigma

Eine Einführung in die Konzeption des Bandes
„Leistung muss sich wieder lohnen!“ – so lautet(e) einer der Slogans, mit dem seit Mitte der 1980er Jahre in Deutschland der Umbau des Sozialstaats zugunsten eines neoliberal organisierten Staates vorangetrieben und ideologisch garniert wurde. Auch wenn er vermutlich christlich-konservativen Ursprungs ist und Helmut Kohl bzw. Heiner Geissler (vgl. Der Spiegel 13/1986, S. 19–22) zugeschrieben werden kann, so hat er doch auch parteiübergreifend längst breite Verwendung gefunden; kaum verwunderlich ist daher, dass er sowohl in Steuerreformdebatten (zur Abschaffung des Spitzensteuersatzes) und der Transformation des Arbeitslosengeldes II in eine deutlich reduzierte Hartz-IV-Leistung als auch – in gegenteiliger Perspektive – in den Diskussionen zum Mindestlohn sowie zur Absenkung des Rentenniveaus auftaucht.
Norbert Ricken, Sabine Reh

Leistung und Meritokratie in der Moderne

Im vorliegenden Beitrag wird den Verbindungen zwischen Leistungsprinzip, individueller Lebensführung, gesellschaftlichem Fortschritt und sozialer Ungleichheit genauer nachgegangen. Dabei stehen die diskursiven Begründungslinien im Vordergrund: Welche Begründungslasten soll das Leistungsprinzip in der Moderne tragen, und kann es sie tatsächlich tragen? Eine meritokratische Legitimation sozialer Ungleichheiten erweist sich bei genauerem Hinsehen als brüchig und funktioniert nur als Selbstbetrug. Dies erweist insbesondere der Blick auf die Mittelschichten, die als Hauptträger des Leistungsprinzips diesbezüglich derzeit erheblichen Irritationen ausgesetzt sind.
Uwe Schimank

Konstruktionen der ‚Leistung‘

Zur (Subjektivierungs-)Logik eines Konzepts
Ausgehend von der Ambivalenz des Konzepts der ‚Leistung‘, einerseits zentrales Prinzip moderner Gesellschaften zu sein und andererseits ebenso wenig fassbar wie heftig umstritten zu sein, wird der Versuch unternommen, die Logik der ‚Leistung‘ zu erläutern und als eine Subjektivierungslogik zu rekonstruieren. Dazu werden nach einem kurzen Rückgriff auf die Begriffs- und Bedeutungsgeschichte der ‚Leistung‘ (1) zwei – eine soziologische (2) und eine pädagogische (3) – Auskünfte eingeholt, um die Logik der Leistung als ein ‚doing subject‘ zu interpretieren (4), das auch dann noch funktioniert, wenn ‚Leistung‘ offenkundig unangemessen erfasst und ungerecht bewertet wird.
Norbert Ricken

Entstehungskonstellationen der ‚Leistung’ vor 1900

Frontmatter

Arbeit und Fleiß in der Frühen Neuzeit

Dieser grundlegende Text von Paul Münch erschien erstmals 1992, zuletzt als Kapitel in dem 1998 veröffentlichten Buch zu „Lebensformen in der frühen Neuzeit. 1500 bis 1800“ und ist hier mit Genehmigung des Autors – unverändert – wieder abgedruckt. Auch wenn über Arbeitsintensität und Arbeitsbelastung in der frühen Neuzeit aufgrund der Quellenlage nur beschränkt Aussagen gemacht werden können, ist anhand von Sprichwörtern, Sentenzen und anderen vorliterarischen Vermittlungsformen ein umfassender Bedeutungswandel des Arbeitsbegriffs für diesen Zeitraum nachzuvollziehen. Der Autor illustriert, wie im Laufe der Zeit und vor dem Hintergrund einer humanistischen Hochschätzung menschlicher Leistungsfähigkeit, von Vorstellungen einer gott- bzw. naturähnlichen Schöpferkraft des Menschen, die theologische, von allen Konfessionen vertretene Lehre vom mühseligen Charakter der Arbeit abgelöst und Tätigsein bzw. Tätigkeit zur unabdingbaren Voraussetzung menschlichen Glücks wurde. Diese Entwicklung kulminierte schließlich in der Idealfigur des ‚industriösen‘ Untertanen und Bürgers und nur der konnte noch als vollwertiges und ehrbares Mitglied der menschlichen Gesellschaft gelten, der seinen Lebensunterhalt selbst mit Arbeit verdiente – seit dem 17. Jahrhundert war Fleiß zum innersten Kern der bürgerlichen Mentalität geworden. Mit dem sich durchsetzenden Arbeitsgebot und dem Kampf gegen den Müßiggang war eine ‚Verfleißigungskampagne‘ großen Ausmaßes verbunden, die nicht zuletzt in aufklärerischen Erziehungsprogrammen ihren Niederschlag fand.
Paul Münch

Virtù und velocità

Die Leistungskonkurrenz der Palio-Pferderennen in der italienischen Renaissance
Im 15. und frühen 16. Jahrhundert haben zahlreiche nord- und mittelitalienische Städte Pferderennen um ein wertvolles Stück Tuch – ital. palio – veranstaltet, die von einer spezifischen Organisationsschriftlichkeit (Ordnungen, Register) getragen wurden und über performative Präsenz, Berichterstattung und mediale Repräsentationen soziale Bedeutungen generierten. Insofern lässt sich auf diesem Feld erstmals in der nachantiken Geschichte Europas die Formierung einer agonalen Sportkultur beobachten, die für sämtliche Dimensionen des Wettkampfs – Planung, Praxis und kompetitive Wahrnehmung – ein hinreichendes Quellenfundament aufbietet. Auf den städtischen Rennplätzen entfaltete sich eine Leistungskonkurrenz animalischer Körper, deren Performanz an das symbolische Kapital – oder zeitgenössischer: an die Ehre (onore) – fürstlicher, adeliger und stadtbürgerlicher Patrone rückgebunden werden konnte. Entsprechend erweisen sich die italienischen Paliorennen der Renaissance entlang der Schlüsselbegriffe virtù (agonale Durchsetzungskraft) und velocità (Schnelligkeit) als ausgesprochenes Leistungsregime, das sämtliche rennrelevante Praktiken – von Zucht, Auswahl, Training und Fütterung der Rennpferde bis hin zu Renntaktiken und der nachgängigen Evaluation von Rennverläufen – bestimmte. Anhand dieses Gegenstands wird es auch darum gehen, die derzeit entgrenzt gebrauchten Phänomene ‚Leistung‘ und ‚Konkurrenz‘ zu historisieren und in zeitgenössische Diskurse zu verorten.
Christian Jaser

Wettbewerb und Ehrtrieb

Die Entstehung des Leistungs-Dispositivs im Schulwesen um 1800
Im Beitrag wird die Entstehung eines universalisierten Verständnisses von Leistung in der Schulgeschichte beleuchtet und belegt, dass der Schule ein aktiver Part bei der Entstehung des Leistungsdispositivs zufiel. Es wird dargestellt, wie zunächst über das Konzept der Ehre der Leistungsgedanke diskursiv angebahnt wurde. Spielte Ehre als Anreizgeber schon in jesuitischen Arrangements eine Rolle, so wurde der Ehrtrieb von den Philanthropen in einem moralischen Problemhorizont neu diskutiert und in Praktiken wie der Meritentafel pädagogisch nutzbar gemacht. Später ging man dazu über, ehrenhaftes Verhalten an wechselseitige Anerkennungsverhältnisse, v. a. auch unter Peers, zu binden. Schließlich wird gezeigt, wie Debatten um die Ausgestaltung des Schulsystems im 19. Jahrhundert solche Gedanken aufnahmen und Organisationsformen sich durchsetzten, die eine subjektive Disposition zur generellen Leistungsbereitschaft am ehesten beförderten.
Kathrin Berdelmann, Sabine Reh, Joachim Scholz

Liebe, Gehorsam oder Großes leisten?

Leistungssemantiken im 19. Jahrhundert zwischen sozialer Verpflichtung und individuellem Können
Der Beitrag untersucht die Geschichte des Wortes ‚Leistung‘. Analysiert wird anhand von deutschsprachigen Wörterbüchern und Konversationslexika aus dem 19. und teilweise dem 20. Jahrhundert, wie sich die Bedeutung dieses Wortes erhöhte und veränderte. Im Verlaufe des Untersuchungszeitraumes bildete sich die Vorstellung von ‚der‘ Leistung als einer vor allem auf die Fähigkeiten und Anstrengungen des Einzelnen bezogenen Größe heraus. Allerdings schwang auch die ältere, stärker soziale Bedeutung von Leistung als Gegenstand einer Verpflichtung weiter mit, und es scheint gerade das Spannungsfeld zwischen beiden Bedeutungen zu sein, die den Terminus für die politisch-soziale Sprache schließlich so attraktiv machte – und zu einer Unschärfeformel.
Nina Verheyen

Konstellationen der ‚Leistung‘ nach 1900

Frontmatter

Leistung, Begabung und Nation nach 1900

Der Begriff der Leistung stand in den Bildungsdebatten des 20. Jahrhunderts in einer widersprüchlichen Beziehung zum Konzept der Begabung. Einerseits wurde Begabung seit dem Ersten Weltkrieg zunehmend mit volkswirtschaftlich produktiven Leistungen identifiziert und Begabungstests als Mittel gesellschaftlicher Leistungsmobilisierung propagiert. Damit gerieten Unterscheidungen von höherer und niederer Begabung ins Wanken. Andererseits blieb jedoch die Trennung von höherwertig-geistigen und minderwertig-praktischen Leistungsarten für eine Mehrzahl der Pädagogen grundlegend. Allerdings veränderten sich in der Bildungsreformära seit den 1960er Jahren die politischen Frontstellungen, indem die Kritik einer ökonomischen Leistungsorientierung von einem Topos konservativer zu einem Kennzeichen progressiver Bildungskritik avancierte.
Till Kössler

‚Die schlaffe Jugend‘ im Kaiserreich

Leistungsfähigkeit und bewegte Schülerkörper
In körperhistorischer Perspektive widmet sich der Beitrag dem Verhältnis zwischen Schülerkörper und Leistungsfähigkeit im Deutschen Kaiserreich. Für die Analyse sind diskusanalytische Annahmen sowie der Fokus auf die Problematisierung des (un-)bewegten Schülerkörpers leitend. Der Beitrag basiert auf einem breiten Korpus publizierter Quellen aus zeitgenössischen Fachzeitschriften sowie Monographien aus den Bereichen Turnen, Spiel, Sport und Pädagogik. Auf Grundlage diese Korpus wird der These nachgegangen, dass sich mit der Wiederkehr der so genannten ‚Überbürdung‘ des Schülerkörpers Anfang der 1880er Jahre eine wesentliche Verschiebung in der Diskursivierung des bewegten Schülerkörpers vollzog. Dreierlei neue Diskursstränge (Regeneration, Leistungssteigerung, -messung) verwoben sich zu einer neuartigen Subjektivierung von Leistung, die dem als überholt geltenden Turnen gegenübergestellt wurde.
Jörn Eiben

Die harmonische Gesellschaft

Das evolutionäre Prüfungsdispositiv um 1900
Die Messbarmachung von Leistung durch Prüfungstechniken veränderte das Selbstverhältnis von Individuen. Doch wie und wieso wurde Leistungsfähigkeit messbar – und zwar in zahlreichen gesellschaftlichen Systemen? Dazu werden drei Parallelaktionen – die Entdeckung des Individuums im Rahmen der differentiellen Psychologie, die gesellschaftliche Differenzierung mit der Entstehung von Sonderwelten (Bürokratien, Maschinenhallen, U-Boote, Flugzeuge usw.) sowie die Messung der Passung von Individuen und Sonderwelten im Rahmen von Prüfungen – in ihrer Verbindung betrachtet. Das Prüfungsdispositiv um 1900 erweist sich dabei als evolutionär strukturiert (Mutation/Individuen, Selektion, Passung). Leitidee ist die umfassend harmonische Gesellschaft, nicht die Arbeit an sich selbst wie sie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Kontext des Kompetenzbegriffs aufkommt.
Andreas Kaminski

Erziehung zur Leistungsbereitschaft

Über einige normative Voraussetzungen psychologischer Kompetenzkonzepte
Wenn man an einer Genealogie der derzeit wirksamen Kompetenzkonzepte interessiert ist, liegt es nahe, eine Geschichte der Prüfungstechniken zu schreiben. Eine nähere Untersuchung des Feldes zeigt aber, dass dieser Ansatz zu kurz greift. Die Tatsache, dass sich die diversen Formate der Kompetenzprüfung erfolgreich gegen die dominierende Praxis des Intelligenztests durchsetzen konnten, lässt sich unter anderem darauf zurückführen, dass der praktische Anspruch des Kompetenzkonzepts weit über die Produktion ‚besserer‘ Testformate hinausreicht. Es ging von Anfang an auch um die Entwicklung eines Erziehungsprogramms, das konsequent auf das Ziel der Leistungsmotivation ausgerichtet war. Eine Kritik der Kompetenz wird daher auch den motivationspsychologischen Unterstrom ins Auge fassen müssen, der das Konzept durchgehend trägt.
Andreas Gelhard

Achievement and the Meaning of Effort

The Fixation with Goals and How the Concept of Motivation Replaced Human Will
This article argues that our understanding of achievement depends on our understanding of the will. Since the 1950s the concept of the will was gradually replaced by the concept of motivation. I will show how the human will was reconceptualized, changing it from a bodily bound feature of character to a goal-oriented mindset, which led to the disconnection of effort from exhaustibility. This produced a new understanding of achievement, emphasizing the ability to exceed one’s comfort zone irrespective of bodily fatigue. The decline of the will can be attributed to its ties to a metaphysical concept of character whereas the rise of motivation can be attributed to the discovery of expectancy as a key activating factor of human behaviour. This discovery was made possible by the newly developed Thematic Apperception Test.
Lukas Held

Konstellationen der ‚Leistung‘ am Ende des 20. Jahrhunderts

Frontmatter

Leistungsorientierung und Leistungsideologien

Pädagogische Rezeptionen der Leistungskategorie zwischen 1950 und 1980
Der Aufsatz verhandelt theoriegeschichtliche Diskurslinien, die vor allem in den 1960er und 1970er Jahren ihre Hochphase hatten, aber noch für aktuelle Auseinandersetzungen relevant erscheinen. Die Kontroversen in dieser Zeit setzen sich mit unterschiedlichen Möglichkeiten auseinander, das Verhältnis von Schule und Gesellschaft oder Leistung, Individualität und Bildung zueinander zu justieren. Dabei wird an unterschiedliche pädagogische wie auch gesellschaftsund ideologiekritisch ausgerichtete Analysen erinnert, insbesondere an in ihnen greifende systematisch-konzeptionelle Unterscheidungen. Es wird deutlich, dass gerade die Umstrittenheit der normativen wie normalisierenden Aspekte des Leistungsbegriffs es möglich macht, affirmative sowie problematisierende bis hin zu radikal kritischen Thematisierungsweisen zu entwickeln.
Ralf Mayer

Das Theorem der ‚Selektionsfunktion der Schule‘ und die Praxis der Leistungsbewertung

Die Rede von der ‚Selektionsfunktion der Schule‘ ist im schulpädagogischen Diskurs mit großer Selbstverständlichkeit ausgestattet. Der Beitrag versucht Abstand von diesem Theorem zu gewinnen, indem nach dessen Genealogie, nach den Formen seiner Etablierung und nach seinen Effekten im schulpädagogischen Diskurs gefragt wird. Im Zuge der Untersuchung werden verschiedene Etappen und Dimensionen beschrieben: Von der Entdeckung der ‚gesellschaftlichen Funktion‘ von Schule in den 1970er Jahren über die Etablierung der ‚Selektionsfunktion‘ im schulpädagogischen Diskurs um Leistungsbewertung und Lehrerhandeln bis hin zur Reifizierung des Theorems in empirischen Studien sowie in der ungleichheitstheoretischen Kritik schulischer Leistungsbewertung. Die Praxis schulischer Leistungsbewertung ist unter der Annahme einer Omnirelevanz der ‚Selektionsfunktion‘ allerdings nur unzureichend begriffen.
Georg Breidenstein

Leistungsbewertung als pädagogische Praktik

Zur sozialen Konstruktion von Leistung in Lernentwicklungsgesprächen
Gegenstand des Beitrags ist die soziale Konstruktion von Leistung im individualisierten Unterricht. Der Schwerpunkt wird auf Schülerselbsteinschätzungspraktiken gelegt. Am Beispiel eines Portfoliobogens, Beobachtungsprotokolls und einem Transkript, die sich auf dieselbe Situation beziehen, wird die Entstehung eines positiven Narrativs über die Aktivitäten eines Schülers rekonstruiert. Gezeigt werden kann, wie das Lernentwicklungsgespräch zu einer öffentlichen Situation des Einübens wird, sich selbst zu den eigenen Ergebnissen in ein Verhältnis zu setzen und dabei schulische Normen der Bewertung anzulegen. Vor dem Hintergrund der Frage, wie schulischer Unterricht das Problem löst, einerseits Erfolge zu bestimmen und andererseits diese nicht garantieren zu können, kommt das Lernentwicklungsgespräch als Praktik in den Blick, in der Schüler/innen zum Nachweis der Wirksamkeit individualisierten Unterrichts aufgefordert werden.
Kerstin Rabenstein, Svenja Strauß

Die Leistung vor der Leistung

Online-Self-Assessments als (Selbst-)Führungsinstrumente der Optimierung und Profilierung
Die Autor*innen zeigen, wie Hochschulen und Studiumsanwärter*innen durch so genannte Online-Self-Assessments (OSA) zur Studienwahl in ein wechselseitiges Leistungsverhältnis gesetzt werden. Dieses ist bereits vor dem Studium wirksam und als Pädagogisierung beschreibbar. OSAs werden als gouvernementale Praktiken beschrieben, die als Eignungs- und Selektionsinstrument zugleich Optimierungen des Passungsverhältnisses von Studierenden und Fach sowie die Profilierung von Fächern ermöglichen. Anhand der Aspekte des Risikomanagements, des Selbstverhältnisses und der Profilbildung wird verdeutlicht, wie durch OSAs Rationalitäten und Führungsverhältnisse gestiftet werden, die schließlich zu einer gegenseitigen pädagogisierten Bindung und Verpflichtung zwischen Studierenden und Hochschule führen sollen.
Sabrina Schröder, Christiane Thompson, Daniel Wrana

Die kulturelle Gebundenheit von Schulleistungen

Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit Schulleistungen als universell versus kulturgebunden konzeptualisiert werden sollten. Hierfür werden theoretische Überlegungen und empirische Befunde aus zwei theoretischen Perspektiven – einer ökokulturellen und einer sozialkonstruktivistischen – überblicksartig dargestellt. Der Beitrag kommt zu dem Schluss, dass einerseits grundlegende kognitive und motivationale Strukturen, die schulisches Lernen erst ermöglichen, universell auffindbar sind und, dass auch die groben Ziele sowie Rahmenbedingungen institutionalisierter schulischer Bildung transnational ähnliche Grundzüge aufweisen. Andererseits sind Prozesse des Erwerbs spezifischer Kompetenzen und Wissensinhalte sowie die Bedingungen ihres Nachweises in Leistungsüberprüfungssituationen tief verwurzelt in dynamischen und interagierenden kulturellen Kontexten.
Svenja Vieluf

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