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21.07.2015 | Luft | Im Fokus | Onlineartikel

Zusätzliche Lärmpause am Frankfurter Flughafen optimiert

Autor:
Julia Ehl
2:30 Min. Lesedauer

Die Anwohner des Frankfurter Flughafens sollen mehr Ruhe bekommen. Zahlreiche Modelle wurden diskutiert. Ein datenbankbasierter Lösungsansatz zeigt, welche Variante am meisten entlastet und wird derzeit getestet.

Fast 60 Millionen Passagiere und über 2 Millionen Tonnen Luftfracht wurden 2014 am Frankfurter Flughafen abgefertigt. Das weltweit bedeutende Luftverkehrsdrehkreuz beschäftigt mehr als 80.000 Personen und ist damit einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region. Dennoch macht die Lärmbelästigung den Anwohnern zu schaffen. Erklärtes Ziel der hessischen Landesregierung ist die weitere Verminderung des Fluglärms. Neben dem sechsstündigen Nachtflugverbot soll eine zusätzliche Lärmpause die Nachtruhe um eine Stunde verlängern. Erreicht werden soll damit, dass alternierend von 22 Uhr bis 5 Uhr oder 23 Uhr bis 6 Uhr außen nicht mehr als 58 Dezibel und in Innenräumen nicht mehr als 43 Dezibel auftreten.

Auswahl der Varianten

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Das hessische Verkehrsministerium hat zusammen mit der Deutschen Flugsicherung, dem Flughafenbetreiber Fraport und der Deutschen Lufthansa 256 Varianten für die Nutzung der Start- und Landebahnen identifiziert, die nach sicherheitstechnischen, wirtschaftlichen und betrieblichen Gesichtspunkten bewertet wurden. Fünf Modell zeigten sich als tauglich für den Probebetrieb. Diese Modelle mussten im Anschluss hinsichtlich der zu erwartenden Lärmbelastung bzw. –entlastung für die Anwohner untersucht werden. Hierzu wurden die GIS- und Reportingsoftware Cadenza der Disy Informationssysteme GmbH und die Datenbanktechnologie von Oracle Spatial verwendet.

Datenbankbasierter Lösungsansatz für die Bewertung der Modelle

Bei der Untersuchung der Modelle wurden die Gemeindegrenzen und soziodemographische Daten mit den Ergebnissen der Fluglärmberechnungen verschnitten und diese mit der Bevölkerungsdichte unterlegt. Günter Lanz, Geschäftsführer der unabhängigen  Informationsstelle "Umwelt- und Nachbarschaftshaus in Kelsterbach" lobt das Verfahren: "Dieser Ansatz in Verbindung mit der integrierten Auswertung von Sach- und Geodaten in Cadenza, war ein entscheidender Vorteil bei der Bewertung der fünf Varianten. Denn dadurch konnten die Daten nicht nur kartographisch aufbereitet und analysiert, sondern es konnte am Ende des Analyseprozesses auch mit einer Tabelle kommunenscharf bilanziert werden, wie viele Menschen je Modellvariante entlastet, belastet oder nicht betroffenen sind. Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Vorteil war die grafische Ergebnisdarstellung mittels in Cadenza erzeugten Verschneidungskarten. Erst sie machen es vielfach möglich, tabellarische Ergebnisse optisch nachvollziehen und verstehen zu können."

Modell 4 entlastet am meisten Anwohner

Das Modell 4 hat bei den Untersuchungen die meisten Entlastungen ergeben. Das Modell gibt vor von 22 Uhr bis 24 Uhr Landungen nur auf der Südbahn, Starts nur von der zentralen Bahn und von 18-West durchzuführen und zwischen 5 Uhr und 6 Uhr Landungen nur auf der Nordwest-Bahn und der zentralen Bahn, Starts nur von der Südbahn zu erlauben. Durch diese Vorgaben werden im Rhein-Main-Gebiet 105.000 Menschen entlastet und 65.000 Menschen belastet. Erprobt wird das Modell seit Einführung des Sommerpflugplans Ende April.

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Quelle:
Ingenieurakustik