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19.10.2012 | Management + Führung | Im Fokus | Onlineartikel

Die Cockpit-Strategie: Zahlen steuern wie ein Pilot

Autor:
Eva-Susanne Krah

Unternehmer brauchen vor allem eines: Den Überblick über aktuelle und zukünftige Zahlen. Das „Unternehmenscockpit“ ist der strategische Steuerstand, aus dem Sie das Unternehmen fortlaufend führen sollten.

 

Das Jahr 2009 hat es mehr als deutlich gezeigt: Unternehmen, die erste Warnzeichen nicht erkannten und über keinerlei Frühwarnsysteme verfügten, haben aufgrund fehlender Steuerung nicht die Chancen genutzt, mit den richtigen Stellschrauben dem Finanzdesaster entgegenzuwirken. Sogenannte „Unternehmens-Cockpits“, die nicht nur im Vertrieb eingesetzt werden – beispielsweise, um die laufenden operativen Geschäfte zu überwachen, helfen auch als Instrument für die ganzheitliche Unternehmenssteuerung. Der Vorteil: Ein Unternehmenscockpit ist nicht nur ein Software-Programm, das Kennzahlen auswirft, sondern ein integratives Werkzeug. Es hilft, die Vergangenheit und auch die Zukunft in bestimmten Kennzahlenstrukturen abzubilden und einen Rundumblick auf die gesamte Geschäftssituation in verschiedenen Kennzahlenbereichen und Unternehmensebenen zu erhalten. Mit der intelligenten Steuerung über ein Unternehmenscockpit können Manager also zum einen direkten Einfluss auf die Entwicklung Ihres Unternehmens nehmen und zum anderen dafür sorgen, dass der Unternehmenswert nachhaltig gesteigert wird.

Steuerungsmodelle gegen Turbulenzen

Welche Folgen ein mangelhafter Einsatz oder das Nichtvorhandensein von strategischen Steuerungsmodellen haben kann, wird im Buch „Das Unternehmenscockpit“ von Arnold Weissman et al. überdeutlich vor Augen geführt: Danach haben allein im 1.Halbjahr des vergangenen Jahres über 17.300 Firmen ihr Ziel in der Steuerung ihres Unternehmens mittels des Unternehmenscockpits verfehlt, denn: Sie mussten am Ende Insolvenz anmelden. Häufiger Grund: hatten im Unterschied zu den Piloten kein „Navigationssystem an Bord, doch das ist unerlässlich“, so Arnold Weissman. In Anlehnung an das Cockpit-Modell eines Piloten, wie es in der Vertriebssteuerung schon seit Jahren eingesetzt wird, sollte nach einem klaren Ablaufplan gehandelt werden. Danach gilt:

  • Das Navigationssystem hält die aktuellen Koordinaten vor (Eigensituationsanalyse)...

  • Das Ziel wird präzise erfasst...

  • Der Weg zum Ziel wird ebenso präzise digital erfasst (Strategie)...

  • Bei Turbulenzen erfolgt eine permanente Kursanpassung, während das Ziel bleibt (Maßnahmen)...

Für Führungskräfte bedeutet dies: Sie haben eine vergleichbare Position wie der Pilot in einem Flugzeug. Sie steuern ihr Gefährt zuweilen durch Turbulenzen, und haben dabei eine äußerst verantwortungsvolle Aufgabe. Anhand des Cockpit-Modells können Unternehmensmanager ständig überprüfen: Befinde ich mich in der operativen und planerischen Unternehmenssteuerung „im sicheren Flug“ oder eher im Blindflug? Gerade, wenn die richtige Strategie für ein Unternehmen entwickelt wurde, das Unternehmen mit den richtigen Mitarbeitern effizient und marktadäquat handelt, der Markterfolg jedoch trotzdem ausbleibt, sind Cockpit-Modelle hilfreich. Sie können klar aufzeigen, wo es Verbesserungspotenziale in der Steuerung gibt. Häufig ergibt sich schon daraus Handlungsbedarf, dass spezielle Cockpit-Maßnahmen zwar beschlossen, aber nicht konsequent durchgeführt wurden. Übliche Modelle funktionieren laut Experten für Unternehmenssteuerung und den Autoren von „Das Unternehmenscockpit“ nach diesen zehn Schritten zur Kennzahlenstruktur:

  1. Genaue Definition der Kennzahlen,

  2. Definition von Zielen,

  3. Festlegen von Ist- und Soll-Größen,

  4. Vergleiche mit den Vorjahren,

  5. Kontrolle der Abweichungen zum Soll,

  6. Kontrolle der Abweichungen zu den Vorjahren,

  7. Ableitung der Ampelfarbe aus dem Zielerreichungsgrad (grün, gelb, rot),

  8. Festlegen von Kennzahlenverantwortlichen,

  9. Definition von strategischen Maßnahmen zur Erreichung der gesetzten Ziele,

  10. Festlegen von Maßnahmenverantwortlichen mit Terminen.

Agieren wie ein Pilot

Je nach Einsatzgebiet des Cockpit-Modells können beispielsweise zentrale planerische Standard-Werte wie  Gesamtumsatz, durchschnittlicher Umsatz und Auftragswert, Rohertrag, Materialkosten, Anzahl der Aufträge, Wert der offenen Posten und ein Plan-Ist-Vergleich integriert werden. Im Hinblick auf die Unternehmensführung erlauben es diese Analysemodelle schließlich, auch einzelne Zielvorgaben für die betroffenen Abteilungen innerhalb der Unternehmenssteuerung abzuleiten und zu kontrollieren. Cockpits sind also echte unternehmerische „Leitstände“.

Strategielandkarte für Unternehmensmanager

Ein Cockpit-Modell zur Unternehmenssteuerung schließt genau die Lücke zwischen strategischer Planung und operativer Umsetzung. Gute BI-Systeme, die Dashboards integriert haben, ermöglichen es,entscheidungsrelevante Informationen transparent und auch abteilungsübergreifend abzubilden. So erhalten die Unternehmensmanager ein multi-dimensionales und strategisches Controlling über sämtliche Geschäftsbereiche. Die strategischen Themen werden dann in operativ greifbare Projekte und Maßnahmen umgesetzt und gemessen. Sie werden auf Ziele für Abteilungen, Gruppen und jeden einzelnen Mitarbeiter heruntergebrochen. Dadurch kennt jeder Mitarbeiter genau seinen Beitrag zum Unternehmenserfolg und die Unternehmensführung sieht frühzeitig, wohin die Entwicklung des Unternehmens geht. Das Unternehmens-Cockpit hilft laut Weissman im Sinne einer „Strategielandkarte“, mit den Perspektiven Markt/Kunde, Prozesse, Mitarbeiter/Führung und Finanzen, die oft abstrakte Strategie in konkrete Handlungen umzusetzen.

Das Cockpit unterstützt außerdem auch dabei, Strategien und Visionen, beispielsweise zur Unternehmensführung, Vertriebssteuerung oder weiteren kennzahlengesteuerten Ziele nicht nur systematisch zu überwachen und -maßnahmen, dies sich aus dem Cockpit ableiten, in die Organisation zu tragen. Es stellt Ziele dar, macht diese messbar und operationalisiert sie durch strategische Maßnahmen. Unternehmenscockpits für Manager mit Steuerungsaufgaben nicht zuletzt als Frühwarnsystem einen strategisch wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg.

Aber wie sagt es der Autor des Buchs Unternehmenscockpits in einem Kapitel so treffend: "Am Anfang steht die Strategie." Und sie kann nur funktionieren, wenn folgende Fragen geklärt sind: Kennen Sie tatsächlich die Stärken und Schwächen Ihres Unternehmens, die Chancen und Risiken? Haben Sie jemals die Visionen und Werte in Ihrem Unternehmen definiert? Kennen Sie Ihren Markt, die Bedürfnisse Ihrer Kunden und Ihre Branche? Wissen Sie, welche künftigen sozialen, technischen, rechtlichen und ökologischen Trends die Zukunft Ihres Unternehmens beeinflussen werden? Haben Sie Ihr Geschäftsmodell entsprechend ausgerichtet? Nur wer diese Fragen schlüssig beantworten kann, ist wohl auf dem Weg zum professionellen Unternehmenscockpit.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2012 | OriginalPaper | Buchkapitel

Cockpit – Steuerstand des Unternehmers

Quelle:
Das Unternehmenscockpit

2012 | OriginalPaper | Buchkapitel

Krisenprävention mit dem Cockpit

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Das Unternehmenscockpit

2012 | OriginalPaper | Buchkapitel

Am Anfang steht die Strategie

Quelle:
Das Unternehmenscockpit

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