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21.03.2023 | M&A-Management | Nachricht | Online-Artikel

Schweizer Großbankenhochzeit sorgt nur bedingt für Ruhe

verfasst von: Angelika Breinich-Schilly

2:30 Min. Lesedauer

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Für die Aufsichtsbehörden in Europa sind die Übernahme der Credit Suisse durch ihre Konkurrentin UBS sowie weitere Liquiditätshilfen logische Schritte, um die Finanzstabilität zu gewährleisten. Auch wenn die Märkte aufatmen, verschwindet die Unsicherheit der Anleger nicht gänzlich, meinen Finanzmarktexperten.

In einer aktuellen gemeinsamen Mitteilung betonen die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB), der Einheitliche Abwicklungsausschuss (SRB) und die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA), dass der europäische Bankensektor widerstandsfähig ist und eine robuste Kapital- und Liquiditätsausstattung aufweist. Sie begrüßen die Übernahme der in Schieflage geratenen Credit Suisse durch die zweite Schweizer Großbank UBS sowie die begleitenden Liquiditätsstützen des Staates. Auch EZB-Chefin Christine Lagarde hatte sich nach Bekanntwerden der Übernahmeentscheidung positiv zu der Rettungstransaktion geäußert.

"Im Abwicklungsrahmen, mit dem die vom Finanzstabilitätsrat nach der Weltfinanzkrise empfohlenen Reformen in der Europäischen Union umgesetzt werden, ist unter anderem die Reihenfolge festgelegt, nach der Anteilsinhaber und Gläubiger einer in Schieflage geratenen Bank Verluste zu tragen haben", so die Aufsichtsbehörden. Es sei vorgesehen, dass zur Verlustabsorption zunächst die Instrumente des harten Kernkapitals eingesetzt werden. "Erst nach deren vollständiger Nutzung wäre die Abschreibung von Instrumenten des zusätzlichen Kernkapitals erforderlich. Dieser Ansatz wurde in zurückliegenden Fällen einheitlich verfolgt und wird auch in Zukunft das Handeln des SRB und der EZB-Bankenaufsicht bei der Krisenintervention bestimmen."

Viel Kritik an erzwungener Übernahme

In der Schweiz rief die Rettung des Instituts allerdings laute Kritik hervor. Trotz der Betonung der politischen Führung, dass es sich um einen privatwirtschaftlichen Deal handele, ist dieser doch vor allem durch staatliche Intervention getrieben. Die letztlich behördlich erzwungende Übernahme mache die UBS "erst recht" zu groß, um unterzugehen, mahnt die "Neue Züricher Zeitung". "Ein Zombie ist weg, doch ein Monster entsteht", titelte das Flagschiff der Eidgenössischen Presse. Die Folge des grösser gewordenen staatlichen Schutzes sei, dass die Politik künftig bei wichtigen Entscheidungen verstärkt mitreden wolle. Der Züricher "Tages-Anzeiger" nannte die Transaktion einen "historischen Skandal".

Unter Beschuss steht unter anderem die Entscheidung der Credit Suisse, trotz eines Verlusts in Höhe von 7,3 Milliarden Franken Bonis und Gehaltserhöhungen an Mitarbeiter auszahlen zu wollen. Ob tatsächlich Geld fließen wird, ist derzeit ungewiss.

An den Aktienmärkten in den USA und in Deutschland ist allerdings zunächst ein wenig Entspannung zurückgekehrt. Sowohl die wichtigsten Indizes an der Wall Street als auch der Deutsche Aktienindex (DAX) erholten sich infolge der Nachrichten aus der Schweiz und schlossen mit einem Plus.  

Experten rechnen nicht mit systemischer Krise

Dennoch können die "hohe Volatilität und Unsicherheit" noch eine Weile andauern, vermuten die Ökonomen der Commerzbank in einem aktuellen Kapitalmarktkommentar. Von einer systemischen Krise gehen sie aber nicht aus und betrachten die bisherigen Marktreaktionen als übertrieben. Auch bei der Landesbank Baden-Württemberg glauben die Experten, dass die aktuelle Furcht der Marktteilnehmer vor einer EU-Systemkrise, "die wir schon vor dem jetzigen Ereignis nicht geteilt haben", erst einmal nachlassen wird. Dass sie "gänzlich verschwindet", davon gehen sie erst ein Mal nicht aus.


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