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15.04.2019 | M&A-Management | Im Fokus | Onlineartikel

Unternehmensverkäufe im Mittelstand scheitern oft an der Bewertung

Autor:
Sylvia Meier

Der Verkauf von kleinen und mittelständischen Unternehmen scheitert oft an unterschiedlichen Kaufpreisvorstellungen. Dabei gibt es bewährte Methoden der Unternehmensbewertung, die eine Preisfindung erleichtern.

Viele mittelständische Unternehmen müssen sich derzeit mit der Frage der Unternehmensnachfolge befassen. Bei dem Eigentümer besteht zwar oft der Wunsch, das mühevoll aufgebaute Lebenswerk innerhalb der Familie in sicheren Händen zu wissen. Das ist in der Realität aber nicht immer umsetzbar. Sind die Kinder noch zu jung oder verfolgen andere Karrierepläne, steht der Firmenchef vor der Frage: Was soll aus dem Unternehmen werden? 

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) gibt in ihrem Nachfolgereport 2018 an, dass sich 2018 mehr als 6.600 Senior-Unternehmer an die Kammer gewandt haben, um sich bei der Nachfolgeproblematik begleiten zu lassen. Fast jeder zweite hatte zu diesem Zeitpunkt keinen Nachfolger in Sicht. In vielen Fällen scheint ein Unternehmensverkauf die ideale Lösung zu sein, um das Geschäft weiter am Leben zu halten und die Arbeitsplätze der Mitarbeiter zu sichern. Doch auch Interessenten, die gerne als Nachfolger ein Unternehmen übernehmen wollen, brauchen Hilfe:

  • 4.321 ließen sich daher von der Kammer beraten.
  • 70 Prozent dieser Interessenten gaben an, noch kein passendes Unternehmen gefunden zu haben.

Senior-Unternehmer bewerten zu hoch

Doch warum finden beide Parteien so schlecht zusammen? Oft sind die Eigentümer schlichtweg noch nicht vorbereitet auf eine Übernahme. Neben emotionalen Hürden hat die DIHK-Analyse ermittelt, dass 42 Prozent einen überhöhten Kaufpreis fordern. Die Eigentümer scheitern also an einer realistischen Unternehmensbewertung. 

Gerade für den Verkäufer ist dies eine komplexe Aufgabe. Für ihn geht es nicht nur darum, Fakten zu berechnen. Er will in der Regel für das eigene Lebenswerk einen Kaufpreis festlegen. Jahrzehntelanges Arbeiten, Erfolge und Misserfolge auf eine Zahl zu reduzieren, fällt vielen schwer. Für Dritte ist der so gefundene Wert daher nicht wirklich einschätzbar. 

Empfehlung der Redaktion

2019 | OriginalPaper | Buchkapitel

Spezifische Merkmale und Besonderheiten von KMU

Trotz ihrer wesentlichen Bedeutung in der Praxis der Unternehmensbewertung wurden KMU in der betriebswirtschaftlichen Theorie lange Zeit als Forschungsschwerpunkt vernachlässigt, da ihnen keine Besonderheiten im Vergleich zu Großunternehmen beigemessen wurden.


Bereits die Ermittlung der Vermögensgegenstände ist bei kleinen oder mittleren Unternehmen (KMU) oft schwierig. Die Springer-Autoren Susann Ihlau und Hendrik Duscha zeigen in ihrem Buchkapitel "Besonderheiten bei der Bewertung von KMU", dass mittelständische Unternehmen vor allem durch die sie führende Persönlichkeit geprägt sein können. Oft ist es nicht leicht, die betriebliche und private Sphäre zu trennen (Seite 118): "Bei der Ermittlung der künftigen finanziellen Überschüsse des Unternehmens und der Ausschüttungen an die Gesellschafter bzw. Entnahmen ist auf eine klare Abgrenzung des Bewertungsobjektes von der privaten Vermögenssphäre der Gesellschafter zu achten. Nicht selten befinden sich Vermögensgegenstände, die die wesentliche Grundlage für die Erzielung finanzieller Überschüsse auf Unternehmensebene sind, im Privatvermögen des Unternehmers."

KMU sollten kapitalwertorientierte Verfahren anwenden

Bei Personengesellschaften können Sonderbilanzen wichtige Hinweise zu betriebsnotwenigen Vermögensgegenständen liefern. Generell muss jedoch bei der Vorbereitung eines Unternehmensverkaufs genau ermittelt werden, welche Vermögensgegenstände betriebsnotwenig und die Eigentumsverhältnisse sind. Diese Prüfung ist übrigens nicht nur auf der Aktivseite der Bilanz erforderlich für Gegenstände, wie beispielsweise Maschinen oder Grundstücke. Sie muss auch auf der Passivseite durchgeführt werden, wenn es um die Analyse der Finanzierungs- und Kapitalstruktur geht. 

Bei der Auswahl eines geeigneten Bewertungsverfahrens haben sich nach den Autoren Ihlau und Duscha kapitalwertorientierte Verfahren, wie das Ertragswertverfahren oder das Discounted Cash Flow (DCF)-Verfahren, besonders bewährt. "Bei den kapitalwertorientierten Bewertungsverfahren sind die geplanten finanziellen Überschüsse, die das Unternehmen in der Zukunft erwirtschaften kann, Grundlage der Bewertung", erklären Ihlau und Duscha in "Grundlagen der Unternehmensbewertung" (Seite 17). 

Verkäufer und Käufer sollten auf Beratung setzen

Die Autoren bezeichnen die Unternehmensbewertung auch als Königsdisziplin der Betriebswirtschaft. Unternehmen und Interessenten sollten sich daher beraten lassen. Das kann dem Käufer im Anschluss auch bei der Suche nach der passenden Finanzierung helfen. Immerhin gaben 54 Prozent der Übernahmeinteressenten laut der DIHK-Analyse an, mit Finanzierungsschwierigkeiten zu kämpfen. 

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