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Über dieses Buch

Die Beiträge schließen an die bildungspolitische Forderung nach Lebenslangem Lernen an, fokussieren zugleich aber die erziehungswissenschaftliche Perspektive und fragen danach, wie Lernen in einer Lebenslaufperspektive theoretisch zu fassen und empirisch zu analysieren ist. Neben einer diskursanalytischen Rekonstruktion werden bildungs- und lerntheoretische Konzepte erörtert und in ihrer Bedeutung für die Untersuchung des Lernens im Lebenslauf diskutiert. Darüber hinaus widmen sich drei Beiträge dem Kompetenzkonzept und beleuchten die Kompetenzentwicklung im Lebenslauf.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Lernen im Lebenslauf. Einführung in den Band

Zusammenfassung
Lernen im Lebenslauf – dieser Titel verweist auf grundlegende Veränderungen im Kontext erziehungswissenschaftlicher Theoriebildung und Forschungsentwicklung. So hat sich die Erziehungswissenschaft – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der bildungspolitischen Forderung nach Lebenslangem Lernen – zunehmend dem Thema ‚Lernen’ gewidmet. In den Blick genommen wurde dabei das Lernen diesseits und jenseits traditioneller Bildungsinstitutionen. Damit einher ging nicht nur eine Hinwendung zu unterschiedlichen Lernorten, sondern auch die empirische Untersuchung individueller Lernprozesse im Lebenslauf. Darüber hinaus entwickelte sich eine Diskussion um die ‚richtigen’ Grundbegriffe. Dies zeigt sich etwa in der Etablierung einer erziehungswissenschaftlichen Lerntheorie sowie der Hinwendung zum Kompetenzbegriff.
Der Beitrag skizziert die damit verbundenen Veränderungen und entwickelt damit den Ausgangspunkt für die Frage, wie sich das Lernen im Lebenslauf theoretisch und empirisch fassen lässt.
Christiane Hof, Hannah Rosenberg

Vergangene Zukünfte im Medium gegenwärtiger Bildungsbiographien

Momentaufnahmen im Prozess des Biographisierens von Lebenslaufereignissen
Zusammenfassung
Die erziehungswissenschaftliche Biographieforschung geht von dauerhaften Strukturbildungen im Leben jedes Einzelnen aus. Diese Stabilitätsannahme ist nicht zuletzt durch zeitdiagnostisch orientierte soziologische Analysen brüchig geworden. Sie fokussieren die Prozesshaftigkeit sozialer Realität. Wenn die These über die verlorene (Zeit-) Stabilität von Lebensläufen und Biographien zutrifft, wird qualitative Bildungsforschung auf der Grundlage von Einmalhebungen fragwürdig. Der Beitrag verdeutlicht, dass von Wiederholungserhebungen folgenreiche Anregungen für die Weiterentwicklung der Theorie der (Bildungs-)Biographie zu erwarten sind. Biographietheoretisch, indem von der Fokussierung auf die einzelne Biographie als repräsentatives und abgeschlossenes Resultat auf die Serialität von Bildungsgestalten und weiter den Prozess des Biographisierens umgestellt wird. Und bildungstheoretisch, indem an die Stelle von eindimensional stabilen Subjektgestalten mehrdimensional dynamische Subjektmodelle treten.
Jochen Kade

Zur Erforschung von Lern- und Bildungsprozessen über die Lebenszeit aus biographieanalytischer Perspektive

Zusammenfassung
Die biographieanalytische Perspektive rekonstruiert Lebensgeschichten, um über individuelle Erzählungen den Zugang zu gesellschaftlichen Phänomenen zu erlangen. Über Erzähltexte sind auch Lern- und Bildungsprozesse über die Lebenszeit zu rekonstruieren, und zwar auch solche, die auf konjunktiven Erfahrungen beruhen. Der Beitrag fußt auf einem phänomenologisch-sozialkonstruktivistischen Lernbegriff und weist die Kompatibilität von Theorie, Methodologie und Methode aus. Insbesondere macht er mit einem Auswertungsverfahren bekannt, das das narrationsstrukturelle Verfahren nach Schütze modifiziert und Wert auf den Vergleich von direkten Aussagen der Erzählenden und Strukturen des Erzähltextes legt.
Heide von Felden

Erfahrung und Lernen im Lebenslauf

Anschlüsse an die phänomenologisch-hermeneutischen Perspektiven von Günther Buck
Zusammenfassung
Auch wenn die Pädagogik ,Lernen‘ als einen ihrer Grundbegriffe reklamiert, werden lebenslaufbezogene Perspektiven auf das Lernen gegenwärtig vor allem im Rahmen des (bildungspolitisch bedeutsamen) Konzepts vom ‚Lebenslangen Lernen‘ entwickelt. Die damit einhergehenden Verkürzungen des Zusammenhangs von Lernen und Lebenslauf lassen sich anhand von drei Aspekten des bildungsphilosophischen Lernbegriffs von Günther Buck aufzeigen: im Hinweis auf die Gangstruktur der Erfahrung, das negative Moment des Lernvollzugs und das alltagsweltliche Beispiel-Verstehen.
Sabrina Schenk

Lernen im Lebenslauf als transformatives Lernen

Zusammenfassung
Der Beitrag stellt die Theorie des transformativen Lernens von Jack Mezirow und ihre Weiterentwicklungen vor. Die Theorie versteht Lernen als reflexive, kritische Verarbeitung von problematischen Erfahrungen im Diskurs, die zu einer Änderung in den habits of mind und zur Integration der neuen Erfahrung führt. Der Beitrag rekonstruiert den pragmatistischen Wahrheitsbegriff und den Begriff der Anpassung. Die Suche nach Wahrheit ist ein kollektiver Prozess der kritischen Reflexion von Erfahrung. Lernen ist Anpassung an die Welt, wobei Anpassung nicht als Gegenbegriff von Mündigkeit und Emanzipation gefasst wird, sondern als selbstkritische Transformation von Denkgewohnheiten, die sich nicht mehr bewähren. Die Theorie ist deshalb für die deutsche Lern- und Bildungsforschung interessant, weil sie Dichotomien wie Subjekt – Objekt, Lernen – Bildung, Anpassung – Emanzipation oder wahr – falsch auflöst, an denen sich die deutsche Lerntheorie abarbeitet. Allerdings gibt es nicht wenige kritische Punkte, auf die ebenfalls eingegangen wird.
Thomas Fuhr

Lebenslanges Lernen als Kompetenzentwicklung

Zusammenfassung
Das herausfordernde Thema wird thesenförmig und gleichzeitig unter Berücksichtigung empirischer Evidenz bearbeitet: Zunächst wird allgemein auf den Bildungsprozess über die Lebensspanne und auf Konzepte zum Lebenslangen Lernen eingegangen, dann werden verschiedene Kompetenzmodelle kontrastierend vorgestellt. Im Anschluss daran wird ein knapper und sehr selektiver Überblick über die Kompetenzentwicklung in den Teilbereichen des Bildungssystems gegeben, wobei auf aufgezeigte Trends im nationalen Bildungsbericht (Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2014) eingegangen wird und dabei die frühkindliche Bildung, die schulische Bildung, die berufliche Bildung, die Hochschule und die Weiterbildung berücksichtigt werden. Die Bildung älterer Menschen ist im Zusammenhang mit dem Lebenslangen Lernen als Kompetenzentwicklung spezifisch und vertieft zu berücksichtigen. Daher werden einige empirische Ergebnisse zur Kompetenzentwicklung älterer Erwachsener aus Large Scale Assessments aufgezeigt, wobei insbesondere Befunde der PIAAC- und CiLL-Studie diskutiert werden (Rammstedt 2013; Friebe/Schmidt/Tippelt 2014). Abschließend wird in einem Resümee darauf hingewiesen, dass Lebenslanges Lernen und Bildung auf Fachkompetenz beruht, gleichzeitig aber immer mehr ist als die Vermittlung reiner Fachkompetenzen.
Rudolf Tippelt

Kompetenzerwerb im Lebenslauf – Ergebnisse aus PIAAC und CiLL

Zusammenfassung
Der Beitrag thematisiert Kompetenzentwicklung aus einer Lebensspannenperspektive und greift hierfür auf Daten aus der PIAAC- sowie der CiLL-Studie zurück. Die Lesekompetenz ist bei jüngeren Erwachsenen deutlich stärker ausgeprägt als bei älteren, wobei aber aufgrund der Querschnittdaten zunächst offen bleibt, ob es sich hier um Alters-oder Kohorteneffekte handelt. Diese grundlegenden Kompetenzen sind gleichzeitig mit dem Weiterbildungsverhalten assoziiert, auch wenn die schulische und berufliche Erstausbildung als gemeinsamer Prädiktor kontrolliert wird. Schließlich zeigen qualitative Studien, dass Kompetenzentwicklung keine Altersfrage und auch im höheren Erwachsenenalter möglich und real ist, wie sich z.B. anhand von Studien zur Medienkompetenzentwicklung im Alter zeigen lässt.
Bernhard Schmidt-Hertha

Kompetenz als Medium des Lebenslaufs

Abstract
Der Aufsatz stellt die Diskussion um Kompetenz in einen gesellschaftlichen Zusammenhang. Das Potential des Kompetenzbegriffs wird durch eine systemtheoretische Rahmung zu entfalten versucht. Der Lebenslauf dient dabei als Verbindung von Individuum, Organisation und Gesellschaft, Kompetenz ist das formgebende Medium. Kompetenzen werden in diesem Verständnis über die Lebenszeit hinweg entwickelt und bilden ein interdependentes Gefüge, was sowohl Kontinuität als auch Wandel erlaubt. Der Aufsatz erweitert den Blick auf Kompetenzen, indem der prozessuale und transformatorische Charakter von Kompetenz in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt wird. Dies kann die Möglichkeit schaffen, Kompetenzentwicklung jenseits von arbeitsmarktpolitischen und wirtschaftlichen Verwertungslogiken zu denken.
Alrun Schleiff

Zur Selbstveränderungsmöglichkeit der Subjekte

Bildung, Lebenslanges Lernen und Kompetenz(-entwicklung)
Zusammenfassung
Der Beitrag beleuchtet aus diskursanalytischer Perspektive die Figur der Selbstveränderungsmöglichkeit des Menschen und die Art und Weise, wie sie in der Rede über Bildung, Lebenslanges Lernen und Kompetenz(-entwicklung) jeweils aufscheint und verhandelt wird. Dabei wird deutlich, dass diese pädagogischen Argumentationen mit je spezifischen gesellschaftlichen bzw. politischen Interessen aufgeladen sind. Ziel des Beitrages ist eine Art Genealogie der Möglichkeit der Selbstveränderung des Menschen, die auf die Kontingenz und Kontextabhängigkeit der jeweiligen Form dieser Figur verweist und damit einen Ausgangspunkt zur veränderten Rede über das (in-)kompetente Subjekt bildet.
Peter Kossack

Der Lebenslauf als Rahmen für Lern- und Bildungsprozesse

Perspektiven und Desiderata
Zusammenfassung
Der Beitrag fragt nach den Implikationen einer lebenslaufbezogenen Betrachtung des Lernens. Mit Bezug auf die verschiedenen Forschungsperspektiven, die das Lernen im Lebenslauf empirisch untersuchen, insbesondere die empirische Bildungsforschung, die soziologische Lebenslaufforschung, die Biographieforschung und die Übergangsforschung, wird das zugrunde liegende Lernverständnis herausgearbeitet. Dabei zeigt sich, dass den Arbeiten eine primär individualistische Lerntheorie zugrunde liegt. Diese gilt es – so die abschließende These – durch eine stärkere Einbeziehung sozial-kultureller Lerntheorien zu ergänzen. Erst durch ein Verständnis von Lernen als individuelles und soziales Geschehen kann die Kontextualität und Prozessualität des Lernens im Lebenslauf differenzierter erfasst werden.
Christiane Hof

Backmatter

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