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26.05.2014 | Management + Führung | Interview | Online-Artikel

"Gesundheit von der Stange bringt nicht viel"

verfasst von: Anja Schüür-Langkau

4 Min. Lesedauer
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In Zeiten des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels sollte Gesundheit zur Chefsache werden, sagt Simon Hahnzog im Interview. Er rät Unternehmen zu einer gesundheitsfördernden Kommunikationskultur und einer lösungsfokussierten Führung.

Warum müssen sich Unternehmen heute verstärkt um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter kümmern?

Der demografische Wandel führt in Deutschland in den nächsten Jahrzehnten dazu, dass die Beschäftigten immer älter und damit anfälliger für Krankheiten werden. Zudem verändern sich die Belastungen – insbesondere psychische Erkrankungen nehmen am Arbeitsplatz in den letzten Jahren stetig zu. Damit die Belegschaft auch im Alter noch aktiv und produktiv sein kann, müssen Arbeitgeber die betriebliche Gesundheit gestalten. Andernfalls werden sie Schwierigkeiten mit der Nachbesetzung von offenen Stellen haben, ganz zu Schweigen vom zunehmenden Fachkräftemangel. IT-Programmierer, viele Stellen in Pflege- und Erziehungsberufen oder auch bei ausgewählten Handwerksberufen sind schon heute kaum noch zu besetzen, so dass die Unternehmen hier gefordert sind, ihre Beschäftigten gesund und nachhaltig an sich zu binden. Die Aktualität der Thematik hat auch der Gesetzgeber erkannt, der beispielsweise seit Anfang 2014 im Arbeitsschutzgesetz eine psychische Gefährdungsbeurteilung für alle Unternehmen in Deutschland vorschreibt.

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Welche Maßnahmen im Gesundheitsmanagement fördern eine positiv wahrgenommene Unternehmenskultur am stärksten?

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, um ein gesundes Unternehmen zu gestalten. Drei der bedeutendsten Aspekte sind dabei sicher. Erstens: Gesundheit ist Chefsache. Damit betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) im Unternehmen gelingt, muss von der Spitze an ein gesundes Unternehmen gelebt werden. Zweitens: Gesundheit geht alle an. Es kommt weniger darauf an, an einer bestimmten Stelle im Unternehmen mit BGF zu beginnen. Wichtig ist, dass überhaupt gestartet und alle Mitarbeiter beteiligt werden. Drittens: Gesundheit ist individuell. Gefährdungen für die Gesundheit gestalten sich in jedem Unternehmen anders. BGF muss daher an jedes Unternehmen individuell angepasst werden – "Gesundheit von der Stange" bringt nicht viel.

Welchen Einfluss hat die Führungskompetenz der Manager auf die Gesundheit der Mitarbeiter?

Das unmittelbare Führungsverhalten der Vorgesetzen ist einer der bedeutsamsten Einflussfaktoren auf die Gesundheit der Mitarbeiter. Eine Führungskraft kann durch ihr Verhalten sowohl eine enorme Belastung als auch eine entscheidende Stütze sein – je nachdem wie professionell und reflektiert sie agiert. Dies hat nicht zuletzt auch wirtschaftliche Auswirkungen auf die ökonomische Nachhaltigkeit des gesamten Unternehmens. Trainingsmaßnahmen zu „Gesunder Führung“ oder auch Begleitung durch Coaching sollten daher in jedem Unternehmen zu einer Selbstverständlichkeit der Führungskräfteentwicklung werden.

Wie bewerten Sie insgesamt die Kommunikationskultur in deutschen Unternehmen?

So global lassen sich sicher nicht alle Unternehmen über einen Kamm scheren – vor allem, weil die Möglichkeiten und Ansprüche an Kommunikation zwischen einem Kleinunternehmen und einem Großkonzern sehr verschieden sind. Je kleiner das Unternehmen, desto unmittelbarer und individueller ist Kommunikation möglich – je größer, desto standardisierter sollten Kommunikationsstrukturen gestaltet sein. Beides hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Insgesamt lässt sich festhalten, dass eine Professionalisierung der Kommunikation in Kombination mit einer gesundheitsförderlichen Kommunikationskultur entscheidende Faktoren für ein gesundes Unternehmen sind. Daher ist es sehr empfehlenswert, sich mit dem Thema bewusst und konstruktiv auseinanderzusetzen.

Was würden Sie Unternehmen empfehlen, die eine lösungsorientierte Kommunikation in ihrem Haus fördern möchten?

Ganz häufig wird nach folgendem Grundsatz Feedback gegeben: Nichts gesagt, ist gelobt genug. Zumindest erlebe ich das oft in Beratungen oder Trainings. Diese Vorgehensweise hat einerseits zur Folge, dass Mitarbeiter demotiviert werden, weil sie nur über schlechte Leistungen Rückmeldung erhalten. Andererseits wissen sie nach dem Feedback auch nicht besser, wie sie das Problem beim nächsten Mal lösen sollen. An diesem Beispiel wird deutlich, welchen Mehrwehrt eine Kommunikation bieten kann, die statt dem Problem die Lösung und statt dem Konflikt die Kooperation in den Vordergrund stellt. Um das zu fördern, bedarf es einer Kulturveränderung im Unternehmen: Lösungsorientierung kann nicht vorgeschrieben, sondern muss gelebt werden. Damit das möglich wird, müssen alle Beteiligten in ihrem Kommunikationsverhalten geschult werden, und nicht zuletzt bedarf es einer elementaren Führungshaltung: Vertrauen.

Zur Person
Prof. Dr. Simon Hahnzog lehrt als Wirtschaftspsychologe an der Hochschule Fresenius in München unter anderem das Themenfeld der Betrieblichen Gesundheitsförderung. Als Geschäftsführer der hahnzog-organisationsberatung unterstützt er klein- und mittelständische Unternehmen darin, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesund, leistungsfähig und motiviert zu erhalten. In seinem neuen Buch "Betriebliche Gesundheitsförderung" erläutern verschiedene Experten detailliert die unterschiedlichen Aspekte des Themas.
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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2014 | OriginalPaper | Buchkapitel

Lösungsfokussierte Führung

Quelle:
Betriebliche Gesundheitsförderung

2014 | OriginalPaper | Buchkapitel

Fit im Mitarbeitergespräch

Kommunikationstraining für Führungskräfte
Quelle:
Betriebliche Gesundheitsförderung

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