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27.09.2019 | Logistik | Im Fokus | Onlineartikel

Wieso Logistikunternehmen noch nicht digital sind

Autor:
Anne Steinbach

Dass die Digitalisierung in der Logistik nicht nur Prozesse beschleunigen, sondern auch Kosten senken kann, das haben viele Unternehmen der Branche bereits verstanden. Nur an der Umsetzung hapert es bis heute. Eine Studie erklärt die Gründe.

Das Marktforschungsinstitut für die Digitalwirtschaft "Bitkom Research" hat 514 Unternehmen mit Logistikprozessen zum Thema Digitalisierung befragt. Dabei kam heraus, dass vier von fünf Logistikunternehmen die Digitalisierung als größte Herausforderung der Branche sehen. Gleichzeitig versteht ein Großteil der Befragten auch die Chancen dahinter, allerdings setzt nur eine Minderheit digitale Technologien im eigenen Unternehmen um.

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Logistik könnte schneller und kostengünstiger arbeiten

"Die Digitalisierung bietet enorme Chancen für die Logistik", sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. "Ein effizienter Transport von Rohstoffen, Bauteilen und Waren ist gleichermaßen betriebswirtschaftlich sinnvoll wie volkswirtschaftlich und ökologisch notwendig. Die Digitalisierung hilft den CO2-Ausstoß in der Logistik zu senken und das Klima zu schützen."

Eine große Mehrheit sieht viele praktische Vorteile digitaler Technologien beim Warentransport: Besondere Chancen sehen Logistikunternehmen vor allem in der Beschleunigung von Transporten (92 Prozent), in langfristig sinkenden Kosten (85 Prozent) und in weniger anfälligen Transportketten (79 Prozent).

Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) sind zudem überzeugt, dass digitale Technologien einen umweltschonenden Transport ermöglichen (69 Prozent) – das ist eine deutliche Zunahme zu 2017 mit 58 Prozent. Dagegen sagen nur 14 Prozent, digitale Technologien lohnen sich allein für größere Unternehmen und kein Unternehmen gibt an, digitale Technologien seien überflüssig.

Auch Springer-Autorin Kirsten Wegner sieht große Chancen in der Digitalisierung und erklärt im Buchkapitel "Potenziale der Digitalisierung für die letzte Meile in der Logistik" aus "Logistik im Wandel der Zeit – Von der Produktionssteuerung zu vernetzten Supply Chains":

Grundsätzlich bietet die Digitalisierung Potenziale für die Steigerung der Logistikleistung (Lieferzeit, -fähigkeit, -flexibilität etc.) und gleichzeitig für langfristige Kostensenkungen, die insbesondere für Letzte-Meile-Konzepte von hoher Bedeutung sind. Im Vergleich zu den übrigen Transportabschnitten ist die letzte Wegstrecke bis zum Endkunden, die sog. letzte Meile (last mile), in der Regel die teuerste, da immer mehr Ware in kleinen Liefereinheiten an immer mehr unterschiedliche Kunden an immer unterschiedlichere Anlieferpunkte geliefert werden muss" (Seite 286).

Logistikbranche hat bei Digitalisierung Bedenken

Allerdings führt das Verständnis für die Chancen der Digitalisierung nicht dazu, dass eine steigende Anzahl an Logistikunternehmen digitale Anwendungen auch tatsächlich im Unternehmen umsetzt.

Schuld daran sind vor allem die folgenden Bedenken:

  • 62 Prozent: hohe Kosten für Datenschutz
  • 53 Prozent: hohe Investitionskosten
  • 47 Prozent: Gefahr der Spionage von Betriebsdaten

So setzt gerade einmal jedes fünfte Unternehmen (20 Prozent) Datenanalysen ein, nur etwas mehr (21 Prozent) plant dies aktuell. Lediglich jedes zehnte Unternehmen (zehn Prozent) nutzt Software für vorausschauende Wartung, 15 Prozent planen dies. Und ebenfalls nur zehn Prozent nutzen 3D-Druck, ach Prozent sind derzeit in der Planungsphase. Eine kleine Minderheit von sechs Prozent nutzt Künstliche Intelligenz, kaum mehr (8 Prozent) planen dies. Blockchain ist sogar nur bei 4 Prozent im Einsatz, weitere drei Prozent wollen die Technologie einsetzen. Und auf Drohnen setzen aktuell zwei Prozent, vier Prozent wollen dies bald tun. "Künstliche Intelligenz und Blockchain haben das Potenzial, die Logistik nicht nur effizienter zu machen, sondern komplett zu verändern", sagt dazu Rohleder.

Die Springer-Autoren Christoph Groß und Roland Pfennig beleuchten im Buchkapital "Ihre Herausforderungen in der Logistik" aus dem Buch "Digitalisierung in Industrie, Handel und Logistik" im Detail die Logistikbranche und erklären auch, dass die Digitalisierung eine große Chance darstellt. So zum Beispiel in Hinblick auf Drohnen, die zu einer schnellen Sortierung im Lager führen könnten, wenn man sie richtig einsetzt (Seite 164). "Auf jeden Fall sollte man diese Art von Drohneneinsatz im Auge behalten. Es bleibt interessant zu sehen, wann man Drohnen wirklich in der Masse kostengünstig einsetzen kann", erklären die beiden (Seite 165). 

Weiterbildung für Digitalkompetenz fehlt

Knapp 75 Prozent der Befragten empfinden die Förderung der Digitalkompetenz der Mitarbeiter als essenziell. Allerdings wird nur in einem Viertel der Unternehmen gezielt weitergebildet.

"In den Unternehmen selbst müssen die notwendigen Voraussetzungen für die digitale Transformation geschaffen werden. Mithilfe von Einführungsszenarien müssen Technologien behutsam in Unternehmensabläufe integriert werden. Mitarbeiter können durch neue elektronische Werkzeuge und veränderte IuK-Unterstützung andere Rollen bekommen. Sowohl bei den einzelnen Akteuren im Wertschöpfungsprozess als auch bei der Zusammenarbeit ist ein Wandlungsprozess erforderlich, der einzelne Handlungsfelder im soziotechnischen System aus Mensch, Technologie und Organisation gezielt adressiert", erklärt Wegner (Seite 297).

Das digitale Lager

Schon heute setzen viele Unternehmen mit Logistikprozessen vor allem im Lager auf digitale Technologien. Am verbreitetsten sind in Logistikunternehmen sogenannte Warehouse-Management-Systeme, die bereits 74 Prozent der befragten Unternehmen nutzen.  

Weit abgeschlagen auf Platz drei folgen elektronische Fracht-Begleitdokumente (24 Prozent). Datenanalysen werden lediglich von 20 Prozent der Logistiker genutzt. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz (sechs Prozent), Blockchain (vier Prozent) und Drohnen (zwei Prozent) ist noch verschwindend gering. Eine große Bedeutung messen drei Viertel der Unternehmen zukünftig Online-Plattformen zu.

"Vor allem Technologien, die schon einige Jahre auf dem Markt sind, sind in den Lagerhallen im Praxiseinsatz", so Bitkom-Hauptgeschäftsführer Rohleder. "Wir sehen derzeit unter anderem ein sehr großes Interesse an elektronischen Frachtbegleitdokumenten. Hier bremsen nicht die Unternehmen, es bremst die Politik. Der Gesetzgeber zwingt die Logistiker, immer kiloschwere Aktenordner mit Papierformularen mitzuführen. Frachtpapiere gehören abgeschafft und durch den elektronischen Frachtbrief ersetzt."

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