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14.07.2016 | Logistik | Im Fokus | Onlineartikel

Wie Megatrends die Logistik verändern

Autor:
Michaela Paefgen-Laß

Die Zukunft der Logistik ist unbemannt. Drohnen, Roboter und autonome Transportsysteme könnten schon bald den Warenaustausch zwischen Hersteller und Verbraucher unter sich regeln. Ist das effektiv?

Im März 1978 beschrieb die "Zeit" ausführlich, wie der technologische Fortschritt die bis dato angesehenen und für unentbehrlich gehaltenen Schriftsetzer das Fürchten lehrte: "Der Text wird bei dem neuen Verfahren über eine Tastatur vor einem Bildschirm in die Maschine eingetippt." Es sollte zwar noch zwanzig Jahre dauern, bis der Beruf offiziell aufgehoben wurde. Sein Tod galt aber viel früher als besiegelt. Drei aktuelle Studien legen nahe, dass bald auch Lageristen, LKW-Fahrer und Paketzusteller vom digitalen Wandel bedroht werden könnten.

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Smarte Logistik tut das Richtige

Die Logistik befindet sich im technologischen Umbruch und damit mitten in einem Bedeutungswandel. Sie steht für starke Dienstleistungs- und Versorgungsketten und nicht mehr nur für das Verteilen und Versenden von Gütern. Modernes Logistikmanagement erfordert demnach zwischen den technischen Errungenschaften einer smarten Industrie, Kundenwünschen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ansprüchen abwägen zu können. Die Entscheidung, so meint Springer-Autor Klaus Peter von Jung liegt bei den Unternehmen, sie müssen jetzt "die Dinge richtig tun".

Drohne statt Postbote? Aber gerne.

Das Anfang des Jahres für die Zeitung "Welt" von A.T. Kearney auf den Deutschen Arbeitsmarkt übertragene Ranking der durch den technologischen Wandel bedrohten Berufe zeigt, dass in den kommenden beiden Jahrzehnten ein Viertel aller Jobs durch ihr hohes Automatisierungspotential verschwinden könnten. Berufe rund um die Logistik sind ganz vorne in den Top-Ten gelistet. Trotzdem scheinen die Deutschen in Sachen Automatisierung ihre berüchtigte Angst mal beiseite zu legen. Denn Logistik ist auch Kundenservice und so würden sich einer Mitte Mai veröffentlichten Bitkom-Umfrage zufolge 13 Prozent von 994 befragten Flugreisenden ihre Warensendungen auf jeden Fall von unbemannten Luftfahrzeugen, also Drohnen zustellen lassen. Weitere 30 Prozent könnten sich das durchaus vorstellen. Bei eiligen Medikamenten würden 24 Prozent auf alle Fälle auf die schnelle Dienstleistung per Drohne vertrauen.

Drohnen verkürzen Lieferzeiten, sind von Verbrauchern akzeptiert und für Unternehmen erschwinglich. Ganz anders sieht es für den Gütertransport auf de Straße aus. Die Vollautomatisierung eines LKW ist mit bis zu 23.400 US-Doller nicht nur kostspielig sondern in der ersten Phase schwer amortisierter. Trotzdem zählt die Roland-Berger-Studie "Automated Trucks – The next big disrupter in the automotive industry?", den fahrerlosen LKW zu den großen Problemlösern der Transportbranche.

Im Lager marschiert Kollege Roboter voran

Wirtschaftlich rentabel ist der Robotereinsatz im Lager, die so genannte Intralogistik, bereits jetzt. Roboter zum Palettieren und Transportieren können laut einer weiteren aktuellen Studie von Roland Berger, auf absehbare Zeit 20 bis 40 Prozent der Kosten für die Güterabwicklung senken. Ausschlaggebend dafür sind sinkende Anschaffungskosten, begünstigt durch eine florierende Start-up-Szene und die hohe Produktivität der Roboter. Die Kehrseite der Medaille: Allein in der Eurozone werden Roboter in zehn Jahren geschätzte 1,5 Millionen Hilfskräfte in allen Bereichen des Warenumschlags ersetzen. Wie lässt sich der Wandel zur Logistik 4.0 also managen?

Logistik ist auch Philosophie

Herkömmliche Managementziele, wie etwa die Maximierung der Lieferservices zu bestimmten Logistikkosten, reichten nicht aus, um der hohen Systemkomplexität der Logistik 4.0 gerecht zu werden, schreibt Springer-Autor Götz G. von Wehberg in "Logistik 4.0 - die sechs Säulen der Logistik der Zukunft". Sinn könne nur entstehen, wenn das Verhältnis  zwischen Logistik und Umwelt richtig gedeutet werde. Die konventionelle Sichtweise berücksichtige weder persönliche Ziele von Logistikmitarbeitern noch gesellschaftliche Ansprüche. "Die Logistikphilosophie ist damit als Integrationstreiber der Logistik 4.0 zu verstehen" (Seite 330).

Nicht die Tools lösten Logistiklücken, sondern "die Erfahrung, Kreativität und Intelligenz des Tool-Nutzers", schreibt Klaus-Peter von Jung über die "Logistik der Zukunft: Echter Wertbeitrag für Unternehmen". Logistikmanagement fußt auf der Überlegung: Welche Anforderungen sind zu erfüllen, um die kostenoptimale Umsetzung der Ziele zu erreichen? (Seite 406) Effektivität als Vorhaben, die richtigen Dinge zu tun, rangiert in der Logistik der Zukunft damit vor Effizienzkriterien. 

Eine Logistik, die die richtigen Dinge tut, ist auf drei Säulen aufgestellt (Seite 411):

  1. Allignment: auf die gemeinsamen Ziele der Unternehmens ausgerichtet
  2. Adaptability: Supply Chains können sich strategisch-taktisch auf veränderte Marktanforderungen einstellen
  3. Agility: Supply Chains können auf kurzfristige Veränderungen effizient reagieren 

Vor diesem Hintergrund können Drohnen, Roboter und autonome Transportsysteme also durchaus einen Lösungsansatz für die Logistik der Zukunft bieten.

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