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09.02.2015 | Management + Führung | Im Fokus | Onlineartikel

Unternehmensaufsicht ist kein Ehrenamt

Autor:
Anja Schüür-Langkau

Aufsichtsräte haben häufig zu viele Ämter gleichzeitig inne und erfüllen ihre Kontrollfunktion nur unzureichend, so das Ergebnis verschiedener Studien. Für Unternehmen besteht Handlungsbedarf.

Anleger erwarten von Dax-Unternehmen  eine gute und transparente Unternehmensführung und die Einhaltung bestimmter Standards. Aber genau dies erfüllen viele Unternehmen nicht, moniert der deutsche Fondverband BVI. Zusammen mit dem Stimmrechtsberater IVOX hat er untersucht, inwieweit die 160 Dax-Firmen die Analyseleitlinien des BVI für Hauptversammlungen erfüllen.

Dabei kam heraus, dass die Zahl der Verstöße bei der Entlastung von Vorständen auf Hauptversammlungen von fünf auf 24 Fälle gestiegen ist.  Vor allem bemängelt der Verband die intransparente Ausweisung von Vorstandsgehältern.

Ämterhäufung und mangelnde Transparenz

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Aber auch die Aufsichtsräte verstoßen gegen die Transparenz. So werde in den Berichten häufig nicht angegeben, wie oft die Mitglieder an den Aufsichtsrats- und Ausschusssitzungen teilgenommen haben.  Weiter kritisierte der Verband Ämterhäufung und die mangelnde  Unabhängigkeit. Viele Aufsichtsräte hätten so viele Mandate, dass eine echte Kontrolle kaum möglich sei.  Hinzu käme, dass viele Unternehmen ihre Aufsichtsräte aus dem Kreis ihrer Großaktionäre berufen würden. Die Unabhängigkeit ist damit sicher fraglich.

Der Springer-Autor Dieter Hofmann bestätigt die Kritik des BVI. „Man kennt sich, also tut man sich auch nichts – nur so ist die Ämterhäufung bei einer winzigen Elite von Aufsichtsräten zu erklären“, schreibt er in seinem Beitrag „Außer Kontrolle – Warum Deutschland eine neue Generation von Aufsichts- und Beiräten braucht“. Darin zitiert er eine Auswertung der 2011er Geschäftsberichte von Dax-30-Konzernen durch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Danach verfügen die zehn mächtigsten Kontrolleure in Deutschland über 26 Aufsichtsratsmandate in 16 Unternehmen.

Aufsichtsräte werden ihren Aufgaben nicht gerecht

Jüngste Beispiele wie der Fall Middelhoff zeigen, dass die Anforderungen an Aufsichtsräte steigen, die Räte diesen aber kaum gerecht werden. Der Autor benennt die Probleme deutlich (Seite 108). Er kritisiert: 

  • dass manche Räte intellektuell überfordert sind und ihnen selbst einfach Sachverhalte erklärt werden müssen, was zu langatmigen Diskussionen führt

  • dass manche Räte vor allem den Titel und das Geld im Blick haben. Aufsichtsräte in Dax-Unternehmen hätten 2011 durchschnittlich 98.000 Euro erhalten.

  • dass viele Räte immer wieder zu spät in Sitzungen erscheinen und diese dann häufig vor dem offiziellen Ende wieder verlassen.

Unternehmensaufsicht sei „kein Ehrenamt“, schlussfolgert der Autor. Gefordert seien Menschen mit sozialer Kompetenz, die auch mit Konflikten umgehen und Teams moderieren können. Der Kontrolleur hat die Aufgabe, dem Management als beratender Coach zur Seite zu stehen und sollte zur Unternehmenskultur passen. Damit das gelingt, müssen Unternehmen bei der Wahl ihrer Aufsichtsräte klare und transparente Kriterien zugrunde legen.

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