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"Reisepass für ein analoges Produkt in einer digitalen Welt"

  • 09.09.2022
  • Logistik
  • Interview
  • Online-Artikel

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Die zunehmend globalisierten Prozesse der industriellen Fertigung verlangen nach zentralisierten Etikettierlösungen. Frank Rissler vom Unternehmen Loftware erläutert im Interview, welche Hürden die Objektverfolgung in der Industrie 4.0 nehmen muss.

Frank Rissler ist Director Channel Sales für die Region EMEA beim Softwareunternehmen Loftware.


Springer Professional: Lieferketten sind globalisiert, werden immer komplexer, und zugleich besteht der Anspruch, dass jedes Objekt individuell nachverfolgbar sein soll. Welche Herausforderungen ergeben sich hieraus für Logistikprozesse?

Frank Rissler: Die Nachfrage nach einer Software, die nicht nur in SAP-Anwendungen integriert werden kann, sondern zusätzlich standortübergreifend steuerbar ist, wird immer größer. Durch die fortschreitende Globalisierung haben Unternehmen oft weltweit verteilt Niederlassungen mit den gleichen Anforderungen an ihre Etiketten. Die wohl größte Herausforderung im Labeling besteht in einem solchen Fall darin, alle Niederlassungen über ein System zu synchronisieren und diese auch zentral steuern zu können. Ist dies nicht gegeben und die Standorte arbeiten mit unterschiedlichen Anwendungen, entstehen nicht nur unnötig hohe Zahlen an Templates für die gleichen Etiketten, sondern auch ein immenser Verwaltungsapparat.

Könnten Sie ein Beispiel dafür anführen?

Gerne: Im Falle von Freudenberg Sealing Technologies ergaben sich in ihren 70 Niederlassungen insgesamt rund 400 verschiedene Templates. Insbesondere die Änderungsprozesse leiden hierunter und werden deutlich komplexer und unübersichtlicher – so nimmt eine Etikettenänderung schnell bis zu drei Monate in Anspruch. Dies liegt oftmals auch daran, dass verschiedene Abteilungen wie die Qualitätssicherung, Integration und Produktion nicht auf die gleichen Etiketten zugreifen können und Etikettenänderungen erst verschiedenste Instanzen durchlaufen müssen, bis sie für den Druck zugelassen sind.

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Bekannte Arten der Etikettierung sind Barcode, QR-Code oder RFID. Welche Vor- und Nachteile haben diese unterschiedlichen Identifizierungslösungen?

Bei den verschiedenen Etikettierungsarten lässt sich fast eine Art Evolution sehen. Der klassische Barcode kann nur eine sehr limitierte Datenmenge speichern. Mit der Einführung der QR-Codes ließ sich diese Datenmenge deutlich erhöhen und es konnten zusätzlich Dateninhalte in Textform integriert werden. Mit den RFID-Codes sind wir nun noch einen Schritt weiter und können sogar ohne Sichtkontakt per Funk den Code scannen beziehungsweise die Daten auslesen. Kurzum: Jede Form der Etikettierung hat ihre eigenen Vorteile. Daher sollte die Wahl abhängig von den Bedürfnissen an das Etikett getroffen werden. RFID-Codes eignen sich beispielsweise gut, um die Produktanzahl auf gemischten Paletten zu kontrollieren, da nicht jedes Produkt einzeln ausgepackt und gescannt werden muss. Oftmals ist aber auch ein einfacher Barcode völlig ausreichend, und eine andere Form der Etikettierung wäre im konkreten Fall viel zu aufwändig.

In der Industrie 4.0 geht es auch um die genaue Standortbestimmung von Objekten in Echtzeit. Wie steht es um die Durchgängigkeit der dafür benötigten Daten – innerhalb eines Unternehmens, aber auch zu Lieferanten und Kunden? 

Tatsächlich wird die Standortbestimmung von Objekten in Echtzeit bei zunehmend globalisierten Lieferketten immer wichtiger. Zudem fordern auch Lieferanten und Kunden im Zeitalter von Industrie 4.0 zu jedem Zeitpunkt nachvollziehen zu können, an welchem Standort und in welchem Abfertigungsschritt sich ihr Produkt befindet. Hierzu benötigt es eine möglichst durchgängige Erfassung des Objekts durch das Etikett. Diesen Prozess kann man sich vorstellen wie die Erfassung eines Passes – das Etikett fungiert ähnlich einem Reisepass für ein analoges Produkt in einer digitalen Welt. Und je öfter das Produkt entlang der gesamten Lieferkette erfasst wird, desto unwahrscheinlicher ist ein Verlust des Produktes. Doch auch in diesem Prozess ist die zentrale Steuerung sowie der zentrale Zugriff für verschiedene Niederlassungen, Lieferanten und auch Kunden maßgeblich für eine möglichst simple und transparente Gestaltung der Lieferkette.

Wie sieht die Objektverfolgung in Zukunft aus? Welche Entwicklungen sind zu erwarten?

Mit dem klassischen Barcode ist die Objektverfolgung bereits seit vielen Jahren etabliert, im Vergleich mit einem RFID-Etikett aber hinsichtlich des Dateninhalts beschränkt. Und man ist vom Sichtkontakt des Scanners abhängig. Demnach ist zunächst davon auszugehen, dass in Zukunft vermehrt die RFID-Technologie verwendet wird. Besonders bei Bulkabfertigungen in der Logistik kommen RFID-Etiketten vermehrt zum Einsatz. Ein anderes Szenario, in dem eine RFID-Codierung infrage kommt, ist die Automobilindustrie. Hier verlassen Teile oft die sogenannte Line of Sight, und gedruckte Etiketten werden überlackiert oder die Teile verbaut, auf denen sie aufgebracht sind. In einem solchen Fall lassen sie sich durch die kontaktlose RFID-Technologie dennoch weiter erfassen.

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