Liebe ohne Ende
Liebesbiografische Erzählungen vom Leben
- 2024
- Buch
- Verfasst von
- Johanna L. Degen
- Jo Reichertz
- Andrea Kleeberg-Niepage
- Verlag
- Springer Fachmedien Wiesbaden
Über dieses Buch
Ist Liebe romantisch und hält ein Leben lang oder ist sie ein fragiles, potenziell toxisches Konstrukt? Lässt sich Liebe als neurochemischer Prozess (Biologie), als marktkonforme Idee (Soziologie) oder als Möglichkeit zur Erweiterung des Selbst (Psychologie) verstehen? Und wie leben Menschen mit der Liebe, welche Bedeutung hat oder gibt sie ihrem Leben, welche Vorstellungen, Träume aber auch Ängste verbinden sie mit ihr?
Anhand von biografischen Interviews mit Menschen aus verschiedenen Altersgruppen, Milieus und sexuellen Orientierungen fragt dieses Buch nach der Bedeutung der Liebe im Leben und danach, ob sich die Vorstellung von Liebe in den letzten Jahrzehnten wesentlich verändert hat.
Deutlich wird dabei die zentrale Kraft der Liebe im Leben, die jenseits medial geglätteter Idealisierungen antreibt, hart erarbeitet oder unerreichbar ist, Leiden und Verzweiflung, aber auch Erfüllung und Sinn zu bringen vermag.
Die Liebesbiografien bieten tiefe Einblicke in das subjektive Erleben von Liebe, begleitende interdisziplinäre Einordnungen differenzieren und ergänzen aktuelle Theoretisierungen von Liebe.
Inhaltsverzeichnis
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Frontmatter
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Kapitel 1. Einleitung: Leben Totgesagte länger?
Johanna L. Degen, Jo Reichertz, Andrea Kleeberg-NiepageZusammenfassungIn Kinofilmen und Serien, in Magazinen und auf Social Media, aber auch in politischen Debatten sind die Fragen „Was bedeutet Liebe?“, „Wie können Liebesbeziehungen glücken“ und „Wen liebst du und warum (nicht)?“ omnipräsent. So finden sich medial vermittelte Inszenierungen von Liebe u. a. in Dating- oder Hochzeitsformaten oder minutiöse Dokumentationen auf Instagram-Kanälen, die romantische Motive zelebrieren und der Liebe glücks-, erfüllungs- und sinnstiftende Kraft zuschreiben. Es gibt aber auch vermehrt düstere Szenarien, die das Ende der Liebe ausrufen, die potenzielle Toxizität von Liebesbeziehungen betonen oder Checklisten liefern, mit denen sich das Ende von Paarbeziehungen prognostizieren lassen soll. Aber endet die Liebe? Scheitert sie, wie öffentlich vermutet, an ökonomischer Logik oder Egozentrierung? Aus erzählender Perspektive und mit der Sammlung von Liebesbiografien von Menschen aus verschiedenen Generationen wird in diesem Buch der Frage nach der Bedeutung von Liebe im Leben empirisch nachgegangen. Als Dreierteam aus Psychologie und Soziologie haben wir über ein Jahr mit 41 Menschen zwischen 20 und 85 Jahren gesprochen. In narrativen Interviews haben sie mit uns ihre Erinnerungen an die Liebe(n) ihres Lebens geteilt. Entstanden sind vielfältige und bewegende Geschichten über die Liebe und ein tiefer, phänomenologischer Einblick in ihre Bedeutung. -
Kapitel 2. „It was almost Love“: Liebe und intime Beziehungen aus wissenschaftlicher Perspektive
Johanna L. Degen, Jo Reichertz, Andrea Kleeberg-NiepageZusammenfassungWissenschaftlich wird Liebe aus der jeweiligen disziplinären Perspektive ganz unterschiedlich untersucht und verstanden. In der Biologie wird sie beispielsweise als neuronaler Prozess oder als Mittel zur Fortpflanzung operationalisiert. Die Psychologie versucht, die Liebe zu vermessen und sie aus Subjektperspektive zu begreifen, und die Soziologie untersucht ihre gesellschaftliche Funktion und ihre Bedeutung in Beziehungskonstellationen. Abwechselnd wird Liebe dabei naturalisiert, oder als wandelbar verstanden und bei den Versuchen, sie zu erfassen, gerne fragmentiert. Bei all den detailreichen Befunden bleibt letztlich offen, was den Menschen die Liebe im Leben bedeutet, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten es zwischen den Geschlechtern, Altersgruppen und Generationen gibt – Fragen, die dieser Band im empirischen Teil fokussiert. -
Kapitel 3. Die Erforschung der Liebe in biografischer Perspektive – zur Methodik
Johanna L. Degen, Jo Reichertz, Andrea Kleeberg-NiepageZusammenfassungFür das Forschungsprojekt wurden 41 narrativ-biografische Interviews mit Menschen zwischen 21 und 86 Jahren, aus verschiedenen Milieus und mit unterschiedlicher sexueller Orientierung zu ihren Erfahrungen mit der Liebe erhoben. Die originalen Interviews wurden für den Beitrag behutsam literarisiert. Damit entsteht die besondere Datenform der Liebesbiografie. Diese präsentiert die erlebten Ereignisse der Interviewten aus ihrer eigenen Perspektive, während der Interviewcharakter in den Hintergrund tritt. Für dieses Buch wurden 14 Liebesbiografien aus dem Sample ausgewählt. Diese geben tiefe Einblicke in die Bedeutung der Liebe über die Lebensspanne und machen diese für die Leserschaft erfahrbar. Aus einer subjektwissenschaftlichen Perspektive werden hierbei die persönlichen Erfahrungen, Rekonstruktionen und Deutungen der Teilnehmenden zentral gestellt. Entlang der Erzählungen, zeigen sich dabei nicht nur besondere und individuelle Einblicke in die Bedeutung der Liebe, sondern auch intersubjektive und intergenerationale Kontingenzen und Differenzen. -
Kapitel 4. Liebesbiografien
Johanna L. Degen, Jo Reichertz, Andrea Kleeberg-NiepageZusammenfassungUnd was erzählen die Liebesbiografien? Sie erzählen von gelebter Liebe in (W)Irrungen, als Begehren und Erfüllung oder Verlust und Tragik. Von Romantik und Alltag, von Leidenschaft und Tristesse. Von Ende und Aufbruch, von Hoffnung und Verzweiflung. Wir hören von ersten und von letzten Malen, von schweren, richtigen, (zu) späten und nie getroffenen Entscheidungen; von tiefem Berührtsein und jahrelang ausbleibenden Berührungen. Alle Liebesbiografien sind einzigartig, berichten von Glück und Leid und erzählen immer wieder von der Sehnsucht nach der großen Liebe, von der niemand wirklich abzulassen scheint. Unüberhörbar ist auch das Begehren nach dem Menschen, von dem man auf einmal und manchmal auf den ersten Blick ganz sicher weiß, dass er oder sie der bzw. die Richtige ist. Auch in Zeiten der Mobilität, Beschleunigung, Krise und Digitalisierung wird die Idee von der Liebe also nicht abgelöst, vielleicht erlebt sie gerade deswegen sogar eine Renaissance. -
Kapitel 5. Diskussion: Liebe ohne Ende
Johanna L. Degen, Jo Reichertz, Andrea Kleeberg-NiepageZusammenfassungDie gelebte Liebe ist (oft) nicht romantisch schön, seicht und die Kirsche auf der Torte der Selbstverwirklichung. Stattdessen begründet sie Entscheidungen und Bewegung, löst Krisen aus, fordert heraus und ist ein Antrieb zum Um- und Aufbruch. Dabei zeigen sich Kontingenzen über die Generationen hinweg. Derzeit neu erscheinende Formen von Beziehungskonstellationen gab es schon in den 70er Jahren, dort unter dem Label der freien Liebe und junge Menschen sehnen sich auch heute nach der bekannten Geborgenheit in überdauernder Zweisamkeit. Die dahinterliegenden Bedürfnisse sind sich über die Generationen und Geschlechter hinweg recht ähnlich und bilden einen Teil der Identität. Die Vorstellungen darüber, welche Rolle die Liebe im Leben spielen soll, sind hingegen individuell unterschiedlich und die Möglichkeiten, die Liebe zu leben, haben sich im sozialen Kontext beachtlich verändert, ebenso wie die Art der Aufklärung, der Ausdruck von Emanzipation, die Sex- und Datingpraxen oder das Coming-out. An Bedeutung hat die Liebe dabei nicht verloren, stattdessen erscheint sie als eine zentrale und sinnstiftende Kraft über die gesamte Biografie. -
Backmatter
- Titel
- Liebe ohne Ende
- Verfasst von
-
Johanna L. Degen
Jo Reichertz
Andrea Kleeberg-Niepage
- Copyright-Jahr
- 2024
- Electronic ISBN
- 978-3-658-43703-9
- Print ISBN
- 978-3-658-43702-2
- DOI
- https://doi.org/10.1007/978-3-658-43703-9
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