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20.10.2014 | Management + Führung | Im Fokus | Onlineartikel

Mit der Generation 45plus die Onlinebranche rocken

3 Min. Lesedauer

In der Onlinebranche arbeiten überwiegend 20- bis 29-Jährige. Die Branche boomt, doch es gibt wenig junge Nachwuchskräfte am Markt. Birgitt Klempin, HR-Manager bei Conversant, fordert ein radikales Umdenken.

Die Onlinebranche erinnert mich manchmal an das Nachtleben. Mal abgesehen von den obligatorischen „Ü40-Partys“ trifft man in den Bars und Clubs fast ausnahmslos Twens und einige "Thirty Somethings" an – genau wie in der Online-Branche. Und tatsächlich: Der subjektive Eindruck täuscht nicht. Zwar arbeiten laut Bundesverband digitale Wirtschaft (BVDW) hierzulande in der Onlinebranche über eine halbe Million Menschen, aber nur sechs Prozent sind älter als 50 Jahre. Wer die 40 überschritten hat, ist häufig aus dem Jobkarussell herausrotiert. Ich frage mich so manches Mal: Wohin nur? Immerhin geht es hier um erfahrene und hoch qualifizierte Fachkräfte. Doch sie sind häufig aus dem Blickwinkel der Personaler geraten. Stattdessen stürzen sie sich alle wie die Lemminge auf die jungen Nachwuchskräfte. Das führt jedoch in eine Sackgasse: Wir befinden uns im demografischen Wandel. Einerseits wird die berufstätige Generation immer älter, andererseits wachsen immer weniger junge Führungskräfte nach.

45plus im Abseits

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Doch warum balgen sich alle um die Twens, wenn es doch auch zahlreiche ältere Experten auf dem Markt gibt? Zu Unrecht wird die Generation 45plus von Personalern häufig vergessen. Vorbehalte, sie würden womöglich zu hohe Gehälter fordern und auf eine allzu ausgeglichene Work-Life-Balance bestehen, sind völlig ungerechtfertigt. Auch die Annahme, ältere Arbeitnehmer könnten sich nur schwer jüngeren Führungskräften unterordnen, ist ein hartnäckiges Vorurteil. Sie sind es gewohnt, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Statt bequem, festgefahren und besserwisserisch – wie gerne behauptet – sind sie flexibel, motiviert und lernwillig. Und: Sie haben häufig schon den einen oder anderen Karriereknick hinter sich. Man kennt die Geschichten: StartUps werden verkauft, Firmen umstrukturiert oder Medien eingestellt. So etwas prägt den Charakter.

Vorteile älterer Arbeitnehmer werden unterschätzt

Doch die allgemeine Skepsis gegenüber älteren Arbeitnehmern zeigt, dass die Onlinebranche noch viel reaktionärer denkt als sie sich tatsächlich eingesteht. Klar, alle kultivieren hippe Einrichtungen, pflegen einen lockeren Umgangston und sind "always on" in den sozialen Netzwerken. Man will sich abgrenzen von der Old Economy. In den Personalabteilungen der Online-Companies tut man das nicht: Man agiert wie – sagen wir mal – eine konventionelle Unternehmensberatung: Hauptsache jung. Von einem bunten Mix mehrerer Altersgruppen ist nichts zu spüren. Dabei liegen die Vorteile der Altersgruppe 45plus auf der Hand: Sie verfügen über langjährige Berufserfahrung und behalten auch in turbulenten Zeiten einen kühlen Kopf. Sie stehen mitten im Leben und ihre Familienplanung ist in der Regel abgeschlossen. Darüber hinaus sind sie im hohen Maße sozial kompetent: im Umgang mit Kollegen, Kunden und Vorgesetzten.

Mix aus Jung und Alt sichert den Unternehmenserfolg

Unternehmen der Onlinebranche verschenken hier wertvolle Potenziale, wenn sie sich diesen Fachkräften und Quereinsteigern nicht öffnen. Natürlich müssen Lebenslauf, Fähigkeiten und Persönlichkeit zur ausgeschriebenen Stelle sowie zum Unternehmen passen. Aber ein Mix aus Jung und Alt kann langfristig den Erfolg eines Unternehmens sichern. Also liebe Kollegen: Werft eure Vorbehalte über Bord und rockt doch mal mit der Generation 45plus das Nacht- bzw. Berufsleben.

Zur Person

Birgitt Klempin arbeitet als HR-Manager bei Conversant, einer weltwelt tätigen Datenplattform für personalisiertes Online Marketing. In ihrer Funktion verantwortet sie seit 2007 das gesamte Personalwesen des Unternehmens. 

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Quelle:
Lebensphasenorientierte Personalpolitik

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