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11.02.2020 | Logistik | Infografik | Onlineartikel

Coronavirus infiziert deutsche Wirtschaft

Autor:
Andrea Amerland
3:30 Min. Lesedauer

Jeder fünfte deutsche Manager fürchtet durch die rasante Verbreitung des Coronavirus Produktionsstillstände und Engpässe in den Lieferketten. Nach Einschätzung des Ifo-Instituts könnte die Epidemie Deutschlands wirtschaftliches Wachstum weiter schwächen.

Fast 50.000 Erkrankte und mehr als 1.000 Opfer. So lauten nach Regierungsangaben die aktuellen Zahlen zur Ausbreitung des Coronavirus in China. Unter dem Erreger leiden nicht nur die Menschen, etwa in der Elf-Millionen-Metropole Wuhan, wo das Coronavirus erstmals ausbrach. Inzwischen bekommt auch die chinesische Wirtschaft die Konsequenzen zu spüren. Die strikten Schließungen, Sperrungen und Quarantänemaßnahmen führen in der Volksrepublik zu gestörten Lieferketten, leeren Regalen und beeinflussen auch Deutschland, dessen wichtigster Handelspartner China ist.

Nach Angaben des Auswärtigen Amts betrug das bilaterale Handelsvolumen 2018 etwa 200 Milliarden Euro. Das entspricht rund einem Drittel des gesamt-europäischen Handelsvolumens mit China. So entfällt vom Gesamtumsatz der deutschen Autoindustrie rund ein Viertel auf die Volksrepublik. Da wiegt es schwer, das Autoverkäufe in China im Januar 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent eingebrochen sind. Aber auch zahlreiche Maschinenbauer und die Elektronikindustrie sind im Reich der Mitte sehr aktiv. Doch wie soll diese wichtige Supply Chain funktionieren, wenn Arbeitnehmer in Produktion und Logitsik ausfallen und ganze Werke geschlossen bleiben?

Deutschen Firmen drohen Produktions- und Lieferengpässe

Diese Frage stellen sich auch die deutschen Unternehmenslenker. Wie eine Online-Umfrage unter 243 deutschen Fach- und Führungskräften in Industrie und Handel durch die Einkaufsberater der Kloepfel Group ergeben hat, fürchtet jeder fünfte Manager hierzulande, dass es durch die Epedimie zu Stillständen in der Produktion kommt. 41 Prozent geben an, Projekte unter Mehrkosten verschieben zu müssen. Jedes dritte befragte Unternehmen verliert Geld, weil Kunden nicht mehr beliefert werden können. Neun Prozent der Befragten sind nicht mehr in der Lage, Projektpläne einzuhalten und sehen durch die Produktions- und Lieferengpässe sogar ihre Existenz bedroht. Immerhin gelingt es 28 Prozent der befragten Unternehmen, die Ausfälle mit anderen Lieferanten und Prozessen zu kompensieren.

"Anfänglich haben wir viele Anfragen unserer Kunden mit Standorten in China nach Mundschutzmasken bekommen. Da sich die Lage aber nicht verbessert, bekommen wir in diesen Tagen viele Eilaufträge für weitere Warengruppe. Die Firmen fangen an, zu hamstern und füllen ihre Lager vorsorglich auf. Dies betrifft neben der produzierenden Industrie auch sehr stark den Handel", sagt Marc Kloepfel, CEO der Kloepfel Group.

Deutsches Wachstum könnte durch Coronavirus geschwächt werden

Der Ausbruch des Coronvirus in China könnte insgesamt das wirtschaftliche Wachstum in Deutschland abschwächen. Das zeigen Berechnungen des deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo). Dafür sei nicht nur die schwächere Nachfrage aus China, sondern auch die Abhängigkeit deutscher Unternehmen von chinesischen Arbeitskräften und Zulieferern verantwortlich. Sollte die chinesische Wirtschaft infolge der Epidemie um ein Prozent schrumpfen, würde auch das deutsche Wachstum voraussichtlich um 0,06 Prozent sinken, haben die Ifo-Experten auf Grundlage des SARS-Ausbruchs 2002/2003 errechnet. Die Forscher warnen allerdings, dass es auch schlimmer kommen könnte. Denn die Anzahl der Personen in China, die derzeit mit dem Coronavirus infiziert sind, liegt bereits deutlich über der Anzahl der registrierten SARS-Fälle.

Risikomanagement rund um die Coronawelle

Was global agierende Unternehmen aktuell tun können, um Risiken infolge von Corona ermitteln und eindämmen zu können, haben die Berater von Control Risks in einem Themen- und Fragenkatalog zusammengetragen:

  • Verfügen Unternehmen über die aktuellste und genaueste Analyse der Anweisungen, die von den Behörden auf Provinz- und Stadtebene in China erteilt werden?
  • Wie können Unternehmen sicherstellen, dass die sich schnell ändernden Vorschriften eingehalten werden, die sich aus den Reaktionen der Behörden auf die Krise ergeben?
  • Was sind die kurz- und längerfristigen operativen Auswirkungen auf das Geschäft und die Lieferketten, und wie können Maßnahmen aussehen, um diese zu überwinden?
  • Wie reagieren Kollegen in der Branche? Was funktioniert gut und was nicht?
  • Was sind die Auslöser und Szenarien, auf die Unternehmen achten und die in die Entscheidungsfindung einbezogen werden müssen?
  • Wann können Unternehmen den "Business as usual"-Betrieb wieder aufnehmen? Gibt es Ausnahmen von den Vorsichtsmaßnahmen für bestimmte Branchen oder Standorte?

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