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Über dieses Buch

Im vierten Band der Ausgewählten Schriften von Claus Offe sind demokratietheoretische Aufsätze aus fünf Dekaden zusammengestellt, die sich mit dem Spannungsverhältnis zwischen den organisierten Konfliktgruppen kapitalistischer Gesellschaften und den Institutionen der liberalen Demokratie befassen. Dabei geht es um die strategischen Akteure und ihre Interessen und Identitäten, die auf der "Eingabeseite" demokratischer Politik deren Tagesordnung wie ihre Verhandlungs- und Entscheidungsergebnisse bestimmen. Ebenso geht es um das politische Beteiligungsverhalten von Bürgern und die Symptome einer prekären Legitimität, die sich trotz des vermeintlichen Universalismus von Gleichheit politischer Rechte und Mehrheitsprinzip unverkennbar abzeichnen. In einem abschließenden Teil des Bandes erörtert der Verfasser verzerrende Formen der Bildung und Messung des "Volkswillens" sowie Möglichkeiten, ihn durch deliberative Verfahren und Institutionen zu rationalisieren.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Machterwerb durch Verbände, Parteien, Identitäten

Frontmatter

Kapitel 1. Strategisches Beschweigen. Institutionelle und strategische Vorentscheidungen über die Vermeidung von Entscheidungsthemen (1977)

Zusammenfassung
Im Dezember 1962 und im September 1963 erschienen in der führenden Zeitschrift der amerikanischen Politikwissenschaft, der American Political Science Review, zwei Aufsätze, verfasst von dem Politikwissenschaftler Peter Bachrach und dem Ökonomen Morton Baratz. Von den zusammengenommen 25 Druckseiten dieser Beiträge nahm eine Debatte ihren Ausgang, die sich zu so etwas wie einem Paradigmen-Streit innerhalb von Politikwissenschaft und politischer Soziologie ausgewachsen hat. Diese beiden Beiträge, die der argumentativen Substanz nach den Kern der deutschen Übersetzung einer 1970 in den USA erschienenen Sammlung von Arbeiten der beiden Autoren ausmachen, haben zum Zeitpunkt ihrer Erstveröffentlichung eine Periode beendet, während der die Vertreter einer bestimmten Variante der liberalen politischen Theorie und politischen Soziologie, die „Pluralisten“, das intellektuelle Geschehen in ihren Disziplinen nahezu lückenlos kontrollierten.
Claus Offe

Kapitel 2. Political Institutions and Social Power: Conceptual Explorations (2006)

Zusammenfassung
The term “institution” is one of the most frequently used and, at the same time, most rarely defined in the social sciences. Social scientists relate to the theoretical concept of institution as ordinary people relate to some established institution: They take the meaning for granted and proceed to make use of it. The question that I want to focus on here concerns the implications of institutions for the generation, distribution, exercise, and control of social power.
Claus Offe

Kapitel 3. The attribution of public status to interest groups: observations on the West German case (1980)

Zusammenfassung
Like all social phenomena, interest groups can be analyzed from three theoretical perspectives. Either we start with the individual social actor and explore his or her intentions, values, and expectations in joining the organization and his or her actual chances of influencing its policies and utilizing the resources and achievements of the organization. Or we start with the organization itself, the generation of its resources, its growth, its internal bureaucratization and differentiation, and its relations to other organizations.
Claus Offe

Kapitel 4. Korporatismus als System nichtstaatlicher Makrosteuerung ? Notizen über seine Voraussetzungen und demokratischen Gehalte (1984)

Zusammenfassung
Die eigentümlich zerfaserte politisch-soziologische Theoriediskussion, die sich in fast sämtlichen Ländern des OECD-Bereichs seit Mitte der 70er Jahre um den Begriff des Korporatismus rankt und in den letzten Jahren zunehmend von teilweise großangelegten empirischen Forschungsprojekten begleitet wird, bezieht ihre Faszinations- und bisweilen Provokationskraft aus der Tatsache, dass die Ergebnisse dieser Debatten und Forschungen enge Bezüge zur normativen politischen Theorie, insbesondere zur Demokratietheorie aufweisen. Solche politisch-normative Brisanz gewinnen sie schon deswegen, weil sie die unverhoff te Wirklichkeit und Wichtigkeit von soziopolitischen Gebilden beweisen oder jedenfalls behaupten, für das es im Koordinatensystem geltender verfassungsrechtlicher Normen und ordnungspolitischer Sollvorstellungen sozusagen keinen Platz gibt, bei denen man vielmehr geneigt wäre, sie als Relikte vormoderner Epochen und Regimetypen einzustufen.
Claus Offe

Kapitel 5. “Homogeneity” and Constitutional Democracy: Coping with Identity Conflicts through Group Rights ? (1998)

Zusammenfassung
In this article I explore some ancient issues of political theory in the light of some contemporary social and cultural issues. After developing a check list of the virtues and vulnerabilities of constitutional democracy (Section I), I go on to discuss some types and symptoms of difference, conflict, fragmentation and heterogeneity (Section II). I then proceed to a critical review of a particular set of strategies and institutional solutions – political group rights – that are often thought promising devices for strengthening the virtues and overcoming the vulnerabilities of the constitutional democratic form of regime (Section III).
Claus Offe

Legitimationen

Frontmatter

Kapitel 6. Democratic Institutions and Moral Resources (1991)

Zusammenfassung
It has been observed that ‘democracy’ has become a universal formula of legitimation for a broad range of radically different societies and their respective modes of governance and political participation. By the mid-1970s, there was virtually no regime between Chile and China that did not rest its claim to legitimacy upon being ‘democratic’ in some sense, or at least upon its being in the process of some transition to some version of democracy. Thus, the term ‘democracy’ seemed to have lost its distinctiveness: it failed to highlight significant differences between socio-political arrangements.
Claus Offe

Kapitel 7. Competitive Party Democracy and the Keynesian Welfare State: Factors of Stability and Disorganization (1983)

Zusammenfassung
If we compare 19th century liberal political theory on the one side and classical Marxism on the other, we see that there is one major point of agreement of the two. Both Marx and his liberal contemporaries, such as J. S. Mill or de Tocqueville, are convinced that, in their contemporary societies, capitalism and full democracy (based on equal and universal suffrage) do not mix.
Claus Offe

Kapitel 8. Politische Legitimation durch Mehrheitsentscheidung ? (1982)

Zusammenfassung
Kollektiv bindende Entscheidungen können nicht getroffen werden, wenn nicht eine logisch vorgelagerte Entscheidung bereits getroffen ist. Diese vorgelagerte Entscheidung betrifft die Frage, nach welchem Verfahren entschieden werden soll. Wie sollen individuelle Präferenzen von Wählern und Abstimmenden zu einem Ergebnis aggregiert werden, das dann als der „Gesamtwille“ Geltung beanspruchen kann ? Das Mehrheitsprinzip ist ein Entscheidungsverfahren, nach dem in der Demokratie die „vom Volke ausgehende“ staatliche Gewalt konstituiert wird; „zu den fundamentalen Prinzipien der Demokratie gehört das Mehrheitsprinzip“ (BVerfG 29: 165).
Claus Offe

Defekte

Frontmatter

Kapitel 9. Bewährungsproben. Über einige Beweislasten bei der Verteidigung der liberalen Demokratie (1995)

Zusammenfassung
Eine melancholische Diagnose, die im vergangenen halben Jahrzehnt geradezu als Gemeinplatz in der publizistischen und politikwissenschaftlichen Literatur herumgeistert, mündet in die Feststellung, dass die liberale Demokratie des Westens heute an ihrem welthistorischen Sieg laboriert. Gesiegt hat die Regierungsform des demokratischen Verfassungsstaates mit stark sanktionierten Grund- und Menschenrechten, mit Gewaltenteilung und Parteienkonkurrenz, mit egalitären Teilnahmerechten und repräsentativen gesetzgebenden Körperschaften schon deswegen, weil die einzige Alternative zu diesem Regimetyp, die jemals als dauerhaftes politisches Regime für moderne Gesellschaften im Rahmen einer internationalen Friedensordnung vorgeschlagen und praktiziert worden ist – nämlich das Regime des Staatssozialismus – ohne äußeres Zutun in den Jahren 1989 – 91 von der Bildfläche verschwunden ist. Ob indes dieser Sieg der Stabilität und Entwicklungsfähigkeit des demokratischen Regimetyps zugutekommen wird – das ist eine Frage, die oftmals (und trotz der manifesten Vorbildwirkung, welche die westliche Demokratie auch auf eine Reihe von vormals nicht-kommunistischen autoritären Regimes Südasiens und Lateinamerikas ausgestrahlt hat) mit Antworten bedacht wird, die sich durch das Gegenteil von Euphorie und Selbstgewissheit auszeichnen.
Claus Offe

Kapitel 10. Political disaffection as an outcome of institutional practices ? Some post-Tocquevillean speculations (2006)

Zusammenfassung
In this chapter I proceed as follows. Its first part provides a conceptual map by which we can locate the various symptoms of political malaise and disenchantment which beset, as it is widely perceived, political life and political developments even in established liberal democracies (and a fortiori in new ones). The second part proposes to invert the chain of causation that is widely used in empirical political science as a model of analysis.
Claus Offe

Kapitel 11. Participatory Inequality in the Austerity State: A Supply-Side Approach (2013)

Zusammenfassung
In this chapter, I explore some of the links that exist between three bundles of variables. Two of these are macrovariables that are tied together in the concept of (contemporary) democratic capitalism (Streeck 2010, 2011a): declining and unequal voter turnout. The third is the microvariable of individual citizens’ political participation. Participation is a multifaceted phenomenon (voting, joining, discussing politics, etc.) that requires references to various mesophenomena (political parties, associations) in order to be understood.
Claus Offe

Deliberation

Frontmatter

Kapitel 12. Micro-aspects of democratic theory: what makes for the deliberative competence of citizens ? (1997)

Zusammenfassung
In this chapter I am concerned with the micro-foundations of democratic politics. The basic unit of the democratic political process is the citizen. The quality of policy decisions and outcomes generated by such regimes, as well as the durability of democratic regimes, will ultimately depend upon the quality of the citizens’ thought and action.
Claus Offe

Kapitel 13. Crisis and Innovation of Liberal Democracy: Can Deliberation Be Institutionalized ? (2011)

Zusammenfassung
Liberal democracies, and by far not just the new ones among them, are not functioning well. While there is no realistic and normatively respectable alternative to liberal democracy in sight, the widely observed decline of democratic politics, as well as state policies under democracy, provides reasons for concern. This concern is a challenge for sociologically informed political theorists to come up with designs for remedial innovations of liberal democracy.
Claus Offe

Kapitel 14. Referendum vs. Institutionalized Deliberation: What Democratic Theorists Can Learn from the 2016 Brexit Decision (2017)

Zusammenfassung
One core question of political theory is how best to make collectively binding decisions: who should make those decisions, and by what rules and procedures ? The modalities of decision-making are not just something to be determined at the founding, or “constitutional” moment, of a political community once and for all times by some pouvoir constituant (constituent power). The question of whether our rules and procedures are still “good enough” or whether they are in need of amendments and adjustments is an ongoing challenge in the background of any political process, and certainly one that qualifies as democratic.
Claus Offe

Kapitel 15. Wille und Unwille des Volkes. Notizen zur politischen „Theorie“ des Populismus (2019)

Zusammenfassung
Menschen können einen Willen haben. Das Volk besteht aus Menschen. Also kann auch das Volk einen Willen haben. Das ist eine klassische fallacy of composition, ein Fehlschluss von Eigenschaften der Elemente auf die Eigenschaften des Ganzen, das aus diesen Elementen zusammengesetzt ist. Zellen haben einen Kern. Der menschliche Körper besteht aus Zellen. Also muss auch dieser Körper einen Kern haben… Nötigt uns die Vergegenwärtigung solchen Unsinns, den Begriff des Volkswillens aus unserem analytischen Vokabular zu entfernen ? Das wäre gewiss voreilig.
Claus Offe

Backmatter

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