Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Madagaskar quillt über mit Besonderheiten und Superlativen. Den Grund dafür verrät ein Blick in die Geschichte: Madagaskar ist bereits seit 90 Millionen Jahren durch Hunderte Kilometer tiefes Wasser vom Rest der Welt getrennt. Viele Tierarten kommen nur auf der Insel vor. Die Besiedlung erfolgte aus Indonesien, Afrika und dem Nahen Osten. Die Folge ist ein einmaliger multikultureller Schmelztiegel mit faszinierenden Bräuchen. Doch das Inselparadies ist in Gefahr. Madagaskar ist eines der ärmsten Länder der Welt. Existenznot, politische Konflikte und Korruption führen zu großflächiger Zerstörung der Natur.

Lennart Pyritz hat in diesem Buch Beiträge zahlreicher Fachleute versammelt, die in ebenso anschaulicher wie kompetenter Weise die Tier- und Pflanzenwelt, Geschichte, Politik und Kultur der Insel illustrieren. Im zweiten Teil des Buches gibt der Autor einen tagebuchartigen Einblick in persönliche Erfahrungen, die er während mehrmonatiger Aufenthalte als Biologe und Journalist in Madagaskar gemacht hat.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

I

Frontmatter

1. Naturgeschichte und Umweltschutz

Zusammenfassung
Schon die ersten Naturforscher, die Madagaskar besuchten, erkannten die Besonderheit dieser „Schatzinsel der Natur“. Auf Schritt und Tritt begegneten sie unbekannten Tieren, die so exotisch waren, dass sie sie mit Worten aus ihrer Welt nicht zu benennen wussten. Die Madagassen hatten sie wohl aus demselben Grund oft einfach nach den Lauten benannt, die sie von sich gaben: Sifaka, Fossa, Tenrek, Aye-Aye oder Vanga. Der französische Botaniker und Mediziner Philibert Commerson wähnte sich sogar im „Gelobten Land für Naturforscher“. Bis heute hat sich am Staunen der Biologen nichts geändert, denn die Tier- und Pflanzenwelt Madagaskars ist nur mit Superlativen zu beschreiben. Der einsame Vorposten vor der Ostküste Afrikas ist die viertgrößte Insel der Welt und umfasst mit 587.000 Quadratkilometern etwa die Fläche Frankreichs. Dieses relativ kleine Areal ist allerdings bewohnt von fünf Prozent aller beschriebenen Tier- und Pflanzenarten der Erde. Bemerkenswert ist zudem, dass die Mehrzahl dieser Arten endemisch ist, also einzig und allein auf Madagaskar vorkommt. Alle Amphibien und Säugetiere (bis auf wenige vom Menschen eingeführte Arten), 92 Prozent aller Reptilien, 44 Prozent aller Vögel, 74 Prozent aller Schmetterlinge und mehr als 90 Prozent aller Pflanzenarten sind nirgendwo sonst auf der Welt zu finden (Goodman und Benstead 2005). Diese Vielfalt und Einzigartigkeit von Flora und Fauna zeichnen Madagaskar als „Megadiversitätsland“ aus, ein Status, den weltweit nur zwölf Länder erreichen, die mehr als zwei Drittel der auf der Erde lebenden Arten beherbergen (Myers et al. 2000).
Melanie Dammhahn, Lennart Pyritz, Peter Kappeler, Philip-Sebastian Gehring, Miguel Vences, Rainer Dolch, Matthias Markolf, Hanitriniaina Markolf Rakotonirina, Nora Schwitzer, Christoph Schwitzer

2. Geschichte, Politik und Kultur

Zusammenfassung
Jeden Morgen war ich bei Zenaba. Nicht nur, weil sich hier gut frühstücken ließ – Reisküchlein, Kaffee und Tee, alles frisch vor den Augen ihrer Gäste auf einem kleinen Holzkohlegrill zubereitet – sondern auch, um jeden Tag auf ein Neues zu verfolgen, wie sich Zenaba, ihre Gäste und die Passanten begrüßen (◘ Abb. 2.1). In den Grußworten stecken nämlich, diskret verwoben, spannende Botschaften – über sich selbst, über die anderen und über die Gesellschaft. Wer auf Madagaskar zu Grüßen versteht, hat bereits viel über die Bewohner der großen Insel gelernt.
Peter Kneitz, Roland Hilgartner, Mamisolo Raoilison-Hilgartner, Michèle Rakotoson, Eckehart Olszowski, Célestin Razafimbelo, Joachim Enßlin, Harald Gehrig

II

Frontmatter

3. Tagebuch einer biologischen Feldarbeit in Madagaskar

Zusammenfassung
Im Rahmen einer biologischen Doktorarbeit am Deutschen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen war ich insgesamt fünf Mal in Madagaskar. So habe ich etwa 14 Monate auf der Insel verbracht, hauptsächlich auf der Feldstation des DPZ im Kirindy-Trockenwald nahe der Stadt Morondava an der Westküste. Währenddessen habe ich große und kleine Begegnungen mit Mensch und Tier schriftlich festgehalten. In Textboxen zwischen diesen Tagebucheinträgen beschreiben weitere Madagaskarerfahrene ihre wissenschaftlichen Projekte und persönlichen Erlebnisse auf der Insel. Diese Boxen wurden – sofern nötig – für die vorliegende Auflage aktualisiert, spiegeln also den aktuellen Stand wider. Die Tagebucheinträge wurden nicht verändert und zeichnen damit ein Bild der damaligen Zeit – ein Bild, das auch die Entwicklung der Insel seitdem verdeutlicht.
Lennart Pyritz, Claudia Fichtel, Anna Gamero, Klaus Heimer, Elise Huchard, Mia-Lana Lührs, Matthias Markolf, Markus Port, Moritz Rahlfs, Hanitriniaina Rakotonirina, Dietmar Zinner

4. Tagebuch einer journalistischen Recherchereise durch Madagaskar

Zusammenfassung
Die folgenden Einträge sind im Rahmen einer Recherchereise entstanden, die von der Heinz-Kühn-Stiftung finanziert wurde. Anfang 2014 hatte in Madagaskar eine neue Regierung unter Hery Rajaonarimampianina die Macht übernommen. Das Ziel der Reise war es, auszuloten, ob und wie dieser politische Einschnitt einen Neuanfang für Bevölkerung und Natur darstellte. Wie bereits für die anderen Tagebucheinträge angemerkt, gilt auch hier: Die Ereignisse liegen inzwischen mehrere Jahre zurück. Einiges ist dadurch nicht mehr aktuell (inzwischen gibt es zum Beispiel wieder eine neue Regierung in Madagaskar). Nichtsdestotrotz dienen die Texte als Zeitzeugnis, das ein Licht auf die Lage der Insel im Jahr 2014 und ihre Entwicklung seitdem wirft. Wie im ersten Teil sind die Tagebucheinträge ergänzt durch neu verfasste Textboxen, in denen Madagaskarexpertinnen und -experten persönliche Projekte und Erfahrungen auf der Insel beschreiben oder ein im Tagebuch erwähntes Thema vertiefen. Und noch etwas: Ich bin nicht allein auf diese Reise gegangen. Mein damals 70-jähriger Onkel Ernst hat mich kurzentschlossen begleitet. Von ihm stammen auch die meisten Fotos zu den folgenden Einträ gen.
Lennart Pyritz, Kenneth Bowen, Kathrin Dausmann, Rainer Dolch, Claudia Fichtel, Klaus Heimer, Johanna Henke-von der Malsburg, Franziska Hübner, Peter Kneitz, Erik Patel, Maholy Ravaloharimanitra, Markus Verne

Backmatter

Weitere Informationen