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03.05.2018 | M&A-Management | Infografik | Onlineartikel

M&A-Geschäft im Bankensektor abgeebbt

Das Transaktionsvolumen beim Geschäft mit Fusionen und Übernahmen im deutschen Bankensektor ist 2017 mit einem Volumen von drei Milliarden Euro praktisch eingeschlafen. Auf die gesamtdeutsche Wirtschaft bezogen, wird der Abwärtstrend jedoch laut ZEW durch drei größere M&A-Aktivitäten im Januar 2018 aufgefangen.

Länderübergreifende Transaktionen bei den Kreditinstituten innerhalb der Europäischen Union sind fast vollständig zum Erliegen gekommen. Ihr Anteil fiel von knapp 25 Prozent im Jahr 2007 auf jährlich unter zehn Prozent seit 2010. Zu diesem Ergebnis kommt das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim in seinem M&A-Index Deutschland auf Basis der Zephyr-Datenbank von Bureau van Dijk. Danach schließen sich aktuell vor allem kleinere, regionale Banken auf nationaler Ebene zusammen. In der Hochphase vor dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 sind mit Fusions- und Übernahme-Geschäften in der Bankenbranche 2006 rund 116 Milliarden Euro und 2007 immerhin noch 91 Milliarden Euro umgesetzt worden.

Banken haben vor allem den Heimatmarkt im Blick

"Selbst Großbanken konzentrieren sich in ihrer Geschäftstätigkeit oft auf den Heimatmarkt und sind nur eingeschränkt in anderen Ländern der EU tätig", sagt Lea Steinrücke, Wissenschaftlerin im ZEW-Forschungsbereich "Internationale Finanzmärkte und Finanzmanagement". Zwar ermunterten die Regulierer europäische Banken verstärkt zu länderübergreifenden M&A-Transaktionen, doch "offensichtlich bisher ohne großen Erfolg".

Insgesamt, so bestätigt der M&A-Index, sei die Zahl von Fusionen und Übernahmen mit deutscher Beteiligung auch im laufenden Jahr tendenziell rückläufig. Drei größere Transaktionen mit einem Volumen von jeweils über einer Milliarde Euro im Januar 2018 hätten die negative Entwicklung allerdings etwas abgemildert. Hierzu gehört die Übernahme der mittelständischen Wirtgen Group durch die amerikanische Deere & Company mit einem Volumen von über vier Milliarden Euro. Zudem ging die Hamburg Südamerikanische Dampfschifffahrts-Gesellschaft für 3,7 Milliarden Euro von der Oetker-Gruppe an die dänische Maersk. Der dritte Deal war der Kauf der Oldenburgischen Landesbank durch die Bremer Kreditbank für 300 Millionen Euro. Mit diesem Geschäft verabschiedete sich die Allianz von ihren Plänen einer Allianzbank.

Rechtliche Unterschiede zwischen EU-Ländern sind ein Hemmschuh

Warum die Banken derzeit vor allem länderübergreifende Fusions- und Akquisegeschäfte scheuen, daran sei die unvollständige Harmonisierung der regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen in der EU schuld, vermutet ZEW-Spezialistin Steinrücke. Zwar seien die Bankenunion und die Einführung eines einheitlichen Regelwerks, das so genannte Single Rulebook, ein wichtiger Schritt zur Vereinfachung des transnationalen Bankgeschäfts sowie zur Schaffung eines einheitlichen Bankenmarkts. Regulatorische und aufsichtsrechtliche Unterschiede zwischen EU-Ländern bestünden allerdings weiterhin. Hinzu kommen Unklarheiten in der Auslegung neuer EU-Regeln zur Abwicklung multinationaler Banken, Unterschiede im Insolvenzrecht und das Fehlen einer europaweiten Einlagensicherung.

"Alles in allem ist es zweifelhaft, ob es in naher Zukunft zu einer Belebung des M&A-Geschäfts im EU-Bankensektor kommen wird. Daran dürfte auch die Einführung der Bankenunion und die geringe Profitabilität des Sektors so schnell nichts ändern", fasst Lea Steinrücke zusammen.

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