Skip to main content
main-content

09.02.2021 | Liquidität | Nachricht | Onlineartikel

Liquiditätslage im Mittelstand ist trotz Krise stabil

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
3 Min. Lesedauer

Laut KfW-Research belasten die Folgen der Corona-Krise rund 2,6 Millionen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland. Wie eine Analyse zeigt, gelingt vielen Unternehmen der Kampf gegen die Umsatzeinbußen – mit Ausnahmen.

Die Auswirkungen der Pandemie sind seit dem zweiten Lockdown wieder gestiegen und lasten auf den Büchern der mittelständischen Unternehmen. Allerdings ist die Lage weniger angespannt als im Frühjahr 2020. Das ist ein zentrales Ergebnis der "4. Corona-Sonderbefragung des KfW-Mittelstandspanels", die KfW-Research aktuell veröffentlicht hat. Danach stemmen sich viele KMU durch Anpassungen bei ihren Geschäftsmodellen und Produktpaletten gegen die Umsatzeinbußen. So böten viele Kleinunternehmen zum Beispiel Lieferoptionen oder Online-Shops an.

Minus beim BIP geringer als bei der Finanzkrise 

"Mit einem Rückgang des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist die deutsche Wirtschaft im Corona-Jahr 2020 in eine tiefe Rezession gerutscht, die jedoch glimpflicher ablief als erwartet", heißt es in der aktuellen KfW-Research-Analyse. In der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 sei das preisbereinigte BIP mit mit einem Minus von 5,7 Prozent stärker rückläufig gewesen.  

Im Hinblick auf die Liquiditätsreserven vieler Mittelständler bewerten die Ökonomen die Lage weiterhin als "stabil". Ein Grund liege in den zahlreichen staatlichen Finanzhilfen, der vermehrten Umsetzung liquiditätsschonender Maßnahmen und der Anpassungen von Kostenstrukturen, heißt es weiter. Auch die Einschätzungen zur Eigenkapitalausstattung haben sich im Vergleich zum Herbst nicht weiter verschlechtert. Anscheinend belaste der aktuelle Lockdown bis zum jetzigen Zeitpunkt die Kapitalstruktur der Unternehmen nicht weiter.

Unterschiede zeigen sich allerdings beim Blick auf die einzelnen Branchen: So seien unter den KMU aus den verschiedenen Dienstleistungsbereichen Ende Januar 67 Prozent von den Corona-Folgen betroffen. Im April 2020 lag der Wert bei 80 Prozent. Um 13 Prozentpunkte auf 71 Prozent ist die Betroffenheit der Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes gesunken. Das Baugewerbe zeigt den größten Rückgang. Hier leidet aktuell knapp jedes zweite Unternehmen unter der Krise. Im Frühjahr 2020 waren es 75 Prozent.

Groß- und Einzelhändler besonders betroffen

Keinen Grund zum Jubeln haben die Groß- und Einzelhändler. Sie sind laut Studie mit 83 Prozent ähnlich stark betroffen wie im ersten Lockdown (84 Prozent). "Hier zeigen die gegenwärtigen Eindämmungsmaßnahmen die größten Auswirkungen", so die Experten von KfW-Research. 

Allerdings müsse dies nicht gleichbedeutend mit einer in der Breite schlechten Geschäftslage sein. Dabei berufen sich die Fachleute auf aktuelle Daten von Destatis zu den Einzelhandelsumsätzen im vergangenen Jahr. "Danach wuchs trotz vielfältiger und anhaltender Eindämmungsmaßnahmen der Umsatz im Einzelhandel nominal um 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr", erläutern die Ökonomen. Aufgrund von "heterogenen Entwicklungen in den Teilbranchen" falle die Gesamtsicht daher gut aus.

14 Prozent der KMU haben Geschäftsstopp

Insgesamt führe bei den KMUs der Ausfall von Mitarbeitern aufgrund von Quarantäne- und Krankheitsfällen sowie der Schließung von Schulen oder Kinderbetreuungseinrichtungen bei 16 Prozent zu Störungen im Geschäftsbetrieb. Wie schon im Frühjahr 2020 melden derzeit erneut rund 14 Prozent der Unternehmen, dass sie ihre Geschäftstätigkeit vollständig eingestellt haben. 

Auch die Störung der Lieferketten belastet wie schon beim ersten Lockdown 15 Prozent der Betriebe. "Hier spiegeln sich neben Einschränkungen im grenzüberschreitenden Waren- und Dienstleistungsverkehr auch schärfere Pandemie-Eindämmungsmaßnahmen in einer Vielzahl anderer Länder wider", heißt es zur Begründung. Als Teil globaler Wertschöpfungsketten könnten sich die KMU Nachfragerückgängen und Produktionsunterbrechungen im Ausland oft nicht entziehen.

Vorkrisenniveau nicht vor Ende 2021

Eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau erwarten viele der befragten Mittelständler frühestens Ende des laufenden Jahres. Voraussetzung: Die Pandemiebekämpfung zeigt positive Effekte und die derzeitige Unsicherheit wird reduziert. Parallel steige mit anhaltender Krisendauer, aber auch die Zahl der Unternehmen, die sich eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau überhaupt nicht mehr vorstellen können.

Alle tagesaktuellen Beiträge rund um die Corona-Krise finden Sie hier

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

01.12.2020 | Vertrieb | Ausgabe 12/2020

Für Krisenzeiten vorsorgen

01.09.2020 | Schwerpunkt | Ausgabe 6-7/2020

Krisen proaktiv vermeiden

01.08.2020 | Ökonomische Trends | Ausgabe 8/2020 Open Access

Der Einfluss von COVID-19 auf die Rohstoffmärkte

Das könnte Sie auch interessieren

Premium Partner

    Bildnachweise