Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Julia Wilke untersucht, inwiefern Literacy im Leben von erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung eine Rolle spielt, wie Lese- und Schreibhandlungen in den Alltag eingebunden sind und in welche Sinnzusammenhänge diese Handlungen eingebettet sind. Mit der quantitativen Teilstudie werden Mediennutzung und Lesefähigkeiten von Menschen mit geistiger Behinderung evaluiert. Die qualitative Studie im Stil der Grounded Theory Methodologie richtet den Blick auf die persönliche Bedeutsamkeit von Lesen und Literatur für die Probanden. Das zentrale Ergebnis ist die Erkenntnis, dass Literacy mit bestimmten Funktionen besetzt ist: Literacy übernimmt im Lebensumfeld der untersuchten Menschen mit geistiger Behinderung eine bedeutende Rolle im Identitätsbildungsprozess.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Chapter 1. Einleitung

Zusammenfassung
Literacy spielt im Leben von Herrn Scholz eine vielseitig ausgeprägte Rolle. Es schwingt eine Selbstverständlichkeit mit. Einerseits ist er wie jeder Bürger konfrontiert mit administrativen Schreiben und Schreibhandlungen, die mit Beruf, Ehrenamt und bürgerlichen Pflichten verbunden sind.
Julia Wilke

Theoretische Grundlagen

Frontmatter

Chapter 2. Literacy – Begriffliche Annäherungen

Zusammenfassung
Das englische Wort „Literacy“ taucht aktuell in vielerlei Bildungskontexten auf. Je nach Fachrichtung ist auch im deutschsprachigen Raum von „Mathematical Literacy“, „Computer Literacy“, „Financial Literacy“ oder gar „Food Literacy“ die Rede, wenn es um die Beschreibung von Kompetenzen und Wissen geht. In anderen Zusammenhängen steht das Wort für Alphabetisierung bzw.
Julia Wilke

Chapter 3. Lesen und Literaturerfahrung – Tradition und Wandel

Zusammenfassung
„Hurra, wir lesen noch!“, mit diesem provokativen Ausruf überschreibt die Wochenzeitung Die Zeit am 22. Juli 2010 ihre Titelseite und widmet dem Thema „Lesen“ im Feuilleton drei Seiten. Autor Jens Jessen nähert sich der Frage nach der Existenz der „[…] viel beschworenen Krise des Lesens und der deutschen Buchnation“ (Jessen 2010, 39) aus verschiedenen Blickwinkeln an, berichtet von den steigenden Produktions- und Umsatzzahlen des deutschen Buchhandels, von den konstanten Zahlen der statistisch erfassten buchaffinen Vielleser sowie, in Addition mit den Zeitungs- und Zeitschriftenlesern, von einem Vielleseranteil von über einem Drittel an der Bevölkerung.
Julia Wilke

Chapter 4. Menschen mit geistiger Behinderung im Kontext von Lesen und Literatur

Zusammenfassung
Im Laufe der Jahrhunderte war es im westlichen Europa immer mehr gesellschaftlichen Gruppen möglich und zugleich wuchs die Notwendigkeit, sowohl aktiv als auch passiv an der Schrift- und literarischen Kultur zu partizipieren. Nie waren das mediale und somit auch das literarische Angebot so vielfältig und leicht zugänglich wie heute.
Julia Wilke

Chapter 5. Desiderat und Fragestellung

Zusammenfassung
Wie mit Kapitel 4 aufgezeigt werden konnte, wurden Lesen und Schreiben in der Pädagogik bei geistiger Behinderung bislang vor allem unter didaktischen Gesichtspunkten im Rahmen schulischer und nachschulischer Bildung (Erwachsenenbildung) und im Rahmen von Fördermaßnahmen oder Bildungsprojekten thematisiert. Ziele sind dabei die Erweiterung von Kompetenzen und die Förderung der Handlungsfähigkeit von Menschen mit geistiger Behinderung. Leserzahlen wurden bislang lediglich bei Schülern mit geistiger Behinderung erhoben (z.B. durch Oberacker 1990, Schurad et al. 2007, Koch 2006, Ratz 2013), erwachsene Menschen waren bislang nie Subjekte der Lesekompetenzforschung.
Julia Wilke

Empirischer Teil

Frontmatter

Chapter 6. Empirische Forschung mit Menschen mit geistiger Behinderung

Zusammenfassung
Die Geistigbehindertenpädagogik als relativ junge wissenschaftliche Disziplin blickt auf eine erst kurze eigenständige Forschungsgeschichte zurück, den ersten Lehrstuhl an einer deutschen Universität hatte der 2013 verstorbene Heinz Bach seit 1966 inne. Doch auch aktuell, so stellen Karin Terfloth und Frauke Janz (2009) fest, finden verhältnismäßig wenige empirische Forschungsarbeiten statt. „Vielmehr werden offenbar Forschungsergebnisse aus den benachbarten und interdisziplinär verwobenen Wissenschaften wie der Medizin, der Psychologie und der Soziologie zur empirischen Unterstützung der Diskussionen im Fach genutzt“ (ebd., 10).
Julia Wilke

Chapter 7. Forschungsmethodisches Design I – Quantitative Teilstudie

Zusammenfassung
Jede Forschungsfrage benötigt ein dem Untersuchungsgegenstand angepasstes Forschungsdesign (Gegenstandsangemessenheit). Grundsätzlich richtet sich die Wahl der Datenerhebungs- und -auswertungsmethoden nach der Fragestellung und dem Vorwissen über das Untersuchungsfeld.
Julia Wilke

Chapter 8. Deskriptive Auswertung der quantitativen Forschungsergebnisse

Zusammenfassung
Die Altersspanne der Menschen mit geistiger Behinderung in den befragten Einrichtungen bzw. in betreuten Wohnformen erstreckt sich im Durchschnitt von 24,2 bis 64,5 Jahren.
Julia Wilke

Chapter 9. Forschungsmethodisches Design II – Qualitative Teilstudie

Zusammenfassung
Die quantitative Untersuchung kann aufzeigen, welche Medien in stationären Wohneinrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung verbreitet sind, von wie vielen Bewohnern sie genutzt werden und wie ausgeprägt die Lesefertigkeiten nach Einschätzung des Betreuungspersonals sind. Quantifizierungen und einzelne Variablen können jedoch keine Auskunft darüber geben, welche Rolle Literacy im Alltag der Menschen spielt, welche Bedeutung die Bewohner Büchern, Zeitungen und anderen Schriftmedien beimessen. Zur empirisch begründeten Rekonstruktion individueller Sichtweisen muss der Gang ins Feld erfolgen, um die Akteure in ihrem Alltagshandeln zu erleben und ihnen das Wort zu geben, um schließlich Erklärungsansätze zu finden.
Julia Wilke

Chapter 10. Darstellung der Ergebnisse auf Einzelfallebene

Zusammenfassung
Um eine Nachvollziehbarkeit der Theoriebildung zu gewährleisten, sie zu illustrieren und der Einzigartigkeit der Fälle gerecht zu werden, erfolgt die Präsentation der Ergebnisse zunächst in Einzelfalldarstellungen jener Probanden, auf die sich die Theoriebildung maßgeblich stützt. In die spätere probandenübergreifende Analyse fließen allerdings gemäß dem oben beschriebenen „Fallbegriff“ (vgl. Teil B Kap. 4.1) nicht nur Personen, sondern auch Situationen ein. Die Einzelfallanalyse soll von einem deskriptiven Teil ausgehend in die Interpretation überleiten, um anschließend die Kernkategorie(n) und die aus dem Datenmaterial begründete Theorie fallübergreifend vorzustellen.
Julia Wilke

Chapter 11. Darstellung der Ergebnisse der fallübergreifenden Auswertung

Zusammenfassung
Auch in diesem Analyseschritt und dessen systematischer Darstellung bleibe ich auf reiner Datenebene, der Rückgriff auf Konzepte des wissenschaftlichen Diskurses findet hier nicht statt, sondern schließt sich im nächsten Schritt, dargelegt in den Kap. 7 und 9, an. Stärker als im vorangegangenen Kapitel kommen an dieser Stelle zu den Selbsterzählungen der Probanden zusätzlich Auszüge aus den Experteninterviews mit dem Betreuungspersonal zum Tragen, um die in den Daten begründeten Phänomene durch eine weitere Ebene zu verdichten. Die hier aufgegriffenen Aspekte sind jene, die sich direkt auf die Fragestellung beziehen und die sich im Rahmen der Einzelfallanalysen abzeichnen, jedoch probandenübergreifend relevant sind und bereits auf die zu entwickelnde materiale Theorie hinweisen. Die Darstellung der herausgearbeiteten Kategorien wird anhand von Zitaten aus den Interviews und konkreten Beobachtungen aus dem Wohnheimalltag unterfüttert.
Julia Wilke

Chapter 12. Theoretischer Zwischenteil

Zusammenfassung
Der Forschungsprozess der GTM ist, wie in Kap. 4.1 dargestellt werden konnte, ein Bottom-up-Prozess. Das bedeutet, dass nicht der Forscher deduktiv Konzepte an das Datenmaterial heran trägt und dieses dahingehend überprüft, sondern dass der Forscher ‚die Daten sprechen lässt‘ und den Forschungsprozess entsprechend ausrichtet. In den vorangegangen Analysen auf Einzelfallebene und fallübergreifend zeigen sich nach außen gerichtete, z.T. inszenierte Handlungen und Abgrenzungsprozesse.
Julia Wilke

Chapter 13. Formulierung einer gegenstandsbezogenen Theorie: Literacy, Bildung, Identität – und das Streben nach Respekt

Zusammenfassung
Wie im Übersichtkapitel zur GTM (Kap. 4.1) beschrieben, bedeutet „gegenstandsbezogen“, dass die formulierte Theorie in den Daten begründet ist und den Status einer „materialen“ Theorie besitzt. Sie bezieht sich folglich auf die untersuchten stationären Wohngruppen und im Speziellen auf die herausgestellten Probanden mit geistiger Behinderung. Da die Probanden jedoch alle aus unterschiedlichen Einrichtungen bzw.
Julia Wilke

Chapter 14. Diskussion der Ergebnisse

Zusammenfassung
Mit der quantitativen Studie zu Lesekompetenzen und Mediennutzung erwachsener Menschen mit geistiger Behinderung konnte ein Anteil von 32% lesefähiger Bewohner in stationären Wohneinrichtungen ermittelt werden. Dies ist ein nicht zu vernachlässigendes Drittel, jedoch verfügt der Großteil der Bewohner nicht über diese Kompetenz. Zugleich bedeutet die Fertigkeit selbst noch keine Praktizierung und aktives Lesen.
Julia Wilke

Chapter 15. Ausblick und Abschluss

Zusammenfassung
Die in den Daten begründete materiale Theorie stützt sich weitgehend auf männliche Probanden. Zwar wurden im Rahmen der Datenerhebung männliche und weibliche Probanden gleichermaßen berücksichtigt, in dieser Untersuchung jedoch konnte der bestimmte Habitus verbunden mit Identitätsbildungsprozessen durch Literacy-Praktiken bei männlichen Probanden in drei verschiedenen Wohngruppen stationärer Wohnheime für Menschen mit geistiger Behinderung festgestellt werden. Grundsätzlich wäre die Ausweitung auf weitere Wohngruppen und somit die Ausweitung des Samples interessant.
Julia Wilke

Backmatter

Weitere Informationen

Premium Partner

    Bildnachweise