Skip to main content
main-content

25.04.2019 | M&A-Management | Interview | Onlineartikel

"Mit Fusionen ist man als Bank lange beschäftigt"

Autor:
François Baumgartner
Interviewt wurde:
Professor Dr. Tobias Berg

ist Associate Professor für Finance an der Frankfurt School of Finance & Management. Er war Juniorprofessor an der Universität Bonn sowie Gastforscher an der Stern School of Business, New York University (NYU) und der Europäischen Zentralbank.

Wenn sich Geldhäuser Fusionen bewältigen, verpassen sie dieser Zeit möglicherweise deutlich interessantere Geschäftsmodelle. Warum, das erklärt Branchenexperte Tobias Berg im Gespräch mit Springer Professional.

Springer Professional: Beurteilen Sie in der Rückschau der deutschen Bankengeschichte Fusionen deutscher Großinstitute?

Tobias Berg: Bislang gab es keine durchgehenden Erfolgsstories. Der große Merger zwischen Commerzbank und Dresdner Bank wurde im Zuge der Finanzkrise und der einhergehenden Verluste quasi erzwungen. Beide Institute waren damals nicht profitabel und die kombinierte Commerzbank heute ist es auch nicht. Die Fusion zwischen Deutscher Bank und Postbank war bisher kein durchschlagender Erfolg, weil die erfolgreiche Integration der Postbank ausblieb.

Empfehlung der Redaktion

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Konsolidierung als Antwort auf steigenden Ertrags- und Kostendruck im Bankgeschäft?

Deutsche Banken beklagen seit vielen Jahren den steigenden Ertrags- und Kostendruck und das daraus resultierende hohe Verhältnis von Kosten zu Erträgen. Damit verbunden ist eine relativ niedrige Eigenkapitalrendite.


Welche institutsinternen Vorteile könnten sich durch solche Merger ergeben?

Aus Sicht der Fusionspartner gibt es drei Vorteile. Da gibt es zunächst das große Potenzial für Kosteneinsparungen, weil Sie für bestimmte bankinterne Abläufe nicht mehr so viel Personal brauchen. Darüber hinaus geht eine Fusion mit einer Zunahme von Marktmacht einher, weil ein neues Großinstitut im Bankenmarkt die Wettbewerbsdynamik auf Kosten der Kunden eher abschwächt. Der dritte Vorteil ist der Status Too Big To Fail. Dieser steht für günstigere Refinanzierungsbedingungen und eine implizite Staatsgarantie. Letztere geht, wie uns die Finanzkrise aufzeigte, zu Lasten der Steuerzahler. Und genau das wird oftmals verschwiegen.

Und die Nachteile?

Das Top-Management ist für viele Jahre damit beschäftigt, die fusionserfolgte Integration auf operativer Ebene umzusetzen. Damit bleibt einfach weniger Zeit übrig, neue Geschäftsfelder und innovative Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Der zweite und im Prinzip dauerhaft bestehende Nachteil einer Fusion ist die Zunahme an Komplexität. Diese resultiert aus der Zusammenführung unterschiedlicher Geschäftsmodelle und Kundengruppen. Die Erfahrung in Deutschland und Europa zeigt uns jedoch auf, dass vor allem Banken mit einem klaren, einfachen und kundenfokussierten Geschäftsmodell am Markt reüssieren. Diese sind profitabler und werden daher an der Börse auch besser bewertet.

Wie sollte ein Change-Management aussehen?

Man sollte sich optimalerweise auf einen Best of Two Worlds Ansatz einlassen und die besten Systeme, Strategien und Prozesse für die neue Gesamtbank übernehmen. Das scheitert in der Realität aber oftmals an bankinternen Grabenkämpfen und am Kampf um Posten im Zuge des geplanten Stellenabbaus. Nicht selten ist der vorgenannte Ansatz nach der Fusion damit nur schwer durchsetzbar.

Welche Chancen und Gefahren sehen Sie noch?

Eine Chance für Kunden wäre der mögliche Zugang zu einem größeren Allfinanzangebot. Aber es gibt auch sogenannte Diseconomies of Scale, die etwa im Firmenkundengeschäft relevant sein könnten. Das wäre möglicherweise bei einem Zusammenschluss der Deutschen Bank und der Commerzbank gegeben, weil sich Firmenkunden nur ungern auf eine Bank verlassen. Hier würden viele Firmenkunden sich eine weitere Geschäftsbank suchen. Die Folge: Nach der Fusion könnte die neue Großbank insgesamt weniger Kunden oder Volumen haben als dies in der Summe bei beiden Kreditinstituten zuvor der Fall war.

Wie beurteilen Sie Fusionen bei kleinen Instituten?

Viele Sparkassen und Volksbanken merken, dass sie Probleme haben, Fixkosten abzudecken. Wenn die Betriebsgröße zu klein ist, kann man nicht mehr profitabel wirtschaften. Dann kann ein Merger im zu prüfenden Einzelfall durchaus Sinn machen. Außerdem schont man bei diesen Fusionen Kunden und Steuerzahler. Der Grund: Der Aufbau von Marktmacht und das Too Big To Fail Prinzip spielen hier keine Rolle.

Welche strategischen Alternativen gäbe es für die beiden letzten deutschen Großinstitute Deutsche Bank und Commerzbank noch?

Die aus Sicht einer Bank profitablen Kunden sind im deutschen Markt häufig bei Genossenschaftsbanken und Sparkassen zu finden. Darunter leiden die beiden Großbanken. Deshalb sollte man Geschäftsfelder wählen, in denen Genossenschaftsbanken und Sparkassen nicht so aktiv sind. Überdies gibt es lukrative Geschäftsmodelle, die bereits von anderen Wettbewerbern erfolgreich besetzt werden. Hierzu zählen der Zahlungsverkehr, E-Commerce, standardisierte und einfache Produkte ohne großes Filialnetz sowie die Ansprache neuer und webaffiner Kundengruppen. Kurzum: Mit Fusionen ist man als Bankinstitut lange beschäftigt. Während dieser Zeit verpasst man vielleicht deutlich interessantere Geschäftsmodelle.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Das könnte Sie auch interessieren

Premium Partner

    Bildnachweise