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13.05.2014 | Management + Führung | Schwerpunkt | Online-Artikel

Die Überwindung der Burnout-Kultur

3:30 Min. Lesedauer

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Der Zusammenhang von Leistung und Gesundheit findet in Unternehmen noch zu wenig Beachtung. Ein Paradigmenwechsel ist nötig, fordert Springer Autor Peter Buchenau in einem Gastbeitrag. Denn gesunde Mitarbeiter leisten einfach mehr.

Gesundheit wird zukünftig als Produktivitätsfaktor in Unternehmen betrachtet werden. Dieses wird weitreichende Auswirkungen für das Verständnis von nachhaltiger Leistung und die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels im Management voraussetzen. Neue Führungsinstrumente wie zum Beispiel eine gesundheitsbewusste Führungsmethode werden etabliert und als Leitidee für die Weiterentwicklung von betrieblichem Gesundheitsmanagement verankert.

Das Phänomen Burnout wurde anfangs bei helfenden Berufen wie zum Beispiel bei Krankenschwestern, Ärzten oder Psychologen beobachtet. Etwas später kamen dann auch die Leistungsträger im wirtschaftlichen Bereich wie Führungskräfte, Selbstständige und Unternehmer hinzu. Vereinfacht gesagt handelt es sich beim Burnout-Syndrom um eine zunehmende Überlastung durch Arbeit aus einer einseitigen „Übermotivation“ heraus. Diese betroffenen Menschen überfordern dann in ihrer tatsächlichen Leistungsfähigkeit und Energie sich zunehmend mehr und mehr. Unbemerkt leiten sie einen sozialen Rückzug ein, Desinteresse an Kontakten entsteht, geraten mehr und mehr in die Erschöpfungsspirale und erkranken psychisch und psychosomatisch. 

Die Angst der Arbeitnehmer

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Die letztendlich krank machenden Einflüsse kommen hier aus den Organisationen des Unternehmens oder den Verwaltungen selbst und nicht aus der „falschen Einstellung“ des einzelnen Arbeitnehmers. Permanente Erreichbarkeit durch mobile Kommunikation und Infrastruktur, zunehmender Leistungsdruck, zunehmendes Tempo der Reorganisationen und zunehmend virtuelle Arbeitsbeziehungen greifen immer tiefer in die Lebenssituation des Einzelnen ein.

Der Arbeitnehmer hat in der Regel keinen geregelten Feierabend mehr, er hat auch das Gefühl, dass er nie genug arbeitet, wird zu wenig gelobt und auch hat er durch stetige Wechsel im Management keine vertraute Ansprechperson mehr. Der Arbeitnehmer hat Angst.

Die Frage, die sich jede Führungskraft stellen muss ist, wie können die Unternehmen aber auch sie selbst diese Burnout-Kultur überwinden? Bis heute sind es die Führungskräfte gewohnt, nur in den Kategorien Gesundheit oder Krankheit zu denken. In Zukunft wird der Zusammenhang von Gesundheit und Leistung betrachtet werden.

Gesundheit heißt in dieser zukünftigen Betrachtungsweise, der Mensch ist in Balance. Dies ist die Voraussetzung für nachhaltige Leistung und der positive Gegenpol zum Burnout. Nachhaltige Gesundheit zu identifizieren und weiter zu entwickeln sind künftige Führungsaufgaben.

Der Paradigmenwechsel der Zukunft

Das Zusammenspiel von Leistung und Gesundheit ist in den bisherigen Managementansätzen nicht etabliert. In den bisherigen Ansätzen geht es hauptsächlich nur um das kurzfristige maximale „Abgreifen“ von Leistung und Gewinn. Eine Integration von Leistungsfähigkeit und der Gesundheit eines Einzelnen, ist dabei eher rein zufällig. Wann der Einzelne letztendlich mit seiner Aufgabe überfordert ist, wird erst bemerkt, wenn die Leistungsfähigkeit und Produktivität sinkt.

Daher ist eine Abkehr vom derzeitigen Managementverständnis nicht nur unbedingt notwendig, sondern diese Abwehr ist zudem als eine Weiterentwicklung oder Investition zu betrachten. Einzelne Führungskräfte haben dies zwischenzeitlich erkannt und versuchen gesundheitsintegrierte Führung in ihren Unternehmen einzuführen. Leider aber oft nur mit schwachem oder schleppenden Erfolg.  Größter Hemmschuh sind dabei die anderen Managementkollegen, welche nicht das Rückgrat haben, der einen Führungskraft zu Seite zu stehen, um gemeinsame Verbesserungen zu erreichen.

So wird deutlich, warum die bisherigen Managementansätze, welche die Integration von Gesundheit und Leistung betreffen, weder für das Management oder die Mitarbeiter noch für die Unternehmen und Organisationen produktiv oder sinnvoll sind. Der notwendige Paradigmenwechsel in Zukunft muss heißen: Weg vom Kriterium „kurzfristiges maximales Abgreifen“ hin zum Kriterium „nachhaltige Leistung durch Gesundheit“. Gesunde Mitarbeiter, Führungskräfte und auch Unternehmer leisten einfach mehr.

Zur Person
Peter Buchenau ist Autor, Kabarettist und Dozent an Hochschulen sowie Unternehmer aus Leidenschaft. Seinen Karriereweg startete er als Führungskraft bei internationalen Konzernen im In- und Ausland, bis er schließlich 2002 sein eigenes Beratungsunternehmen gründete. Sein breites und internationales Erfahrungsspektrum macht ihn zum gefragten Experten und Redner.

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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2014 | OriginalPaper | Buchkapitel

Burnout: Therapiemöglichkeiten für Ausbrenner

Quelle:
Das Burnout-Syndrom

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