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29.03.2021 | Lieferkettenmanagement | Im Fokus | Onlineartikel

Finanzchefs fokussieren sich auf digitale Lieferkette

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
4:30 Min. Lesedauer

Laut einer aktuellen CFO-Umfrage, verliert die Sicherung der Lieferketten an Priorität, während künftig verstärkt in die digitale Supply Chain investiert werden soll. Hierfür brauchen die Entscheider nicht nur Kapital, sondern auch das passende Controlling.

Im vergangenen Jahr waren viele Unternehmen in Deutschland und weltweit krisenbedingt mit der Diversifizierung ihrer Lieferanten beschäftigt. Löcher in den Lieferketten mussten gestopft und die nötigen finanziellen Mittel hierfür organisiert werden. Doch in vielen Finanzabteilungen liegen bereits die Pläne für die Zeit nach der Pandemie in den Schubladen: Die Unternehmen wollen vor allem in die Digitalisierung der Supply Chain investieren. Das ergab eine Umfrage, für die die Bank Standard Chartered im Dezember 2020 mehr als 1.000 Chief Financial Officer (CFO) und andere Finanzentscheider in den USA, Großbritannien, Deutschland und Frankreich zu je gleichen Teilen befragt hat. 

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Beziehungsmanagement mit Zulieferern gewinnt an Priorität

So gaben ein halbes Jahr zuvor noch 32 Prozent der Teilnehmer aus Deutschland an, dass die Diversifizierung der Lieferanten sowie das Risikomanagement wichtige Herausforderungen darstellten. Aktuell sagen das 26 Prozent der hiesigen Finanzfachleute. Innerhalb der Supply Chain ist das Beziehungsmanagement mit Zulieferern auf der Prioritätenliste deutscher Finanzchefs von drei Prozent im Juni auf 19 Prozent im Dezember 2020 angewachsen. Dagegen verlor im gleichen Zeitraum das Nachverhandeln von Verträgen und Zahlungsbedingungen an Wichtigkeit und sank von 37 auf 19 Prozent.

Das Supply-Chain-Management stellt ein Regelkreissystem dar. Der Regler ist die Führung und die Regelstrecke das Order‐to‐Payment‐S. Mögliche Stell‐ und Regelgrößen innerhalb von Wertschöpfungsketten sind Bestände, Frachtkosten, Durchlaufzeiten, Rüstzeiten oder Materialpreise. Anhand von Beständen, Frachtkosten und Materialpreisen wird die Bedeutung der Stell‐ und der Regelgrößen für die Erfolgswirksamkeit ausgewählter Maßnahmen beschrieben. Im Schwerpunkt beziehen sich ihre Auswirkungen auf die Bilanz sowie die Gewinn‐ und Verlustrechnung", beschreibt Hartmut Werner die betriebswirtschaftliche Grundlagen und die Herausforderungen des Controllings im Lieferkettenmanagement (Seite 394).

Digitale Supply Chain ist effizienter

Generell hat sich der Blick der Finanzentscheider laut Umfrage noch einmal deutlich in Richtung Digitalisierung verlagert. Getrieben durch die plötzlich angestiegene Nutzung von Homeoffice, haben neue digitale Tools für 66 Prozent der Unternehmen auch zu einem effizienteren Supply-Chain-Management geführt. So hat für 33 Prozent der deutschen CFOs auch künftig die Digitalisierung der Lieferkette höchste Priorität. Gleiches gilt laut Studie auch für Betriebe in den USA und britische Unternehmen.

Laut Springer-Autor Werner erfasst ein zeitgemäßes Lieferkettenmanagement die Finanzströme im Unternehmen explizit. "Moderne Supply Chains zielen darauf, die Opportunitätskosten (entgangene Gewinne) zu reduzieren. Diesbezüglich fordern die Hersteller möglichst zeitnahe Zahlungseingänge bezüglich ihrer Kundenrechnungen ein", formuliert er auf Seite 436. Bleiben die Kundenzahlungen über Wochen oder sogar Monate aus, findet durch den Hersteller eine Art Vorfinanzierung in Richtung Kunde statt: Es wird quasi ein zinsloser Kredit gewährt. Ein Problem, mit dem im vergangenen Jahr viele Unternehmen zu kämpfen hatten.

Wie weitgreifend die Digitalisierung der Lieferkette sein kann, erläutert Inge Hanschke: "Zunehmende horizontale und vertikale Vernetzung der Lieferketten über das Business Eco-System hinweg bis hin zum smarten Device werden zur Voraussetzung für viele digitale Geschäftsmodelle." Als wichtiges Beispiel diene die intelligente Supply Chain, schreibt die Springer-Autorin auf Seite 55. 

Vorteile der Digital Supply Chain

Laut des Leitfadens "Digital Supply Chain", den der Branchenverband Bitkom gemeinsam mit dem in Frankfurt ansässigen Logistiknetzwerk Holm veröffentlicht hat, liegen die Potenziale der digitalen Lieferkette vor allem in der 

  • Beschleunigung des Produktions- und Logistikprozesses zur Verkürzung der Durchlaufzeiten, 
  • Reduzierung des Erfassungsaufwandes sowie 
  • Verbesserung der Datensicherheit und Datenkonsistenz.

Das Positionspapier geht davon aus, dass Unternehmen zunächst versuchen werden, die eigenen Prozesse mit denen sämtlicher Partner besser aufeinander abzustimmen, bevor sie weitere Schritte in Angriff nehmen. "Dies bedeutet in vielen Fällen, dass Schnittstellen angepasst und neu definiert werden müssen, um unterschiedliche Datenformate mit einander zu kombinieren und entsprechend nutzten zu können."

Hierfür nötig ist die Rekrutierung von Datenspezialisten und IT-Fachkräften, aber auch die Investition in neue Technik und Software. Und diese Herausforderungen wirken sich auf die Bilanzen der Unternehmen aus. Laut der zu Jahresbeginn veröffentlichten "Potenzialanalyse Reality Check Digitalisierung" des Beratungshauses Sopra Steria in Zusammenarbeit mit dem FAZ-Institut führen entsprechende Digitalisierungsmaßnahmen bei 38 Prozent der Betriebe zu steigenden Kosten. 

Digitale Reifegradmodelle für das Controlling

Um das Controlling von solchen Digitalprojekten besser zu steuern, brauchen Unternehmen umfassende Steuerungsgrößen, die technologische, prozessuale, kulturelle und strategische Dimensionen einbeziehen, schreiben Hartmut Reinhard, Ricco Rentz und Timo Sommerfeldt. "Hierfür eignen sich digitale Reifegradmodelle insofern, als dass sie umfassend alle Bereiche der Digitalisierung aufzeigen und eine Messung des Status quo ermöglichen", so die Controlling- und IT-Experten im Beitrag "Digitalisierung steuerbar machen" der Zeitschrift "Controlling & Management Review" (Ausgabe 2 | 2020). 

Reinhard, Rentz und Sommerfeldt stellen in ihrem Artikel den Digital Maturity Check von Crosswalk und der Universität St. Gallen vor. Dieser ist eine Weiterentwicklung bestehender Reifegradmolle. Der Digital Maturity Check erfüllt folgende Kriterien:

  • Datenquelle: Sie ist wissenschaftlich fundiert und hat Praxisbezug. 
  • Erhebungsform: Die Daten werden anhand von Textbeschreibungen und Fragebögen erhoben. 
  • Methode: Die Datenerhebung findet durch Selbsteinschätzung und/oder Unterstützung dritter Parteien statt. 
  • Datenvalidität: Die erhobenen Daten sind valide. 

Das ausgewählte Modell arbeitet zur Bestimmung des digitalen Reifegrads laut der Autoren mit insgesamt 64 Indikatoren, 26 Bewertungskriterien und neun Bewertungsdimensionen. 


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