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21.06.2017 | Logistik | Interview | Onlineartikel

"Für uns ist Digitalisierung eigentlich nichts Neues"

Autor:
André Ludwig
Interviewt wurde:
Frank Sportolari

ist Deutschland-Chef des Logistik-Unternehmens UPS.

Der digitale Wandel beeinflusst auch den Transport- und Logistiksektor. Im Interview des Springer-Magazins "Wirtschaftsinformatik & Management" berichtet Frank Sportolari, Deutschland-Chef von UPS, über technologische Entwicklungen, Kundennutzen und Technologieeinsatz bei Mitarbeitern.

Wirtschaftsinformatik & Management: Digitalisierung ist auch im Bereich von Transport und Logistik der zentrale Begriff der letzten beiden Jahre. Wie erleben Sie die Digitalisierung in Ihrem Geschäftsfeld?

Frank Sportolari: Für uns ist Digitalisierung eigentlich nichts Neues. Wir haben schon vor über 30 Jahren damit angefangen, elektronische Daten zu sammeln, auszutauschen und zu verarbeiten. Wenn man Millionen von Sendungen weltweit zustellt, ist dies ohne IT gar nicht möglich. Bei UPS hat alles mit dem sogenannten Delivery Information Acquisition Device (DIAD), begonnen, einer Handheld-Entwicklung, die wir Anfang der 1990er-Jahre auch in Deutschland eingeführt haben. Anfangs ging es darum, die internen Prozesse zu optimieren. Das heißt, in dem Moment, in dem ein abzuholendes Paket gescannt wurde, wurden alle beteiligten Systemkomponenten informiert und der Kunde konnte benachrichtigt werden, wann sein Paket am Ziel eintreffen wird. 

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Auf dieser Datenbasis konnten wir später auch unsere globale Netzwerkplanung verbessern und unsere Prozesse robuster machen. Bei dem Vulkanausbruch vor einigen Jahren, bei dem in Europa nicht mehr geflogen werden konnte, waren wir beispielsweise schnell in der Lage, die Verkehre von den Flughäfen, die wir anfliegen, auf die Straße zu verlegen. Nach dem anfangs zunächst sehr intern ausgerichteten IT-Einsatz [...] verschwimmen die Grenzen zwischen intern und extern ausgerichtetem IT-Einsatz heute immer mehr. Aber wie gesagt, ich erlebe die Digitalisierung dieser Tage in unserem Geschäftsfeld eher als eine sehr schnelle Evolution als eine Revolution, weil wir seit Jahrzehnten an diesen Themen arbeiten. Ich denke, dass sich alle Mitbewerber bemühen, technologisch auf dem neuesten Stand zu sein. Der Markt, gerade in Deutschland, ist hart umkämpft. Es ist heute undenkbar, Pakete zu befördern und dem Kunden keine Track&Trace-Lösung anzubieten. Wenn irgendjemand mit etwas Tollem kommt, müssen alle anderen Wettbewerber mitziehen.

Sie sprachen bereits das Thema Kundenzugang und Customer Experience an. Gerade im Onlinehandel ist der Paketfahrer häufig der einzige analoge Kontaktpunkt im gesamten Auftragsprozess. Welche Potenziale sehen Sie hier, weitere Services anzubieten und die Kunden Ihrer Kunden noch besser zu bedienen?

Wir arbeiten jeden Tag dafür, den Premiumservice am Markt anzubieten, den Kunden mit unserer Marke verbinden. Am Ende kann es dem Kunden egal sein, wie viel Technologie im Spiel ist, um den Auftrag abzuwickeln. Der Onlinehandel hat es gezeigt: Ein paar Klicks und die Ware ist auf dem Weg zu mir. Dass dahinter hunderte Menschen physische Aktivitäten durchführen müssen, sehen die wenigsten. Erst auf der letzten Meile wird der Warentransport sichtbar. Die letzte Meile so attraktiv wie möglich zu machen, ist hier ein wichtiges Thema. Daneben haben wir mit dem Mikro-Depot-Ansatz, den wir in verschiedenen Städten, zum Beispiel in Hamburg und Herne, bereits einsetzen, auch einen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und gegen überfüllte Innenstädte unternommen. Wir beliefern dabei mit unseren Fahrzeugen unsere Mini-Depots, von denen unsere Paketfahrer mit Lastenfahrrädern oder zu Fuß unsere Kunden beliefern. Weiterhin brauchen wir Zusatzdienste am Übergabepunkt beim Kunden. In besonderen Innenstadtlagen, an denen die Mietpreise bereits so hoch sind, dass sie keinen Quadratzentimeter Platz für Lagerfläche mehr belassen, bieten wir Zustellmodelle an, bei denen wir zu einer exakten Zeit anliefern, der Kunde packt die voretikettierte Ware aus und wir nehmen den Verpackungsmüll gleich wieder mit.

Können Sie den Kunden nicht noch besser einbinden, dass Abläufe effizienter umgesetzt werden können und beispielsweise Zustellungen, bei denen der Kunde nicht angetroffen wird, weitestgehend vermieden werden?

Genau daran arbeiten wir. Irgendwo ist die Logistik immer im Preis versteckt, das geht gar nicht anders. Kostenloses Rücksenden, wie im Onlinehandel üblich, heißt letztlich ja nur, dass die Rücksendekosten pauschaliert auf alle Kunden umgewälzt werden, ob man selbst zurücksendet oder nicht. Wir verdienen dann Geld, wenn wir konsolidieren können und von verschiedenen Versendern mehr als ein Paket an eine Adresse zustellen. In Amerika testen wir gerade Systeme, bei denen wir den Kunden fragen, ob bestimmte nicht eilige Sendungen zurückgehalten werden können. Wir versuchen mehrere Sendungen dann so zu timen, dass sie gleichzeitig zugestellt werden können. Die interne Abwicklung ist dabei auch nicht trivial. Wir haben eigentlich keinen Platz, Pakete ad-hoc einzulagern, das Netzwerk muss fließen. Der Einsatz von Technologien ist hier gefragt. Mit Bezug zum Kunden wäre auch denkbar, den Kunden zu incentivieren, wenn er etwas länger auf seine Sendungen wartet. Wenn wir drei oder vier Pakete über eine Woche sammeln und gleichzeitig zustellen können, dann ist das für die letzte Meile viel effizienter und für alle Seiten lukrativer.

Das ausführliche Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Springer-Magazins "Wirtschaftsinformatik & Management" (3/2017). 

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