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08.12.2015 | Management + Führung | Interview | Onlineartikel

"In Deutschland fehlt eine Entrepreneurs-Bildung"

Autor:
Andrea Amerland
Interviewt wurde:
Prof. Dr. Anabel Ternès

ist Leiterin des Instituts für Nachhaltiges Management in Berlin.

Wer ein Unternehmen gründen möchte, muss einige Hürden überwinden. Welche Faktoren für den Erfolg eines Start-ups ausschlaggebend sind und wie Probleme vermieden werden können, beschreibt Anabel Ternès im Interview.

Springer für Professionals: Sie haben für Ihr Buch "Start-ups international: Gründergeschichten rund um den Globus" Gründer interviewt und die Gespräche wissenschaftlich analysiert. Start-ups gelten als sexy, schreiben Sie in der Einleitung. Warum?

Anabel Ternès: Im Gegensatz zu traditionellen Unternehmen in altbekannten Branchen im Offline-Geschäft versteht man unter Start-ups zumeist Unternehmen, bei denen das Internet einen großen Anteil an der Geschäftsidee hat. Internet-Unternehmen gelten als jung, schnell, international, bunt, innovativ und erfolgreich. Viele denken dabei an das vielfarbige Logo von Google, an Design und Apple-Computer, an flexible Arbeitsumfelder mit ansprechenden Räumen, an junge Gründer in Jeans und Kapuzenjacke wie Mark Zuckerberg, die schnell und einfach Millionen verdienen, aber auch an eine Family- & Friends-Atmosphäre, wo Mitarbeiter mehr Freunde als Kollegen sind und die Arbeit selbst Spaß machen darf. Start-ups starten oft mit wenig Geld, dafür mit viel Enthusiasmus, Leidenschaft für die eigenen Ideen und Raumlösungen, die experimentell sind und privat anmuten. Start-ups vermitteln den Traum vom schnellen vielen Geld, das mit coolen Inhalten und in Kooperation mit spannenden Leuten verdient wird.

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Start-ups international: Gründergeschichten rund um den Globus

Erfolgsfaktoren, Motivationen und persönliche Hintergründe

Was macht erfolgreiches Gründen aus? Und wie wird man eigentlich zum Gründer? Start-up-Gründer aus der ganzen Welt wurden für dieses Buch zu ihrer Kindheit, ihrer Unternehmensgeschichte und zu ihrer Motivation, ihren Krisen und ihren Erfolgsgeheim


Was bewegt Menschen, ein Unternehmen zu gründen?

Anabel Ternès: Es gibt unterschiedliche Beweggründe. Allen voran steht eine Idee, ein Engagement, etwas mitzuteilen, zu realisieren, umzusetzen, zu bewegen, voranzutreiben, letztendlich auch, etwas zu verändern. Gründer sprechen oft von dem Drang, etwas Eigenes zu machen, wo sie den Weg und das Ziel bestimmen können, die Freiheit zu haben, das Was, Wie und Wann zu bestimmen. Selten hört man den Wunsch, nur schnell viel Geld verdienen zu wollen. Häufig fassen auch mehrere junge Menschen, die sich nahe stehen, den Entschluss zusammen, ein Unternehmen zu gründen und dabei miteinander etwas aufzubauen. Auch gibt es Gründer, die etwas entworfen haben, konfiguriert, gebaut, geschaffen, aus der Mathematik, Medizin, Biologie und andere Disziplinen und nun wissen wollen, ob das auch in der Realität funktioniert. Da steckt dann ein bisschen Spieldrang dabei, Risikofreudigkeit, aber wiederum auch Innovationsdrang und Leidenschaft.

Welche Erfolgsfaktoren lassen sich aus den Gründungs-Geschichten ableiten?

Da gibt es viele, die auf verschiedenen Ebenen liegen. Sozial steht oft an erster Stelle: das Team sollte miteinander funktionieren, sich ergänzen und auch in Krisenzeiten zueinander halten. Dann spielt auch das soziale nähere Umfeld eine wichtige Rolle: wird der Gründer von seiner Familie in seinem Vorhaben unterstützt? Sind seine Freunde aus dem Gründerumfeld bzw. selbst Gründer? Dann spielen die Ressourcen eine wichtige Rolle: Wie viel Zeit, Geld und Energie kann ein Gründer in sein neues Business hineingeben? Auch das wirtschaftliche Umfeld kann ausschlaggebend sein: ist der Gründer mit seinem Start-up an der richtigen Stelle zur richtigen Zeit, also da, wo die Bedarfe sind oder leicht geschaffen werden können?

Was sind die größten Probleme, an den Gründungen scheitern?

Das falsche Team ist oft ein großes Problem. Man ist mit einer Formation gestartet und hat zu viele Leute im Team, oder ein Team aus Leuten mit den gleichen Kompetenzen, die sich nicht ergänzen, sondern eher gegeneinander konkurrieren, oder einer ist dabei, der sich mit durchschleifen und die anderen arbeiten lässt. Der kurze Atem ist auch ein häufiges Problem: Durchhalten und Wiederaufstehen nach negativen Erfahrungen, Rückschlägen, Scheitern. Manchmal wurde auch nicht umfassend recherchiert und das Business hat geringe Chancen, sich am Markt zu etablieren. Auch das schnelle Wachstum kann ein Start-up zum Scheitern führen, wenn die Strukturen nicht mitwachsen oder der familiäre Zusammenhalt und Antrieb plötzlich verlorengeht.

Der Gründungselan in Deutschland ist geringer als in anderen Ländern. Was bremst ihn?

Wir haben hier in Deutschland eine unglaublich große Auswahl an Beratern und Fördermittelangeboten – oft verlieren sich Gründer in den Angeboten und die Angebote richten sich zu wenig am dynamischen Unternehmensaufbau, zum Beispiel wenn ein Antrag mehrere Monate braucht, ehe er in die Bearbeitung geht. Auch die German Angst mag immer noch eine Problematik darstellen, dass man sich fürchtet zu scheitern und dann ein schlechtes Image zu haben. Auch haben wir hier einen regulierten Arbeitsmarkt, einen häufig sehr schwachen Wissens- und Technologietransfer. In Deutschland fehlt eine Entrepreneurs-Bildung und von außen betrachtet wird immer wieder erklärt, das Land habe eine zu wenig ausgeprägte Scheitern- und Gründungskultur. Dazu kommt noch, dass sich weit weniger Frauen und Personen mit Migrationshintergrund trauen, ein Unternehmen zu gründen.

Wie kann das Gründungsklima hierzulande positive beeinflusst werden?

Wie immer ist es nicht damit getan, eine Initiative an einer Stelle zu setzen. Die Thematik ist vielfältig und genauso vielfältig sollten auch die Maßnahmen sein, um das Klima zu optimieren. Zum einen sind hier die Bildungsträger gefragt. Ein Gründertyp hat bestimmte Eigenschaften: Selbstbewusstsein, Kreativität, Durchhaltewillen, Intuition und so weiter – diese kann man schon früh fördern, im Kindergarten, in der Schule. Es gibt zwei Bereiche von Skills. Wenn man beide beherrscht, hat man gute Voraussetzungen, ein Start-up erfolgreich zu realisieren. Das sind zum einen die persönlichkeitsorientierten Skills, zu denen gehört: eine Vision haben, einen Mentor finden, ein Team zusammenstellen und aufbauen, ein gutes Zeitmanagement haben, die richtige Work-Life-Balance finden, die richtigen Prioritäten setzen und eine starke Persönlichkeit aufbauen. Dann ist aber auch die Ausbildung wissensbasierter Skills, wie Marketing, Finanzen, sowie Informations- und Wissens-Know-how zentral wichtig, um das Gründungsklima nachhaltig so zu beeinflussen, dass der Gründungselan bedeutend zunimmt. Zusätzlich steckt Gründerelan an – das macht Tandem-/ Mentoringprogramme ebenso sinnvoll wie Netzwerkveranstaltungen, bei dem Gleichgesinnte zusammenkommen, voneinander lernen, sich und die Community aufbauen.

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