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Über dieses Buch

Der Band beschreibt die Effekte lokaler Impulse im Bereich Energiegewinnung und Energieversorgung aus den Aspekten unterschiedlicher Wissenschaftsdisziplinen. Lokalen Impulsen fallen unter dezentralen Strukturen eine besondere Rolle zu. Es sind Auswirkungen unter der Perspektive der Technik, Nachhaltigkeit und Gesellschaftsverträglichkeit diskutiert und die spezifischen Struktur- und Organisationsmuster analysiert. Besondere Berücksichtigung erfahren in diesem Buch Windkraft, Contracting, Mini/Mikro-KWK und Intelligente Infrastrukturen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Lokale Innovationsimpulse und die Transformation des deutschen Energiesystems

Zusammenfassung
Durch die politische Forderung nach einer Transformation des Energiesystems ist die Innovationsdynamik und -kapazität des sozio-technischen Systems „Stromversorgung“ in das Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Die generelle Architektur des Systems sowie die damit korrespondierenden großen, zentral oder dezentral auszugestaltenden, technischen Infrastrukturen werden kontrovers diskutiert. In Deutschland gelten lokale Initiativen in Form einzelner Pioniere und Innovatoren als die Motoren eines ökologischen Umbaus der Energieversorgung. Beispiele hierfür sind Bürgerwindparks, Mini-/Mikro-KWK, Contracting oder intelligente Infrastrukturen. Die vier Beispiele für Energieinnovationen verfolgen unterschiedliche Strategien und jeweils spezifische Ziele, die mit einer Transformation des Energiesystems verknüpft sind. Wird es dadurch neue Routinen der Stromversorgung und -verteilung geben, die sich von den bestehenden, vorfindbaren Formen signifikant unterscheiden und von neuen Akteuren getragen werden? Gibt es auf den neu entstehenden bzw. sich verändernden Märkten neue Bewertungen, neue Wettbewerbsregelungen, neue Formen der Kooperation? Kapitel eins beleuchtet die bisherige Rolle lokaler Innovationsimpulse im Transformationsprozess und entwickelt einen analytischen Zugang zur Untersuchung der Feldveränderungen.
Katrin Alle, Ulrike Fettke, Gerhard Fuchs, Nele Hinderer

2. Technische und wirtschaftliche Erfolgsfaktoren für Bürgerwind, Contracting, Mini-/Mikro-KWK und intelligente Infrastrukturen

Zusammenfassung
Im Kapitel 2 werden die technischen und ökonomischen Charakteristika der vier Innovationsimpulse Bürgerwindanlagen, Mini-/Mikro-KWK-Anlagen, über Contracting realisierte Energieversorgungskonzepte sowie der Einsatz intelligenter Infrastrukturen analysiert und aufgezeigt. Sie sind hinsichtlich Stand der Technik, verfügbarer Leistungsbereiche, realisierter Konzepte zur Strom- und Wärmebereitstellung oder Energiegestehungskosten sehr unterschiedlich einzuordnen und im heutigen Energieversorgungssystem unterschiedlich etabliert. Die Analyse umfasst die Darstellung beispielhafter, realisierter Einsatzbereiche der jeweiligen Technologien, technische Ausgangsdaten und Entwicklungspotenziale, typische Wärme- und Stromgestehungskosten sowie ergänzende Sensitivitätsanalysen. Auf dieser Grundlage werden in Kapitel zwei technische und wirtschaftliche Erfolgsfaktoren und Hemmnisse für die Innovationsimpulse abgeleitet und vergleichend gegenübergestellt.
Ludger Eltrop, Marlies Härdtlein

3. Bürgerwindanlagen als Innovationsimpuls – Die Entstehung und Entwicklung situativer lokaler Governance-Arrangements im Kontext der Energietransformation

Zusammenfassung
Vor dem Hintergrund der Transformation des Energiesystems geht der Beitrag der Frage nach, wie situative Governance-Arrangements rund um Bürgerwindprojekte entstehen und sich entwickeln können. Zu diesem Zweck werden zwei Bürgerwindprojekte in bayerischen Gemeinden untersucht und systematisch miteinander verglichen. Der Vergleich der zeitlich unterschiedlich zu verortenden Projekte zeigt Gemeinsamkeiten und Unterschiede hinsichtlich der Schlüsselakteure der Bürgerwindprojekte, deren Handlungskonzepten, den im Projektverlauf auftretenden, prägenden Konflikten sowie der Einflussnahme externer Felder.
Katrin Alle, Ulrike Fettke, Gerhard Fuchs, Nele Hinderer

4. Governance und Innovativität kommunaler Wärmeliefer-Contracting Projekte

Zusammenfassung
Vor dem Hintergrund der Transformation des Energiesystems beschäftigt sich der Beitrag mit Wärmeliefer-Contracting im kommunalen Bereich. Wärmeliefer-Contracting Maßnahmen versprechen eine Reduktion von CO2-Emissionen und Investitionserleichterungen. Derartige Projekte erfordern stets intersektorale Kooperation, wodurch situative Governance-Arrangements entstehen. Die Dienstleistung kann von Energiedienstleistern mit unterschiedlicher Positionierung auf dem Energiemarkt angeboten werden, die wiederum auf regenerative oder fossile Energieträger setzen können. Anhand eines Vergleichs zweier Fälle hinsichtlich ihrer Governance, ihren Ausgangsbedingungen und Herausforderungen sowie ihrer Innovativität wird die mögliche Rolle des Wärmeliefer-Contractings im erwähnten Umbruchsprozess untersucht. Es wird deutlich, inwiefern lokale Konfliktlinien für einen erfolgreichen Realisierungsprozess in der kommunalen Governance berücksichtigt werden müssen und welche Probleme durch die Auslagerung originär staatlicher Leistungen entstehen können.
Ulrike Fettke

5. Mini-/Mikro-KWK als Innovationsimpuls an den Schnittstellen städtischer Energiesysteme

Zusammenfassung
Der Beitrag fokussiert auf die Entwicklungschancen von Mini-/Mikro-KWK Anlagen in urbanen Energiesystemen. Die zentrale Frage ist, welche Chancen für die Etablierung von Mini-/Mikro-KWK auf dieser Ebene bestehen. Dazu werden verschiedene Umsetzungsprojekte von Mini-/Mikro-KWK in Berlin und im Ruhrgebiet analysiert. Die fördernden aber auch hemmenden Rahmenbedingungen für die Entwicklungschancen von Mini-/Mikro-KWK liegen dabei sowohl auf überlokaler, als auch auf lokaler Ebene. Die Ergebnisse zeigen, dass die überlokale Ebene und das bestehende Energiesystem eher nicht zur Diffusion von Mini-/Mikro-KWK als Innovationsimpuls im Energiesystem beitragen, was nicht zuletzt durch die Fragmentierung innerhalb des Energiesystem und die damit entstehenden Konfliktlinien begründet ist. Die Erfolgsfaktoren, die dennoch eine Realisierung von Mini-/Mikro-KWK ermöglicht haben, liegen vielfach in den Situationen und Handlungen der Akteure auf urbaner Ebene und zeigen lokal angepasste Umgangsmöglichkeiten mit den hemmenden Rahmenbedingungen auf.
Susanne Schubert

6. Intelligente Infrastrukturen. Lokale Antworten auf Herausforderungen in einem fragmentierten Energiesystem

Zusammenfassung
Die Transformation des deutschen Energiesystems geht nicht nur mit einer Veränderung der Energieträgerstruktur einher, sondern erfordert auch eine Neugestaltung politischer Rahmenbedingungen und energiewirtschaftlicher Logiken. Angesichts des großen Anteils fluktuierender erneuerbarer Energien besteht eine wesentliche Herausforderung darin, Intelligente Infrastrukturen auszubauen, um zeitliche und räumliche Flexibilitäten nutzen zu können. Aufgrund der damit verbundenen großen Zahl relevanter Akteure muss energiepolitische Governance vor allem Koordinations- und Integrationsprozesse ermöglichen. Der Beitrag illustriert, dass die etablierten politisch-wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im nationalen Energieregime sich durch einen hohen Fragmentierungsgrad auszeichnen und beschreibt ein ausgeprägtes Spannungsfeld im Hinblick auf diese neue zentrale Steuerungsaufgabe. Am Beispiel mehrerer lokaler Fallstudien in zwei Untersuchungsräumen wird ausgeführt, mit welchen Handlungsressourcen und -strategien städtische und private Akteure Defizite des nationalen Energieregimes ausgleichen können und welche Handlungsrestriktionen beharrlich die Entwicklung des Innovationsimpulses auf lokaler Ebene hemmen.
Stefan Scheiner

7. Lokale Innovationsimpulse im europäischen Mehr-Ebenen-System

Zusammenfassung
Der Beitrag analysiert die Einbettung lokaler Innovationsimpulse in die europäische Multi-Level-Governance (MLG). Auf theoretischer Ebene zeigt er auf, wie der Ansatz der MLG lokale Innovationsimpulse berücksichtigt, das heißt welche Rolle als Impulsgeber und Impulsnehmer er lokalen Innovationsimpulsen über die lokale Governance Ebene hinaus zuspricht. Der Beitrag bettet lokale Innovationsimpulse empirisch über die Wahrnehmung von Akteuren auf den unterschiedlichen Governance Ebenen ein. Mit Hilfe einer inhaltsanalytischen Interpretation von Interviews mit Expertinnen und Experten auf europäischer, nationaler und lokaler Ebene kategorisiert und kontrastiert er Einschätzungen zu lokalen Innovationsimpulsen als Objekte und Subjekte der europäischen MLG, sowie zu den Chancen und Hindernissen für lokale Innovationsimpulse, die aus der europäischen MLG erwachsen. Der Beitrag schließt mit dem Hinweis auf den Bedarf an mehr Aufmerksamkeit für normative Aspekte von Partizipationserwartungen in der wissenschaftlichen und politischen Auseinandersetzung mit MLG im Kontext der Energiewende.
Doris Fuchs, Antonia Graf

8. Geschäftsmodellansätze für Mini-/Mikro-KWK und intelligente Infrastrukturen

Zusammenfassung
Die Innovationsimpulse intelligente Infrastrukturen und Mini-/Mikro-KWK sind zentrale Elemente der Transformation des Energiesystems. Die Transformation des Energiesystems kann allerdings nur gelingen, wenn sich für die beteiligten Akteure vorteilhafte Geschäftsmodelle entwickeln lassen. Die geänderten Rahmenbedingungen im Energiesektor bewirken einen Wandel in den Geschäftsmodellen in der gesamten Bandbreite des Energiesystems: Bewährte Geschäftsmodelle müssen an die veränderten Gegebenheiten angepasst werden. Es ergeben sich wiederum Optionen für neue Geschäftsmodelle. In dem Beitrag werden neue oder angepasste Geschäftsmodellansätze identifiziert und systematisch strukturiert. Während sich intelligente Infrastrukturen derzeit in der Entwicklungs- und Einführungsphase befinden und verschiedenen Marktakteuren Gelegenheiten bieten, völlig neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, wird die Mini-/Mikro-KWK Technologie bereits seit einigen Jahren wirtschaftlich eingesetzt. Dies spiegelt sich auch in der Ableitung der Erfolgsfaktoren und Handlungsempfehlungen wider.
Philipp Jahnke, Roland Monjau, Henri Dziomba

9. Politik für die Energiewende – Handlungsempfehlungen für die Innovationsimpulse intelligente Infrastrukturen und Bürgerwindanlagen

Zusammenfassung
Der Beitrag stellt die Ergebnisse eines Gruppendelphi-Prozesses zu den Innovationsimpulsen Intelligente Infrastrukturen und Bürgerwindanlagen vor. Im Rahmen eines Forschungsprojektes bestand das Gruppendelphi aus einer Onlinebefragung und einem daran anknüpfenden, eintägigen Präsenzworkshop. Dabei wurden einzelne Handlungsempfehlungen zur Verstetigung und Diffusion der beiden Innovationsimpulse von Expertinnen und Experten kritisch überprüft, modifiziert und anschließend bewertet. Die entsprechenden Handlungsempfehlungen wurden aus Vorarbeiten des Forschungsprojekts sowie aus Praxisworkshops mit Stakeholdern aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft abgeleitet. Das Ergebnis des Gruppendelphi-Prozesses ist ein Ranking der Handlungsempfehlungen anhand der Expertenbewertungen hinsichtlich ihrer erwarteten Wirksamkeit sowie Umsetzbarkeit. Ziel dieses Beitrages ist es, einerseits die inhaltlichen Ergebnisse des Gruppendelphi darzustellen und andererseits ein Umsetzungsbeispiel transdisziplinärer Forschung, also der Integration von Stakeholdern, Praxisakteuren und Vertretern verschiedener wissenschaftlichen Disziplinen, näher zu beschreiben.
Annika Arnold, Marco Sonnberger

10. Zusammenfassung: Situative Governance und die Transformation des deutschen Energiesystems

Zusammenfassung
Das System der Stromerzeugung und Stromverteilung in Deutschland befindet sich einer Phase der Transformation. Welchen Beitrag kann die Soziologie zur Analyse der Transformation leisten? Im abschließenden Kapitel werden sowohl grundsätzliche Überlegungen zur Leistungsfähigkeit soziologischer Erklärungen angesichts dieser Herausforderung angestellt, wie die Ergebnisse der Einzelarbeiten resümierend und vergleichend interpretiert. Von besonderer Bedeutung ist dabei eine Auseinandersetzung mit dem Konzept der „situativen Governance“. Weder das Energie“system“ noch das System der Stromversorgung präsentiert sich als ein geschlossenes System, das nach einheitlichen Prinzipien funktioniert. Koordination von Handlungen (Governance) findet situativ auf der Basis des intentionalen Handelns von Akteuren und deren Interpretation von institutionellen Beschränkungen statt. Die institutionellen Beschränkungen werden von den Akteuren über die vier analysierten Innovationsimpulse hinweg als (zunehmende) Behinderung für innovatorisches Handeln wahrgenommen.
Gerhard Fuchs

Backmatter

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